Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Das Nippel-Kompensat

Hadmut
3.3.2017 23:26

Eine Leserin hat mir über ein Erlebnis geschrieben. [Nachtrag]

Ich hatte doch gerade darüber geschrieben, dass dieser übertriebene Feminismus, diese Moral- und Gerechtigkeitsdrescherei wahrscheinlich nur eine Kompensationshandlung für das eigene soziale Fehlverhalten ist. Wenn das Belohnungszentrum im Hirn sagt, dass man sich mies verhält, füllt man eben an anderer Stellung Psychozucker nach.

Besagte Leserin schreibt mir, dass sie neulich im Zug saß, ihr gegenüber ein Mann, ansonsten jede Menge Yuppie-Mütter der Sorte „jung, schön, erfolgreich“. Leider waren die nicht erfolgreich, was Erziehung anging, die Kinder haben sich laut Beschreibung katastrophal aufgeführt, Krach gemacht, Dreck gemacht, rumgerannt und so weiter. Weil die Leserin aber ihre Ruhe haben und für sich bleiben wollte, hat sie sich ihre Ohrstöpsel ins Ohr, Musik an, Augen zu, abgeschaltet. Nicht um die Umgebung gekümmert.

Aber, ach.

Bald bekam sie mit, dass zwischen dem Mann und den Müttern ein Streit entbrannt war, die sich da zunehmend lauter fetzten. Sie nahm deshalb die Ohrhörer raus und stellte zu ihrer Verblüffung fest, dass der Streit sich um sie drehte. Der Mann hatte auf ihre Nippel geschaut, gab das auch offen „Na, und!?“ zu, und die Mütter wollten ihn dafür rösten.

Nun sei, so schreibt mir die Leserin, die ich noch nie persönlich gesehen habe, ihre Physiologie etwas ungewöhnlich und außerhalb der Norm, verfügt sie doch über dauersteife große Nippel und eine Vorliebe für weiche, fließende Kleidung. In Kombination führe das dazu, dass ihre Merkmale so optisch sehr auffällig und exponiert daherkommen, alle beide. Sie selbst scheint davon nicht so begeistert, ich halte es für bewundernswert. Der Mann im Zug offenbar auch. (Man hat ja auch schon in diversen Videos nachgewiesen, dass Frauen noch schlimmer sind, nicht nur den Blick nicht mehr abwenden können, sondern sogar gleich das Handy zücken, wenn ihnen große steife männlich-charakteristische Körpermerkmale unter Stoff gewahr werden.)

Nun, sagen wir es so: Ich kann für den Mann kollegiales Verständnis aufbringen. Schon der Altmeister der Aktfotografie, Helmut Newton, war sich der enormen Bildwirkung keck emporstrebender Nippel bewusst. Ich habe vor langer Zeit, in der Frühzeit meines fotografischen Schaffens, mal irgendwo einen Film über eine Fotosession von Newton gesehen, und war sehr erstaunt darüber, dass auch der ungeheuer schummelte, und da auch nicht alles echt war. Einem Model mit eher veganer Figur zog der ein knallenges elastisches Kleid an, dann war ihm da zuwenig Fleisch dran, und dann holte der aus seinem Sortiment von Kunstmöpsen – Loriot wusste schon, dass das Leben ohne Möpse möglich, aber sinnlos ist – Exemplare der beeindruckenden Kategorie mit Mördernippeln heraus, packte die da einfach rein, und das Ergebnis war … Brüller.

Seit ich mich also meinen frühen Aktstudien widmete, führte ich im Fotokoffer deshalb stets – rein aus Respekt und Ehrerweisung gegenüber Newton, obwohl ich der Überzeugung bin, dass Günter Blum besser fotografieren konnte – ein Tütchen mit künstlichen Hartgummi-XXL-Nippeln und dicken Höfen mit, um im Falle des Bedarfs für die bildqualitätssteigernden Ausbuchtungen zu sorgen.

Allein, das Utensil kam nie zum Einsatz. Das Tütchen ist heute noch original eingeschweißt und das Gummi längst dem Zahn der Zeit durch Alterung zum Opfer gefallen (insofern entspricht die Nachbildung durchaus dem biologischen Vorbild), trotzdem hat es sich schon unzählige Male als nützlich erwiesen, denn schon das bloße Vorzeigen des Tütchens aus dem Fotokoffer führte ausnahmslos immer zu großer Heiterkeit und nicht selten dazu, dass sich der gewünschte Effekt auf natürliche Weise einstellte. Andere Fotografen setzen da auf Eiswürfel, aber sowas führe ich nicht regelmäßig mit mir.

In besonderer – vornehmlich optischer – Erinnerung geblieben ist mir auch eine Kommilitonin, die wir intern, heimlich und ohne ihr Wissen auf den Spitznamen Weng Zeng getauft hatten. Was keineswegs, wie man glauben könnte, aus dem Chinesischen stammt, sondern aus dem Schwäbischen, es ist eine Verbal(l)hornung von „A weng zueng“ (deutsch: Ein wenig zu eng). Eingehandelt hatte sie es sich, abgesehen davon, dass sie sehr nett und beliebt war, durch drei Eigenschaften. Die erste war, dass sie überaus vorteilhaft und sehenswert mit phantastisch-drallen Rundungen gesegnet war und sich auch überaus attraktiv zu bewegen wusste. Die zweite war, dass sie dies noch enorm durch ihre überaus figurbetonende Kleiderwahl verstärkte, die immer „ein wenig zu eng“ ausfiel. Die dritte Eigenschaft war, dass ihre Nippel eine so enorme Varianz aufwiesen, wie ich sie in dieser Ausprägung vorher nie und auch hinterher nie wieder gesehen habe. Innerhalb weniger Minuten konnte die sich von komplett flach und nicht vorhanden zu massiv und zweistufig herausstehenden eisenharten Mörderdingern entwickeln (und zurück), die auch knallenge Kleidung problemlos in eindrucksvoller und schattenwerfener Weise ausbuchten konnten. Weng Zeng hatte keine Geheimnisse, was ihre Gemüts- und Erregungszustände betraf. Was bei Kleopatra die Nase, waren bei Weng Zeng ihre Nippel. In Bezug auf Informatik wäre mir ihr nichts im Gedächtnis geblieben.

Man kann die optische Wirkung hervorstehender Nippel gar nicht hoch genug einschätzen.

Aber ich schweife ungebührlich ab. Kehren wir zurück zur Begebenheit in diesem Zugabteil.

Besagter Mann hatte also die besagten Nippel besagter Leserin so intensiv betrachtet, dass besagte Mütter sich daran gestört und Streit mit ihm angefangen hatten. Er gab offen zu, dass er sich die Nippel angesehen hätte und dass er dabei nichts fände.

Nun könnte man vermuten, dass sich die Leserin, die mir schrieb, durch den Mann sexuell belästigt fühlte.

Das war aber nicht so.

Sie versicherte mir aber (und ansonsten hätte sie mir die Story ja gar nicht erst geschrieben), dass ihr das herzlich egal sei und sie das wegen ihrer permanent errigierten Nippel längst gewohnt ist, und ihr der Sinn eher nach Ruhe stand. Besagte Mütter scherten sich aber nicht darum, ob sie das überhaupt störte, übergingen sie einfach, und stritten sich lauthals mit dem Mann.

Nun ist die Leserin aber von der eigenwilligen Sorte und beansprucht die Luft-, Meinungs- und Entscheidungshoheit über ihre Nippel grundsätzlich, vollständig und ausnahmslos für sich selbst. Zu Recht, wie ich hinzufügen möchte. Sie will außerdem selbst entscheiden, woran sie sich stört und woran nicht.

Sie mischte sich also in den Streit ein und verkündete, dass sie sich daran nicht störe, und Ruhe einkehren möge. Woraufhin die Mütter auf sie losgingen und ihr vorschreiben wollten, dass es sie stören müsse. Der Mann habe zu lange „geglotzt“, das müsse stören. Nur war der glotzende Mann an der ganzen Situation anscheinend das einzige, was die Leserin nicht störte. Alles andere schon.

Wie es der Zufall wollte, stiegen sie dann auch alle am gleichen Bahnhof aus, die Mütter gifteten und schimpften, und man tauschte noch gegenseitige verbale und gestenhafte Beleidigungen aus.

Wesentlich an der Geschichte sei, so die Leserin, dass diese Mütter und ihre Kinder sich unmöglich benommen haben, alle gestört, Krach, Lärm, Dreck, die Sitze verschmiert, Müll herumliegen lassen, einfach rundherum inakzeptabel, und das überhaupt nicht gemerkt haben. Sie haben massiv alle um sich herum belästigt und in Streitigkeiten verwickelt, und anstatt sich zu benehmen, sich ungefragt in Angelegenheiten anderer Leute eingemischt und als die Guten, Edlen und Gerechten aufgespielt.

Ich finde diese Schilderung überaus interessant.

Denn sie zeigt einen Effekt, den ich schon so oft beobachtet habe, nämlich diese Verschiebung im Sozialverhalten (und der Belohnungsfunktion im Hirn). Das Sozialverhalten findet überhaupt nicht mehr bei den Leuten selbst statt, denen ist das längst völlig egal, ob sie alles verdrecken und vermüllen und alle stören und belästigen. Deren (eingebildetes) Sozialverhalten findet ausschließlich bei anderen statt, indem sie sich permanent und – meines Erachtens – krankhaft in die Angelegenheiten anderer Leute einmischen, als müssten sie ihr persönliches Wohlverhalten extern, bei anderen erledigen. Dieses Externalisieren findet man oft, ich habe ja schon so oft beschrieben, dass diese Leute für sich selbst nicht mehr verantwortlich sein wollen und immer anderen die Verantwortung für ihr eigenes Handeln zuschieben, sich dann aber die Verantwortung für das Handeln anderer aneignen.

Mich erinnert das enorm an das Messie-Syndrom. Es gibt Leute, deren Wohnung komplett und bis oben hin vermüllt ist und bestialisch stinkt, die aber ihren Nachbarn nachspionieren, ob die bei sich alles blitzeblank sauber halten.

Je mehr und je länger ich mich damit beschäftigte, desto stärker komme ich zu der Vermutung, oder eigentlich schon Überzeugung, dass dieser moderne Feminismus, dieser Genderismus, diese Sexismus-Fixierung nichts als eine epidemische psychische Erkrankung ist.

Es bestätigt aber noch einen anderen Eindruck, den ich schon lange habe: (Zu) Viele junge Frauen haben sich unter dem Einfluss des Feminismus zu wandelnden Charaktermüllhaufen entwickelt, mit denen man überhaupt nichts zu tun haben möchte. Ich habe im feministischen Umfeld so viele von denen erlebt. Und die sind da auch noch stolz darauf, halten sich für emanzipiert und „empowered“, wenn sie sich benehmen wie Kotzbrocken. Viele halten sich für modern und emanzipiert, bei Licht betrachtet können sie sich nur einfach nicht benehmen und halten das für eine erstrebenswerte Norm.

Und die „erziehen“ dann Kinder.

Nachtrag: Ein Leser hat mir gerade noch einen interessanten Hinweis dazu geschickt. Ein gewisser Theodore Dalrymple, wer auch immer das sein mag, soll zu einer ähnlichen Erkenntnis (Sozialverhalten wird bei anderen, aber nicht bei sich selbst ausgeübt) gekommen sein. In einer Zitatliste von seinen Aussprüchen findet sich die Aussage

“A curious reversal in the locus of moral concern has taken place: people feel responsible for everything except for what they do.”

“Claiming a Right to Murder”; The Spectator; March 30, 1996

Genau das sieht man ja ständig im Feminismus. Die glauben, sie sind für wirklich alles zuständig, nur nie für ihr eigenes Handeln verantwortlich.