Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Auflösungen

Hadmut
9.10.2016 12:18

Ich schulde dem geneigten Leser noch die Auflösungen für ein paar bekloppte Blog-Artikel.

Wie schon erwähnt wollte ich nicht so offen schreiben, dass ich gerade in der Weltgeschichte unterwegs bin. Deshalb habe ich so ein paar Artikel um die Ecke geschrieben. Manche haben’s kapiert, manche nicht. Weil die Hinweise eben „kontextabhängig” waren und davon abhingen, welchen Wissensstand man hat.

Angefangen hat’s ja mit dem Wunsch, „mal beim Afrikaner zu essen”, und ein Stückchen zu fahren, weil’s hier keinen um die Ecke gibt. Deshalb war ich auch mit einem car2go-Smart unterwegs, weil ich viel Gepäck dabei hatte, aber keine Lust, den Krempel durch die öffentlich-rechtlichen zu schleppen (und mir vielleicht noch was klauen zu lassen), oder das eigene Auto 3 Wochen am Flughafen zu parken. Was zunächst als pfiffige Idee erschien, aber insofern blöd ist, weil der Flughafen außerhalb des car2go-Bereichs liegt und man dort die Autos nur an einem speziellen Parkplatz an einer Tankstelle abstellen darf (und zudem pro Fahrt einen Flughafen-Zuschlag von knapp 5 Euro löhnt), es aber völlig unklar bleibt, wie man das Gepäck von diesem Parkplatz zum Flughafen bringen soll. Beim Hinflug hatte ich Glück, weil mich ein freundlicher Mitarbeiter von Europcar, die zusammen mit Daimler car2go betreiben, und der gerade einen Mietwagen dort durch die Waschanlage gefahren hatte, mit zum Flughafen nahm. Auf dem Rückflug hatte ich „Pech”, weil mein eingechecktes Gepäck in Schiphol nicht schnell genug umgeladen werden konnte und ich deshalb nur mit meinem Bordgepäck angekomen war.

Naja, jedenfalls hatte ich mich auf der Hinfahrt zum Flughafen schon gewundert, dass sich das Bremspedal anfühlt, als würde man in einen großen Hundehaufen treten, und als ich an eben dieser Tankstelle ausstieg, merkte ich dann, dass es nicht am Auto, sondern an den Schuhen lag und mir die rechte Sohle schon beim Aussteigen davonflog. Ich dachte erst, ich schaffe es mit den Schuhen vielleicht noch bis zum Zielflughafen oder wenigstens bis zum Abflughafen, tatsächlich habe ich es mit den Schuhen aber nicht mal mehr zum 5 Meter entfernten Müllcontainer geschafft, und sie dann da spontan auch direkt entsorgt, schade um die Schuhe, die waren prima (sorry an car2go, ich habe nicht alle Krümel aus dem Fußraum zusammenklauben können. Hier gibt’s übrigens ein Video von Lowa zur Neubesohlung.) und meine Sandalen aus dem Gepäck geholt. War aber eigentlich schon der Hinweis, denn wer geht schon mit Wanderschuhen ins Restaurant und nimmt noch Ersatzschuhe mit dahin?

Und warum bekam ich auf dem Weg „zum Afrikaner” französisches Essen? Weil ich mit Air France geflogen bin und in Paris Charles de Gaulle umgestiegen bin.

Ja, dann die komische Shopping-Mall, in der es Pizza, Asia-Nudeln, Fisch, Hamburger, Pommes, McDonalds, aber eben kein afrikanisches Essen gab, war keine geringere als die „Mall of Africa”, die größte, schönste, neueste, tollste, superlativste Shopping Mall von Afrika, nagelneu, alles vom Feinsten, nicht weit weg von meiner Unterkunft im Außengürtel von Johannesburg, 10 Minuten mit dem Taxi. Drei Dinge wollte ich da: Neue Wanderschuhe, afrikanisches Essen und eine Prepaid-Karte für’s Handy. Nur die Handy-Karte habe ich bekommen, das andere nicht, weil das zwar eine große, edle und schöne, aber stinklangweilige und nutzlose Shopping-Mall ist, wie es inzwischen tausende auf der Welt gibt, alle gleich. Mode-Schnickschnack, Staubfänger, die einschlägigen Luxusmarken. Nur eben nichts mehr, was man wirklich brauchen kann. So Lifestyle-Scheiß eben. Proben edler handgemachter duftender Luxus-Seife hat man mir geschenkt. (Einfach besser waschen kann man sich trotzdem mit der billigen Standardseife, die man in jedem Hotel bekommt.) Entsprechend wenig war dort los, die Verkäufer sitzen rum und langweilen sich.

Der Afrikaner, bei dem ich dann essen war, war einfach das Restaurant des Hotels, in dem ich für zwei Nächte untergebracht war (die Lodge, die dem Tourenveranstalter gehört und in der sie ihre Gäste normalerweise vor der Abfahrt unterbringen, war ausgebucht, weshalb sie mich in einem – sogar etwas besseren – Hotel in der Nähe untergebracht hatten, der By Bush Telegraph Lodge. Und die können wirklich kochen. Sind aber als Hotel so klein, dass sie nicht ala carte anbieten, sondern an der Rezeption morgens eine Notiz steht, was sie abends kochen, und man bis Mittag sagen muss, ob man es auch haben will oder nicht, und das gibt es dann eben um Punkt 19:00. Sehr gut, sehr lecker, hohe Qualität. Aber ausgerechnet an den zwei Abenden, als ich dort war, nicht typisch afrikanisch.

Der nächste Artikel war der Hinweis auf die Südweststadt. Die „Süwesta”. Einer der bekanntesten Orte in Afrika, nämlich der Stadtteil South Western Township in Johannesburg, der aber vor allem unter seiner Abkürzung bekannt ist: Soweto. Der in seiner Sehenswürdigkeit Johannesburg selbst locker schlägt. War mit einer lokalen Tagestour dort und habe dort zwei Museen zur Apartheid besucht, eines mit einer Fotoausstellung und das sehr bekannte, moderne und überaus sehenswerte Apartheid Museum. Dass ich in einem Blog-Artikel die Uhrzeit bestätige, war der zusätzliche Hint für wissende Leser, dass ich mich noch in derselben Zeitzone wie Deutschland befinde, also der Hinweis, dass ich mich auf fast dem gleichen Meridian bewege.

Der Hinweis, dass ich von einer afrikanischen Köchin bekocht wurde, beruhte darauf, dass die eigentliche Tour begonnen hatte, am ersten Tag aber noch nichts außer der Fahrt zum Krüger Nationalpark passiert war. Wir hatten zwei Reiseleiter, der Hauptreiseleiter war auch für das Fahren und den LKW zuständig, die andere Reiseleiterin (stammte aus Simbabwe) hat für uns gekocht. Afrikanisch natürlich.

Dann Give me Five, da habe ich schon einige erstaunte Zuschriften bekommen, darunter auch besorgte Anfragen, ob ich mich wirklich noch wohl fühle. Der Zoo, von dem ich da sprach, war einer der größten „Zoos” der Welt und der größte Nationalpark Afrikas, kein geringerer als der Krüger Nationalpark. Weshalb ich im Artikel des Vortages auch noch gefragt habe, wer eigentlich Herr Krüger ist. In Afrika gibt es ein geflügeltes Wort, nämlich „The Big Five”, der großen fünf Tiere, die zu sehen Ziel jedes Afrika-Touristen ist und was nicht immer einfach ist. (Naja, ursprünglich war es ein Begriff der Jäger und Ballertouristen, die jedes dieser Tiere erschossen haben wollten, aber inzwischen steht der Begriff für die Tiere selbst und darum, sie einfach in der Natur zu sehen.) Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard. Zwar nicht das Wetter, aber das sonstige Glück war uns wohlgesonnen, wir haben „The Big Five” gleich am ersten Vormittag gesichtet. Später sogar auch noch „The Small Five” und „The Ugly Five”, da krieg ich jetzt aber nicht mehr zusammen, welche Tiere damit gemeint waren.

Ja, und dann kam das schwierigste Rätsel. Das, weshalb sich einige fragten, ob ich noch alle Latten am Zaun hätte. Das Rätsel, das ich vor 3 Wochen selbst noch nicht verstanden hätte: Das Ende war nahe und ist wieder fern. Das war jetzt wirklich einer für Kenner und zumindest laut Zuschriften hat das dann auch keiner meiner Leser mehr verstanden. Dazu musste man zwei Dinge kennen:

  1. Den Ort God’s Window (kannte ich bis dahin selbst nicht) und
  2. den Film „Die Götter müssen verrückt sein” (einer meiner Lieblingsfilme, Komödie um eine Cola-Flasche und den Buschmann Xi, der sie für ein unglückseliges Geschenk der Götter hält und sie den Göttern zurückbringen will, beschreibt Afrika sehr gut und ist dort fast so bekannt und beliebt wie Crocodile Dundee in Australien)

God’s Window ist eine hohe Felsenkante, von der aus man einen spektakulären Blick nach unten in die Weite der Landschaft hat, und in der man häufig eine dichte Wolkendecke unter sich sieht. Gilt als eine der eindrucksvollsten Aussichten von Afrika und ist eine Art Mini-Nationalpark, es gibt vorne ein Eingangstor und eine Parkverwaltung und man zahlt Eintritt. Leider kamen wir nicht rein, denn an diesem Tag war es auch auf der Ebene der Felskante und am Eingang so neblig (oder wie man es nimmt, die Wolken zu hoch), dass man gerade mal 10 Meter weit sehen konnte. Und deshalb hatten die den Park geschlossen. Aus Sicherheitsgründen, weil zu gefährlich, wenn man nichts sieht und Leute nicht mehr findet, und weil es nutzlos ist, denn man sieht ja eben rein gar nichts außer „weiß”. Weil wir so enttäuscht waren, hatten sie uns sogar noch angeboten, dass wir ausnahmsweise rein durften, wenn wir dicht zusammen bleiben, aber sie meinten, dann müssten sie eben Eintritt verlangen, und das wäre unseriös, denn die Park Ranger selbst waren ja drinnen unterwegs und die versicherten uns, dass man da gerade wirklich einfach gar nichts sehen kann, es also Geld- und Zeitverschwendung wäre.

Und so kam es, dass ich an einem Fenster war, durch das ich nicht schauen konnte, weil es geschlossen war und ich es nicht öffnen konnte.

Was hat das nun mit einem Ende, einer Cola-Flasche und einem verrückten Gott zu tun?

Im Film „Die Götter müssen verrückt sein” wirft ein Idiot eine leere Cola-Flasche aus einem kleinen Sportflugzeug, die den Leuten dort vor die Füße fällt. Sie finden das Ding, das sie bisher nicht kannten, zwar toll und nützlich, aber schon gibt es Streit, weil sie eben nur eines davon haben und jeder es haben will. Man kommt zu dem Schluss, dass das Ding ein Geschenk der Götter sein muss, schließlich fiel es vom Himmel, aber ein vergiftetes Geschenk sei, das nur Unglück bringt, weshalb der Buschmann Xi (gespielt vom Buschmann N!xau , N! steht für einen Knacklaut in der Buschmannsprache) mit der Flasche loszieht, um sie den Göttern zurückzubringen, und dabei allerlei Erstaunliches erlebt. Und am Ende seiner Reise steht er an einer Felskante, von der aus er unter sich nur Wolken und deshalb keinen Boden mehr sieht, und deshalb glaubt, er sein am „Ende der Welt” angelangt, und können die unglückselige Flasche nun endlich wieder von der Erde entfernen, weil er sie hier über das Ende der Erde hinaus werfen könnte und sie deshalb wieder bei den Göttern landen müsse. Und eben diese Szene haben sie am God’s Window gedreht. Das ist genau diese hohe Felskante, von der aus man – wenn das Wetter passt – von oben bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel auf eine geschlossene Wolkendecke herabblickt. Weshalb ich der These zustimmte, Gott müsse verrückt sein, aber leider keine Cola auf das posthume Wohl von N!xau trinken konnte.

An den Reaktionen habe ich aber gemerkt, dass das zu schwer war, und manche Leser nicht mal mehr erkannt haben, dass es überhaupt ein Rätsel war, und sich eher Sorgen um mein Wohlergehen gemacht hatten. Außerdem ist mir a) kein Rätsel mehr eingefallen, weil wir nicht mehr an besonderen Orten vorbeikamen, und b) die knappe Zeit, die ich im Urlaub zum Bloggen hatte, von tagesaktuellen Vorkommnissen wie der Sackkarre beansprucht wurde. Deshalb auch die Parallele mit Krokodilen, denn wilden, ausgewachsenen Krokodilen war ich ebenso nah gekommen wie Piratenpolitikern, auf unter 3 Meter Abstand, und ohne jeden Schutz und jeden Zaun. Und bin mir immer noch nicht sicher, welche die gefährlichere Begegnung war. Beidesmal hatte ich wohl das Glück, dass sie gerade sattgefressen waren. Wesentliche Unterschiede sind wohl nur, dass Krokodile nicht nur am anderen, sondern auch am diesseitigen Ufer leben, also links und rechts des Mainstreams, äh, Flusses, und man aus Krokodilen immerhin Handtaschen machen kann.

Der letzte Artikel aus Afrika und zum Thema Afrika war der Rücksturz zur Erde. Da war ich nämlich gleichzeitig „satt” im übertragenen Sinne, so im Sinne von „Reicht erst mal, genug gesehen, Urlaubshunger und Neugierde gestillt” und hungrig, denn der Flug hatte 5 Stunden Verspätung und ich saß da nachts und fast allein am Flughafen, der um die Zeit eigentlich schon geschlossen gewesen wäre, und den sie nur wegen des einen verspäteten Fliegers bis morgens um vier Uhr (d.h. durchgehend, denn als wir dann um vier Uhr abflogen, kamen schon die ersten Leute für die Abflüge früh morgens) offen und die Geschäfte am laufen hielten.