Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mal beim Afrikaner essen…

Hadmut
14.9.2016 22:25

*Gähn* Immer der gleiche Fraß in Berlin.

Ich kann’s nicht mehr sehen. Jeden Tag in der Mittagspause: Der eine Asiate. Oder der andere Asiate. Zum Burgerladen? Der eine Araber? Der andere? Oder schnell beim Türken nen Döner?

Bäh.

Versteht mich nicht falsch, bei jedem einzelnen von denen schmeckt’s mir supergut, ich esse überaus gerne türkisch, arabisch, asiatisch. Aber irgendwann kommt’s einem halt doch zu den Ohren raus.

Man könnt ja mal wieder zum Afrikaner gehen. Ich Karlsruhe, in Dresden (Mama Africa!), in München, überall hatte ich da afrikanische Restaurants in Reichweite. In Berlin Mitte hab ich noch keinen entdeckt. Na gut, ich bin ja willig. Wenn man zum Afrikaner will, um authentisch zu essen, muss man halt ä Stückle fahren. Is ja OK.

Ich mich also gestern abend zum Afrikaner aufgemacht. Ich hab Hunger.

Aber, ach.

Ich dacht mir, bist ja nicht mehr der Jüngste, hast schwer zu tragen, und die Gruselgestalten im U-Bahnhof schlagen jede Geisterbahn, nimmste mal einen von diesen kleinen blauen Miet-Smarts, die hier überall rumstehen, da fährt sich’s bequemer.

Fährt auch ganz gut. Ein paarmal habe ich zu ruppig und hart gebremst, weil die Dinger einen kürzeren Bremspedalweg haben als mein eigenes Auto, und irgendwie auch der Bremskraftverstärker im Vergleich zum Gesamtgewicht stärker ist. Aber ich wollt halt auch nicht mit meinem Auto fahren, weil ich mir dachte, wenn ich mal richtig zum Afrikaner gehe, wird das dauern und die Miete für den Smart geringer als die Parkgebühren für mein Auto sein.

Wie ich also mit dem Smart so durch Berlin fahre, denke ich, verdammt noch eins, das Bremspedal. Der Wagen bremst weiterhin sehr gut, aber das Bremspedal wird irgendwie immer komischer und schlabbriger. Und so komisch seitlich instabil. Tritt sich wie in Hundescheiße. Fehlt noch, dass sie es anwärmen. Konnte aber nicht gucken, man achtet ja auf den Verkehr.

Als ich den Smart schließlich abgestellt habe und ausgestiegen bin, merke ich, dass ich dem armen Auto Unrecht getan habe. Der wackere Smart hat alles richtig gemacht. Dafür überholt mich meine rechte Schuhsohle. Ich denk, die Matrix hat nen Fehler, den Schuh hab ich an, die Sohle liegt einen dreiviertel Meter vor mir auf dem Boden. Ich fühle mich rechts tiefergelegt. Wie ich noch so gucke, fällt mir auf, dass sich auch mein linker Schuh in Scheidung von seiner Sohle befindet, und überhaupt, ich eine Riesen-Dreckspur hinterlasse, im Smart und davor. Jede Mange Krümel, meine Schuhe zerfallen wie misslungener Frischkäse in lauter feine Krümel. Die untere Sohle war nicht so das Problem. Aber sie haben zwischen der festen Sohle und dem Leder-/Goretex-Schuh eine weiche Verbindungsschicht eingeschweißt. Und die hat sich gerade in alle Bestandteile aufgelöst.

Das find ich jetzt übel. Das waren die (bis eben) besten Wanderschuhe, die ich je hatte. Teure Markenschuhe. Haben sich sehr bewährt, mit denen war ich schon in Australien, Neuseeland, Bangkok, Namibia, und und und. Standen aber ne Weile im Schrank. Und jetzt liegen sie so am Boden:

Verdammt, denk ich, der gleiche Scheiß ist mir doch vor acht Jahren schon mal passiert, auch teure Markenschuhe, auch ne Weile unbenutzt im Schrank gestanden (am Schrank lag’s nicht, es waren verschiedene Schränke, allerdings das gleiche Modell, naja, wer weiß…), dann zieht man sie an, erst merkt man nichts, dann geht sich’s komisch, und dann fallen sie einfach auseinander. Ist das einfach so, dass sie nur 8-10 Jahre halten, schlechte Qualität oder geplante Obsoleszenz?

Egal. Ich hab Hunger. Davon lass ich mich nicht aufhalten. Und weil mir sowieso irgendwie klar war, dass es mit Schwund und Verlusten verbunden wäre, wenn ich mal zum Afrikaner was essen gehe, hatte ich Ersatzschuhe dabei. Schuhe in den Müll, Ersatz an, weiter geht’s. Nichts hält mich auf.

Ich kann’s jetzt nicht genau erklären, (das heißt, ich könnt schon, aber ich will nicht…), aber aus irgendwelchen Gründen bekam ich auf dem Weg zum Afrikaner französisches Essen. War OK.

Ich kam auch noch an einem Einkaufszentrum vorbei, so einer ganz neuen modernen Shopping Mall. Ich hab mir gedacht, da guck ich mal, ob ich da neue Wanderschuhe bekomme. Hatten sie nicht. Die hatten überhaupt nichts vernünftiges, nur jede Menge Modekrampf, Handy-Gebimsel, Kosmetik und Sonnenbrillen. So Allerweltszeugs. Als ich auf der Suche nach Schuhen in der Fressecke vorbeikam, dachte ich mir, fragen wir doch mal, ob die dort afrikanisches Essen haben. Nein, hatten sie nicht. Das übliche, Pizza, Asia-Nudeln, Fisch, Hamburger, Pommes, McDonalds und so hatten sie alles. Aber nicht afrikanisch. Je, nun, meinten sie, da hätte ich sie kalt erwischt. Ich wäre zwar der erste, der fragt, aber dass ausgerechnet sie kein afrikanisches Essen hätten, das sei ihnen jetzt schon peinlich. Ob ich nicht auch nen Burger nähme. Nun, sprach ich, dann habt Ihr den Namen Eurer Shopping Mall meilenweit verfehlt und solltet Euch umbenennen. Den Burger nahm ich (denn ich hatte ja richtig Hunger und das französische Zeug war nicht nachhaltig), aber der war nichts.

Schließlich kam ich dann auch bei dem Afrikaner an, zu dem ich wollte.

Jetzt war die Sache die. Die hatten an dem Abend nur wenig Gäste. Und kochten nur auf Vorbestellung.

Ich hatte vorbestellt.

Sie hatten auch nur ein Menü. Sie kochen jeden Tag ein anderes, aber an einem Tag immer nur eins. Weil etwas aufwendiger.

Das habe ich genommen. Und es war vorzüglich. Richtig gut.

Langsam gebratenes Schweinefleisch (ich glaub Filet oder sowas) mit Kruste, dazu auf die traditionelle Weise gebratene Kartoffeln an karamelisierten Karottenstreifen, dazu so überbackener Gemüseauflauf. Mit einer hausgemachten Apfelsauce, und zum Nachtisch so ein unglaublich leckeres Zitronen-Baiser-Törtchen.

Lecker.

Aber irgendwie nicht afrikanisch. Beim Afrikaner. Der wollte mal zeigen, was er alles drauf hat und auch anderes kochen kann. Kann er. War aber nicht das, wonach ich gesucht habe.

Gut, dass das nicht einfach wird und nicht so auf die Schnelle geht wie beim Türken um die Ecke, war mir von vornherein klar.

Wir werden sehen, wie das Unterfangen, afrikanisch zu essen, weitergeht.