Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wie verbessert man sich als Lesbe?

Hadmut
31.8.2016 0:16

Otto hat mal einen blöden Witz gemacht: „Der Papst hat sich umgebracht – warum nicht, wenn man sich beruflich verbessern kann…” Einen ähnlichen Effekt gibt’s wohl gerade bei Lesben.

Oder: Wie man sich entlesbt und stattdessen was vernünftiges macht.

Der Tagesspiegel berichtet, was männerhassende Lesben gerade am liebsten machen: Sie werden Männer.

Seitdem es einen Upgrade-Pfad gibt, wird der auch beschritten. Die sind drauf gekommen, dass sie lieber ein Mann sind, der auf Frauen steht, als eine Frau, die wie ein Mann aussieht und auf Frauen steht. Hatte ja schon lange den Verdacht, dass viele Lesben gar keine Lesben, sondern verhinderte Transen sind, und rumlaufen wie Männer, weil sie gerne Männer wären. Ist ja heute möglich, die Medizin macht Fortschritte, die öffentliche Toleranz verändert sich so, dass der Wechsel von der Homofeindlichkeit in die Transenfeindlichkeit keine wesentliche Verschlechterung mehr ist.

Jetzt ratet mal, wer dafür aber am allerwenigsten Toleranz aufbringt.

Genau. Die Lesben. Ausgerechnet die, die anderen immer Toleranz predigen, giften das als Verrat an.

Ich habe gehört, dass manche Lesben ein Problem mit Ex-Lesben haben, die jetzt als Transmänner leben. Das verstehe ich nicht. Sollen doch alle glücklich werden, wie sie wollen, oder? Johannes, Neukölln

Richtig, zumal man annehmen könnte, dass Angehörige einer Gruppe, die seit Langem um Anerkennung ringt, Verständnis für andere Minderheiten haben sollten. Doch es stimmt: Einige Lesben sehen Transmänner tatsächlich kritisch. Sie werfen ihnen quasi Verrat vor, weil sie sich durch die Transition in die privilegierte Genderkategorie des Mannes begeben und auch ins heterosexuelle Beziehungsmuster fallen. Denn ihr Begehren richtet sich ja weiterhin auf Frauen, wodurch sie nun als heterosexuell gelten.

Jo, das ist ja auch wirklich blöd, wenn die lesbische Verbündete im Männerhass plötzlich selbst als Kerl um die Ecke kommt. Hihihi.

Heute ist es einfacher als noch vor ein, zwei Jahrzehnten, eine Geschlechtsangleichung vornehmen zu lassen. Vor allem Butches – eher männlich auftretende Lesben – entscheiden sich für diesen Schritt.

Jo. Mann werden statt männerhassend Männer kopieren. Find das immer so drollig, wenn die im Holzfällerhemd, breiter Hose, mit Männerbrille, Kerle-Haarschnitt, Kerl-Imitiationsbenehmen daherkommen und gleichzeitig Männer hassen und verdammen.

Hassen? Oder beneiden?

Würde mich mal interessieren, ob die sich die Gifterei gegen Männer und Heteros abgewöhnen, wenn sie von Lesbe auf Hetero-Mann umbauen. Beachtlich, wenn man gerade das wird, was man bisher verteufelt hat.

Die Reaktion der lesbischen Szene hat die Publizistin Andrea Roedig auf „Zeit Online“ so beschrieben: „Bei den Lesben, zumindest bei denen einer bestimmten, mehr feministisch als queer geprägten Generation, löst der Trend zu Trans eine erotische Trauer aus und eine feministische Wut. Sie mögen nun mal Frauen, und jeder Transmann ist eine verlorene Butch. Die medizinisch-pharmakologisch unterstützte Vereindeutigung des Geschlechts bedeutet eine Reduzierung der Vielfalt spezifisch weiblicher Begehrensmuster. Und sie befördert eine Maskulinisierung, eine Aufwertung der Virilität gegenüber dem Weiblichen.“

Hähähähä. Strike!

Googelt man ds Zitat aus Zeit Online, findet man auch den zugehörigen Artikel. Dort steht:

Die Veranstalterinnen wollten offenbar ein etwas aus der Mode gekommenes Modell exklusiver “Frauenräume” wiederbeleben und sie reagierten damit auf ein Phänomen, das in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren zunehmend virulent geworden ist: Etliche der Frauen, die früher einfach butch gewesen wären, also sich männlich gebärdende lesbische Frauen, sind oder werden heute Transmänner. Sie unterziehen sich einer hormonellen und teilweise auch chirurgischen Behandlung, wechseln also das biologische, aber auch das soziale Geschlecht. Da viele von ihnen aber aus der lesbischen Szene kommen, in ihr zu Hause sind und sich hier weiter zugehörig fühlen, sieht man auf den entsprechenden Partys nun immer mehr Männer, Transmänner eben, die teils zart, teils massiv mit behaarter Brust, Bierbauch und rüden Manieren als Kerle auftreten. Queer ist das natürlich. Man fragt sich aber schon, ob man jetzt noch auf einer Frauenparty ist.

Huahahahaaa. Lauter Männerhass bei den Kampflesben, ständig über Männerverhalten geschimpft, aber bei der nächstbesten Gelegenheit wechseln sie genau dahin.

Lesben aus unverarbeitetem Frust darüber, als Frau geboren zu sein?

Der Trend geht zu Trans, und auch erstaunlich viele der berühmten sexual-politics-Aktivistinnen haben mehr oder weniger eindeutig ihr Geschlecht verändert. Leslie Feinberg, die Autorin von Stone Butch Blues, unterzog sich einer Behandlung; Judith Halberstam (Female Masculinity) nennt sich Jack Halberstam; Pat Califia, die den Lesbensex-Klassiker Sapphistry schrieb, ist heute Patrick. Umgekehrt lebt der Begründer der Männerforschung, Robert Connell, heute als Raewyn Connell. Auch manche nicht ganz so berühmte Lesbe aus der Szene trifft man plötzlich als waschechten Typen wieder. Die Medizin macht’s möglich.

Dennoch bleibt Transsexualität für klassisch sozialisierte Homos eine zwiespältige Sache, denn sie hat zwar viel mit Homoerotik zu tun, treibt dieses Begehren aber eigentlich zu weit, sozusagen bis in den dialektischen Umschlag hinein. Der Haken ist ja, dass Ex-Lesben oder Ex-Schwule als Transmenschen wieder ins heterosexuelle Paradigma passen, falls sie unterwegs nicht auch ihre sexuelle Orientierung wechseln. In der Lesbenszene sprechen jedenfalls manche jetzt vom “Verschwinden der Butches”. Sie fühlen sich verraten, allein gelassen. Eine meiner Bekannten bezeichnete die Trans-Mode gar als einen “Dolchstoß in den Rücken der Butches”. Wer heute noch als “Mannweib” rumläuft, so scheint es, ist selber schuld und hört mitunter auch den freundlich gemeinten Ratschlag: “Nimm doch Testo.”

Und

Erotische Trauer

Die Butch ist keine einfache Figur, denn im Alltag verstößt sie gegen eine soziale und daher auch gegen eine ästhetische Norm. Egal wie frei unsere Mode angeblich sein soll: Eine Frau mit zu vielen männlichen Attributen irritiert und gilt als hässlich. Von einer Butch hörte ich, dass es “wie Urlaub war”, als sie sich die Haare einmal länger wachsen ließ. Eine andere – sie ist groß, schlank und macht wirklich etwas her – erzählt, dass ehedem maulfaule Kolleg_innen plötzlich mit ihr reden, seit sie ihre Locken nicht mehr ganz so kurz geschnitten trägt. Wieder eine andere, ältere Butch sagt, dass sie sicher Testosteron genommen hätte, wenn es diese Möglichkeit in ihrer Jugend schon gegeben hätte. Ein Transmann gesteht, dass er jetzt, als Mann, tatsächlich berufliche Vorteile hat und besser verdient.

Keine Frage: Weil Ästhetik sich immer an Angemessenheit, also auch an Geschlechtskonformität orientiert, sehen Butches als Männer vielleicht nicht besser, aber oft adäquater aus. Und sie fühlen sich auch so. Bei den Lesben aber, zumindest bei denen einer bestimmten, mehr feministisch als queer geprägten Generation, löst der Trend zu Trans eine erotische Trauer aus und eine feministische Wut. Sie mögen nun mal Frauen, und jeder Transmann ist eine verlorene Butch. Die medizinisch-pharmakologisch unterstützte Vereindeutigung des Geschlechts bedeutet eine Reduzierung der Vielfalt spezifisch weiblicher Begehrensmuster. Und sie befördert eine Maskulinisierung, eine Aufwertung der Virilität gegenüber dem Weiblichen. Der Umgang der Transmänner untereinander erinnert jedenfalls eher an die offensivere schwule Subkultur als an die lesbische. Es ist demnach nicht ganz so unverständlich, dass manche den Geschlechtswandel der Transmänner als sexuelles Renegatentum deuten und sich ihre Frauenräume zurückwünschen.

Und dann kommt ein interessanter Abschnitt. War es nicht immer zentraler Gegenstand der Gender Studies, dass es Frauen nicht gäbe und die nur eine Erfindung böser Wissenschaftler sei und außerdem Frauen von Natur aus lesbisch seien (was ja im Widerspruch dazu steht, dass es sie von Natur aus gar nicht gäbe, aber Widersprüchlichkeit aufzuzeigen gilt ja auch als frauenausgrenzend…) und erst zwanghaft bis gewaltsam auf Heterosexualität zugeritten würden? Und jetzt das:

Vielleicht stimmt ja, was die radikale Gender-Theoretikerin Beatriz (mittlerweile Paul) Preciado in Anlehnung an Foucault behauptet, dass nämlich Homosexualität als Gegenentwurf zu Heterosexualität eine Erfindung des 19. Jahrhunderts sei und im diversifizierten 21. Jahrhundert als Konzept nicht mehr tauge. “Ent-identifiziert euch” ist Preciados Ruf. Er/sie und die meisten Queer-Aktivist_innen lesen Transsexualität daher als die eigentliche Subversion des Geschlechts. Problematisch bleibt, dass diese Subversion – zumindest ästhetisch, oft aber auch lebenstechnisch – als Mimikry ans herrschende Modell daherkommt. Dass also Frau-zu-Mann Transsexualität sich nicht wie eine weibliche Aneignung des Phallus anfühlt, sondern eher wie eine phallische Überwindung des Weiblichen. Das alte Programm also.

Ach.

Jetzt ist nicht mehr die Frau eine Erfindung des 18. Jahrhunderts und die Heterosexualität künstlich eingeführt, sondern plötzlich andersherum die Homosexualität eine Erfindung des 19. Jahrhunderts als Gegenentwurf zur Heterosexualität?

Wurde nicht kürzlich noch behauptet, die Homosexualität wäre in der Antike sehr beliebt gewesen?

Und wurde nicht ständig wiederholt, man müsse das Männliche überwinden? Und jetzt geht es darum, mit Schwanzes Hilfe das Weibliche zu überwinden?

Herrlich.

Wieder mal ein Beleg, dass das ganze Gender-Queer-Geschwätz nur eine erlogene Spinnerei von Leuten ist, die mit sich selbst nicht klarkommen?

Immerhin liefert das einen Ansatz, wie wir die Gender Studies endlich schnell und kostengünstig loswerden. Spendiert einfach jeder Gender-Studies-Tussi eine kostenlose Trans-Operation und einen Familienkanister Testosteron. Das ist viel billiger als das, was uns Gender Studies kosten, und dann ist schlagartig Ruhe und aus.

Einfach herrlich.

Sollte sich jeder Gender-Studies-Kritiker ganz oben auf die Argumentationsliste setzen: Dass jetzt reihenweise Lesben bei nächster Gelegenheit ins Lager der Hetero-Männer wechseln und sich hinter dem vorgeblichen Feindbild in Wirklichkeit das Wunschziel versteckt. Immer schön fragen, warum so viele Lesben jetzt Hetero-Männer werden. Schön in der Wunde bohren. Salz nicht vergessen. Dann hat sich das ganze Gender-Gequatsche eigentlich sofort erledigt.

Oh, wie herrlich.