Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der neue Platzhirsch bei Kameras

Hadmut
16.8.2016 0:14

Bemerkenswert.

Nachdem ich mich gerade so über meine Nikon P7000 geärgert habe, weil eine leere (interne) Batterie die Kamera, die ansonsten völlig in Ordnung ist, letztlich zum wirtschaftlichen Totalschaden macht (die ganze Platine muss für ca. 100 Euro ausgetauscht werden, und das ist eben fraglich, ob eine 5 oder 6 Jahre alte Kamera noch einen Restwert hat, der die Ausgabe rechtfertigt, zumal es die Kamera schon lange nicht mehr gibt, die Platinen also wohl auch schon ne Weile im Lager rumliegen und die Batterien dann wohl auch nicht mehr frisch sind), habe ich mich mal umgesehen, was es sonst so gibt. Lieber noch ein paar Kröten drauflegen und dann was mit besseren Videofähigkeiten und so weiter finden.

Glücklich werde ich da gerade nicht.

Bin mir unschlüssig. (Und nee, bitte jetzt nicht wieder Zuschriften „Probier doch mal die Kamera X von Hersteller Y”, solche „Probier-doch-mal”-Mails nutzen mir gar nichts, genauso wenig wie „Meine Tante Else ist so zufrieden mit…”. Bloß weil irgendwem die Kamera X gefällt, heißt noch lange nicht, dass die mir auch passt.)

Einerseits überlege ich, eine Nikon 1 zu nehmen. Weil ich da schon eine AW1 und zwei Objektive habe, und weil sie wirklich niedlich klein ist (eigentlich schon zu klein für meine Hände, aber dafür taschentauglich), und man die J5 mit dem 10-100 Zoom für 599,- bekommt (anscheinend hat sie einen crop-Faktor von 2,7, entspräche also 27-270), das trotz seiner Winzigkeit recht gute Kritiken bekommen hat. Dass ich bisher schon Nikon-Kameras habe, bedeutet da eigentlich nichts, weil man praktisch gar nichts vom bestehenden Equipment benutzen kann. Es gibt zwar einen Adapter FT-1, um große Nikon-Objektive an die kleinen 1er anzuschließen, das erscheint mir aber nicht sinnvoll, zumal die Integration unvollständig ist. Also eigentlich egal ob man bei Nikon bleibt oder zu was anderem wechselt.

Irgendwie geht mir die Modell- und Funktionspolitik von Nikon gerade auf den Wecker. Kameras bauen können sie, aber die Produktstrategen kommen dann und sagen, die Kamera darf dieses und jenes Feature nicht haben (und wenn’s nur Software ist, mir fehlt da das Bracketing), damit man die teureren noch kauft. Geht mir auf den Wecker, zumal mir die P7000-Batterie-Spielchen auf die Nerven gegangen sind. Außerdem habe ich jetzt vier Nikon-Kameras und jede hat andere Akkus, und eine J5 hätte den fünften Akku-Typ (wie mit Staubsaugerbeuteln…), und steht noch dazu in dem Ruf, dass die Akkulaufzeit so winzig wäre wie alles an der Kamera. Zumal sich die kleine Sensorgröße positiv auf die Handlichkeit, aber negativ auf die Bildqualität auswirkt. Aber ansonsten ist sie schnucklig. Irgendwie Spielzeug-niedlich.

Die andere Überlegung wäre eine Sony A6000, die im Ruf einer guten Bildqualität und höherer Lichtempfindlichkeit steht, dreifache Sensorfläche, viel größere Objektivauswahl. Und die kostet mit einem Matschobjektiv 599, dazu bräuchte man noch beispielsweise das 18-105, wäre dann bei 1100 euro, also rund doppelt so viel. Dafür mit Sucher.

Allerdings relativiert sich das, wenn man noch ein paar lichtstarke Festbrennweiten (pancake und sowas) dazunimmt, die liegen bei beiden irgendwo zwischen 200 und 300 Euro. Danach ist das Verhältnis jedenfalls nicht mehr 1:2.

Wäre im Vergleich 200 Gram schwerer und im Taschenpackmaß 15 statt 10 cm lang. Und man ist dann gleich wieder in einem recht teuren Objektiv-Programm drin. Gut, die Bild-Qualität. Aber: Wenn ich Bild-Qualität will, nehm ich meine D800. Die liefert Bild-Qualität. Eigentlich brauche ich keine hochqualitative Kamera mit anderem Objektivsystem. Und in manchen Details ist die J5 besser als die 6000.

Geht ja auch nur um eine Taschenkamera mit Wechselobjektiven. Wenn man es objektiv betrachtet (Kalauer..), liefert die J5 für 599 mit dem 10-100 ein nettes handliches Paket (wenn sie nur mehr Batterielaufzeit und nen Sucher hätte).

Ich habe dann mit einem Verkäufer gesprochen und mir das Sony 18-105 mal in die Hand geben lassen, das zwar schon sperrig aussieht, aber deutlich leichter ist als es aussieht. Das wäre wohl ein recht passables Objektiv (leider mit elektrischem Zoom; nicht so gut wie das Zeiss, manchmal aber sogar schärfer und kostet nur die Hälfte).

Ne 6300 würde mir besser gefallen, aber bei der halte ich das Preis-Leistungsverhältnis für zu schlecht, da fehlen für den Preis dann wichtige Eigenschaften.

Wie ich da also so rumgrüble, erwähnt der Verkäufer, dass „Sony der Platzhirsch bei Systemkameras” sei.

Und mir fällt auf, dass sie ja gerade die Fotoabteilung neu umgebaut haben, und was steht vorne am Eingang wo die Kameras aufgebaut sind?

Nicht Nikon, nicht Canon, sondern Sony.

Erstaunlich.

Minolta hatte aufgegeben und seine Fotoabteilung an Sony verkauft. Und Sony hatte relativ lange gebraucht, um da in den Sattel zu kommen. Viele unkten, dass ein Unterhaltungskramhersteller wie Sony das nur vermurksen könne.

Allerdings muss man sagen, dass Sony sich aus der Underdog-Position heraus einiges hat einfallen lassen müssen, während bei Nikon und Canon eigentlich seit Jahren nichts wirklich neues kommt. Die Profi-Kameras sind gut, aber stabil und werden nur gering verbessert, aber überteuert. Und darunter gibt’s viel Marketing-Scheiß, Plastik-Müll für Dummen-Markt, mit künstlicher Alterung. Erinnert mich irgendwie an die Handy-Endphase von Nokia: Nichts neues, verzettelt in lauter bunten Spielzeugmodellen, die keiner mehr haben will.

Sony hat zwar auch Spiegelreflexkameras gebaut, und dabei auch herumexperimentiert, aber der Brüller sind ihre Spiegellosen. Das haben sie unter Konkurrenzdruck jahrelang entwickelt und ausgearbietet, während Canon und Nikon vor Arroganz strotzten.

Ich wundere mich schon seit einiger Zeit, wie Sony es schafft, sich preislich teils noch über Nikon zu positionieren, denn die langen schon zu. Inzwischen sehe ich immer öfter Profireporter, Regierungsfotografen usw. die die teuren spiegellosen Sonys einsetzen. Die Kooperation mit Zeiss war fruchtbar, und Sensoren stellen sie schon lange her, Nikon verwendet meist Sony-Sensoren.

Sollte es gar passiert sein, dass Sony da Nikon und Canon überholt hat?

Technisch sind sie durchaus obenauf.

Preislich, naja, leider auch.

Und sowas wie die Sony 6000 hat Nikon einfach nicht im Portfolio.

Ich hab ne Menge Geld in Nikon-Zeugs investiert und habe gerade keine Lust, die Marke für die dicke Kamera zu wechseln.

Ob ich aber für ne Taschenknipse jetzt die Nikon 1 – Qualität mittelprächtig, aber halt wirklich niedlich klein – oder die deutlich bessere Sony, aber eben schwerer, länger, größer, teurer nehme, muss ich mir mal überlegen.

Logischer wäre eigentlich die Nikon, weil ich ne gute teure Kamera schon habe, und mit mit der Ausmusterung meiner P7000 die Taschenknipse abhanden gekommen ist.

Ob ich aber Nikon noch Geld in den Rachen werfe, nachdem ich mich über die geärgert habe?

Grübel…

Nachtrag: Es gibt ne alte Fotografenweisheit, die besagt, dass die beste Kamera immer die ist, die man auch dabei hat…