Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Meinungswende? Nicht mehr medial getragen von Euphorie?

Hadmut
11.8.2016 23:17

Scheint, als wäre die Euphorie verflogen. Ereilt die Journalie gerade die schnöde Realität?

Die WELT schreibt darüber, wie sich gerade die Meinung dreht.

Wenn der Türkei-Flüchtlingsdeal platzt, wird ein neuer Ansturm von Asylbewerbern erwartet. Sahen Wirtschaftsforscher anfangs große Chancen in der Massenzuwanderung, schwenken sie nun radikal um.

Geile Formulierung.

Statt zu schreiben, dass sie einfach falsch lagen, heißt es nun, „sie schwenken radikal um”.

Heute so, morgen anders.

Es waren die Topmanager und Ökonomen, es war Deutschlands Wirtschaftselite, die am meisten Zuversicht verbreitete. Ihr machte der Flüchtlingsstrom, der auf das Land zufloss, keine Angst. Im Gegenteil: Die Menschen, die hier Schutz suchten, könnten die ganz großen Probleme der Bundesrepublik lösen – so die Idee.

Sie würden die dringend notwendigen Arbeitskräfte sein, die das deutsche Wirtschaftswunder auch in den kommenden Jahren aufrechterhalten. Außerdem könnten die meist sehr jungen Asylbwerber eine Antwort auf die demografische Krise sein, die unserem Land ansonsten droht.

Offenbar wurden die Entscheider jetzt von der Realität eingeholt. Denn die Aussicht, dass der Flüchtlingsdeal mit der Türkei platzt und auf die Bundesrepublik ein neuer Ansturm von Asylbewerbern wartet, schreckt sie geradezu auf. Das zumindest zeigt eine Umfrage unter den Mitgliedern des Leaders Parliament, die von Roland Berger und der “Welt” durchgeführt wurde.

Deutliche 75 Prozent der Befragten in den Chefetagen sind der Meinung, dass ein neuer Flüchtlingsstrom auf dem Niveau des Vorjahres das Land ökonomisch überfordert. Die Umfrage, an der regelmäßig Führungskräfte der ersten und zweiten Managementebene teilnehmen, offenbart auch die Gründe für den abhandengekommenen Optimismus.

Interessant. Irgendwo hab ich neulich den Vergleich gelesen, dass sich Daimler-Chef Zetsche vor einem Jahr noch über die vielen neuen Facharbeiter freute – und heute angeblich nicht einen einzigen eingestellt hat.

Man muss ihnen aber unter die Nase reiben, dass sie damit Merkel nicht nur tief in den Arsch gekrochen sind, sind sie natürlich auch in ihrer Politik bestärkt haben.

Die Entscheider mussten in den vergangenen Monaten erkennen, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge keine kurz- und mittelfristige Hilfe für den deutschen Arbeitsmarkt bedeuten. “Die Schwierigkeiten mit den Hilfesuchenden des ersten Zustroms sind offensichtlich”, sagt auch Axel Plünnecke, der beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln den Bereich Bildung, Zuwanderung und Innovation leitet.

Aktuell zeige sich, dass unter den erfolgreichen in der Arbeitswelt integrierten Flüchtlingen rund die Hälfte in Helfertätigkeiten beschäftigt ist. Das in den letzten Jahren zu beobachtende Wachstum in diesem Arbeitsmarktsegment sei seiner Meinung nach jedoch begrenzt, sodass der Übergang einer nächsten größeren Anzahl an Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt eine viel größere Herausforderung wäre. “Die Integration dieser Gruppe dürfte sich deutlich schwieriger gestalten”, fasst Plünnecke zusammen.

Warum sind sie dann „Entscheider” ?

Heißt es nicht immer, sie säßen mit exorbitant fetten Gehältern in den Vorständen, weil sie die Entscheidungen treffen müssen?

Und nun stellt sich heraus, dass sie gar nicht wissen, was sie da entscheiden?

Der Ökonom beschreibt einen Lernprozess, den Deutschland zuletzt erfahren habe. Die große Zahl der bereits angekommenen Flüchtlinge sei schon jetzt eine große Herausforderung für die Bildungsintegration und die anschließende Integration in den Arbeitsmarkt. “Diese ist mit langem Atem zu schaffen. Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass es rund fünf Jahre dauert, bis etwa die Hälfte der Flüchtlinge am Arbeitsmarkt Fuß fasst.

Ratet mal, wer das alles zahlt. Die „Entscheider” jedenfalls nicht.

Und sogar im Fernsehen, bei NDR Zapp, kommt zaghafte Kritik auf, ob man da nicht einfach nur Emotionalschrott berichtet hat:

“Wir schaffen das!” – Angela Merkels mittlerweile wohl schon historischer Satz zur Flüchtlingskrise – und ein Jahr mediale Berichterstattung, die diese begleitet hat. Wie haben es die Medien “geschafft”? ZAPP blickt zurück, fragt Journalisten, die direkt mit der Flüchtlingsberichterstattung zu tun hatten, nach ihren Eindrücken und versucht zu klären, was gut lief, was schlecht war – und was in Zukunft besser werden muss.
Eindrücke von Journalisten und Betroffenen

Martin Kaul von der “taz” sieht rückblickend auf die dramatischen Ereignissen am Budapester Bahnhof Keleti eine starke emotionale Beteiligung vieler Journalisten: “Wir waren medial getragen von Euphorie. Wir hatten plötzlich die Idee eines humanitären Europas, eines gastfreundlichen Deutschlands zurückgewonnen, die viele vielleicht auch verloren hatten.”

Die ARD-Korrespondentin Susanne Glass kritisiert das: “Wir haben uns einen Bärendienst erwiesen, indem wir durchgesendet haben – Emotion statt Analyse”. Dafür steht sie auch heute noch dazu, nicht nur berichtet, sondern auch geholfen zu haben. Es sei “zynisch Notleidenden nicht zu helfen”.

Zentrales Problem war und ist, dass das, was die da abgeliefert haben, eben kein Journalismus, sondern blindwütiges Emotionalgepumpe war, so ein Einschwingen in Emotionalsynchronisation.

Und das war eben auch eine Begleiterscheinung der Verweiblichung und insbesondere dies Qualitätssturzes im Journalismus, der auf Emotionen, Political Correctness, Abschreiben aus den Social Media, und eine Rekrutierung junger Idiotion aus der Produktion der Verblödungsuniversitäten beruht.

Man hätte das alles viel besser archivieren sollen, damit man später mal genau nachzeichnen kann, wer an diesem Mist eigentlich alles teilgenommen hat. Denn Webseiten und Social Media sind zutiefst flüchtig. Und die deutsche Geschichte hat ja schon so oft gezeigt, dass es hinterher wieder keiner gewesen sein will.

Und gerade die politsch Korrekten hängen ihr Fähnchen natürlich immer in den Wind des Politischen, und drehen es auch genauso schnell.

Man sollte sich sehr sorgfältig daran erinnern, und die Presse immer wieder darauf festnageln.