Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Filmkritik: Die Ghostbusterinnen

Hadmut
5.8.2016 1:21

Ich war schon wieder im Kino.

Was hat man im Vorfeld nicht alles an Filmkritiken gelesen: Das Internet fand den Film so schlecht, macht ihn gar zum „meistgehassten Film des Jahres”. In der Presse dagegen wurde uns eingehämmert, wie wunderbar die sagenhaften Schauspielerinnen den Film machen, siehe hier und hier und… ich hab sie mir nicht alle notiert. Feministische Frauenpower gegen Shitstorm im Netz.

Ich habe den Film gerade eben in 3D gesehen (wurde nur in 3D angeboten). Premiere, beste Zeit um 20:10, das Kino fast leer. Nicht mal zu einem Zehntel besetzt, ich habe sie nicht gezählt, aber gefühlt etwa 40 bis 50 Leute. Ich hatte mir vorher im Internet einen der besten Plätze in der besten Reihe belegt, nicht ganz in der Mitte, weil da schon zwei Plätze weg waren. Pech gehabt, denn ich saß in kurzen Hosen genau vor einem Lüftungsauslas, der einem eklig kalt die Beine anbläst. Macht aber nichts, denn ich hatte in dem Riesenkino die gesamte – meines Erachtens beste – Sitzreihe von ganz links bis ganz rechts komplett für mich alleine, freie Auswahl. Scheint nicht viele Leute anzuziehen. Eine junge Frau kam in selbstgebastelter Ghostbuster-Kampfaufmachung. Hinterher standen im Foyer drei Männer in Ghostbuster-Aufmachung, aber sehr aufwendig und professionell gemacht, elektrisch betriegen, Werbeaktion.

Das tragische Missverständnis

Ihr müsst jetzt tapfer sein.

Ich muss beide Seiten enttäuschen.

An diesem Film ist überhaupt nichts feministisch, nichts gegendert, nichts progressiv, nichts Frauenquote, nichts männerhassend.

Die Besetzung mit Frauen ist eine ganz billige Verkaufsmasche. Sonst gar nichts.

Da sollte einfach nur der alte Ghostbusters-Film nochmal finanziell ausgeschlachtet werden, Produzent war auch Dan Aykroyd selbst.

Die wollten einen Teil 3 machen und konnten nicht. Erstens aus rechtlichen Gründen, mit den Originaldarstellern gab’s irgendwelche Probleme durch Vereinbarungen. Zweitens, weil die Story es einfach nicht hergibt. Ein paar Bekloppte jagen Geister und verwüsten dabei die Stadt mit grotesken Maschinen. Is ne geile Idee, aber wenn man’s mal erzählt hat, ist der Witz eben erzählt. Fertig. Da kommt kein Lacher mehr. Deshalb war der zweite Teil schon eine Katastrophe. Ein dritter Teil hätte noch weniger funktioniert. Was hätte man bringen sollen? Schon wieder Geister mit absurden Maschinen jagen?

Man konnte es nicht fortsetzen, man konnte es nur nochmal erzählen. Spiderman, Batman und Superman erzählt man ja auch ständig immer wieder neu von Anfang an. Selbst bei Star Wars hat man einfach den ersten (=4.) Teil nochmal erzählt, weil einem nichts einfiel.

Wie könnte man den ersten Teil mit irgendwas neuem neu erzählen, wenn einem nichts einfällt? Bessere Computertricks und Frauen in den Hauptrollen. Das ist alles. Mehr isses nicht. Irgendwer dachte, dass das in den Zeitgeist passt und besser verkauft.

Dass das Ding von beiden Seiten als feministisches Ding bezeichnet wird, als Attentat auf den guten Geschmack oder Nachweis für die Überlegenheit als Frauen ist ungefähr so substanziell, wie wenn sich der Islamische Staat nachträglich zu einem Terrorakt bekennt, von dem er gerade in den Nachrichten erfahren hat. Man versucht halt mitzunehmen, was man kriegen kann.

Feminismus glaubt man nichts mehr

Obwohl der Film überhaupt nicht feministisch ist (dass es nicht mehr reicht, die Strahlen zu kreuzen, und sie deshalb dem Supergeist nicht mehr in den Kopf, sondern in die Eier schießen müssen, um ihn umzulegen, fällt bei mir unter Klamauk), wird er für feministisch gehalten und entweder als solcher verdammt oder verteidigt.

Es ist interessant, wie sich das auswirkt.

Denn egal, wie gut oder wie schlecht sie spielen, ein als feministisch aufgefasster Film hat von vornherein verloren. Mittlerweile haben sich die Feministinnen durch diese Dauernerverei, durch diese Dauerbeschallung so den Ruf versaut, dass alles durchfällt, was auch nur entfernt nach Feminismus riecht.

Das ist ein enormer Backlash. Nie wurde Feminismus als so negativ empfunden wie heute.

Wenn dann noch diese ständige moralinsauere Erziehungspropaganda der Medien hinzukommt, dann ist das, wie wenn einem jemand das Mittagessen mit „Iß, das ist gesund!” hinstellt. Egal, was auf dem Teller liegt, es schmeckt nicht mehr.

Und so erleben wir, dass der Feminismus Frauen richtig schadet. Hier den vier Schauspielerinnen. Völlig egal, welche Leistung sie zeigen, sie haben verloren.

Man glaubt dem Feminismus nichts mehr, man sieht ihn nur noch als verlogene Entgleisung. Und hat damit auch ziemlich recht.

Feminismus/Genderismus ist zum Universal-Makel geworden.

Und das ist gut so. Das muss sich einfach im öffentlichen Bewusstsein durchsetzen, dass dieser Genderschwachsinn ein Nachteil, ein Minuspunkt ist.

Remake

Neue Filme müssen eigentlich nicht gut sein, es reicht, wenn sie originell sind.

Remakes dagegen werden immer qualitativ mit dem Original verglichen, das ist immer der Maßstab. Und potentiell tödlich, wenn das Original eine Legende ist. Schon Star Wars 7 hat das nur mit viel Mühe zum „Geht so…” gebracht. Ghostbusters ist aber so singulär, das kann man nicht remaken.

Hollywood Krawall

Hollywood produziert heute zwar gute optische Qualität, aber nur Story-Müll mit viel Krachbumm und Krawall.

Das funktioniert nicht mit Ghostbusters, weil die bei allem Slapstick eine Story haben, die erzählt werden will.

Das heutige Hollywood kann Batman und Independence Day als Massenmüll produzieren, aber nicht mehr sowas wie Ghostbusters. Da hilft es nicht mal, dass der Film anscheinend in Australien hergestellt wurde.

Vertauschte Rollen funktionieren nicht

Es gibt nur wenige Fälle, in denen solche Geschlechtertauschgeschichten funktionieren. Die hier kann nicht funtionieren.

Warum?

Ganz einfach:

Männer sind Ghostbuster.

Frauen sind es nicht.

So einfach.

Warum?

Weil Frauen in der Realität nicht genug verrücktes kreatives Zeug machen, und die Parodie deshalb nicht funktioniert. Schaut Euch mal um. Das ganze verrückte Zeug machen die Männer.

Frauen sind heute „schutzbedürftig”. Sexualstrafrecht, Schutzräume, Hate Speech und so. Das nimmt denen kein Mensch mehr ab, dass die Geister jagen gehen. Man kann nicht in der Realität das Quotenhühnchen geben, überall mit Nullanforderungen reinwollen, sich per Quote finanzieren lassen, von Männern aushalten lassen, alles mühelos und umsonst mit Vollversorgung haben wollen, und dann so tun, als wären Frauen Ghostbusterinnen.

Oder anders, noch härter gesagt:

Man kann nicht gleichzeitig für weibliche Schauspieler das Plagiat als Partizipation des manngemachten Kultfilms nehmen und in der Presse dann auch noch Kritikschutz fordern, und gleichzeitig toughe Geisterjägerinnen geben wollen.

Allein schon das Zustandekommen des Films und die Pressearbeit dazu macht den Anspruch, Geisterjägerinnen zu sein, lächerlich.

Wie will jemand Geisterjägerin sein, der gleichzeitig Heulkrämpfe von Hatespeech-Postings bekommt?

Klamauk

Der erste Ghostbusters-Film war eine Komödie, die ihre Komik daraus bezog, die Sache ernst zu nehmen.

Der neue Ghostbuster-Film ist unwitzig, versucht es stattdessen aber mit Klamauk.

Als der Film losging, habe ich mich gewundert und geärgert, dass mit der Leinwand anscheinend irgendwas nicht in Ordnung ist. Das Bild war einfach zu klein.

Normalerweise haben sie in Kinos schwarze Vorhänge, die sie links und rechts auf das Filmformat des Filmes aufziehen. In der Höhe stimmt der Film immer mit der Leinwand überein.

Hier nicht. Oben und unten waren schwarze Balken wie beim Fernsehen, wenn man 16:9 in 4:3 guckt („letterbox”), und die Breite war unterhalb des möglichen. Ich habe mich erst gewundert, warum die das Bild nicht auf die volle Größe einstellen.

Die schwarzen Balken sind aber Teil des Films. Die gehören dazu. Deshalb können sie das Bild nicht größer machen, weil es sonst in der Höhe nicht mehr passt. Der Gag soll sein, dass sie in manchen 3D-trächtigen oder actionartigen Szenen über das Filmformat hinausragen, mal hängt eine Halskette aus dem Filmbild heraus, mal geht oben eine Hand aus dem Bild heraus, weshalb sie die schwarzen Balken brauchen.

Meine Güte.

Mit sowas kann man mir nicht kommen. Das ist billig.

Der Film selbst

Hinweis: Sitzen bleiben, auch nach dem Abspann, da kommt noch ca. 5 Minuten lang was. Da waren fast alle Leute aus dem Kino noch weg. Es kommen noch verschiedene Musik- und Tanzszenen.

Ich fand den Film nicht witzig. Die Kalauer schal und wie alte Socken, auch wenn ich für dreckige Anspielungen normalerweise was übrig haben und dafür Pluspunkte vergebe.

Der Film hatte einige Längen, ich wollte zwischendrin vorspulen.

Vor allem aber hat der Film keine tragende, konsistente Story. Sie reden und reden und reden zwar viel, zu viel, aber es trägt die Story nicht, es sind oft belanglose Frauengespräche, die teils auch noch leidenschaftlos abgespult werden. Die machen nicht Ghostbusters. Die machen eine Art Sex in the City. Fast alles, was Frauen filmisch machen, läuft auf Sex and the City hinaus. Es ist fast immer Sex and the City.

Fand ich gähnend langweilig. Ich will aber nicht verschweigen, dass vor und hinter mir je eine Reihe von Frauen saßen, die sich immer wieder vor Lachen ausgeschüttet haben. Selbst wenn die Sprüche zum einschlafen waren oder sogar gar nichts passierte. Entweder fehlt mir der weibliche Sinn für die versteckte Komik in Frauengesprächen (ich halte sie für komisch, aber nicht für Komik), oder die haben nur gelacht, weil es in einer Frauenzeitschrift so stand.

Außerdem finde ich die Schauspielerinnen richtig schwach und überfordert. Die spielen oft wie gewollt und nicht richtig gekonnt. Einzig Holtzmann (Kate McKinnon) spielt irgendwie charakteristisch, aber die übertreibts dann auch und kommt nur künstlich rüber.

Apropos Holtzmann: Die hat bei mir gleich den Deja-vu-Alarm ausgelöst, die kam mir wie ein wandelndes Plagiat vor, sowohl optisch, wie auch vom Benehmen. Wisst Ihr, von wem? Das niederländische Erfinder-Huhn aus Chicken Run.

Wie schlecht die Schauspielerinnen sind, merkt man vor allem durch die klare Rollenverteilung: Die Frauen sind die Guten, während die Männer nur die Geister, Bösewichte und Vollidioten abgeben.

Und da ist gut so.

Denn die Männer spielen die Frauen sowas von an die Wand.

Beispielsweise der hübsche, austrainierte aber so völlig übertrieben absurd doofe Sekretär. Der spielt schon wieder so gut und selbstironisch, dass der die voll plattmacht. Der steckt die alle ganz locker in die Tasche. Und kann sich im Gegensatz zu den Frauen auch bewegen. Es kommt nicht von ungefähr, dass in der Tanzszene im Abspann eben dieser Idiot mit den Polizisten tanzt, praktisch ohne Frauen. Die können sich nämlich nicht bewegen. Der schon.

Selbst der Bösewicht ist ihnen überlegen. Obwohl der insgesamt nur ein paar Sekunden mitspielt, hässlich ist und früh stirbt. Der muss noch gar nichts gesagt haben, der guckt 2 Sekunden in die Kamera und hat alle vier Hauptdarstellerinnen überrannt.

Sollte ein Gag werden, dass die Frauen die Ghostbusterinnen und die Männer die Bösen und die hübsch anzusehenden Vollidioten spielen.

Selbst als Vollidiot spielt er die Frauen locker an die Wand. Die sind nämlich nur inkonsistent unterwegs wie aufgescheuchte Hühner.

So sieht’s aus: Vier Frauen in Hauptrollen können gegen den Idioten in der Nebenrolle nicht anstinken.

Dazu eben morderner Hollywood-Krampf: Kaum konsistente Story, es passiert halt einfach irgendwas, mal dies, mal das, und dann kommt es zum großen, stadtverwüstenden Krachbumm und wilder Action. Und unzählige neue Waffen, als ob’s auf die Zahl der Waffen ankäme.

Richtig gut war die Optik.

Die ganzen Filmtricks aus dem Rechner sind qualitativ richtig gut. Und kommen dann auch in 3D gut rüber.

Aber: Ich fand’s völlig überladen.

Beispielsweise haben es die Requisiteure auf Speed übertrieben.

Man sieht ständig Bilder von Innenansichten oder auch mal Stadtansichten, die überdetailliert sind. Da steht unglaublich viel Zeugs und Gerümpel herum, das ist optisch alles überladen und sieht so künstlich zusammengestellt aus. Dazu die deftig gesättigten Farben, die hohe Auflösung und der 3D-Effekt. Man kommt sich nicht in einer Stadt mit Geisterproblemen vor, sondern wie in der Geisterbahn von Disneyland, wo alles so künstlich aufgestellt und vollgepackt ist.

Es war auch viel zu viel Krachbumm. Ganze Geisterinvasionen. Die grüne Fressknolle aus dem ersten Teil kommt mit der Sippe und der Geisterfreundin an (genauso hässlich), und auch ansonsten geht’s nach dem Motto „viel hilft viel”.

Keine Story oder so, einfach nur viel haudrauf.

Man merkt sehr deutlich, dass das so ein x-beliebiger austauschbarer Hollywood-Stil ist. Der Film unterscheidet sich kaum von x-beliebigen Batman- oder Spiderman-Filmen. Immer dieselbe Soße. Ist denen eigentlich völlig egal, welchen Film sie gerade machen. Viel Krach, viel Bumm, verwüstete Straßenzüge.

Und dazu noch die Cameo-Auftritte von dreien der alten Ghostbuster-Schauspieler (einer lebt ja nicht mehr) und Sigourney Weaver. Wobei man sehr deutlich merkt, dass sie Weaver nicht im Drehbuch hatten und für schnell noch irgendeinen Mist nachträglich gedreht haben, der überhaupt nicht in die Story passte. Gut, seien wir ehrlich, auch die Cameo-Auftritte der der Ur-Ghostbusters passen nicht in die Story, aber wirken zumindest nicht nachträglich angeklatscht.

Fazit

Monströs überbewertet.

Der Film ist weder ein Angriff auf die Männer, noch bringt er irgendwelche feministischen Errungenschaften.

Der Film ist belanglose Massenproduktion aus der Hollywood-Maschine, völlig bedeutungs- und inhaltslos, Standard-Technik, der Versuch, Geld mit Zeitgeist abzugreifen, wo es für eine inhaltliche Idee nicht gereicht hat. Deshalb muss man auch mit solchen Pseudo-Gags arbeiten wie dem Aufkochen alter Musik, Cameo-Auftritten, dem herausgreifen aus dem Bildformat und 3D. Was man halt so braucht, wenn man keine Story hat.

Einfach irgendein bedeutungsloses Krach-Bumm-Gedudel, das versucht, den Musik-Kracher aus dem ersten Teil abzumelken, besetzt mit einer Komikerinnentruppe, die nicht schauspielern kann und von den Nebendarstellern abgehängt wird.

Mäßig unterhaltsam vielleicht, wenn man an Krach-Bumm, viel Hektik und endlose storyfreie Frauengespräche wie in Sex-and-the-City Gefallen findet.

Den Kino-Preis von rund 15 Euro (mit Vorverkaufsgebühr, Leute, das sind rund 30 Mark!) für einen profanen Film halte ich für hoffnungslos überteuert und unangemessen. Und offenbar nicht nur ich, das Kino war ja fast leer.

Kann man sich anschauen, wenn er kostenlos im Free-TV und sonst nichts Besseres kommt.

Sich darüber zu streiten ist völlig verfehlt und Zeitverschwendung. In einem Monat kräht kein Hahn mehr nach dem Film.

Noch weniger als den Eintrittspreis ist der Film aber näherer Erwähnung wert. Das ist einfach kein Thema.