Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Vom Unterfangen, einen 3D-Drucker zu bauen

Hadmut
5.5.2016 2:12

Wie aus einer Stunde 9 Tage wurden. Oder: Nein, ich bin nicht zufrieden. [Update: Problem gelöst, ich bin jetzt zufriedener.]

Ich hatte doch neulich berichtet, dass ich mir Speicherkartenboxen, die ich im Handel nicht so bekommen habe, wie ich sie brauchte, einfach selbst entworfen und vom 3D-Druckdienstleister bauen lassen habe.

Ich war positiv überrascht. Die Dinger waren besser und stabiler, als ich es erwartet habe, und als ich bisher 3D-Druck-Teile von Messen, Vorführungen und so weiter kannte. Ich habe mir inzwischen noch mehr von den Dingern in verschiedenen Größen machen lassen, aber das geht dann auch schon etwas ins Geld, obwohl ich einen sehr preisgünstigen Anbieter hier gefunden habe.

Ich habe mir auch noch etwas anderes drucken lassen, denn ich brauchte eine Halterung für eine Platine. Mal einen anderen Anbieter ausprobiert. Und war nicht ganz so zufrieden. Zwar auch sehr gut gedruckt, aber ich hatte mich mit den Maßen etwas ver- und die Präzision des Druckers überschätzt, die Schrauben und Muttern passten nämlich nicht in die Aussparungen, die ich vorgesehen hatte. Kleine Löcher geraten etwas kleiner als geplant. Hätte man zurechtfeilen können, aber ich wollte dann doch noch etwas anderes ändern. Und nicht jedesmal zum Dienstleister rennen.

Also den Beschluss gefasst, dass ich groß und erwachsen genug bin, mir einen 3D-Drucker zuzulegen. Eine Freundin von mir hat sich einen Papagei zugelegt. Ich kenne einen, der hat einen Taucherausrüstung. Warum also sollte ich dann keinen 3D-Drucker haben?

Ich hätte sowieso ein paar Sachen damit zu entwerfen und zu bauen.

Die Frage ist natürlich, welchen 3D-Drucker man kauft. Zumal ich zu diesem Zeitpunkt noch völliger Laie war und mir das erst mal anlesen musste. Es gibt diverse Drucker, aber die meisten fangen bei merklich über 2000 Euro an, und das ist mir für ein Gelegenheitswerkzeug dann doch zu teuer.

Gibt auch günstigere. Eine Kollege hat sich neulich den hochgepriesenen 3D-Drucker von Tchibo gekauft (der natürlich nicht von Tchibo gebaut ist, sondern nur da vertrieben wurde). Der Drucker ist aber sehr klein (d.h. hat kleinen Bauraum). Und ich habe aus dem Kollegen bisher nicht so wirklich herausbekommen, ob er damit zufrieden ist oder nicht. Ich habe ihn mal gefragt, aber er bekam da einen Gesichtsausdruck, der jetzt nicht wirklich ermutigend war. Bisher hat er auch keine gedruckten Teile vorgezeigt und war merklich verstimmt, als ich ihm meine schöne Speicherkartenbox zeigte. Die Frage stellte sich dann aber sowieso nicht, denn der Drucker von Tchibo war dann auch ausverkauft.

Aufgefallen war mir aber, dass beide Leute, bei denen ich hatte drucken lassen, mir sagten, dass sie einen „Prusa i3” hätten.

Dazu habe ich erst mal eine Weile gegoogelt und gelesen, um zu verstehen, warum „Prusa i3” nicht nur ein Drucker, sondern eine ganze Kategorie von Druckern ist.

Es handelt sich dabei zwar eigentlich um die dritte Version („i3”) der 3D-Drucker von Josef Prusa, der die im Internet anbietet. Aber es gibt zwei Besonderheiten:

  • Das Ding ist so konstruiert, dass es aus Teilen besteht, die entweder Standard-Bauteile aus dem Handel sind, oder die selbst mit dem 3D-Drucker gebaut sind, man also theoretisch nicht das Problem haben kann, Bau- oder Ersatzteile zu bekommen, weil man alles, was nicht Standard ist, als Datei herunterladen und selbst drucken kann.
  • Er hat die Pläne als Open Source herausgegeben, die Software ist auch allgemein verfügbar.

Charakteristisch ist dabei der Aufbau mit dem typischen Rahmen, dem beweglichen Tisch in y-Achse, den zwei Antrieben für die z-Achse und dem Portal für die x-Achse. Und der Drucker hat eben keinerlei Schnickschnack oder Überflüssiges. Er besteht aus dem Minimum dessen, was man braucht, um den Druckkopf in drei Dimensionen zu bewegen.

Es gibt deshalb eine ganze Reihe von Firmen auf allen Kontinenten, die selbst Abkömmlinge und Nachbauten des Prusa i3 anbieten, und die meist auch so oder daran angelehnt heißen. Und mitunter auch Verbesserungen vornehmen. Manche haben Rahmen aus Acryl, andere aus Alu oder Stahlblech. Es gibt welche mit verbesserter Software, zwei Düsen, externer Elektronik oder etwas größerem Bauraum. Alle werden als Bausatz angeboten, aber manche optional auch als (teureres) Fertiggerät oder sogar mit Kurs und Betreuung zum Zusammenbau. Die meines Wissens billigsten stammen aus HongKong und liegen bei etwa 300 Euro, die teuersten aus Berlin und fangen irgendwo um die 1300 Euro an.

Manchen Webseiten behaupten, dass die meisten 3D-Drucker der Welt inzwischen Prusa i3-Varianten sind, und es fällt auf, dass sich da ein regelrechtes Ökosystem gebildet hat. Bei eBay und Amazon, aber auch bei den China-Versendern Banggood und Aliexpress bekommt man inzwischen fast alle Bauteile, vor allem Verschleißteile für 3D-Drucker. Deshalb war mir relativ schnell klar, dass ich mir irgendwas aus der Prusa i3-Familie bestellen würde.

Zuerst bin ich auf die billigen China-Drucker gekommen. Habe allerdings relativ schnell viele Warnungen in Foren dazu gefunden, wonach die Drucker Schrott wären, schon defekt geliefert würden und der Support miserabel wäre. Außerdem gehe ich davon aus, dass der Preis – der je nach Anbieter den Versand nach Europa enthält – noch keine Steuer enthält, man also bei einem Drucker für 330 Euro letztlich bei mindestens 400 Euro landet. Und dann den Ärger? Sowas hätte ich gar nicht erst bloggen dürfen, weil ich bei sowas dann sofort Zuschriften von tausend Besserwissern bekommen, die einen mit „wer billig kauft, kauft zweimal” belehren. Allerdings habe ich inzwischen auch Videos von Leuten gesehen, die behaupten, damit zufrieden zu sein und beim Aufbau nur kleiner Korrekturen vornehmen mussten. Und sogar Leute, die das Ding mit Versand aus Deutschland anbieten, also eigentlich keine Steuer mehr draufkommt. War mir aber zu heikel.

Nach vielen Vergleichen bin ich letztlich auf zwei Drucker zur Wahl gekommen, nämlich das Original von Prusa (Bausatz ca. 650 Euro) oder einen Hephestos 2 von BQ. Zuerst war mir deren Hephestos (ohne 2) aufgefallen, der gegenüber dem Original verbessert sein soll und etwas weniger kostet (500 Euro). Sie bieten aber auch einen Hephestos 2 an, der einen größeren Tisch, bessere Software, ein Metall-Chassis, einen besseren Druckkopf und einen Induktionssensor zur automatischne Kalibrierung hat.

Allerdings haben die BQ-Drucker einen Nachteil: Sie haben keinen beheizten Tisch.

Es gibt nämlich verschiedene Kunsstoffe, hauptsächlich PLA und ABS. Und für manche, darunter ABS, braucht man einen heißen Tisch um sie zu bauen. PLA gilt zwar als viel einfacher zu verarbeiten, ist aus Pflanzen hergestellt und verrottet in der Witterung, ist also bei Herstellung und Entsorgung umweltfreundlicher, entwickelt beim Verarbeiten keine giftigen Dämpfe. Und braucht keinen Heiztisch. Es ist damit aber eben nicht so haltbar und hat einen Erweichungspunkt von 60°C, kann also in der Sonne oder im Auto schon an Stabilität verlieren. Ist halt doof, wenn man sich Kamerastativteile baut und die in der australischen Sonne weich wie Butter werden. ABS dagegen gilt als schwieriger zu verarbeiten, stinkend, ungesund, ökologisch schwieriger, aus Öl hergestellt, aber dafür witterungsbeständig und schlagzäher.

Der kleinere Hephestos fiel dann bei mir aus der Auswahl, weil der für 60 Euro mit einem großen Tisch ausgestattet werden kann, aber im Vergleich trotz seiner Verbesserungen nicht gegen den Original Prusa ankann, der für 650 Euro einen beheizten Tisch bietet und alle Materialien drucken kann. Andererseits sieht der Hephestos 2 deutlich besser und stabiler aus, hat einen überragend großen Bauraum (ca. A4 Grundfläche) und sei angeblich sehr stabil, weil alle Plastikteile durch Metall ersetzt wurden. Dazu habe er einen drastisch verbesserten Druckkopf, der exzellent ellastisches Filament drucken können soll, und eben den Induktionsssensor.

Außerdem soll er in angeblich einer Stunde zusammenzubauen sein (manche sagen, es würde doch 3 bis 4 Stunden dauern), und das viel einfacher. Zum Hephestos habe ich nämlich einen Bericht gesehen, wonach man mit dem Lötkolben Muttern erhitzen und dann in den Kunststoff einschmelzen muss, um Bauteile mit Gewinden zu versehen. Und wenn man nicht sehr aufpasst, jagt man die Mutter zu tief oder schief in das Material. Sowas mache ich gerne, wenn ich schon einen Drucker habe und vermurkste Bauteile einfach nochmal neu drucken kann. Aber nicht beim ersten.

Ich habe drei Wochen gegrübelt, was mir wichtiger ist, der Heiztisch des Original Prusa für 650 Euro oder der größere Bauraum und hochgelobte Druckkopf, stabilere Rahmen und angeblich leichtere und schnellere Aufbau des Hephestos 2 für 850 Euro.

Ich habe mich dann, auch aufgrund eines Vergleichs im Internet und einiger Youtube-Videos, für den Hephestos 2 entschieden. Kam vor knapp zwei Wochen. Obwohl die Firma BQ eine spanische ist, wird der Drucker aus Deutschland geliefert.

Der Bausatz

Als ich das Ding bekommen habe, dachte ich erst mal „Wow!”

Wird in einem riesigen stabilen Papp-Koffer geliefert, in dem drei Etagen aus detailliert ausgestanzten Pappschichten enthalten sind, die man einzeln herausnehmen kann. Alles sauber beschriftet, jedes Teil an seinem Platz. Ich habe mich erst gewundert, warum die Teile mit 12A und 14B bezeichnet und nicht einfach durchnummeriert sind. Die Buchstaben geben jeweils an, in welcher der drei Pappschachteln das Bauteil ist.

Kann man nicht anders sagen: Die Verpackung ist sensationell. Man kommt sich vor, als könnte man über’s Wochenende einen Airbus A380 zusammenbauen.

Dazu eine sehr ausführliche und gut bebilderte Bauanleitung.

Und (fast) alles an Werkzeug, was man braucht, namentlich einfache gewinkelte Inbus-Schlüssel mit Kugelkopf der Größen 2, 2,5 und 3, anscheinend aus gutem Material (sieht nach Chrom-Vanadium aus) und ein paar Gummihandschuhe für die fettigen Teile.

Drei weitere Dinge sollte man aber haben: Schere und Allesschreiber, um die Schraubenbeutel sauber aufzuschneiden und zu beschriften, weil sie nicht beschriftet sind.

Und eine digitale Schieblehre (Messschieber) hat mir große Dienste geleistet, nämlich um die Schrauben auszumessen, damit man die richtigen verwendet, und zur Fehlersuche (s.u.). Eigentlich ein ganz billiges Ding aus dem Supermarktangebot, hat mir aber beste Dienste geleistet und mich mit einer Wiederholgenauigkeit im Bereich von Hunderstel Millimetern verblüfft.

Der Zusammenbau

Ich hatte gar nicht erst vor, mich zu beeilen und das Ding in einer Stunde zusammenzubauen. Nachdem im Internet andere von einer Bauzeit von 3 bis 4 Stunden gesprochen haben, habe ich mir einen Abend Zeit genommen (Montag abend vergangener Woche), dazu einen Fernsehkrimi angestellt, mir noch lecker belegte Brote (mit Gürkchen) gemacht, nebenher noch E-Mail gelesen und beantwortet und vorgehabt, das so langsam vor mich hinzubasteln und dabei alle Teile genau anzusehen und auszuprobieren.

Eigentlich lief das alles auch ganz gut. Das ist – solange es normal läuft – auch nicht schwer. Wer IKEA-Möbel zusammenbekommt, kriegt auch das Ding hin. Zwei kleine harmlose Fehlerchen sind mir unterlaufen, die aber trivial zu korrigieren waren. Es sind vier gleiche Schrittmotoren dabei (eigentlich fünf, aber der fünfte ist im Kopf und der wird schon fertig mitgeliefert). Und da steht halt in der Anleitung, dass man erst einen Zahnkranz auf die Achse schraubt und dann den Motor an einen Blechwinkel, und ich habe erst danach gemerkt, dass das schon der nächste und nicht der gleiche Motor war, an den ich gerade den Zahnkranz geschraubt hatte. Also wieder abgeschraubt. Und beim Anschrauben eines Bleches ist mir erst danach aufgefallen, dass ich den Zahnriemen hätte anders führen müssen, also auch nochmal abschrauben. Trivial.

Zum bemerken ist allerdings, dass man die Sache auf zwei Weisen versauen kann:

  • Das Material, auch der Motorengehäuse, ist leider sehr weich. Es passiert auch bei nur kleinem Kraftaufwand sehr leicht, dass man Schrauben überdreht. Das wird dadurch erschwert, dass man zum Schallschutz zwischen viele Teile Gummistücke legt und damit nicht Metall auf Metall stößt, sondern ein Gummipuffer dazwischenliegt und es deshalb schwer ist zu fühlen, ob man gerade zu fest oder noch zu locker schraubt und wieviel das Material hält. Zu leicht darf man aber auch nicht schrauben, das Ding soll ja zusammenhalten.
  • Es gibt drei Linearkugellager (halt nicht rund, sondern ein kugelgelagerter Schlitten auf einer Schiene.) Die Dinger haben keinen Anschlag. Passt man nicht auf, rutscht einem der Schlitten von der Schiene und fällt herunter und die Kugeln fallen heraus. Bekommt man nie wieder rein, schon gar nicht ohne Fremdschmutz. Sie warnen auch in der Anleitung davor. Ist mir sogar einmal passiert, dass mir der Schlitten verrutscht ist, aber da war das Teil schon so eingebaut, dass nichts mehr passieren konnte. Die Dinger kosten im Chinaversand einzeln 20 Euro.

Probleme hatte ich auch bei einem der Gehäuseteile. Der Drucker hat im hinteren Bereich zwei etwa handflächengroße Gehäuseschalen. Eine bleibt leer, die andere enthält die Elektronik. Bei einem haben aber die Schraubenlöcher nicht gepasst und ich habe das doch erst genau anschauen und dann mit dosierter Kraft zusammenbiegen müssen, bis die Löcher zur Deckung kamen und ich da endlich die Schraube drin gehabt habe. Zumal das heikel war, weil man da schon viele Gestängestangen an einer Seite angeschraubt hat und man mit Kraftaufwand immer riskiert, sie zu verbiegen oder abzubrechen. Hat mich ca. 15 bis 20 Minuten gekostet, bis die Schraube endlich drin und das Teil zusammengeschraubt war.

Auch die Montage der Kette des Kabelbaums ist ein ziemliches Gefummel. Geht aber alles.

Das Problem

Eins ging aber nicht. Eins von zweien um genau zu sein.

Ich hatte es problemlos bis Seite 40 geschafft. Dort werden links und rechts zwei gefräste Alu-Klötze auf die Schlitten der Linearkugellager geschraubt, auf die dann später quer das Portal mit dem x-Achsen-Antrieb kommt. Die werden mit je vier Schrauben M 3×8 festgeschraubt.

Das Problem: Einer saß fest, der andere aber wackelte.

Komisch. Hab ich was falsch gemacht? Nochmal ab- und wieder angeschraubt. Einer sitzt fest, der andere wackelt.

Mal verglichen. Seltsam. Obwohl die Klötze gleich sein sollen, unterscheiden sie sich in der Höhe um 0,8 mm.

Weiter ausgemessen.

Die Schrauben M 3×8 haben ein genau 8 mm langes Gewinde (deshalb heißen sie so, aber nochmal nachgemessen). Man kann sie ganz exakt 4 Millimeter in die Schlitten schrauben, womit sie exakt 4 mm (Abstand Schlitten bis Schraubenkopf) hervorstehen. Weiter gehen sie nicht rein.

Die Klötze haben vier dicke Bohrungen für die Schrauben, die nicht ganz durchgehen, und innen dann dünnere Bohrungen, durch die nur das Gewinde passt, damit der Schraubenkopf den Rand halten kann. So halten die Schrauben den Klotz am Schlitten.

Bei dem Klotz, der gut hält, ist der Klotz an der Stelle 27,47 mm dick, die dicke Bohrung für die Schraube 23,25 mm tief, verbleibt also ein Rand (bzw. dünne Bohrung) von 4,22 mm, den die Schraube halten kann, man kann sie also festschrauben.

Der schlechte Klotz ist dagegen nur 26,67 mm dick, hat aber eine dicke Schraubenbohrung von ebenfalls 23,28 mm, womit die Differenz nur 3,39 mm beträgt, und das kann eine Schraube, die mindestens 4 mm hervorsteht, eben nicht festhalten.

Man hätte einfach M 3 x 6 Schrauben verwenden können, aber erstens wusste ich nicht, ob genug dabei sind, die wirkten genau abgezählt. Zweitens erwarte ich bei einem 850-Euro-Bausatz, der explizit damit beworben wird, schnell und einfach zusammenzubauen zu sein, dass das Zeug passt. Drittens erschien mir das nicht ratsam, weil die Stelle hoch belastet ist, und ich da nicht mit 2mm oder weniger Gewinde arbeiten will. Viertels will ich das symmetrisch haben. Ich will’s auf beiden Seiten gleich gebaut haben.

Service-Call beim Hersteller aufgemacht und das Problem samt Teilenummer und Seite der Anleitung beschrieben.

Am nächsten Tag die Antwort. Ja, sie bräuchten erst mal Kaufdatum, Rechnungsnummer, Seriennummer und ein Foto des defekten Teils.

Hingeschickt.

Nächster Tag, nächste Antwort: Das reicht ihnen nicht, das Teil zu sehen. Ich müsste ihnen das so fotografieren, dass man das Problem sieht.

Kann man schlecht, ist innen und beträgt 0,8mm. Also hab ich ihnen einen Zeichnung gemacht.

Antwort: Schöne Zeichnung. Aber sie wollen Fotos.

Mmmh. Beide Teile wieder ausgebaut, nebeneinander gestellt und fotografiert:

Noch ein paar Fotos mit der Schieblehre dran gemacht. Hingeschickt.

Nächste Antwort: Ja, vielen Dank, das wäre ja super, jetzt hätten sie das Problem verstanden. Sie machen mir eine Ersatzlieferung fertig. Allerdings müssten sie ihre Prozesse einhalten. Sie würden erst die Abholung des defekten Teils veranlassen, und sobald der Paketdienst bestätigt, dass er das abgeholt hat, könnten sie die Ersatzlieferung losschicken.

Ich bin etwas sauer und fühle mich schikaniert. Sie werben damit, dass das Ding so einfach und in einer Stunde aufzubauen ist, und jetzt liegen die Einzelteile schon mehrere Tage bei mir herum. Man kann auch den Rest nicht einfach weiterbauen, weil man das Ding nicht aufrichten kann, weil sonst die Linearkugellager rausrutschen. Sind ja noch nicht festgeschraubt. Ich schreibe ihnen, sie sollen sich ranhalten. Außerdem sollten sie mir noch einen Moosgummiaufkleber mitschicken, der auf das Teil geklebt wird, den man aber nicht zerstörungsfrei wieder runterbekommt. Wenn ich den Klotz austauschen muss, muss ich auch das Moosgummi austauschen.

Sie bestätigen, sie schicken mir beides, aber erst nach der Abholung.

Nächster Tag (Freitag), keine Abholung.

Übernächster Tag (Samstag), keine Abholung.

Sonntag, der Danisch wird langsam sauer. Nicht, dass ich das jetzt dringend bräuchte. Aber wär’s ein Weihnachtsgeschenk, wäre Weihnachten längst versaut gewesen.

Montag, immer noch keine Abholung. Dafür ein Zettel, dass ich meinerseits ein Paket vom Paketshop abholen soll. Überraschung: Ein Paket aus Spanien von einer Technikfirma.

Drinnen: zwei neue Aluklötze. Etwas andere Oberflächenstruktur und Bearbeitungsspuren, außerdem hell glänzend und noch gar nicht oxidiert, sieht aus wie extra für mich frisch mit der CNC-Fräse gemacht.

Nur: Die passen auch nicht. Von der Länge so in der Mitte zwischen den beiden, die ich schon habe, dafür die dicken Bohrungen etwas tiefer. Die wackeln auch.

Außerdem kann ich sie sowieso nicht austauschen, weil sie das falsche Gummi mitgeschickt haben. Sie haben die Matte mit den festen Stanzgummiteilen und nicht die Moosgummiaufkleber mitgeschickt, was wohl daran liegt, dass die dummerweise beiden Teilen die Nummer 12A gegeben haben, weil in der gleichen Schachtel.

Wieder Mail hingeschickt.

Wieder Antwort bekommen. Ja, das gehöre so. Das müsse locker sein. So’n Quatsch. Der Druckkopf soll im Bereich der Zwanzigstel Millimeter Genauigkeit arbeiten, der kann nicht hin und herwackeln. Er verwechselt das mit den Schrauben, die von oben reingedreht werden, und die Pufferabstand (und deshalb ein Stück Moosgummi dazwischen) haben.

Da wurde mir das wirklich zu blöde. Ich habe mir die Minibohrmaschine mit Schleifvorsatz genommen und vier Schrauben um je 0,6 mm gekürzt, mir also Schrauben M 3 x 7,4 hergestellt. Mit denen ging das dann, damit konnte ich den ursprünglichen Klotz festschrauben. Ist halt irgendwie schon Mist, weil Sonderlocke und links anders als rechts, und absolut nicht das, was ich für 850 Euro erwarte. Aber ich wollte halt fertig werden. Aus der versprochenen einen Stunde waren schon rund 6-7 Stunden und 7 Tage geworden. Ich hab’s dann am Dienstag bis auf den Druckkopf fertig gebaut und heute noch den Druckkopf angeschlossen. Das hat sich dann halt doch gezogen. Ich hab nicht auf die Uhr geguckt, aber 8 Stunden werden es schon gewesen sein. Vor allem wegen dem Bauteil, das nicht passte.

Wäre der Bausatz einwandfrei gewesen, könnte man das, wenn man es schon mal gemacht hat, durchaus in unter zwei Stunden schaffen, wenn man sich ranhält (und etwas handlicheres Werkzeug verwendet). Ist aber halt nicht einwandfrei. Gab noch ein Kabelproblem (siehe unten).

Die Inbetriebnahme

Vorhin also fertig gebaut und wollte das Ding in Betrieb nehmen.

Eingeschaltet, Fallera! Juhu! Das Ding meldet sich auf Anhieb und will loslegen.

Vor dem Loslegen steht die Ausmessung/Kalibrierung. Da gibt’s auch kein dran vorbei. Das Menü kommt erst hinterher.

Das muss man deshalb, weil das Ding keine Positionsgeber, sondern nur zwei Schalter für die X und Y-Achse und einen Induktionssensor für die z-Achse hat. Solange die nicht umschalten, weiß der Drucker nicht, wie die Stellung ist.

Das Ding legt also los, seine Gräten da hin und herzufahren, sah zunächst gut aus, hörte sich dann aber ungut an und ging sofort dazu über, sich selbst zu zerstören. Obwohl ein paar Bewegungen gut aussahen, bretterte das Ding dann plötzlich den Kopf auf den Drucktisch runter und drückte den schier nach unten, Modus selbstzerstörung. Ließ nicht locker. Notausschaltung.

Druckkopf viel zu tief runtergefahren, drückt massiv den Tisch schief nach unten. Ist aber aus Metall und hält bombenfest.

Den Tisch also gerade so herausgezogen bekommen, nochmal frisch einschalten. Nächste Kalibrierung.

Geht noch mehr schief. Geht völlig schief. Denn das Ding ist in einem Zustand angekommen, den die Software nicht vorsieht, und aus dem das Ding nicht mehr rauskommt, wie ein Käfer auf dem Rücken. Der Tisch ist ganz vorne, und der Druckkopf hinter dem Tisch so weit runter, dass er unter dem Tisch hängt. Der Drucker merkt’s aber nicht, denn weil der Kopf hinter dem Tisch ist, ist unter dem Induktionssensor keine Metallfläche und der meldet nichts, der Drucker denkt also, der Kopf wäre zu hoch und fährt ihn noch weiter runter. Außerdem fährt er den Tisch nach hinten, weil er meint, der Kopf sei oben, geht aber nicht, denn der Tisch schlägt am Kopf an, der ja zu tief hängt.

Meine Güte.

Wie kommt man da jetzt wieder raus? Man kann den Kopf nicht einfach so manuell nach oben fahren. (Kurios: Doch, man kann aus dem Hauptmenü. Aber in das kommt man erst nach der Kalibrierung.)

Mir bleibt nichts anderes übrig, als auszuschalten und die beiden Motoren der z-Achse von Hand zu drehen, bis der Kopf wieder oberhalb des Tisches ist, damit sich der Tisch wieder nach hinten bewegen und der Induktionssensor was melden kann. Das ist insofern übel, weil man sich vorher beim Zusammenbau viel Mühe gibt dass die Gondeln auf beiden Seiten exakt gleich hoch sind, und das Ding nicht schief hängt. Dreht man die aber dann eingebaut von Hand, kann man das ummöglich präzise synchron halten.

Irgendwie irrt sich das Ding bei der Position des Drucktisches. Mit dem Multimeter nachgemessen: Der Schalter funktioniert. Aber er nutzt nichts, denn der Tisch kommt gar nicht erst weit genug nach hinten, um den Schalter zu berühren.

Probieren wir es erst mal mit einem Firmware-Update. Sie bieten die Update-Software sogar für Linux und Windows an. Notebook raus, neue Firmware über USB reingepumpt.

Ändert aber nichts. Selbes Problem: Der Tisch fährt zwar vor und zurück, gibt dann aber grausige Geräusche von sich, der Zahnriemen springt über den Zahnkranz des Motors (obwohl ich ihn stärker gespannt hatte), keine Ahnung, wie oft der das überlebt und welchen Schaden er dabei nimmt. Offenbar funktioniert was mit dem Tisch nicht richtig, und die doofe Software irrt sich über die Position des Tisches.

Ich gucke mir die Sache nochmal ganz genau von der Seite und mit Taschenlampe an, klemme mir dabei noch den Zeigefinger böse ein, und finde die Ursache. Oder besser die zwei Ursachen.

Hinten direkt unter dem beweglichen Drucktisch sind die beiden Gehäuseschalen, von denen ich schon geschrieben habe. In einer der beiden ist die Elektronik, eine Platine, die da reingeschraubt wird, und jede Menge Kabel mit Steckverbindern, die da draufgesteckt werden. Und das Gekabels ist zu hoch. Oder das Gehäuse zu flach. Wie man’s nimmt. Oben auf das Gehäuse nämlich kommt so eine dekorative gelbe Kunststoffabdeckung. Die passt so schon nicht richtig, weil etwas zu lang. Es kommt aber noch dazu, dass der Kabelsalat und die Steckverbinder zu hoch sind, und man das Ding nicht richtig zu bekommt, weil nicht genug Platz drin ist. Deshalb steht dieser Plastikdeckel so eine Winzigkeit zu hoch, und genau an der Kante dieses Deckels bleibt der Drucktisch hängen, wenn er zurückfährt. Deshalb springt der Zahnriemen dann über und macht das gruselige Geräusch (und ruiniert seine Zähne).

Das alleine wäre noch nicht so schlimm, wenn die Software nicht so blöde wäre.

Denn das Ding fährt Tisch (x-Achse) und Kopf (y-Achse) hin und her und verwendet nur seinen Induktionsensor, um sich zu orientieren. Ist der aber außer Funktion, weil der Tisch zu weit vorne ist und unter dem Sensor kein Metall mehr, ist das Ding blind.

Die beiden Anschlagschalter verwendet das Ding wohl nur als Notausschalter. Nicht zur Plausiblitätsprüfung.

Eigentlich hätte die Software erkennen müssen, dass der Tisch ja spätestens noch soundsoviel Umdrehungen hinten sein müsste, und dann mit Störungsmeldung abschalten, wenn das nicht passiert. Macht die Software aber nicht. Solange der Schalter nicht betätigt wird, fährt das Ding munter hin und her. Und irrt sich über die Position.

Und noch mehr: Wie können die eigentlich von einem von Laien gerade neu gebauten Drucker unterstellen, dass der funktioniert und sie da voll losbrettern können? Müsste man nicht erst mal einen Selbsttest fahren um zu sehen, ob alles richtig verkabel ist und die Schalter funktionieren? Drücken sie bitte diesen und jenen Schalter, um deren Funktion zu prüfen, bevor wir überhaupt irgendeine Bewegung machen? Bestätigen Sie nun, dass sich der Tisch gerade 1cm in diese Richtung bewegt hat?

Warum rattert diese Software einfach weiter, auch wenn er Endschalter nie gedrückt wird, obwohl er das müsste?

Ich versuche es damit, die Kabel tiefer reinzudrücken und den Deckel mit Klebeband zu befestigen. Mir ist mulmig, weil die Kabel mit Drosseln versetzt sind und die auf der offenen Platine für Kurzschlüsse sorgen können. Tatsächlich, dann spinnt der Drucker noch mehr.

Mit lockerem Deckel geht’s auch nicht, weil dann der Tisch am Deckel anschlägt.

Und ohne Deckel geht’s nicht, weil dann die Kabel raushängen und er Tisch die Kabel einfängt und rausreißt.

So’n Scheiß.

Ich schaffe es aber, die Kabel so reinzudrücken, dass sie wenigstens mal für ein paar Minuten da bleiben, wo sie hingehören, auch ohne Deckel.

Und plötzlich funktioniert die Kalibrierung einwandfrei (zumindest soweit die Mechanik die Suizidversuche überlebt hat). Es lag daran, dass der Tisch entweder am Deckel oder den Kabeln hängenbleibt. Zu wenig Platz.

Jetzt habe ich auch das Problem identifiziert und muss mir eine Lösung dafür suchen. Vorher kann ich nicht drucken, weil ich das Ding nicht drei oder vier Stunden lang laufen lassen kann, wenn immer die Gefahr besteht, dass da irgendwas anschlägt oder rausreißt.

Zwischenfazit

Ich bin nicht erfreut.

Natürlich ist ein 3D-Drucker etwas für Bastler. Wer nicht basteln will, der sollte sich nicht etwa einen fertigen 3D-Drucker kaufen, sondern der sollte sich gar keinen kaufen, weil ja auch die Produkte immer bastelintensiv sind.

Aber für 850 Euro habe ich mir was anderes vorgestellt, auch wenn der Drucker nun doch einen relativ soliden Eindruck macht. Von wegen teueres Werkzeug und wer billig kauft, kauft zweimal. Drucken kann ich erst mal nicht, ich muss erst das Problem mit dem Deckel und den Kabeln lösen.

Der Service ist auch nicht der Brüller.

Ich bekäme langsam Lust, mir wider alle Vernunft doch noch einen Billigst-Drucker aus China zu bestellen, dafür mit Heizbett für ABS, und einfach mal den ganz billigen Schrott gegen den relativ teuren Edel-Drucker zu vergleichen, der sich als relativ teuer aber unedel herausgestellt hat.

Ich seh ja ein, dass das eine Kleinserie ist (die Seriennummer suggeriert, dass sie noch dreistellig sind), und man dies nicht mit einer Küchenmaschine zum gleichen Preis vergleichen kann. Die Frage, ob die paar Teile soviel Geld wert sind, ist aber noch nicht positiv beantwortet.

Update:

Ich hab noch eine Nacht drüber geschlafen und das getan, was fast immer hilft: Mir das Problem noch mal genauer angesehen. Und eine Lösung gefunden.

Das Ding hatte zwei Ursachen.

Die erste Ursache waren die dicken Drosseln an den Kabeln. Wen man die Stecker nochmal entfernt, kann man die tatsächlich noch seitlich neben die Platine unter den Gehäuserand fummeln. Passt nur nicht, wenn man die Stecker erst reinsteckt und die Kabel dann verlegen will.

Die Hauptursache war aber, dass der Gehäusedeckel (aus gelbem Plastik, per Lasercutter geschnitten) schlicht zu lang ist und deshalb nicht in die Vertiefung passt und übersteht, der Tisch damit am überstehenden Deckel anstößt. Und da der Deckel eben ziemlich robust ist (sehr dickes Plastik), kann der den Tisch auch voll aufhalten und den Keilriemen zum überspringen bringen. Weil man seitlich noch eine Gummimatte zur Gehäuserückwand einbaut, die etwas übersteht, sorgt die zusätzlich für eine Kante, auf der der Deckel aufliegt und damit zu hoch liegt.

Ich habe den Deckel gerade am schmalen Ende abgesägt und dadurch um 2-3 mm gekürzt. Jetzt passt er und lässt sich viel leichter in die richtige Position drücken. Ich werde ihn noch mit etwas Klebeband dort befestigen und dann müsste das halten und passen.

Ich habe im Internet von einem Test eines Vorserienmodells gelesen, bei dem der Autor zwar mit dem Gerät sehr zufrieden war, aber ein permanentes sehr hohes Pfeifen der Schrittmotoren beklagt hat, bei dem der ganze Drucker in Resonanz schwingt. Kein technisches Problem, aber sehr nervtötend und unangenehm. Höre ich bei meinem nicht, kann aber auch an mir liegen, ich höre alters- und tinnitus-bedingt die ganz hohen Frequenzen nicht mehr so. Da der Autor aber auch schrieb, das Problem gemeldet zu haben, könnte es sein, dass diese Gummimatten zwischen den Gehäuseteilen und die Drosseln um die Kabel erst nachträglich dazugeplant wurden, um das Pfeifen der Motoren zu reduzieren. Könnte sein, dass da aus der Elektronik irgendwelche hohen Frequenzen mitvagabundiert sind und man das so bekämpft hat, und das dann zu ein paar Millimetern Platzproblem geführt hat. Besser wär’s gewesen, auch die Gehäuseabdeckungen festzuschrauben und nicht einfach nur lose draufzulegen.

Jedenfalls dürfte der Drucker damit endlich fertig sein. Unter mehrfachem Einsatz meiner Minibohrmaschine und eines Schleifeinsatzes und einer Mini-Trennscheibe. Ist jetzt kein grundsätzliches Problem, so handwerklich bin ich schon drauf, aber erwarte ich bei dem Preis einfach anders. Zumal sich die Frage stellt, ob man sich damit auch die Garantie absägt, wenn man am Gerät herumsägt.