Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Rede, der Despotismus und das Erdbeerradio

Hadmut
18.2.2015 20:58

Über drei Zeitungsartikel zur Rhetorik, die rein gar nichts miteinander zu tun haben.

Der erste Artikel (SPIEGEL) ist ein Interview mit einem Literaturprofessor (Literaturwissenschaftler…) über die Rhetorik von Politikern von Cicero bis Joschka Fischer. Er hält Fischer für besser als Cicero. Und er erläutert, dass entgegen bisheriger Annahme die Rhetorik nicht nur in der Demokratie, sondern auch im Despotismus herrscht:

Göttert: Es gibt eine europäische Tradition, beginnend im antiken Griechenland. Der europäische Redner weiß, dass es schwierig ist, Zuhörer zu überreden, weil sie unaufmerksam sind oder gar dumm. Er weiß, dass Zuhörer ihm nur glauben, wenn er Autorität gewinnt. Das versucht er auf zwei Weisen. Erstens indem er seine Rede logisch kunstvoll aufbaut, mit Antithesen oder Paradoxen. Zweitens indem er sie stilistisch kunstvoll gestaltet, mit Sprachschmuck wie Metaphern oder Anaphern. Beide Elemente finden sich in allen Reden, die ich analysiert habe. Wer beide Elemente beherrscht, wirkt auf europäische Zuhörer intellektuell und damit vertrauenswürdig.

SPIEGEL ONLINE: Die Zuhörer schließen von sprachlicher Brillanz auf inhaltliche Brillanz.

Göttert: Das ist ein Fehlschluss, natürlich, aber genau dieser Fehlschluss ist typisch für unsere Kultur. Und er ist auch nachvollziehbar: Redner haben nicht genug Zeit und Aufmerksamkeit, um eine Frage in allen Details zu erörtern. Ganz abgesehen davon, dass sich in politischen und juristischen Fragen anders als in der Wissenschaft ohnehin keine Gewissheit erzielen lässt. Unter diesen Voraussetzungen muss Autorität Argumente stützen, wenn nicht ersetzen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass in vielen Schwindelbereichen die Rhetorik das zentrale Thema ist, beispielsweise in Feminismus und Genderismus. Noch eine interessante Stelle:

Göttert: Die europäische Redekultur verändert sich zurzeit stark. Sie ist unter Druck geraten, nicht nur durch die Globalisierung. Auch das Fernsehen und die Emanzipation haben ihren Einfluss. Aus der Psychologie wissen wir, dass die sprachliche Kunst, die jahrhundertelang so gut gewirkt hat, weniger erfolgreich ist.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Buch taucht nur eine einzige Rednerin auf: Rosa Luxemburg. Ist die europäische Redekultur eine Kultur männlichen Redens?

Göttert: Das war sie, ja, aber das verändert sich eben gerade. Die amerikanische Psycholinguistik unterscheidet männliche und weibliche Rede. Als männlich gilt eine Rede, die stark logisch orientiert ist, also auf Antithesen und Paradoxe setzt. Als weiblich gilt eine Rede, die mit Beispielen und Erzählungen arbeitet. Und siehe da: Beispiele erweisen sich heute erfolgreicher als Logik. Anders gesagt: Empathie schlägt Überwältigung.

SPIEGEL ONLINE: Der bekannteste Vertreter dieser weiblichen Redekultur ist ein Mann: Barack Obama.

Göttert: Genau. Man weiß, dass er seinen Aufstieg wie kein anderer US-Präsident Reden zu verdanken hat, in denen er immer wieder von sich selbst erzählt, von seiner Herkunft, von seinem Großvater, der noch Sklave war. Die Reden leben vom konkreten Beispiel.

Ein Phänomen, das ich auch schon häufig beobachtet habe, besonders bei allen modernen politischen Reden und Veranstaltungen: Es interessiert überhaupt nicht mehr, ob etwas richtig oder logisch ist, es geht nur noch darum, eine emotionale Synchronisation zu erzielen. Es wird nicht mehr sachlich überzeugt, das Publikum schließt sich lieber dem empathischen Idioten an, und wenn der noch so großen Blödsinn erzählt. Merkt man beispielsweise, wenn man auf einer feministischen Veranstaltung vor feministischem Publikum in der Kommentarrunde ans Mikro geht und sagt, warum etwas falsch oder unlogisch ist. Kapieren die nicht, glotzen ein an, als käme man vom Mars. Stellt sich aber eine hin und erzhält eine herzerweichende Begebenheit, sind sie alle mit dabei, egal ob es was mit der Aussage zu tun hat oder nicht.

Warum ist das so? Pure Faulheit. Es geht nur noch darum, es sich – im übertragenen Sinne – bequem zu machen, jede Denkarbeit zu vermeiden, sich wohlzufühlen.

Man könnte auch sagen, wir verblöden.

Apropos verblöden:

Der zweite Artikel (FAZ) handelt von den Veränderungen in den Lehrmethoden der Schulen:

Wissen weniger wichtig
Der Kompetenz-Fetisch

Wissen wird in den Schulen weniger wichtig, Kompetenzen dafür umso mehr. Dadurch rückt auch der Schüler als Individuum mehr ins Zentrum. Aber wie gesund ist es, wenn alles nur noch um ihn kreist? […]

Die Ausbildung der Lehrer hat sich seit dem „Pisa-Schock“ vor 15 Jahren, als die Bildungsorganisation OECD deutschen Schülern schlechte Noten gab, stark verändert. Vom Lehrplan zum Kerncurriculum oder Bildungsstandard, von primär inhaltlicher zu sogenannter Kompetenzorientierung. „Output-orientiertes Lernen“ steht jetzt auf dem Plan.

Das heißt, entscheidend ist nicht, was die Schüler wissen, sondern was sie können. In der Sprache der Bildungsbürokraten: Aus inhaltlichen werden kontextspezifische Leistungsvoraussetzungen. Begründet wird es so, wie hier im Bildungsplan des Saarlands: „Der stetige Zuwachs an wissenschaftlichen Erkenntnissen erfordert in zunehmendem Maße lebenslanges Lernen. Der Unterricht trägt dem Rechnung durch die besondere Betonung methodischer Kompetenzen und durch exemplarisches Lernen. Damit verbunden sind inhaltliche Reduktion sowie der zunehmende Einsatz schülerzentrierter Sozialformen.“ Der Lehrer wird zum Moderator. […]

Weg mit dem toten Wissen, her mit brauchbaren Fähigkeiten lautet die Devise. Seit Jahren und mit ungetrübtem Enthusiasmus von Seiten der Bildungspolitiker werden die Lehrpläne an Universitäten und Schulen neu geschrieben. Unter Professoren regt sich aber auch Protest. […]

Auf einer Frankfurter Tagung der GBW berichtete er kürzlich, seine Wiener Universität habe, um die Kompetenzorientierung in der Lehrerausbildung zu forcieren, eigens eine Expertengruppe eingerichtet. Zentral sei in der Wiener Lehrerausbildung nun die Aneignung von etwa 30 Kernkompetenzen wie zum Beispiel der Innovationskompetenz, der Reflexionskompetenz, der Prüfungskompetenz, des Durchhaltevermögens oder gar der Kompetenzorientierungskompetenz. Das letzte war kein Scherz. Die Aneignung von Fachkompetenz (vormals: „Wissen“) nehme nur noch einen erschreckend niedrigen Stellenwert ein, sagte Liessmann.

Kompetenzorientierungskompetenz. Schülerzentrierte Sozialformen.

Wir haben keine Ahnung, aber können auf sieben verschiedene Arten darüber reden. Toll. Nicht in der Lage, eine Diplomarbeit oder Dissertation zu schreiben, aber sozial in der Lage, andere als Ghostwriter einzuspannen.

Woher kommt mir das bekannt vor? Ach ja, richtig: Ich hatte mal bei der Humboldt-Universität nach der Methodik der Gender-Studies angefragt und bekam die empörte Antwort, dass man keine Methodik, sondern Methodenkompetenz lehre: Das Ergebnis ist, dass sie keine einzige Methode beherrschen, aber zu jeder beliebigen Methode sagen können, warum sie maskulistisch und frauenunterdrückend ist, womit man sich mit ihr gar nicht mehr befassen dürfe und müsse. Kein bisschen Ahnung von Wissenschaft, aber fest davon überzeugt, dass das so richtig wäre. Als ob man von einem Chirurg operiert würde, der noch nie Medizin oder gar Operieren erlernt hat, aber mit den Vor- und Nachteilen aller medizinischen Lehrmethoden vertraut ist.

Den neuen Anforderungen entsprechend, heißt die Lehrperson in Zukunft auch Mentor oder Coach. Ein Begleiter auf dem langen Weg der Kompetenzentwicklung und Selbstreflexion.

Warum nicht Guru? Oder Yogi?

Denn Kompetenzen gelten als objektive Bildungsstandards, die häppchenweise erreicht und abgefragt werden können.

Gerade das würde ich massiv bezweifeln. Denn ob jemand in Mathematik, Physik, Chemie, Biologie etwas gelernt hat, lässt sich objektiv nachprüfen. Ob er aber in irgendwelchen Sozialtechniken in der Gruppe wie gewollt mitarbeitet, ist nicht nur eine ziemlich willkürliche und an den Vorlieben und ideologischen Überzeugung des Lehrers – pardon, Mentors – ausgerichtete Bewertung, sondern es ist auch eine Charakterbewertung, keine Befähigungsbewertung.

Ungeklärt bleibe laut Karl Liessmann allerdings oft, wie genau Kompetenzen wie „lebendige Vorstellungen beim Lesen von Texten entwickeln“, „Inhalte zuhörend verstehen“, „zu Texten Stellung nehmen“, „bei der Beschäftigung mit Texten Sensibilität und Verständnis für Gedanken und Gefühle und zwischenmenschliche Beziehungen zeigen“ abgeprüft werden sollen, wie auch: „Texte auf Wirkung überprüfen“ oder „Lernereignisse präsentieren“. Liessmann spricht vom Kompetenzfetischismus und nahezu beliebiger Erweiterbarkeit. Auf stolze 4500 Kompetenzen habe es der schweizerische „Lehrplan 21“, ein Bildungsreformprojekt, angeblich gebracht – und zwar nur für die Grundschulen.

4500 Kompetenzen in der Grundschule.

Mal nachrechnen. 4 Jahre ist man in der Grundschule. (In der Schweiz auch?) Macht 1125 Kompetenzen pro Schuljahr. Ich weiß jetzt nicht, wieviel Schultage ein Jahr hat, aber ich schätze mal so um die 38 Wochen (52 – 6 Wochen Sommerferien – 3 Wochen Osterferien – 2 Wochen Weihnachtsferien – 2 Wochen Pfingstferien – 1 Woche Herbstferien), macht also 190 Schultage oder 5.92 Kompetenzen pro Schultag. In der Grundschule hatte ich höchstens 5 Unterrichtsstunden pro Tag und das auch nur in der vierten Klasse. In der ersten haben wir mit zwei Stunden am Tag angefangen. Macht also locker 1,5 bis 2 »Kompetenzen«, die pro Unterrichtsstunde zu erlernen sind.

Wow. Tolle Sache, das. Eine »Kompetenz«, die ein Grundschüler in 20 Minuten erlernen kann und nie wieder üben muss, das haut rein.

Ein Hauptproblem ist natürlich, dass man die Kinder damit der Willkür ausliefert. Wenn der Lehrplan nämlich nicht mehr sagt, was zu lernen ist, sondern nur noch wie, dann kann der Lehrer den Kindern natürlich alles einhämmern.

Die Autoren fürchten Beliebigkeit, Entwertung der Inhalte und sprechen von einer Ökonomisierung der Bildung. So auch Konrad Paul Liessmann. Wissen und Bildung nur danach auszurichten, was die Verfasser des Lehrplans gerade als nützliche Fertigkeit ansähen, öffne Willkür und Ideologie die Türen.

Die Beliebigkeit ist auch der Kritikpunkt von Peter Euler, Pädagogikprofessor an der TU Darmstadt. Er sieht eine „Unterwerfung aller Lebensbereiche unter ökonomische Verwertungsbedingungen“, scherzt, es sei die „zentrale Zukunftskompetenz, Inkompetenz kompetent zu kompensieren“, und kreiert den Begriff von der „Fassadenkompetenz“, etwa der Fernseh-Politiker. Die brauchten wohl „Inkompetenzkompensationskompetenzberater/innen“. Wird die Schule zur Quasselbude? Ein Ort zum „Lernen des Lernens, also von einem Lernen, bei dem das Lernen Inhalt ist, also keinen Inhalt mehr hat“ (Peter Euler).

„Inkompetenzkompensationskompetenzberater/innen“ Äh…ja. Gibt’s ja jede Menge. Nennen sich Genderberaterinnen.

Ich habe mal gegoogelt, was eigentlich „Fassadenkompetenz” ist. War bisher ein Begriff aus der Baustoffbranche und bezeichnete Baumärkte und Lieferanten, die Material für schöne und energiesparende Häuserfassaden anboten. Heißt jetzt: Hochstapeln. So zu tun, als ob. Nix wissen, macht aber nix. (Wie heißt es so schöne? Wissen ist Macht – Weiß nichts. Macht nichts.) Wozu überhaupt noch „wissen”? Wir leben im Zeitalter der Gleichstellung, der staatlichen Inkompetenzkompensation.

Man könnte auch sagen, im Zeitalter der Filterbubble. Ich habe das schon oft beschrieben: Früher musste man die Dorfzeitung lesen, gab keine Alternative. Man war gezwungen, auch Texte zu lesen, die nicht ins eigene Weltbild und die eigenen Vorstellungen passten. Heute haben wir die Filterbubble, jeder liest nur noch, was bestätigt, was er sowieso schon glaubt. Denselben Effekt haben wir dann auch beim Lernen: Such Dir einfach nur noch das aus, was Dir gefällt.

Ralf Wiechmann, Mathematik-, Physik- und Philosophielehrer aus Wolfratshausen, ist der Meinung, dass die Trennung von Kompetenz und Inhalt ohnehin künstlich sei. Kompetenzen erwerbe ein Mensch schließlich, um reale Probleme zu lösen, niemals einfach so, um ihrer selbst willen. Die Annahme, das Eintrainieren etwa von Lernkompetenz könne sinnvollerweise Selbstzweck der Pädagogik sein, mag eine „déformation professionelle“ der Didaktik sein. Der Unterricht, der das Lernen des Lernens in den Mittelpunkt stellt, kann ziemlich absurd geraten.[…]

Im Kern steht die Sorge, ob die reformierte Schule besser in der Lage sein wird, Individuen hervorzubringen. Oder eher Abiturienten, die über Produktionskompetenzen verfügen. Die Pädagogen Karlheinz Geißler und Michael Orthey schreiben dazu: „Mit maßgeblicher Unterstützung der Bildungspolitik und der Bildungsinstitutionen wird in der verschärften Moderne den Subjekten beigebracht, sich zur Produktivität selbst anzuleiten. Dies führt nicht zu einer Entwicklung der Besonderheit und Eigentümlichkeit des Subjektes, sondern eher zu dessen Auslöschung.“

„Dies führt nicht zu einer Entwicklung der Besonderheit und Eigentümlichkeit des Subjektes, sondern eher zu dessen Auslöschung.“ Hatten wir das Thema nicht schon öfters hier im Blog?

Ein zentrales Problem damit ist nämlich, dass man die Leute reprogrammierbar macht. Normalerweise ist man auf das, was man in der Schule lernt, schon ziemlich geprägt. Nun aber lernt man nicht mehr Inhalte, sondern sich ständig neu zu programmieren. Man wird quasi zur Verfügungsmasse des Zeitgeistes abgerichtet. Knetbar, veränderbar, willkürlich. Änderung der Rechtschreibung? Die war eh nicht verbindlich, lern einfach eine Neue. Geschichte unserer Gesellschaft? Lern schnell eine neue. Komisch. Warum lande ich schon wieder bei Orwell’s 1984 und dem Ministerium für Wahrheit?

Wechseln wir das Thema und gehen wir zum dritten Artikel (Kölner Stadtanzeiger), der sich trotz eines ganz anderen Themas komischerweise genauso anhört. Er handelt von seltsamen Vorgängen im Hörfunk beim WDR und dessen neuer Hörfunk-Chefin Valerie Weber:

Viele WDR-Mitarbeiter befürchten eine Verflachung des Radioprogramms und kritisieren damit Hörfunk-Chefin Valerie Weber. Die ehemalige Chefin von Antenne Bayern argumentiere stets mit marktstrategischen statt mit journalistischen Zielen. […]

Zum einen, weil das, was an Veränderungen in die Wege geleitet wird oder schon umgesetzt ist, eindeutig in die Richtung Formatradio deute – also ein Radio, das leicht zu konsumieren ist, mit einer einheitliche Ausrichtung, Musikfarbe und der Festlegung auf eine genau definierte Zielgruppe.
Marktstrategie statt Journalismus

Die Mitarbeiter des WDR-Hörfunks sind sehr selbstbewusst. Sie wollen informieren und aufklären, Dudelfunk ist ihnen ein Graus. Als Valerie Weber vor mehr als einem Jahr von Buhrow als Nachfolgerin von Wolfgang Schmitz durchgedrückt wurde, waren die Vorbehalte dementsprechend groß. Die Chefin von Antenne Bayern konnte zwar beachtliche Erfolge vorweisen, aber aus Sicht vieler WDR-Mitarbeiter ging die dortige Steigerung der Reichweite etwa durch Gewinnspiele zulasten der Qualität.

Nun ist die 49-Jährige seit gut neun Monaten Chefin des Hörfunks. Und im Sender fühlen sich viele in der Vorahnung bestätigt, dass sie ähnliches vorhat wie in Bayern. Sie argumentiere stets mit marktstrategischen und nicht mit journalistischen Zielen, ist zu hören. Besonders die Zukunft von WDR 2 sehen viele kritisch. Der Sender müsse jünger und weiblicher werden, gab Weber als Ziel aus. Deshalb gibt es dort seit Mitte Oktober eine neue Zeitrechnung. Es sei genau festgelegt, wie hoch der Wortanteil sein darf. In der Frühsendung seien nur noch Wortanteile zwischen viereinhalb und sechseinhalb Minuten pro halbe Stunde erlaubt, berichten Mitarbeiter. Für Interviews gelte eine Maximallänge von drei Minuten, inklusive An- und Abmoderation. Man verabschiede sich vom Anspruch, eine Informations-Leitwelle zu sein.

Was!? …. Moment mal…. Huaahahahaaaa

„Der Sender müsse jünger und weiblicher werden […]. Es sei genau festgelegt, wie hoch der Wortanteil sein darf. In der Frühsendung seien nur noch Wortanteile zwischen viereinhalb und sechseinhalb Minuten pro halbe Stunde erlaubt, berichten Mitarbeiter. Für Interviews gelte eine Maximallänge von drei Minuten, inklusive An- und Abmoderation.”

Sagt das Klischee nicht, dass Frauen ständig quasseln? Nee, das wird jetzt auf Kurzzeithäppchen eingedampft, nur nichts anspruchsvolles mit Denken und so. Kurze Statements zum emotionalen Einschwingen, Meinungsmache ohne Logik und Argumentation. (Äh, hatte ich das nicht oben zum ersten Artikel schon geschrieben?) Nicht mehr informieren, bisschen Emotionsblabla, Musikberieselung. Jünger und weiblicher.

Und wie sieht’s mit den Inhalten an sich aus?

Generell werfen viele Weber eine Verflachung des Programms vor: Sie wolle weniger Auslandsberichterstattung, und verlange, negative Nachrichten durch positive Bemerkungen aufzufangen. Und auch mit dem investigativen Journalismus tue sie sich schwer. So berichten Mitarbeiter, sie habe als Beispiel für eine investigative Recherche genannt, man könne ja etwa den Gründen für eine schlechte Erdbeer-Ernte in Nordrhein-Westfalen auf den Grund gehen.

Negative Nachrichten durch positive Bemerkungen auffangen. Wie soll das gehen? Der IS hat mal wieder Geiseln geköpft und in der Ukraine haben sie wieder Leute abgeschlachtet, aber hey, guckt mal, wie hübsch sie die Köpfe in einer Reihe aufgereiht haben, ist das nicht hübsch? Ach, ich Dummerle, Auslandsberichterstattung gibt’s ja dann auch nicht mehr. Den Gründen für eine schlechte Erdbeer-Ernte in Nordrhein-Westfalen auf den Grund gehen. Wie gerne zahlt man da seine Zwangsgebühren. Die Erdbeeren in Nordrhein-Westfalen haben mich schon immer tief berührt.

Das erinnert mich an den zweiten Artikel über das Lernen. Wir bekommen im Radio keine Informationen mehr, dafür aber Hörkompetenzen, soziales Zusammenleben. Geht auch mit Erdbeeren.

Übrigens, wie immer, par ordre du mufta:

Für Unruhe sorgt auch, dass Weber ihre Kursänderungen anscheinend in kleinen Häppchen durchführt. Sie binde die Redaktionen nicht ein, erzählt ein erfahrener Mitarbeiter, es seien Reformen von oben.

Wie kann sowas passieren?

Ein Zeichen für die stark hierarisch geprägte Neuausrichtung ist in den Augen vieler auch die geplante Einführung eines gemeinsamen Wellenchefs für WDR 2, WDR 4 und 1Live. Wer es werden soll, scheint festzustehen: 1Live-Chef Jochen Rausch. Den hatte Buhrow bei der Besetzung des Direktorenpostens übergangen, weil er eine Frau auswählen musste.

Wie schön dass wir Erdbeer-Radio haben. Jung, weiblich, rhetorisch, inhaltslos und genau passend zu den Kompetenzbolzen.

43 Kommentare (RSS-Feed)

ex_pyx
18.2.2015 21:11
Kommentarlink

Ganz oben natürlich die zentrale Kompetenz all dieser Coach-Jünger: die Stupiditätskompensierungskompetenz!


Ray
18.2.2015 21:46
Kommentarlink

Wer hört schon WDR. Es gibt doch den Deutschlandfunk. Wortanteil weit über 80%.


Hadmut
18.2.2015 21:48
Kommentarlink

> Wer hört schon WDR.

Die Frage ist, wer zahlt den WDR.

Rate mal…


Pete
18.2.2015 21:59
Kommentarlink

“Wir trampeln durchs Getreide, wir trampeln durch die Saat,
Hurra, wir verbloeden, fuer uns bezahlt der Staat”
Broesel

Tut mir leid, Sinnvolleres will mir nicht dazu einfallen 😉


Emil
18.2.2015 22:02
Kommentarlink

Der WDR war doch immer als “Rotfunk” verschrien und der “BR” galt als CSU-nah. Seltam, dass man sich da ausgerechnet so eine Tussi aus Bayern als Chefin holt. Zeigt aber auch, dass Gender-Politik heutzutage wichtiger ist als Parteipolitik.


Gerd
18.2.2015 22:05
Kommentarlink

Als dieser Rethoriker meinte, heute würde man nicht mehr so schreien wie früher, da dachte ich an Fischer oder Roth.

Der meinte aber Hitler und Goebbels.

Heute schreien die doch immer noch. Nur kleine Stiländerungen.


Hadmut
18.2.2015 22:07
Kommentarlink

> Der meinte aber Hitler und Goebbels.

Sagt aber auch, dass die so geschrien haben, weil sie das noch aus der Vor-Mikro-Zeit so gewohnt waren. Das gilt für Fischer und Roth nicht mehr.


Pömpel
18.2.2015 22:28
Kommentarlink

Das ist schon interessant. So ist es kein Zufall, dass jetzt wo das logische-schlüssige Denken verpönt geworden ist und das irrationale weibliche Fühlen in den Vordergrund gestellt wurde, der dekadente Westen immer tiefer in seine Krise rutscht. Die letzte Bastion, in der es möglich war, logisch denken zu dürfen, war die des Computers. Nun werden auch hier von allen Seiten die tragenden Mauern des logischen Denken abgetragen. Genau wie in Politik, Journalismus und den anderen Felder ist emotional aufgeladene Ideologie frei von jeglicher Substanz für Machterhalt seiner selbst eingezogen. Während das Abendland durch seinem Untergang bereits seit der Urkatastrophe des Ersten Weltkriegs unaufhörlich entgegen schleudert, streben viele frühere nicht entwickelte Länder auf und lösen die verkommenden alten Weltreiche nach und nach ab. So ist in China auf der gleichen Entscheidungsebene mehr technische Kompetenz vorhanden als in der westlichen Welt. Die Zeiten der Vormachtstellung der westlichen Welt sind damit endgültig vorbei. China und Indien bestimmen wo es lang geht. In ihre Hände gehen die Großunternehmen des Westens. Selbst Russland hat sich zuletzt besser entwickelt, als die amerikanische Hegemonialmacht es zulassen wollte und bereitet im aktuellen Konflikt der westlichen selbstreferentiellen Propaganda unverhofft schwere Schäden in ihrer Glaubwürdigkeit. Der Deutungshoheit der westlichen Elite schwimmen zunehmend die Fälle davon. Sie hat keine geistige Substanz mehr aufzubieten. Intellektuelle Anziehungskraft und Attraktivität hat das System aussortiert. In Deutschland wird mit der Verschärfung der Krise des Westens ein Wackelkontakt deutlich werden in vormundschaftliche Beziehung durch die USA. Deutschland ist von seiner Grundausprägung immer zu stark gewesen, um sich nur dem Westen anzuschließen und nicht besser einen eigenen Weg zu gehen. Ein Land kann nicht auf Dauer gegen seine eigenen Interessen entscheiden. Gerade jetzt, wo sich der dekadente Westen sich im Sumpf des Niedergangs befindet wird das sichtbar. Dessen Eitelkeit und sein Narzissmus kennt keine Grenzen mehr. Im Rausch der Vormachtstellung hat die westliche Welt ihre tragenden Stützen des Intellekts gekappt. Die Demut vor dem logischen Denken ist ihr abhanden gekommen. Es interessiert überhaupt nicht mehr, ob etwas richtig oder logisch ist, es geht nur noch darum, eine geistig-emotionale Synchronisation zu erzielen. Es wird nicht mehr sachlich überzeugt, die Öffentlichkeit schließt sich lieber der emotional zugespitzten Selbstreferenzialität an, und wenn diese noch so großer Stuss sei, wie die fortwährenden inhaltslosen Sonntagsreden aus der Politik, eines Snobs wie Obama und seinem Anhang. Was zu Grunde geht, das war zuvor zu stolz. Der Hochmut kam vor dem Fall.


Pömpel
18.2.2015 22:34
Kommentarlink

Übrigens waren die ersten Mikrofone noch so schlecht in der Aufnahmequalität, dass die Sprecher in sie hinein schreien mussten, um verstanden zu werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlemikrofon#Eigenschaften


Emil
18.2.2015 23:35
Kommentarlink

@Pömpel
> Übrigens waren die ersten Mikrofone noch so schlecht in der Aufnahmequalität …

“Erfunden wurde das Kondensatormikrofon von Georg Neumann, dem Gründer der namensgleichen Firma. Neumann baute bereits 1930 Mikrofone die heutigen Qualitätsstandards entsprechen.”

http://mikrofon.org/mikrofonarten/kondensatormikrofon-kohlemikrofon

“Zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin bestand die erste Ausführungsform des von Georg Neumann entwickelten und noch heute hergestellten Kondensatormikrofons mit der bekannten M7-Kapsel in Niederfrequenz-Röhrenschaltung seinen ersten „Live-Test“.”

http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Neumann

Es gab also keine Entschuldigung für die Ober-Nazis, so zu schreien.


Hadmut
19.2.2015 0:06
Kommentarlink

@Emil: Lies halt mal den referenzierten Text. Da geht’s um 1920er Jahre.


Rabe
18.2.2015 23:36
Kommentarlink

>> Ich weiß jetzt nicht, wieviel Schultage ein Jahr hat […]
Schulwochen sind wohl gemeint.


jd.
18.2.2015 23:59
Kommentarlink

Eines muß man dem WDR (als Gesamtheit seiner Mitarbeiter) zugutehalten: Der Kampf gegen die Verflachung tobt schon seit Jahren, und bisher halbwegs erfolgreich, denn ähnliche “Reform”-Bestrebungen hat es schon mindestens zweimal gegeben, und beide sind großteils am Widerstand der Mitarbeiter und des Publikums gescheitert. Warum jemand aus Bayern? Zwei Interpretationsmodelle: Dort wollte man sie nicht mehr haben, oder dort hat sie gelernt wie man sowas durchzieht 😉


chmt
19.2.2015 0:32
Kommentarlink

Die Grundschule in der schweiz heist “Primarschule” und dauert zwischen 4 und 6 Jahren (je nach Kanton, frag nicht). 6 Jahre ist der Standard. In 20 Kantonen 6 Jahre, in zwei sinds nur vier und in den restlichen fünf.


Michael
19.2.2015 1:26
Kommentarlink

Und dann gibt es noch HarmoS. Frag auch da nicht.

Interessant ist die Parallele zur SRG und dem ehemaligen DRS2 und dessen kompletten Dekonstruktion. Auffällig doch, dass die Redaktionen alle nach Zürich sollen, wo das Geld regiert.

Stamokap wie Grosskapitalismus = Weichspülung der Massen. Am Ende müssen auch die Grundwerte verwertet werden.


Pömpel
19.2.2015 2:02
Kommentarlink

@ Emil “Besserwisser”
Die ersten Mikrofone gab es schon vor den Nazis und in diese haben alle bei der Aufnahme hinein schreien schreien müssen, um gehört zu werden. Auch mit den modernen Geräten später begann Hitler seine Reden stilistisch sehr leise und kaum hörbar, damit das Publikum begann aufmerksam zuzuhören, danach wurde Hitler immer lauter schrie es im Befehlston an. Die Deutschen verstanden am Besten, wenn sie im Befehlston angeschrien wurden. In Bayern ist das für gewöhnlich noch heute so.

MUSKATNUSS! MUSKATNUSS, HERR MÜLLER! Sie verstehen, Herr Müller?

Nach der Zeit des Wirtschaftswunders klang das mit der Lautstärke etwas ab, weil die Resonanzräume der Deutschen so groß geworden waren, um im vernünftigeren Tonfall miteinander reden zu können. Die Deutschen wurden zum fettesten Volk auf dem Kontinent, u.a. weil sie gerne französische Küche probierten, oder zum Griechen auswärts essen gingen, vielleicht weil sie auf ihren Feldzügen durch diese Länder auf den Geschmack kamen, ab und zu etwas anderes als die gewöhnliche deutsche Hausmannskost zu probieren. Zum Russen hingegen geht der Deutsche nie auswärts essen. Auch das mag mit der miserablen Qualität der Versorgung in Stalingrad zusammenhängen.


basti
19.2.2015 6:17
Kommentarlink

“Merkt man beispielsweise, wenn man auf einer feministischen Veranstaltungen vor feministischem Publikum in der Kommentarrunde ans Mikro geht und sagt, warum etwas falsch oder unlogisch ist. Kapieren die nicht, glotzen ein an, als käme man vom Mars”

@ Hadmut

Feministinnen halt. Hast du ernsthaft etwas anderes erwartet? Wobei der männliche Feminist aus meiner Sicht noch widerlicher ist, weil er seinen aufrechten Gang verlernt hat.

Für jeden halbwegs normalen Mann verachtenswert. Ich glaube auch nicht das Feministinnen Feministen für voll nehmen, die halten die sich nur als Alibi-Männer.


Will Anders
19.2.2015 6:34
Kommentarlink

Das Wort “Empathie” ist in den 1970ern in Deutschland aufgekommen, in den 80ern so richtig populär geworden, in den englischsprachigen Ländern etwas früher – habe gerade in Ngram Viewer überprüft. Das korreliert erstaunlich mit dem Aufstieg des Feminismus. Damals fluteten unsere Buchläden Machwerke, in denen die “männliche” Logik als Teufelswerk verdammt wurde, und die “Empathie” als die Lösung aller Probleme der Welt apostrophiert wurde. Und auch das Rumfummeln an den Schulen… ich meine an den Ausbildungsplänen, fing damals so richtig an.

Hadmut, du schreibt treffend: “Es interessiert überhaupt nicht mehr, ob etwas richtig oder logisch ist, es geht nur noch darum, eine emotionale Synchronisation zu erzielen. Es wird nicht mehr sachlich überzeugt, das Publikum schließt sich lieber dem empathischen Idioten an, und wenn der noch so großen Blödsinn erzählt. Merkt man beispielsweise, wenn man auf einer feministischen Veranstaltungen vor feministischem Publikum in der Kommentarrunde ans Mikro geht und sagt, warum etwas falsch oder unlogisch ist. Kapieren die nicht, glotzen ein an, als käme man vom Mars. Stellt sich aber eine hin und erzhält eine herzerweichende Begebenheit, sind sie alle mit dabei, egal ob es was mit der Aussage zu tun hat oder nicht.”

Das ist das Ergebnis, aber deinen Schluss: “Warum ist das so? Pure Faulheit.” halte ich für falsch. Ich denke, dahinter steckt eine Agenda, eine Methode, oder wie auch immer man das nennen will. Die Faulheit ist nur das Vehikel dafür. Auch nur eine oberflächliche Studie der Ziele der Frankfurter Schule (FS) lässt keinen anderen Schluss zu. Für die FS ist das Bildungssystem eines der zentralen Ziele bei der Zerstörung der alten Ordnung und der Schaffung des Neuen Menschen. Und so ist es kein Zufall, dass die Schüler in den westlichen Ländern kein Wissen mehr vermittelt bekommen, sondern “Kompetenzen”. Ich habe eine Zeitlang in China unterrichtet. Die dortigen Schüler bekommen nach wie vor ausschließlich das knallharte Wissen in Frontalunterricht vermittelt – dieses wird in sehr kurzen Intervalen auch abgefragt.

Welches der beiden Systeme in Zukunft bessere Früchte tragen wird, wird sich rausstellen.


Josh
19.2.2015 8:16
Kommentarlink

> Besonders die Zukunft von WDR 2 sehen viele kritisch. Der Sender
> müsse jünger und weiblicher werden,

Na super. Gerade WDR 2 war der einzige Sender des WDRs, den man sich zumindest ab und zu anhören konnte, einige nette Berichte hatte und auch zwischendurch mal ganz gute Musik gespielt hat.

Wenn das jetzt ein zweites 1Live wird…


Heinz
19.2.2015 8:51
Kommentarlink

Bei uns nennt man Personen, die nichts vorweisen können als “Fassadenkompetenz” auch Kompetenzattrappen.


Dirk S
19.2.2015 9:31
Kommentarlink

@ Will Anders

> Damals fluteten unsere Buchläden Machwerke, in denen die “männliche” Logik als Teufelswerk verdammt wurde, und die “Empathie” als die Lösung aller Probleme der Welt apostrophiert wurde.

Natürlich ist “Empathie” die Erlösung von allen Probleme dieser Welt, also nicht, weil die Probleme damit gelöst und auf den Müllhaufen der Geschichte verfrachtet werden, sondern weil das nicht betroffende Individium in seiner reichen westlichen Wohlfühlblase sich nicht mehr damit beschäftigen muss. Einfach ganz empatisch ein wenig Mitleid abgelitten und schon darf man sich wieder gut fühlen. Nützt keinem Ebolakranken, Verhungernden, zum Krüppel geschlagenden oder sonstwie Betroffenen, aber man war emphatisch. Ist auch viel leichter, als Probleme anzugehen und zu lösen. Denn das bedürfte ja auch einer Problemlösungskompetenz…

Kompetenzfreie Grüße,

Euer Dirk


Klaas
19.2.2015 10:05
Kommentarlink

Ich habe vor 15 Jahren mal Software für Radiosender geschrieben. Da haben die mir erzählt, warum Formatradio so beliebt ist: Die Hörgewohnheiten haben sich geändert. Saß 1950 die ganze Familie abends noch vor den Radio, wird hauptsächlich Morgen (Wecker, Küche, Auto) Radio gehört. zwischen 16:00 und 18:00 fahren die Leute nach hause, in der Zweit wird auch noch viel Radio gehört. Ab 20:00 sind alle Radios aus, da läuft der Fernseher. Morgen 6:00 bis 10:00 ist die Hauptsendezeit. Und da alle Radios Programmtasten haben, schalten die meisten Zuhörer um, wenn das Radio nervt. Doch werden sie irgendwann wieder zurück schalten? Es geht nicht darum gut zu sein, sondern darum nicht schlecht zu sein. Z.B.: 30% der Deutschen lieben Rap Musik. Wenn man Rap im Radio spielt freuen sich zwar 30% der Hörer, 70% schalten sofort weg. Deswegen hört man im Radio kein Rap. Lieber das Beste aus den 70′, 80′ und die Hits von heute. Das freut niemanden aber umschalten tut keiner. Wenn jemand 10 min. über ein Thema redet sind alle weg, die das Thema nicht interessiert. Lieber fröhlich darüber reden, welche Marmelade der Moderator bei Frühstück gegessen hat. Das stört niemanden.


EinInformatiker
19.2.2015 10:26
Kommentarlink

Ich kann das zum WDR bestätigen. Während vor 35 Jahren ein Klaus Jürgen Haller (im Ruhestand bezeichnenderweise in die USA gezogen, glaube nicht, dass der sich heute hier noch wohlfühlen würds) das Mittagsmagazin zu einem inhaltlichen Hörgenuß machte, gibt es heute nur noch Abgehacktes (ich hör seit ca 1,5 Jahren wieder häufiger). Man hat nicht mehr das Gefühl, dass da eine Sendung moderiert wird, sondern dass es eine erweiterte Nachrichtensendung ist. Ganz abgesehen davon, dass alle gängigen Ideologien unhinterfragt transpotiert werden. Insofern hatte ich längst den Eindruck, das in der Tat nicht mehr viel geredet wird. Die Gewinnspiele kamen mir auch relativ komisch vor. Aber das ist halt so, da hab ich nicht länger drüber nachgedacht. Außer das einem auffällt, dass das Gewinnspiel bei politischen Fragen natürlich auch der Indoktrination dient. Wenn jemand abtwortet, dass das der Gauck gewesen sei, der da zu Auschwitz geredet habe gibt es einen Punkt, aber es muß natürlich noch nachgeschoben werden, dass er zur Befreiung geredet habe. Insgesamt bekommt man noch Information und die wird auch noch halbwegs aufbereitet. Wenn auch völlig unkritisch. Wenn also zur Quote berichtet wird, steht es außer Frage, dass die den Frauen zusteht.

Das ist nichts mehr gegen die Präsenz mit der ein Klaus Jürgen Haller (und auch die anderen die lediglich weniger spektakulär waren) vor 35 Jahren mal agierten. Da hatte man das Gefühl, der machte seine Sendung selbst, während heute die Sendung von oben zerhackt erscheint. Geht halt alles in Richtung Totalitarismus.


Peter
19.2.2015 11:44
Kommentarlink

@Will Anders
Auch wenn die Vermittlung der Kompetenzen eventuell ungeschickt läuft oder laufen wird, finde ich das Konzept wesentlich sinnvoller als stupide, Inhalte in die Köpfe zu pressen.

Denn diese Inhalte sind nicht Wissen, sondern nur Informationen. Ob die Person sie noch zu Wissen verarbeiten kann, hängt davon ab ob sie die Kompetenz dazu hat. Ansonsten ist sie nur ein laufendes Lexikon, dass das Eingebläute auskotzen kann, aber unfähig ist zwei Schritte weiter zu denken und die Informationen neu zu kombinieren.

http://qib.f-bb.de/wissensmanagement/thema/wissen/wissenstreppe.rsys


Kritikr
19.2.2015 12:40
Kommentarlink

Antenne Bayern ist eine Bankrotterklärung für den Hörfunk. Wer da zu hört, merkt wie das Gehirn stirbt.


Frank
19.2.2015 12:58
Kommentarlink

Und natürlich ist alles wieder reiner Zufall (oder Dekadenz, puren Faulheit) und gargargarkein Plan- das sich das so Nahtlos ins Gesammtbild fügt!
Sämtliche Schulreformen seit den 80ern haben (von angeblich edlen Motiven und blumigen Gequatsche getrieben) nur Eins gebracht -Niveausenkung /Verblödung /Unfähigkeit zu selbstständigem Denken.
Ob man die Kinder teilweise mit 5 einschult ( und ein Grossteil daß erste Jahr wiederholt), ob Jahrgangsübergreifendes Lernen (bei dem die fertigen ersten Klassen geteilt und mit Kitakindern aufgefüllt werden), ob Eltern für Benotung wenigstens ab der dritten Klasse KÄMPFEN müssen (damit die Smilie Kinderrei irgendwann endet) ob Inklusion (als würden nicht schon die vielen Raben reichen anständiges Lernen unmöglich zu machen)usw -EGAL was an Neuem eingeführt wird -denkt man zwei Minuten drüber nach weiß man daß es Mist ist, ganz ohne langjährige Praxistests!
Lernwillige werden ausgebremst und Unfähige deswegen noch lange nicht gefördert.
Aber wieder gesagt: ALLES ZUFALL,da besteht niemals nie ein Zusammenhang zu der ganzen anderen Scheiße die abläuft…


Daniel
19.2.2015 12:58
Kommentarlink

Mein Sohn geht derzeit in die fünfte Klasse. Ich habe desöfteren den Eindruck dort wir “Vortäuschen von Kompetenz bei völliger Ahnungslosigkeit” gelehrt. Gut, einige Lehrer benoten noch das Wissen viele jedoch vergeben inzwischen die Zensuren “freihändig” in der Stunde.
Dummerweise lassen die einen nicht in die Klassenbücher gucken. Ich würde zu gern wissen ob der Eindruck meines Juniors trügt dass bei einer Lehrerin die Mädchen grundsätzlich bessere Noten erhalten als die Jungs.

Naja, ich versuche die Versäumnisse der Schule selbst auszubügeln indem ich ihm beibriunge was wichtig ist im Leben.


Heinz
19.2.2015 13:30
Kommentarlink

OT: auf einer feministischen Veranstaltungen –> Veranstaltung
aber können auf sieben verschiedene Arten –> verschiedenen

@Ray “Es gibt doch den Deutschlandfunk.”

…der mindestens genauso stark nachlässt.


Hadmut
19.2.2015 19:40
Kommentarlink

@Heinz:

Zum ersten: Danke.

Zum zweiten halte ich meine Version für richtig.


magiccap
19.2.2015 14:00
Kommentarlink

Also gut. Es gibt (noch) massig Chefs, die aus der Zeit uebriggeblieben sind als man noch inhalte lernte und nicht nur Kompetenzen. Diese Chefs werden hoffentlich auch weiterhin Kandidaten bevorzugt einstellen, die ueber ein solides Faktenwissen und darauf aufbauenden Erfahrungen verfuegen.

Wenn wir nun annehmen, dass dieses Wissen an den Schulen und Hochschulen nichtmehr vermittelt wird oder zumindest in den Beurteilungen nichtmehr ausrecihend reflektiert wird, dann haben diese Chefs ein Problem, weil die Zeugnisse effektiv wertlos sind. Wir sollten vielleicht keine Partei gruenden sondern eine Firma.

Geschaeftsidee: Firma prueft auf geeigneteem Wege das Wissen von Personen zu bestimmten Fachgebieten (es wuerde sich anbieten mit Informatik-Themen zu starten). Das muessten ziemlich knackige Pruefungen entsprechend Diplompruefung o.ae. sein. Es werden keine Vorbereitungskurse angeboten und Pruefungsgebuehren sind erfolgsunabhaengig. Die Leisungen in der Pruefung werden dokumentiert und zertifiziert.

Man bietet Unternehmen an, diese Pruefungen als Teil des Bewerbungsprozesses zu uebernehmen (Outsourcing). Gleichzeitig erhalten die Kandidaten natuerlich ihr Zertifikat, in dem ihnen ihr Wissensprofil bestaetigt wird. Dieses Zertifikat koennen Sie auch unabhaengig von einem Bewerbungsprozess jederzeit erhalten, wenn sie sich gegen Bezahlung pruefen lassen.

Wenn die Annahmen oben stimmen koennte das aufgehen und Unternehmen eine echte Hilfe sein. Dann waere im Best-Case fuer bestimmte Jobprofile ein solches Zertifikat unerlaesslich fuer eine erfolgreiche Bewerbung. Im Idealfall steht dann in der Stellenausschreibung: “Wissenszertifikat Level 3 Systemprogrammierung ist erforderlich”. Bingo. Warmer Geldregen.

In der naechsten Phase akkreditieren wir nurnoch andere Unternehmen, Leute zu pruefen und zu zertifizieren. Wir geben sozusagen die Zertifikatserstellungskompetenz weiter. Aeh. Autsch. 😉

Wer macht mit?


Christian
19.2.2015 14:16
Kommentarlink

@Hadmut, wieder ein schöner Artikel – gratuliere und dank! Zwar gibt es Manipulation über die Rhetorik bestimmt solange es Menschen gibt, aber wenn das argumentative Diskutieren wie heute auf dem Rückzug begriffen ist, muss die Manipulation effizienter oder leichter werden.
Da fällt mir was ein: Auch ich reagiere bei Reden auf emotional berührende Anteile (s. die Obama-Reden). Und egal wo oder in welchem Kontext, ein Redner, der dies einzusetzen vermag, fesselt nun mal mehr. Oder anders: Verwende DU doch mal dieses Mittel in Redebeiträgen.
Wenn ich nämlich hier von Dir Beiträge lese, in denen Du irgendwas persönliches von Dir preisgibst, dann bin ich nochmal aufmerksamer – oder anders aufmerksam, bin berührter. Einmal hast Du über das Spielen am Flussufer als Kind mit Freundinnen von Dir berichtet, das blieb mir hängen.
Kurz: Wenn Du mal wieder die Genderfront irgendwo in Berlin oder sonstwo bekämpfst, also auf einem Kongress oder so bist und Du hast dort einen Redebeitrag – dann schlage sie doch mal mit ihren eigenen Mitteln! Bring ein persönliches Beispiel, wie sehr es Dich verletzt, als Frauenhasser verschrien zu sein oder wie Du einer Frau geholfen hast und die Dich total verkannt hat, wegen der miesen Feminazi-Kampagnen gegen Dich etc. – es müsste halt echt sein, sonst wirkt es nicht. So aber, wenn Du es argumentativ begründest UND durch eine persönliche Note anreicherst, hättest Du sie an den Eier(stöcken).
Dann wärst Du nicht nur gehasst – sondern auch noch gefürchtet – und vielleicht sogar mal verstanden. 🙂
LG
C


Manfred P.
19.2.2015 15:06
Kommentarlink

Bei uns im Bekanntenkreis differenziert man zwischen Leuten, die fähig oder tüchtig sind, und kompetenten Leuten. 🙂


Brak
19.2.2015 18:02
Kommentarlink

Erst wenn der letzte Pädagoge seine Augen geschlossen hat, wird es wieder aufwärts gehen.


Hadmut
19.2.2015 19:51
Kommentarlink

@Brak:

> Erst wenn der letzte Pädagoge seine Augen geschlossen hat, wird es wieder aufwärts gehen.

Mir würde es schon reichen, wenn sie sie mal öffneten…


[…] Man lässt sich ausreden, man bringt (zumindest zum Teil) wirkliche Argumente und formuliert in ganzen Sätzen. Vielleicht ist es schon anstrengend geworden, solchen Debatten zuzuhören? Denn auch bei Reden und Debatten hat man dazugelernt – und geändert. https://www.danisch.de/blog/2015/02/18/die-rede-der-despotismus-und-das-erdbeerradio/ […]


Telefonbuch
19.2.2015 21:09
Kommentarlink

Es gibt Berufe, da ist Wissen unerlässlich: Ein Arzt, besonders ein Chirurg, kann nicht erst irgendwo googlen wenn der Patient gerade offen vor ihm liegt. Auch bei Juristen würde man erwarten, dass Sie Ihr Rechtsgebiet voll drauf haben, und nicht bei einfachsten Fragen – womöglich während einer Verhandlung vor Gericht – erst mal ein paar Stunden was suchen müssen. Ja, für ein paar Stunden zum Suchen hat man auch in vielen anderen Bereichen eigentlich nicht die Zeit. Nur bzw. insbesondere da, wo sich das Wissensgebiet schnell weiterentwickelt (Informatik) oder die Informationen schnell zu finden sind (Telefonbuch, mein Favorit: Geschichtsdaten), lohnt sich die ausweniglernerei nicht. Da sind Fähigkeiten wichtiger.

Die Informatik ist hier ein besonders interessantes Beispiel: auch wenn sich jemand schnell in neue Sprachen oder Gebiete einarbeiten kann, so werden doch oft die bevorzugt, die das ganz aktuell gebrauchte Thema schon ein paar Jahre beackert haben (also konkretes Wissen besitzen – nicht nur Kompetenz). Gleichwohl gibt es, wenn auch etwas seltener, auch die Situation, wo hohe Problemerkennungs und -lösungskreativität benötigt wird.


HF
19.2.2015 21:21
Kommentarlink

Früher® erwarb das gemeine Volk in den Schulen Fertigkeiten, die zur Verwertung im Produktionsprozess gebraucht wurden: Lesen, Schreiben und Rechnen sind die prototypischen Vertreter, dazu kamen Erdkunde für Kolonialbeamte und Trigonometrie für Landvermesser und Navigatoren.
Der Erwerb von Fassadenkompetenz war den Eliten vorbehalten, wer führen will, muss anderen etwas vormachen können. Jetzt steht der Erwerb dieser ehemaligen Herrschaftskompetenz allen Schülern offen. Ob das eine gute Sache® ist?


tuka
19.2.2015 23:09
Kommentarlink

@HF “Der Erwerb von Fassadenkompetenz war den Eliten vorbehalten, wer führen will, muss anderen etwas vormachen können”

IMO sagt dieser Satz viel über Dich aus, aber rein gar nichts über irgendwelche Eliten. Die These das Führungswissen/Fähigkeiten reine Fassaden sind, sagt über Dich aus, das Du niemals hinter diese Fassade geblickt hast. Ich habe in 25 Jahren Projektgeschäft noch nie einen Projektleiter (und ich war in Projekten mit mehreren hundert Leuten) erlebt, der ohne tiefe technische Fachkenntnisse, politische Fähigkeiten (also die Fähigkeit unterschiedliche Interessen zu einem Kompromiss zu bündeln), kaufmännischen Fähigkeiten, Stressresistenz und so weiter ausgekommen ist.

Ja, Spitzen-Politiker sind Schauspieler. Aber das ist kein Mangel, sondern die Qualifikation für die sie bezahlt und gewählt werden. Wäre es anders, würden die Leute anders wählen.


tuka
19.2.2015 23:17
Kommentarlink

@Daniel: “Naja, ich versuche die Versäumnisse der Schule selbst auszubügeln indem ich ihm beibriunge was wichtig ist im Leben.”

Und ich habe mich im Interesse meines Sohnes für Krieg entschieden. Die Lehrerin bekommt soviel Zunder, dass sie Angst vor mir hat. Und nicht nur sie, sondern alle Lehrer der Schule. Ich habe keine Probleme damit, notfalls einen Lehrer öffentlich in der Lehrerkonferenz zur Schnecke zu machen.

Und ja, die Lehrer sind dann drauf gekommen, nur noch mit meiner Frau sprechen zu wollen. Und mussten dann feststellen, dass meine Frau noch viel besser ist, beim Zunder geben.

Lehrer können dieses arrogante Lehrerding nur deshalb fahren, weil sie bewusst oder unbewusst darauf bauen können, das jeder Erwachsene als Kind von Lehrern traumatisiert wurde und deshalb Angst vor Lehrern hat. Aber ich habe diese Angst nicht. Im Laufe meines Lebens/Studiums habe ich erfahren, dass mein kindlicher, intuitiver Zweifel an Lehrern berechtigt war.


Sanitutut
20.2.2015 16:10
Kommentarlink

@tuka: Und wie sieht es mit Repressalien gegenüber Deinem Sohn aus? Immerhin ist – mit Ausnahme der Abiturprüfungen selbst (die jedoch nur einen Teil der Gesamtnote bilden – die Schule hinsichtlich der Benotung ein Rechtsfreier Raum. Schön, dass das bei euch kein Problem ist. Aber – wie man bei Hadmut sieht, wo das Prüfungsrecht sogar voll anzuwenden ist – falls mal die Lehrer wissen, dass sie am längeren Hebel sitzen, ist aus die Maus.


Christian
20.2.2015 16:45
Kommentarlink

Eine Ergänzung zum Despotismus und da Du mir hierbei Inspiration warst, Hadmut (merci): In England gibts nun schon seit letztem Jahr ein Gesetz, dass alles unter Strafe stellt, was asozial ist. Das Problem hierbei wie bei Hassverbrechen auch: Was als asozial gilt, ist so weit gefasst, dass darunter fast alles fallen kann.
Und somit sind denn auch alle in England potenzielle Verbrecher. Das ist für mich logische Folge von Verdummung und Rückentwicklung, die wir ja allenthalben wie von Dir dargestellt beobachten können (ob nun bei Bildung oder Rundfunk – das Rad dreht sich zurück). Eine wirklich bewusste Gesellschaft würde solche Gesetze nicht zulassen. Eine, die auch durch Dauergeplapper im Radio und Apps für alles (nur nicht fürs Denken) abgelenkt ist, bemerkt das Verschwinden der Freiheit freilich nicht.
Mehr dazu, wen es interessiert, dann hier: https://nachrichtenaushinterland.wordpress.com/2015/02/20/das-gefangnis-vi-oder-wir-sind-alle-verbrecher/
Schönes Wochenende
Christian


tuka
20.2.2015 18:56
Kommentarlink

@Sanitutut: Ist nicht das Problem, Noten sind diskutierbar. Problem sind andere Eltern. Und zwar insbesondere Eltern von Mädchen. Aber meckern reicht nicht. Ich gebe mir außerdem viel Mühe bei irgendwelchen Arbeitseinsätzen oder wenn irgendwo Kohle gebraucht wird.

Da es sich um eine Waldorfschule handelt: Sehr hilfreich ist, dass meine Frau sich gut mit der Steiner-Literatur auskennt. Und Steiner spricht ausführlich darüber, dass Jungs ein hohes Bewegungsbedürfnis haben, Lehrer sich darauf einstellen müssen und insbesondere: Das anstrengende Jungs (Steiner spricht von Lausbuben) die besonders förderungswürdigen Kinder sind, weil diese Lausbuben eben die kreativen Köpfe sind.


CatpainBlockudder
23.2.2015 9:46
Kommentarlink

@tuka
Als ich deine ersten beiden Kommentare las dachte ich nur: “Ach kuck, einer dieser Querulantenväter für den sein Kind sich schämt.”
Es stand aber noch im Raum, dass du möglicherweise moralisch richtig handeln könntest.

Nach deinem dritten Absatz weiß ich wegen deiner unkritischen Prahlerei mit Steinerwissen, dass deine Frau und du einen rechtsesoterischen Einschlag haben und damit anderen Esos auf die Nerven gehen.
In diesem Sinne: weitermachen, da kann es nur Gewinner geben.
Außer den Kindern natürlich. Aber wen interessieren schon die Blagen, wenn man das eigene Ego fein striegeln kann.