Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Fernstudium

Hadmut
22.12.2014 12:12

In NRW müssen Studenten neuerdings an der Universität fast nicht mehr anwesend sein. Das wird dann zum Hohn. Bedenkt man, dass feministische Prüferinnen ihre Klientel oft ungeprüft durchwinken haben die dann mit ihrem Studium praktisch gar nichts mehr zu tun, jedenfalls wenn es mündliche Prüfungen oder Prüfungen mit schriftlichen Texten gibt, die nicht direkt zu vergleichen und auf Richtigkeit zu überprüfen sind.

Andererseits: Ich habe die Vorlesungen, über die ich mich im Hauptdiplom habe prüfen lassen, auch nicht gehört, weil sie gar nicht mehr angeboten wurden, und habe das alles selbst aus der Literatur erarbeitet. Wenn man will und zu selbständigem Arbeiten befähigt ist, geht das schon. Aber nur dann.


33 Kommentare (RSS-Feed)

Emil
22.12.2014 12:24
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Viele Mathe- und Theoretische Informatik-Vorlesungen, die ich besucht habe, waren didaktisch komplett für den Arsch. Definition, Lemma, Satz, Beweis, Korollar … Man hat in der Vorlesung gesessen, mitgeschrieben und wenig verstanden. Hätte man sich auch komplett schenken können, wenn es ein Vorlesungsskript gegeben hätte.

Das Verständnis kamm erst später, wenn man den Stoff anhand von Mitschrift und Büchern nochmals durchgegangen ist.


Alex
22.12.2014 12:42
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Es gab doch zu Diplomszeiten nur äusserst selten VL mit Anwesenheitspflicht.
Ich kenne das selbst nur früher vom Hörensagen von Medizinern.

(Anwesenheitpflicht: Man unterschreibt eine Anwesenheitsliste in der Vorlesung)


tom174
22.12.2014 13:00
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Bei mir war kaum eine Vorlesung Pflicht.. und das nu schon so 20 Jahre her..


Lohengrin
22.12.2014 13:12
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Ich habe, als ich an einer Uni Tutor war, auch Probleme mit der Anwesenheitspflicht gehabt.
Da war einer im dritten Semester, der sehr gut war. Ich habe ihm gesagt, dass er in die Vorlesung fürs fünfte Semester, die parallel lief, gehen solle. Er hatte Bedenken, da er den Schein aus meinem Tutorium für sein Vordiplom brauche, und Anwesenheitspflicht bestehe. Dann ging ich zum Professor, bat ihn, für diesen Studenten eine Ausnahme zu machen. Der Professor lehnte ab. Ich habe dann nicht mehr darauf geachtet, ob dieser Student in meinem Tutorium war. Die Hausaufgaben hat er immer abgegeben. Das war einer von denen, die einzeln gearbeitet haben. Im Tutorium durften bis zu vier Leute gemeinsam Hausaufgaben abgeben. Ich hatte fünf mal Hausaufgaben von vier Leuten, wobei zwei bis drei davon baugleich waren, ein Werk von zwei Leuten und drei Werke von Einzelnen. Die Aufforderung des Professors, die Hersteller von Einzelwerken, dazu zu drängen, sich zusammenzusetzen und eine gemeinsame Lösung zu finden (Merkel?), habe ich auch nicht befolgt.


Sebastian
22.12.2014 13:31
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Es schlägt aber auch wieder die typische Arroganz der Professoren durch. “Was kümmert es mich was im Gesetzt steht, ich befehle hier”:

>>Einige wollen daher an der Anwesenheitspflicht festhalten. Wer zu oft fehlt, bekommt keine Punkte – so war es vor der Gesetzesänderung, und so soll es bleiben.<<

Zum eigentlichen Thema: Ich bin gegen eine Anwesenheitspflicht.
Alleine da die Mehrheit der Vorlesungen qualitativ schlecht sind.

Wenn die Hochschule in der Lage ist, zumindest eine annehmbare Qualität der Lehrveranstaltungen herzustellen, dann dürfen die auch gerne eine Anwesenheitspflicht fordern. Sonst würde ich gerne selbst darüber entscheiden mit was ich meine Zeit verschwende.


Dirk S.
22.12.2014 13:33
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Uns hat man damals im Studium erzählt, das wir vor allem das Lernen lernen werden. Also, wie man sich selbst Wissen erarbeitet. Na ja, ob das heutige Studenten direkt nach der Schule schon können? Also, ich weiß nicht.

Unwissende Grüße,

Euer Dirk


Horsti
22.12.2014 13:54
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Naja, das ist immerhin konsequent. Die Profs. sind ja auch kaum noch anwesend…


Bernd
22.12.2014 14:15
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Das ist doch in vielen Teilen Deutschlands schon lange so, oder nicht?
In meinem Bachelorstudium gab es genau ein Fach, welches mit Anwesenheitspflicht belegt wurde. In meinem Master (andere Uni) sieht das so ähnlich aus, dort ist nur einmal die Woche ein Laborpraktikum zu absolvieren, der Rest ist alles “freiwillig”, das “Skript”(lies:PowerPoint-Folien unterster Qualität) gibt es online.

Find ich aber auch ganz gut so, gerade im Bachelor waren einige Professoren und Mitarbeiter dabei, deren Vorlesungen/Seminare einfach so schlecht waren, dass man nichts gelernt hat, oder sogar aktiv verdummt ist. Dann doch lieber “blau machen” und ein gutes Buch zu dem Thema lesen. Außerdem gibt es einem Berufstätigen Menschen die Möglichkeit, ein Studium neben dem Job zu absolvieren, wenn er es möchte. “Offizielle” Fernstudiengänge gibt es ohnehin nur in recht wenigen Fachgebieten und die Qualität der Studiengänge ist einfach nur absurd schlecht, wenn man die Kosten bedenkt.


Manfred P.
22.12.2014 14:28
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In den MINT-Fächern ist das glaube ich nicht so dramatisch. Da sind die Anforderungen ziemlich gut nachvollziehbar.


JohnDane
22.12.2014 14:48
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Erfahrungsgemäß wissen Professoren schon relativ genau (wenn es nicht gerade eine absolute Massenvorlesung ist), wer von den Studenten häufig in der Vorlesung anwesend war bzw. fehlte, selbst wenn (wie bei mir im Studium im Allgemeinen) keine Anwesenheitspflicht besteht.

Zumindest wenn das Fach eine mündliche Prüfung besitzt, sollte man da keinen allzu schlechten Eindruck machen (selbst wenn Hadmut möglicherweise begründen kann, inwiefern dies dem Prüfungsrecht widerspricht).

Außerdem: Selbst wenn das alles durchgeht, sind Professoren nach meiner Erfahrung bei ihrer Kreativität nicht zu unterschätzen: Dann deklarieren sie halt ein Seminar zur praktischen Übung um, um eine Anwesenheitspflicht fordern zu können (Zitat aus dem Artikel hierzu:

Weil das Hochschulgesetz nun entsprechend geändert wurde, dürfen Dozenten dort nur noch bei Exkursionen, Sprachkursen oder praktischen Übungen darauf bestehen, dass ihre Studenten erscheinen.

).


Fredi
22.12.2014 14:49
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Anwesenheitspflicht hatte ich größtenteils auch nicht, musste nur eine gewisse Punktzahl in den dazugehörigen Übungen erreichen um zur Klausur zugelassen zu werden. Da hätte ich auch einfach meine Übungszettel abgeben können und sonst nichts.
Oft war auch einfach so, dass in der Vorlesung nichts dazukam, was nicht schon im Skript stand. So viel hat die Vorlesung dann auch nicht mehr gebracht, außer, dass man im Anschluss vielleicht Fragen stellen konnte.
Es kommt natürlich auch immer drauf an, wie der Prof seine Vorlesung zugänglich macht. Manche meiner Professoren hatten eher miserable Skripte oder haben nur handgeschriebene Folien in’s Netz gestellt, da war es durchaus sinnvoll, in der Vorlesung anwesend zu sein.
Anwesenheit sollte Sache vom Studenten sein. Wer nicht zur Vorlesung geht, muss sich halt drum kümmern, dass er den Stoff trotzdem gelernt hat.
Gut, ich komme auch aus der naturwissenschaftlichen Ecke (Physik), da mag das auch ein wenig anders sein als in den Geisteswissenschaften.


rausprüfer
22.12.2014 14:54
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“Andererseits: Ich habe die Vorlesungen, über die ich mich im Hauptdiplom habe prüfen lassen, auch nicht gehört, weil sie gar nicht mehr angeboten wurden, und habe das alles selbst aus der Literatur erarbeitet. Wenn man will und zu selbständigem Arbeiten befähigt ist, geht das schon. Aber nur dann.”

Das glauben sie.
Wahrheit: Sie wurden auch nur durchgewunken.

Tipp: Das Lästermaul nicht so weit aufreisen. ”

Diese Artikel mit dem Tenor “Ich der tollste, alle anderen doof” sind auf Dauer langweilig.


Hadmut
22.12.2014 18:02
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@rausprüfer:

> Das glauben sie. Wahrheit: Sie wurden auch nur durchgewunken.

Blödsinn. Die hatten die alte Studien- und Prüfungsordnung beendet und wollten mit der rabiaten Methoden keinen mehr durchlassen, weil sie keinen Bock hatten, neben der neuen auch noch die alte Prüfungsordnung weiterzuprüfen. Mich wollten sie – wie alle anderen Betroffenen – auch rausschmeißen. Dass ich durchgekommen bin lag nur daran, dass ich in hohem Tempo alle Hauptdiplomsprüfungen durchgezogen habe und dass ich eben wegen Krankheit versäumt hatte, und ihnen das zu heikel war, mir daraus einen Strick zu drehen. Die meisten anderen Betroffenen habe sie dann nicht mehr durchgelassen.

> Tipp: Das Lästermaul nicht so weit aufreisen.

Dummes Geschwätz. Das hatte ich damals nämlich noch nicht. Da war ich noch unauffällig, brav und habe noch nichts gesagt. Das kam erst 1998.

Bevor man solche strunzdummen Kommentare absetzt, sollte man sich erst mal informieren.

> Diese Artikel mit dem Tenor “Ich der tollste, alle anderen doof” sind auf Dauer langweilig.

Ich habe weder das eine, noch das andere behauptet.

Wenn aber jemand schon …@kit.edu als E-Mail-Adresse angibt und dann so böswillig und falsch herumspuckt, dann steckt da sicherlich Diffamierungswut dahinter.

Wie gesagt: Bevor man so herumblubbert sollte man sich erst mal informieren, damit man nicht ganz so blöde ist.


derdiebuchstabenzählt
22.12.2014 15:36
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Ich finde das eine feine Sache, wenn dies denn auch für Gender-Kurse gilt … 🙂


tuka
22.12.2014 15:39
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@Emil: “Man hat in der Vorlesung gesessen, mitgeschrieben und wenig verstanden”

Ich rüpel mal rum. Deine Lernmethodik war falsch. Eine Uni ist keine Schule. Der richtige Weg ist: Man besorgt sich zuerst ein Vorlesungsskript mit Bücherliste samt Referenzklausuren, filtert den notwendigen Lernstoff heraus, lernt und geht _dann_ zur Vorlesung um etwaige eigene Denkfehler oder Lücken zu finden.

Wenn man es so macht, dann versteht man auch was der Prof/Dozent eigentlich erzählt, kann qualifizierte Fragen stellen und ist gut für die Klausur vorbereitet.

Die Fähigkeit eines Ingenieurs besteht für mich nicht darin den Ausführungen eines Profs. zu lauschen, sondern darin Wissenslücken zu finden und selbständig zu schließen. Und die Klausur hat lediglich die Aufgabe _diese_ Fähigkeit zu prüfen.


Norbert_G
22.12.2014 16:00
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Wozu überhaupt noch kostbare Lebenszeit opfern?
Das geht in NRW (nur dort?) doch viel effizienter:
http://www.kybeline.com/2014/12/18/50-000-euro-schmiergeld-so-wird-man-heute-in-nrw-richter/


quarc
22.12.2014 16:11
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| In NRW müssen Studenten neuerdings an der Universität fast nicht
| mehr anwesend sein. Das wird dann zum Hohn.[…]

Das hast Du missverstanden. Man hat lediglich die unsinnige (aus dem Verschulungswahn herrührende) Anwesenheitspflicht bei *Vorlesungen* wieder abgeschafft. So etwas hat es zu unserer Studienzeit aus gutem Grund auch nicht gegeben. Die Anwesenheit bei Praktika, Übungen und anderen Veranstaltungen in denen man eine Prüfungsleistung erbringt, bleibt davon unberührt.

Allerdings frage ich mich, wie es denn um das Selbstbewusstsein derjenigen Dozenten bestellt ist, welche annehmen, ihre Vorlesungen nur noch unter Zwang füllen zu können. Bologna scheint nicht nur bei Studenten bleibende Schäden zu hinterlassen.


Thomas
22.12.2014 16:13
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OT: Neues von dieser Columbia-Matratzen-Vergewaltigungsstory!

a) in der NYT: http://www.nytimes.com/2014/12/22/nyregion/accusers-and-the-accused-crossing-paths-at-columbia.html?_r=0
b) und was der SPIEGEL daraus zusammenwurstelt: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/emma-sulkowicz-mutmasslicher-vergewaltiger-aeussert-sich-zu-vorwuerfen-a-1009918.html

Der Knaller: Die Uni mischt da kräftig mit. Die Überwachung dieser Matratzenaktion sei Abschlussvorraussetzung für ein Fakultätsmitglied!!

“He says that he is innocent, and that the same university that found him “not responsible” has now abdicated its own responsibility, letting mob justice overrule its official procedures. The mattress project is not an act of free expression, he adds; it is an act of bullying, a very public, very personal and very painful attack designed to hound him out of Columbia. And it is being conducted with the university’s active support. “There is a member of the faculty that is supervising this,” he said. “This is part of her graduation requirement.””

Der angebliche Vergewaltiger ist außerdem Deutscher und wurde nach eigener Aussage als Feminist erzogen …
“Speaking carefully, with a slightly formal bearing and an accent so faint that it can be hard to place, Mr. Nungesser, who is from Germany, says he believes sexual assault is an important cause for concern. “My mother raised me as a feminist,” he says, well aware of how those words will strike some people, “and I’m someone who would like to think of myself as being supportive of equal rights for women.””


Collin
22.12.2014 17:10
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@Hadmut:
>Ich habe die Vorlesungen, über die ich mich im Hauptdiplom habe prüfen lassen, auch nicht gehört, weil sie gar nicht mehr angeboten wurden, und habe das alles selbst aus der Literatur erarbeitet. Wenn man will und zu selbständigem Arbeiten befähigt ist, geht das schon. Aber nur dann.
Wäre es eventuell möglich dieses Thema einmal etwas breiter zu behandeln? Mich würde das sehr interessieren.


Hadmut
22.12.2014 17:48
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> Wäre es eventuell möglich dieses Thema einmal etwas breiter zu behandeln? Mich würde das sehr interessieren.

Hab ich eigentlich schon in Adele und die Fledermaus ausgebreitet.

Weil es für das Hauptdiplom-Studium keine Vorgaben gab, habe ich mit der Diplomarbeit angefangen und die Prüfungen auf danach verschoben. Dann haben sie das Hauptdiplom komplett geändert und komplett andere Vorlesungspläne herausgegeben, auch keine Möglichkeit, vom alten in das neue Hauptdiplom zu wechseln. Ultimatum für alle, die noch im alten Hauptdiplom steckten, bis dann und dann fertig zu sein oder ohne Abschluss exmatrikuliert zu werden. Ausgerechnet dann war ich leider mal längere Zeit deftig krank und konnte Vorlesungen nicht besuchen. Dann war’s eigentlich schon vorbei und sie wollten mich als Nachzügler nicht mehr fertig studieren lassen. Wegen Krankheit habe ich noch etwas Verlängerung bekommen mit dem Hinweis, ich möge selbst zusehen, wie ich das hinbekomme, weil die Vorlesungen nicht mehr angeboten wurden und es auch keine Vergleichsliste zu den neuen Vorlesungen gab. Also musste ich zu jedem Prof einzeln hindackeln, um einen Prüfungstermin betteln und mir sagen lassen, mit welcher Literatur, welchen alten Skripten, Vorlesungsfolien usw. ich mich darauf vorbereiten kann. Eigentlich wollten die mich vom Prüfungsbüro der Fakultät trotzdem rauswerfen, aber gerade als sie meinten, jetzt wäre Ende, war ich gerade mit allen Prüfungen durch und fertig. Sie waren ziemlich erstaunt darüber, dass ich fast alle Hauptdiplomsprüfungen innerhalb von 2 Semestern durchgezogen hatte. Ich hab mich halt neben meinem Hiwi-Job für das Geld praktisch nur noch zurückgezogen und eine Prüfung nach der anderen gebüffelt und durchgezogen.


MINT-Geschmack
22.12.2014 17:45
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Nun wird es alles schlimmer kommen! Die fehlende Anwesenheitspflicht wird bewirken, dass Informatiker früher als bisher unter Übergewicht leiden werden müssen. Sie werden sich nun nicht mehr bewegen, außer vielleicht noch bei dem Gang zum Kühlschrank und zur Toilette.


Hadmut
22.12.2014 17:52
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> Sie werden sich nun nicht mehr bewegen, außer vielleicht noch bei dem Gang zum Kühlschrank und zur Toilette.

Manche Informatiker optimieren das, indem sie den Kühlschrank ins Bad stellen.

Ich habe aber auch schon Bilder von Berliner Altbauwohnungen gesehen, in denen Dusche (und selten sogar das Klo) in der Küche sind.


Zen
22.12.2014 18:16
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Wo sind wir denn hier? Im Kindergarten? Im Studium sollen erwachsene Menschen Wissenserwerb und Eignung zum Ausüben eines anspruchsvollen Berufs nachweisen. Welche Qualifikation bildet denn “Anwesenheit” ab?


Hadmut
22.12.2014 18:37
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> Welche Qualifikation bildet denn “Anwesenheit” ab?

Und welche bildet Nicht-Anwesenheit ab?

Ich sag’s mal so: Weder Kochen noch Gitarre-Spielen lernt man allein aus Büchern.

Es kommt eben auf’s Fach an. Fächer wie Mathematik, Informatik und die ganzen Ingenieursfächer kann man sehr gut auch selbst lernen. Ich Fächern wie Philosophie oder Literaturwissenschaft kommt es überhaupt nicht darauf an, was man sagt, da ist eh alles wurscht.

Aber in Fächern wie Medizin halte ich Anwesenheit für massiv geboten. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man etwas nur anhand eines Buches sieht oder ob einem jemand im Hörsaal am Patienten etwas erklärt, wo man auch Fragen stellen kann. Es gibt Fächer, da funktioniert selbst lernen prinzipiell nicht, da man zuhause auch keinen Patienten zum herumprobieren hat. Und in manchen Fächern sind eben die Zusatzerklärungen sehr wichtig.

Ich habe keinerlei Vorbehalte, im Gegenteil, gegenüber Leuten, die sagen, dass sie etwas aus dem Bereich der Informatik nur aus dem Buch haben, weil das funktioniert.

Ich hätte allerdings gewaltige Hemmungen, mich von einem Arzt operieren zu lassen, der die Vorlesungen geschwänzt hat und sagt, dass er nur die Bücher darüber gelesen hat.

Ebenso würde ich auch zu einem Piloten nicht ins Flugzeug steigen, der sagt, dass er bei den Flugstunden gefehlt hat, aber alle Bücher gelesen hat. Genausowenig, wie man Autofahren nur aus Büchern lernt.

Es gibt eine Menge Fähigkeiten, die man durch Anwesenheit, Zugucken, Mitverfolgen erwirbt. Kommt immer aufs Fach an.


Zen
22.12.2014 18:58
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Nichtanwesenheit bildet im Zweifelsfall durchaus die Fähigkeit ab, Prioritäten setzen zu können. Einmal abgesehen davon kommt “studieren” vom lateinischen studere und das heißt eben “sich bemühen”, mit der Betonung auf dem “sich (selbst)”.

Das mit dem Arztberuf ist eine interessante Sichtweise. Während ich Ingenieure, Physiker Mathematiker, etc. (Menschen, die mich umgeben) immer als wissenschaftlich arbeitende Menschen wahrgenommen habe, habe ich Ärzte in der üblichen Ausprägung bislang eher als Handwerker mit riesigem Hintergrundwissen wahrgenommen. Ohne das in irgendeiner Form negativ zu meinen.


Hadmut
22.12.2014 19:04
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> abe ich Ärzte in der üblichen Ausprägung bislang eher als Handwerker mit riesigem Hintergrundwissen wahrgenommen.

Genau das ist der Punkt. Es gibt Berufe, die lernt man nur „vor Ort”.


CountZero
22.12.2014 19:33
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> Ich habe aber auch schon Bilder von Berliner Altbauwohnungen gesehen, in denen Dusche (und selten sogar das Klo) in der Küche sind.

In Hessen heißt das ‘mit Frankfurter Bad’… War durchaus ein Kulturschock. :-).


CountZero
22.12.2014 19:41
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Einer meiner Dozenten begann seine Veranstaltung (experimentelle Quantenphysik, @rausprüfer: datt hat jetz nix mit deine Quadratlatschen zum tun, nä?) mit den Worten: “Wenn Sie die Vorlesung nicht besuchen wollen…” (Literaturtipps gehen im Gelächter unter). Dozent (verwundert): “Warum lachen Sie? Ich habe als Student auch nicht alle Vorlesungen gehört.”

Geprüft (ich vermeide den Ausdruck ‘abgefragt’, das ist nicht der Sinn, den eine mündliche Prüfung in Physik haben kann) wurde der Inhalt natürlich trotzdem. Ich habe da keine Probleme mit, wenn der Kandidat seine Kompetenz in der Prüfung nachweisen kann.


Michael
22.12.2014 20:01
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Ich bin ja Mathematiker. Ich kann nur sagen, ab einem bestimmten Grad des Koennens und des Interesses moechte man nicht mehr an formale Anwesenheitspflichten gebunden sein. Es gibt aber immer Leute – Professoren – die so gut sind, dass man da gern etwas mitnimmt. Das mal zum Thema “Ich muss das alles mit Buechern koennen, sonst bin ich nicht erwachsen”. Derart eingeschraenkt ist es moeglich, eine Menge zu verpassen.
Aber bei mir ist der Studienbeginn ueber 25 Jahre her und ich hatte das Glueck, dass in den letzten Semestern ungefaehr soviel Professoren wie Studenten im Jahrgang waren. Sehr individuell 🙂

Als Faustregel emfinde ich ein Grundstudium mit etwas mehr Vorgaben der genannten Art empfehlenswert. Danach kann es dann – in dieser Hinsicht – durchaus sehr locker werden.
Aber was weiss ich schon, ich lese diese Horrorstories der akademischen Ueberbevoelkerung heute nur noch von aussen.

> Ich rüpel mal rum. Deine Lernmethodik war falsch. Eine Uni ist keine Schule. Der richtige Weg ist: Man besorgt sich zuerst ein Vorlesungsskript mit Bücherliste samt

Kommt drauf an, wo und wann er studiert hat. Bei uns gab es Dinge wie Skripte ueberhaupt nicht. Gute Leute haben die Vorlesung ad hoc gehalten. Was da an der Tafel stand, war mit dem naechsten Schwamm weg. Und das hatte mitunter wesentlichen Inhalt. Solcher Druck erzieht auch durchaus positiv, weil man dem natuerliche Bestreben nach Wissensaufnahme unter dem laestigen Zwang zu Notieren nachzugehen hatte. Wie Klimmzuege mit Gewichtsweste. Fuehrt zu ganz eigenen Optimierungen bezueglich Knappheit aber Aussagekraeftigkeit der Mitschriften.


CountZero
23.12.2014 9:51
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@Michael:
Volle Zustimmung zu Deinem letzten Absatz! Habe ich selbst genauso erlebt.


Lohengrin
23.12.2014 19:14
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@Emil
> Man hat in der Vorlesung gesessen, mitgeschrieben und wenig
> verstanden.
Wenn ich da mitgeschrieben hätte, dann hätte ich auch nur wenig verstanden.
Ich habe um das, was ich bei einem guten Dozenten in 90 Minuten Vorlesung gelernt habe, durch Lesen nachvollziehen zu können, mindestens 270 Minuten gebraucht.

@tuka
> Man besorgt sich zuerst ein Vorlesungsskript mit Bücherliste samt
> Referenzklausuren, filtert den notwendigen Lernstoff heraus, lernt
> und geht _dann_ zur Vorlesung um etwaige eigene Denkfehler oder
> Lücken zu finden.
Das Herausfiltern ist das Problem. Woher soll ich denn wissen, was notwendig ist? Das Lesen fällt mir sehr schwer. Dabei schlafe ich immer ein. Ich kann 90 Minuten am Stück einem MINT-Vortrag lauschen, aber ich kenn nicht 45 Minuten am Stück konzentriert lesen.
Ich habe es andersherum gemacht. Ich habe dem Dozenten zugehört, dann habe ich das, was ich noch nicht verstanden habe, mit anderen Studenten besprochen und in den Büchern und Vorlesungsskripten nachgeschaut, und wenn ich es immernochnicht verstanden habe, den Tutor oder den Dozenten gefragt.
Das, was du beschreibst, habe ich in mit MINT-Fächern in der Schule gemacht. Von dem, was da im Unterricht passiert ist, habe ich vieles nicht verstanden, weil ich gleichzeitig schreiben musste.
Wenn ich einen mir unbekannten Text laut und deutlich vorlese, muss ich, wenn ich selbst wissen will, was da steht, ihn noch einmal ohne zu sprechen lesen, oder mir vorlesen lassen.

@Hadmut
> Die hatten die alte Studien- und Prüfungsordnung beendet und wollten
> mit der rabiaten Methoden keinen mehr durchlassen, weil sie keinen
> Bock hatten, neben der neuen auch noch die alte Prüfungsordnung
> weiterzuprüfen.
Oh ja. Ich erinnere mich. Auf die Frage “Studieren Sie nach der alten oder nach der neuen Prüfungsordnung?” habe ich geantwortet “Ich studiere Physik und nicht Büro.”.


Adrian
23.12.2014 22:17
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Finde die Anwesenheitspflicht auch vollkommen überflüssig. Je nach Vorlesung bringt es nichts zu erscheinen und man muss ggf. arbeiten, was nicht immer mit jeder Vorlesung vereinbar ist.

Viel interessanter finde ich die Einstellung von Herrn Jessing. Er bricht das Gesetz, indem er die Anwesenheitspflicht beibehält und bezichtigt Menschen die den AStA darüber informieren als Denunzianten. Kommt öfter vor, dass dieser Vorwurf aufkommt. Ich frage mich dann immer ab welcher Straftat man nicht mehr als Denunziant beschimpft wird. Im Grunde ist doch jeder Zeuge der eine Straftat zur Anzeige bringt ein Denunziant.
Und dann der schöne Satz seinen Mitarbeitern würde gesetzeswidriges Verhalten vorgeworfen. Kann schon passieren, wenn man das Gesetz bricht…


Oppi
25.12.2014 14:31
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Welchen Sinn hat denn die Anwesenheitspflicht bei rein theoretischen Veranstaltungen bitte ? Das Ziel der Veranstaltung ist doch, dass der Student nachher den Stoff beherrscht. Wenn er das am Ende in einer Prüfung nachweisen kann, ist alles im Lack. Wenn nicht, ist er selber schuld. Der Lösungsweg kann und sollte ihm selbst überlassen werden (unter anderem dafür ist er Akademiker).

Was bin ich froh, dass die meisten meiner Dozenten ohne so einen Quatsch ausgekommen sind (in die anspruchsvollen Veranstaltungen ist man aus eigenem Antrieb gegangen, den Prof zu fragen ist nämlich im Zweifel zeitsparender, als Bibliotheksrecherche).