Ansichten eines Informatikers

Bei den Professorinnen wird’s nicht mehr

Hadmut
22.12.2014 22:23

Der Tagesspiegel berichtet darüber,

(Danke für den Link), dass trotz aller Fördermaßnahmen, Pamperung, Vorfahrtsregelungen, Sonderprogrammen der Anteil der Professorinnen nicht mehr wird.

Der Bericht zeigt auch, dass es trotz ungezählter Anstrengungen der Wirtschaft und der Hochschulen nicht gelingt, deutlich mehr Frauen für das Studium naturwissenschaftlicher und technischer Fächer zu gewinnen. In den Ingenieurwissenschaften hat sich der Anteil der Studentinnen in den vergangenen zehn Jahren nur um 2,7 Prozentpunkte gesteigert. Insgesamt gibt es in dieser Fächergruppe sogar einen negativen Trend: Noch vor zwanzig und vor fünfzehn Jahren lag die Zahl von Frauen, die ein solches Studium aufnahm, über der Zahl der Frauen, die in dem betreffenden Jahr einen Abschluss in dieser Fächergruppe machte. Seit dem Jahr 2008 ist es umgekehrt: Der Anteil von Absolventinnen liegt über dem Anteil von Studienanfängerinnen.

Das mit dem negativen Trend kann man auch andersherum verstehen als die Autorin. Sie meint, der Umstand, dass der Anteil der Absolventinnen über dem der Anfängerinnen läge, würde bedeuten (sie sagt ja, es wäre negativ), dass wieder weniger Frauen ein Studium anfangen. Wieder mal statistischer Humbug. Es könnte genausogut dadurch verursacht sein, dass es bei Männern mehr Studienabbrecher gibt als bei Frauen und deshalb der relative Frauenanteil bis zum Abschluss inzwischen zunimmt und das nicht auf sinkende Anfängerinnenzahlen zurückzuführen ist. Aber Statistik ist halt immer so ne Sache…

Nachtrag: Den Absatz muss man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen:

Zwar haben Frauen gemessen an dem Anteil ihrer Bewerbungen auf eine Professur eine etwas höhere Chance auf einen Ruf als Männer, nämlich bei einem Anteil von 25,5 Prozent an den Bewerbungen einen Anteil von 30 Prozent an den Berufungen: So bekommt jede 18. Frau, die sich bewirbt, eine Professur, aber nur jeder 23. Mann. Doch da gleichwohl nur jeder dritte Ruf an eine Frau geht, ist Parität noch lange nicht in Sicht, stellt der Bericht fest.

21 Kommentare (RSS-Feed)

Der große böse Wolf
22.12.2014 22:33
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Sie spricht erst von der Zahl (absolut), dann vom Anteil (relativ). Ist halt die Frage, ob sie sich nur unklar ausdrückt (und wenn ja, wie das zu verstehen ist) oder sie es schon gedanklich nicht auseinanderhalten kann.


Lucas
22.12.2014 23:09
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Der Nachtrag hats für mich echt auf die Spitze getrieben. Da schreibt sie, dass Frauen bevorzugt werden und dann sagt sie, dass es nicht übervorteilt genug ist? Wie viele Förderprogramme gibts für “Frauen in MINT”? Holy Shit.


derdiebuchstabenzählt
22.12.2014 23:51
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Als was zählt Genda-Profx L. Hornscheidt eigentlich, oder ist es es erst nach Abgreifen der Frauenförderung eingefallen, daß es nicht Männlein oder Weiblein mehr sein will … ? 🙂


Hadmut
22.12.2014 23:52
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Verdammt gute Frage…


Hanz Moser
23.12.2014 0:17
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Ist doch ganz simpel, Hadmut. Sie betrachten Frauen (und Nicht-Frauen). Ein ProfessX ist nicht eindeutig eine Frau, denn sonst wuerde es ja Professorin heissen. Dass das Geschlecht an der Anrede haengt solltest Du ja langsam wissen.

So erklaert sich auch, dass die Zahl der Professorinnen trotz Foerderung nicht steigt 😀


rleo
23.12.2014 0:33
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Off Topic, mal hier den letzten Kommentar anschauen:
Der Spiegel hat vermutlich alle Kommentare zu einem Bericht von heute gel


Rainer
23.12.2014 2:16
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Aus Spektrum der Wissenschaft 9/2003:
An deutschen Hochschulen werden nur knapp 3% aller Professuren im Fach Physik von Frauen besetzt – damit gehört die BRD international zu den Schlusslichtern. Führend ist Portugal mit einem Frauenanteil von 26% an den Physikprofessuren, gefolgt von der Türkei mit 11%. Frankreich hat mit immerhin knapp 9% dreimal so viele Frauen auf Physikprofessuren wie Deutschland. In den USA sind zwar auch 10% aller “Associate Professors” weiblich, aber nur 3,6% aller “Full Professors”.

Das ist zwar schon eine Weile her, aber geändert hat sich nichts. Je mehr “Frauenbevorzugung”, um so mehr wählen die Frauen die Hängematte.

Das sieht man auch an den finanziellen Förderungen.

Die “Implementierung des Gender-Mainstreaming in den Strukturfonds-Programmplanungsdokumenten 2000-2006” lassen sich die EU-Staaten unterschiedlich viel kosten:

Ausgaben insgesamt in Euro:
Österreich 76.782.000
VK 355.121.072
Frankreich 257.352.700
Schweden 8.102.800
Italien 837.469.241
Griechenland 193.761.925
Belgien 38.252.364
Finnland 6.723.000
Dänemark 10.498.333
Spanien 521.899.539
Luxemburg 3.380.600
Portugal 17.240.700
Niederlande 43.139.000
Irland 46.631.000
BRD 1.099.335.311

Zusammenfassung mit Quellenangabe hier:
http://www.wgvdl.com/forum3/index.php?id=17816

Rainer


Caless
23.12.2014 9:48
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Vor kurzem habe ich mir die Zahl der erstsemestrigen an meiner Uni wieder angesehen: Informatik seit zwanzig Jahren stabil zwischen 13 und 16 Prozent weiblich.

Aber seit vielen Jahren gibt es vielfältige Förderprogramme und so weiter. Es wäre mal an der Zeit nachzufragen, was das Ganze bewirkt hat?


CountZero
23.12.2014 9:49
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> An deutschen Hochschulen werden nur knapp 3% aller Professuren im Fach Physik von Frauen besetzt – damit gehört die BRD international zu den Schlusslichtern. Führend ist Portugal mit einem Frauenanteil von 26% an den Physikprofessuren, gefolgt von der Türkei mit 11%.

Tja. Und wie stark ist eigentlich die physikalische Forschungsleistung (gemessen in Nobelpreisen oder am SCI) in Portugal und der Türkei? Aber keine Angst, auf das Niveau kriegen wir Deutschland auch noch. Ganz sicher!

(Ja ich weiß: Korrelation und Kausalität. Und ich kenne genau drei Professorinnen in Physik und Chemie persönlich. Bei allen dreien habe ich großen Respekt vor deren Leistung. Auf die Idee, die Genitalienkarte zu ziehen, käme von denen wahrscheinlich keine…)


Ding
23.12.2014 9:57
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Allein die “Implementierung des Gender-Mainstreaming in den Strukturfonds-Programmplanungsdokumenten 2000-2006? kostete über 3.5 Milliarden Euro. Laut den Befürwortern funktioniert “es” immer noch nicht richtig. Wahrscheinlich müssen/mußten deswegen noch mehr Gelder fließen…

Einfach die Integration von Frauen daran zu messen, wieviele in Naturwissenschaft, Technik und Ingenieurswesen unterkommen. Sollte man dementsprechend mal die Integration von Männern daran messen, wieviele im Bereich Pädagogik, Kulturwissenschaft oder andere von überwiegend Frauen besuchte Fächer unterkommen.

Das Gender-Ding ist eine Psychose von Menschen, die sonst keine Probleme haben, oder doch eher nur um des Geldes Willen als problematisch deklarierter natürlicher Zustand.


derdiebuchstabenzählt
23.12.2014 10:05
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@ Rainer

Spektrum der Wissenschaft?

>Frankreich hat mit immerhin knapp 9% dreimal so viele Frauen auf Physikprofessuren wie Deutschland.

Hihi … so kommt dann wohl eine Femifalschmeldung zustande … werden dann mal schlell aus relativen Zahlen absolute gemacht … Spektrumwissenschaftler können wohl nicht so mit diesm %-Ding. 🙂

Stand auch in dem Wissenscaftssektrumartikel WARUM das wichtig sein sollte?


MINT-Geschmack
23.12.2014 10:29
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> Genda-Profx L. Hornscheidt

Faszinierend, wie es Geisteskranke schaffen, die wissenschaftlichen Institutionen erfolgreich zu sabotieren. Mir scheint, die wissenschaftliche Community ist ähnlich wie die vieler Künstler, ein Hort der Irren, Institutionen um grenzenlos Fördermittel einzustreichen.


JochenH
23.12.2014 10:38
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Es sind in Zeiten des Wohlstandsspecks still und heimlich auch viele neue Studiengänge entstanden, die die Welt nicht braucht und die keiner kennt. Dort haben sich Frauen eingenistet und ich weiß wovon ich sprechen, da zwei meiner Ex solche Damen waren (unfassbar eingebildet beide).

Physik ist ziemlich schwierig, da muss man schon als Student dicke Bretter bohren, insofern ist der Frauenanteil von 3% dort schon eine klare Ansage.

Zur Rettung der Frauen sei angemerkt, dass die auch sehr anstrengende Medizin einen höheren Frauenanteil hat, das zeigt aus meiner Sicht, dass sie doch können, wenn sie nur wollen.


Rechnungsprüfer
23.12.2014 11:09
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Jetzt wo die Quote kommt, kann man doch die Förderprogramme kürzen und für Sinnvolles einsetzen


yasar
23.12.2014 11:41
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In der Türkei brauchen die keine Frauenförderung um auf bessere Quoten zu kommen. Da reicht die ganz normale Korruption. 🙂


klaus
23.12.2014 16:39
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Den muuß ich jetzt loswerden.

Folgender Quelltext

http://portal-intersektionalitaet.de/theoriebildung/schluesseltexte/hornscheidt/

durch

http://www.blablameter.de/

gejagt, ergibt:

http://www.wgvdl.com/aktuell

Tolle Sache.

Im Ernst, es ist unglaublich wieviel Müll mit Steuermittel finaziert wird. Dieser Hornscheidt Text ist für mich u.a. rassistisch geprägt.

Aber gegen den weißen Hetero kann mans? ja machen.

cu


Fry
23.12.2014 17:59
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Ernstgemeinte Frage: Woran erkenne ich als Arbeitgeber eine Absolventin eines Frauenstudiengangs? Steht das im Zeugnis oder in der Urkunde? Es wäre für mich nämlich ein sofortiger Ablehnungsgrund.


Hadmut
23.12.2014 18:31
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> Ernstgemeinte Frage: Woran erkenne ich als Arbeitgeber eine Absolventin eines Frauenstudiengangs?

Am ehesten an den Antworten auf Fachfragen im Bewerbungsgespräch, und vielleicht vorher googeln. Oder einfach mal über das Studium erzählen lassen.


Karsten
24.12.2014 0:17
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@Fry:

da wir in D den Rechtsstaat zu Gunsten der sozialrevolutionären Ideologie eingeschränkt haben, darfst Du gar niemanden ablehnen, weil das ein Verstoss gegen das totalitäre allg. Gleichbehandlungsgesetz wäre. Dank -wie fast immer- an die Grünen.


CountZero
24.12.2014 10:22
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@yasar 11:41h:

Großartig! 🙂


CountZero
24.12.2014 10:41
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> Physik ist ziemlich schwierig, da muss man schon als Student dicke Bretter bohren, insofern ist der Frauenanteil von 3% dort schon eine klare Ansage.

> Zur Rettung der Frauen sei angemerkt, dass die auch sehr anstrengende Medizin einen höheren Frauenanteil hat, das zeigt aus meiner Sicht, dass sie doch können, wenn sie nur wollen.

Man kann diese Beobachtung auch komplett in Geschlechterstereotypen deuten. Es gibt ja die Vorstellung, dass Mädchen/Frauen im Durchschnitt besser auswendig lernen (können) und sich generell autoritätskonformer verhalten als Jungs/Männer. Daher auch die besseren Noten (Leistungen?) in der Schule, speziell in der Mittelstufen-Mathematik. Die guten Noten der Mädchen hier lassen sich anscheinend nicht in MINT-(außer Biologie)-Absolventinnenzahlen ummünzen, so gern die Politik das auch hätte.

Je weiter man von Mathematik und deren Anwendung weggeht, desto höher wird der Frauenanteil (auch bei MINT, mit Mathematik selbst als Ausnahme!): Biologie >50%, Medizin >50%. (Tiermedizin und Lebensmittelchemie glaubich > 80%, aber kaum eine will Trichinenstempel in Schlachthäusern anbringen, das sind dann wieder alles Männer…). Bei Medizin kommt ja noch der soziale Aspekt der Arbeit in Krankenhaus oder Praxis dazu, der ist klar höher, als wenn man Ingenieur für Kerntechnik geworden wäre.

Bei Professuren in Physik ist außerdem ein wichtiger Aspekt derjenige, dass die Karriere bis zur Professur hochgradig wirtschaftlich unsicher (= mit hohem persönlichen Risiko verbunden) ist. Weniger Frauen dort zu finden wäre also konsistent mit der geschlechterstereotypen Idee, dass Frauen im Schnitt weniger risikobereit seien und mehr Wert auf soziale Aspekte ihrer Arbeit legen.

Ich möchte betonen: das gilt im Durchschnitt, Ausnahmen bestätigen die Regel :-). Ich selbst hatte in meinem Physik-Studium mehrere Kommilitoninnen, die ich deutlich stärker in Mathematik einschätze als mich. KEINE von denen hat sich für den Weg zur Professur entschieden (ich übrigens auch nicht).

Ich glaube, das ist der Kernfehler der Gleichstellungspropageten: die Tatsache, dass in einer hochselektierten Minderheit (z.B. Physik-Professuren) eine Eigenschaft (z.B. Geschlechtszugehörigkeit) nicht genauso verteilt ist wie in der Gesellschaft insgesamt, geht nunmal NICHT auf eine soziale/gar gesetzliche Ungleichbehandlung wegen dieser Eigenschaft zurück, sondern auf persönliche Lebensentscheidungen, die mit dieser Eigenschaft korreliert sein können.

Soviel als Wort zum Fest. 🙂