Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Lobbyismus und Neuland: #Merkel hat das Internet nicht verstanden

Hadmut
6.12.2014 19:32

Herrje. Muss ich schon wieder zeigen, wo eine Politikerin das Internet nicht verstanden hat und Schmarrn daherredet? [Nachtrag]

Wir erinnern uns ja: Ursula von der Leyen wollte das Internet regulieren, hatte aber nicht verstanden, wovon sie da eigentlich redet. (Deshalb hat man ihr jetzt auch das Wehr-Resort gegeben, da kann sie mehr kaputt machen.) Damals ist Vodafon der Bundesregierung in den Arsch gekrochen und hat als einziger Provider in den internen Besprechungen den Blödsinn auch noch verteidigt und die anderen Provider angegriffen. Was vielleicht auch daran lag, dass so viele CDU-Politiker bei Vodafone drin steckten, Aufsichtsrat, Politik-Abteilung und so.

Diese Woche nun kroch Angela Merkel in den Arsch von Vodafone.

Es müsse besondere Spezialdienste geben müssen, so für Medizin und Autos und so. Zweiklasseninternet. Das wäre halt Technologie und Zukunft, da müsste das sein. Aber natürlich nur, wenn für die anderen auch noch genug Netzkapazität übrig bleibt, damit die nicht behindert werden. So ein typisches Merkel-sowohl-als-auch-Gefasel, allen sagen, was sie hören wollen. Eine kompakte Quelle findet man dazu übrigens nicht so leicht, jeder berichtet irgendwelche anderen Informationsfetzen daraus. WELT beschreibt es lesbar, auch Tagesspiegel. Irgendwo hatte ich die Woche einen deutlich besseren Bericht gesehen, finde den aber nicht mehr.

Ist Humbug. Merkel plappert blind nach, was die Lobbyisten ihr vorlegen.

Zunächst mal: Ja, ich stimme zu, dass es Anwendungen gibt, die eine bestimmte Übertragungsqualität brauchen und Priorität haben (müssen). Gar keine Frage. (Ich habe vor 10 Jahren deshalb schon einen Krankenhausverbund als meinen Kunden dringend gewarnt. Die haben nämlich an einem etwas abseits gelegenen Standort, an dem nicht allzuviel los war, den Radiologen in der Bereitschaft eingespart, und stattdessen geplant, dass wenn nachts beispielsweise ein Unfallverletzter eingeliefert wird, die den da einfach in den Tomographen stecken und die Ergebnisse dann per Internet remote von einem Radiologen im Haupthaus einige zig Kilometer entfernt beurteilt werden. Das ganze angeschlossen über einen Billigst-Router und Privatkunden-DSL-Anschluss. )

Ich habe volles Verständnis dafür, dass man solche Qualitätsverbindungen fordert, und stimme zu, dass man sie braucht.

Aber die technischen Aussagen, die man sich da aus der Presse als Puzzle-Stücke zusammenlesen kann, sind gruselig.

Der erste Punkt ist, dass man das in Kontext des Internet stellt, so als wollte man Internet in teuer und billig spalten. Wenn man aber so eine „Qualitätsverbindung” hat, dann gibt es zwei Möglichkeiten, die zu implementieren. Entweder über Bandbreite oder über Priorität.

Will man das über die Bandbreite machen, dann müsste der Provider vorher wissen, wer mit wem mit welcher garantierten Bandbreite reden will. Geht, kann man machen. Muss man aber vorher vereinbaren. Man kann nicht über eine 1MBit-Leitung 30 Verbindungen mit je 100kBit führen. Man muss irgendwann vorher sagen (ob nun per Vertrag oder technischem Protokoll), dass man jetzt soundsoviel braucht, und der Provider bestätigt das. Und irgendwann sagt man, dass man fertig ist. Das aber ist ein verbindungsorientierter Ansatz. Das Internet dagegen ist paketorientiert. Zwar gibt es Protokolle, dies über Pakete zu emulieren, die ändern aber nichts am grundsätzlichen Problem, sondern werfen nur neue Probleme auf. Man sollte sich dabei immer vor Augen führen, dass ISDN genau ein solcher Verbindungstyp mit garantierter (der Begriff passt eigentlich nicht, weil eigentlich ein juristischer Haftungsbegriff), oder besser gesagter fester Übertragungsrate und synchroner Übertragung war. Langsam zwar, aber ansonsten genau von den Merkmalen, um die es da geht. Schafft man gerade ab. Paketorientiert ist jetzt en vogue. Und da kommen sie nun daher und fordern Kommunikationstypen, die von ihrer Struktur doch wieder verbindungsorientiert sind.

Zwar gibt es auch bei paketorientierten Diensten Methoden, diese aufzuteilen, etwa nach Zeitscheiben (z. B. Mobilfunk) oder Reihum mit Begrenzung (z. B. Token Ring). Aber die heute bevorzugte und bewährte, aber eben nicht mit allen Vorteilen ausgestattete Technik gehört so in den Bereich csma/cd bei Bus-Systemen und eben ordinärem First-come-first-serve oder eben Bandbreitenmanagement bei 1:1-Verbindungen (Standleitung, DSL usw.)

Macht man es über die Priorität, sagt man also, Bandbreite ist egal, die goldenen Pakete werden eben vor dem gemeinen Pöbel transportiert, egal wie viele das sind, dann ist das zunächst technisch leichter zu implementieren. Hilft aber auch nur, solange das wenige sind. Ich erklär’s mal anhand der Feuerwehr: Blaulicht im Straßenverkehr bringt nur so lange etwas, wie es ein seltener Sonderdienst ist. Alle bleiben stehen und die Feuerwehr darf bei rot über die Ampel. Hat jetzt aber jeder Reiche ein Blaulicht auf seinem Mercedes, BMW oder Audi, dann blinkt’s überall blau und die Probleme sind wieder genau die gleichen, die man ohne Blaulicht hatte. Will jetzt die Polizei auch noch durch, wird’s kompliziert. Die könnten vielleicht noch sagen, dass sie sogar zwei Blaulichter haben, und ne Knarre obendrein, aber Ihr seht das Problem. Wenn zu viele „wichtig” sind, verliert „wichtig” seinen Wert. (Irgendwo hörte ich mal den Spruch, dass sie ihre Kunden deshalb erst gar nicht mehr als normal bezeichnen, weil die alle wichtig sein wollen, und sie deshalb nur in die beiden offiziellen Kategorien „wichtig”, „gaaanz wichtig” und die dritte, nur intern verwendete Kategorie „richtig wichtig” einstuften. Oder sagen wir’s mal anders: Wenn 95% des Internet-Verkehrs youtube ist, und die nun Priorität bekommen, was haben sie dann wohl davon? Richtig. Nichts.

Ich hab’s jetzt mal flapsig beschrieben, aber im wesentlichen geht es um einen Begriff aus der Netzwerktechnologie, nämlich Bandbreitenmanagement.

Und Bandbreitenmanagement – ich sag’s mal ganz trocken – kann keine positive Qualität garantieren. Tut es auch nicht. Sieht nur manchmal so aus, weil die Benutzerinterface zur Konfiguration einem das gerne so verkaufen, damit sich’s besser verkauft und man das leichter versteht. Isses aber nicht.

Der Grund ist, dass der sendende Router (Firewall,…) ja dann, wenn es eng wird, die privilegierten Pakete ja nicht über irgendwelche ungenutzten Reservekanäle oder einfach mit zusätzlicher Pressluft durch’s Netz schießen kann, damit’s schneller geht, wie bei der First-Class-Lane am Flughafen. Wenn es eng wird, und zwei konkurrierende Pakete durch die Leitung wollen, dann geht das wertvollere Paket in die Leitung, und das geringerwertige Paket entweder gleich in den Müll oder kommt auf den Stapel für den Fall, dass danach Gelegenheit ist, es zu schicken. Kommt die Gelegenheit nicht und der Stapel ist voll, fliegt es auch auf den Müll. Auch wenn die Verkaufsprospekte und die Softwareoberfläche immer so tun, als könnte man da tolle Dinge für Bevorzugte garantieren, kann keine Software und keine Hardware die Leitung dahinter verbessern. Bandbreitenmanagement beruht immer darauf, niedrigpriorisierte Pakete zugunsten der hochpriorisierten nicht oder später zu verschicken.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, wir haben einen Router an einer 10MBit-Standleitung. Nun stellen wir in der schönen Benutzeroberfläche ein, dass wir für VoIP 3 MBit garantieren wollen. Wie macht der Router das? Indem er alles andere auf 10 – 3 = 7 MBit beschränkt. Es gibt auf Standleitungen keine Bevorzugung. Es gibt nur Benachteiligung. VoIP wird nicht besser übertragen als vorher, aber alles andere wird schlechter übertragen, gedrosselt. Wer tatsächlich einen bevorzugen will, ohne den anderen zu benachteiligen, der kann das nur über zusätzliche Ressourcen, sprich: eine zweite Standleitung für VoIP. Das macht aber keiner, kostet ja Geld. Tatsächlich priorisiert man also nicht VoIP auf die garantierten 3 MBit, sondern nimmt zugunsten von VoIP einfach in Kauf, dass für die anderen Dienste nur noch 7 MBit zur Verfügung stehen. Sieht dann besser aus, ist nüchtern betrachtet aber nur eine kalkulierte Verschlechterung. (Übrigens derselbe Gedankenweg wie bei der Frauenquote. Die wird auch als „positive Diskriminierung” verkauft und legitimiert, heißt aber auch nichts anderes, als dass die Männer einfach gedrosselt werden. Hört sich jetzt albern an, ist aber exakt dieselbe Problemstellung, nämlich Bandbreitenmanagement und Marketing. Verkauft und beworben wird eine Bevorzugung, implementiert wird es über Benachteiligung.)

Laut den Presseartikeln behauptet Merkel nun, man wolle einerseits die bevorzugten Dienste, diese andererseits aber nur erlauben, solange die anderen, normalen Dienste, dabei nicht eingeschränkt werden.

Das ist aber Blödsinn. Denn das schließt sich ja gegenseitig aus. Solange für alle genug Bandbreite da ist, ist es ja keine Bevorzugung, keine höhere Qualität. Eine Bevorzugung liegt ja erst dann vor, wenn’s im Netz knapp wird. Dann nämlich wird das teure Paket gesendet, das billige verworfen. Priorisierung bedeutet technisch immer, es anderen wegzunehmen. Es geht also nicht.

Natürlich kann man politisch wollen, die einen auf Kosten der anderen zu bevorzugen. Aber man kann nicht behaupten, dass man die einen nur bevorzugt, wenn es für die anderen keinen Nachteil bedeute. Das geht nämlich nicht. Weder im Internet, noch in der Frauenquote. Übrigens auch nicht bei Renten. Alles dasselbe Problem: Ressourcenmanagement bei begrenzten Ressourcen.

Und wieder haben die nichts kapiert – oder lügen uns dreist an. Macht aber nix, denn die Mehrheit der Bevölkerung lässt sich den Quatsch kritiklos erzählen. Wäre man Zyniker, könnte man sagen, sowas wäre Aufgabe einer Internetbotschafterin. Das Problem mit den Bandbreiten lässt sich nämlich ganz einfach lösen, indem man Internetkabel mit Glitzerfolie und Fell beklebt. 😉

Nachtrag: Was man machen könnte, wäre den Providern eine Maximalquote ihrer Netze für Premiumdienste vorzuschreiben. Beispiel: Mindestens 50% der Netzkapazität muss für allgemeine Dienste zum Grundpreis verwendet werden, höchstens 50% darf für Premiumdienste verwendet werden. Das könnte man vertreten. Nur kann man dann nicht behaupten, dass die Normalbürger nicht beeinträchtigt würden, denn da fehlt ja was.

32 Kommentare (RSS-Feed)

Noob
6.12.2014 20:23
Kommentarlink

Och Hadmut,
“Herrje. Muss ich schon wieder zeigen, wo eine Politikerin das Internet nicht verstanden hat und Schmarrn daherredet?”
keine Sorge, in naher Zukunft wird dein Blog geblockt, entweder weil es unter fanatische Propaganda, extremen Antifeminismus oder ähnliches fällt.

Garantierte Dienste über das “reine Internet” seh ich bisschen Problematisch, das ist als ob man Garantiert auch über die Autobahn kommt, wenn man mehr Steuer Zahlt und dafuer auch nie im Stau landet.


_Josh
6.12.2014 20:45
Kommentarlink

Sei herzlich bedankt, nun hat’s auch mein wenig Technik affiner Oheim begriffen — ein strammer, doch nun ehemaliger Merkel-Fanboy.
🙂


Erna
6.12.2014 21:03
Kommentarlink

Sowas kommt halt raus, wenn Politikern das Internet jahrelang als “Datenautobahn” verkauft wird.

Brumm brumm!


rjb
6.12.2014 21:15
Kommentarlink

In dem Zusammenhang vielleicht von Interesse:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Akute-Sicherheitsluecke-in-Vodafone-Routern-ist-wieder-offen-2294798.html
wegen der auch im Blogbeitrag genannten Hochkompetenzfirma Vodafone, und einige der Kommentare, etwa
http://www.heise.de/security/news/foren/S-Arcadyan-Plastikrouter/forum-289283/msg-26186976/read/
das von Dir gesagte illustrieren: “…wenn man mal einfach auf VoIP
telefonieren pfeift und ein eigenes Modem benutzt, so hat man zwar
signifikant mehr Bandbreite, aber nur so lange, bis der Provider das
merkt…”, weil eben ein pauschaler Anteil der Bandbreite für VoIP reserviert ist.

Was die Kompetenz der Bevölkerung angeht, so ist da Dummheit offenbar erwünscht. Sonst wäre es nicht möglich, daß in der mit “Informatik” betitelten Microsoft-Produktschulung eines bayerischen Gymnasiums zwar irgendwelcher Krampf über die Maximalzahl an Wörtern in einer Powerpoint-Folie daherschwadroniert wird, aber nichts Vernünftiges über elementare Grundlöagen von Computern oder Internet kommt.


EinInformatiker
6.12.2014 21:22
Kommentarlink

Zur Rente “meint” Merkel ja, dass die gesetzliche in Zukunft nicht ausreicht. Man müsse gesetzlich, privat und betrieblich kombinieren.

Mit anderen Worten: Die Beschäftigten zahlen also in ihrer Gesamtheit in die Gesetzliche nicht genug ein, damit für alle eine bestimmte Rente garantiert ist.

Aber es wird suggeriert die Kombination aus gesetzlich, privat und betrieblich könne die nötige Einzahlung leisten, wobei betrieblich ja nichts anderes als privat ist. Dass das für viele nur möglich wäre wenn man vor der Rente privaten Verzicht leistet der dazu führen würde, dass man die Rente nicht erreicht, wird nicht erwähnt. Die Rentenversicherer stehen daneben und beklatschen das und die Gewerkschaften fordern dass die Rente reicht. Lächerlich! Im Grunde sind diese Leute alle vom selben korrupten Schlage, dem auch der feministische Charakter entspringt. Verdienen ihr Geld für das Labern von Unfug.


C
6.12.2014 22:03
Kommentarlink

@rjb:
Lass mich raten, du meinst den ECDL?

Der ist inzwischen in jeder Schule Gang und Gebe.

Totaler Blödsinn. Geht, wenn ich es recht in Erinnerung habe, um 7 Prüfungen (Excel / Word / PP / und ähnliches), die im Endeffekt Multiple Choice Tests waren. Das bewegt sich dann auf den Niveau von “Unter welchem Menüpunkt muss man klicken, um X zu machen?”

Ansonsten wird aber auch generell im IT Unterricht genau das gelehrt – auch ohne ECDL. Access ist da schon das höchste der Gefühle. Da kann man immerhin noch streiten, dass das zumindest ein wenig in Richtung Datenbankmanagementsysteme geht (Datenmodellierung und so).


Wolfgang T.
6.12.2014 22:16
Kommentarlink

Internet-Botschafterin zuständig für

“Die EU ist nämlich nicht nur im Begriffe, sich besser zu vernetzen, sie möchte auch eine richtige Service-Einrichtung werden, bei der man eine Pizza, einen Dogsitter und eine Stripperin für den Polterabend bestellen kann.”

siehe hier:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/call_a_pizza_die_eu_ist_immer_fuer_sie_da


Manfred P.
6.12.2014 22:49
Kommentarlink

@EinInformatiker

Letztendlich ist jede, aber auch jede Rente eine Umlage. Ich verzichte heute auf Konsum, um in der Zukunft Leistungen konsumieren zu dürfen.

Die Leistungen, die ich in der Zukunft konsumieren will, müssen aber in der Zukunft erbracht werden. Das tut wer? Der Kontostand? Oder die arbeitende Generation?

Es ist völlig gleichgültig, wie man es dreht oder wendet. Die arbeitende Generation versorgt die Alten und die Kinder. Punkt. Aus.

Alles andere ist lediglich eine Verteilungsfrage.

Wenn ich in 40 Jahren in Rente gehe, und morgens ein Brötchen kaufen gehe, dann muss das einer in 40 Jahren frisch backen. Sonst nutzt mir meine Rücklage ein Scheiß.

Was ich also heute privat “vorsorge”, was macht dann meine private Rentenversicherung? Die geht vorzugsweise in Staatsanleihen. Sagen wir mal, 30 Jahre Laufzeit. Was ist eine Staatsanleihe? Das ist ein Zahlungsversprechen, das in der Zukunft eingelöst wird.

Und wenn die Staatsanleihe in 30 Jahren fällig ist, mit Zinsen, und meine private Versicherung will die Kohle zurück haben, um mir meine Rente auszuzahlen: Woher nimmt dann der Staat die Kohle, um die Anleihe zu bedienen? Aus der Schatztruhe, die unter dem Kanzleramt verbuddelt ist? Oder aus den Steuern von den Bürgern, die… *räusper* … in 30 Jahren… arbeiten und Steuern zahlen?

Man muss also schon extrem blöd sein, um die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens nicht einzusehen. Das ist vermutlich der unterbewusste Grund, warum ich in letzter Zeit an Politiker- und Journalistengehirne erinnert werde, wenn ich auf der Straße einen Haufen Hundescheiße sehe.

Die fehlenden Kinder sind ein realwirtschaftliches Problem, das man nicht wegzaubert, indem man Excel-Spreadsheets und PowerPoint-Präsentationen produziert.

Es wird also schlicht und ergreifend ein Verteilungskampf sein, in dem aber die Alten das Nachsehen haben werden, eben weil sie alt sind, keine Arbeit mehr finden, und teilweise auch gesundheitliche Probleme haben.

George Kennan hat sich schon 1945 über den “genetisch bedingten Mangel an Realitätssinn” bei den Deutschen lustig gemacht. In solchen Augenblicken kann man nachvollziehen, warum, auch was Hadmuts eigentliches Thema, das Internet, angeht.

@Hadmut

Danke für den informativen Artikel. Die Fakten werde ich dem nächsten Dummschwätzer um die Ohren hauen. Nicht, dass ich denke, dass das etwas bringen würde, aber naja.


theodor
6.12.2014 22:55
Kommentarlink

Nun ja, ganz doof gefragt, warum muss das eigentlich alles über TC/IP gemacht werden? Die Kabelnetzbetreiber schicken doch auch richtig dicke Packete durch die Netze aber eben nicht über TC/IP, oder irre ich? Innerhalb der gesamten Bandbreite von Kabel könnte man doch einen Bereich definieren, der für das ‘normal’ Internet Protokoll gesperrt ist und innerhalb von dem Bereich schickt man dann über eigene Protokolle Sonderdienste durch.

Keine Ahnung, ob das überhaupt technisch machbar ist, aber meiner Ansicht nach betreiben die Kabelnetzbetreiber jetzt schon genau solche priorisierten Dienste, nämlich ihre Programme und das klappt doch ziemlich gut und nimmt dem Rest vom Internet nix weg.

Das Problem ist doch, dass die anderem Anbieter wie Telekom oder Netflix solche Netze nicht aufbauen wollen, sondern alles über TC/IP senden. Das ist wie eine Straßenbahn, die auf eine eigene Trasse fährt vs. ein Busfahrtunternehmen, das alles über die Straße macht … ersteres ist schneller, auch im dichten Verkehr, letzteres ist viel billiger.


Hadmut
6.12.2014 23:10
Kommentarlink

> Die Kabelnetzbetreiber schicken doch auch richtig dicke Packete durch die Netze aber eben nicht über TC/IP, oder irre ich?

Wie kommst Du denn darauf?

Die verwenden zwar DOCSIS, aber erstens schicken die da auch keine größeren Pakete, was sollte da auch drin sein. Es gibt zwar die Telefonie über Kabel, aber wenn da die Pakete zu groß würden, wäre die Latenz zu lange. Zweitens ist das Schicht 1/2, hilft also nichts, weil man damit nur die Strecke Wohnung-Provider schafft, aber nicht weiterkommt. Schichtenmodell beachten. Du kannst nicht auf Schicht 1/2 Weitstreckennetzwerke aufbauen.

> Das ist wie eine Straßenbahn, die auf eine eigene Trasse fährt vs. ein Busfahrtunternehmen, das alles über die Straße macht

Nein, eben nicht. Guck Dir mal an, was es mit dem Schichtenmodell auf sich hat. Und TCP/IP ist auch kein Netzwerk, sondern ein Netzwerkprotokoll auf Schicht 3, um verschiedene Netzwerktechniken zusammenzubinden. Du vergleichst gerade Straßenbahn mit Verkehrsverbund. Die Kabelnetze sind nicht die Alternative zu TCP/IP, sondern dort deren Trägermedium. TCP/IP ist derzeit das einzige solche (verbreitete) Protokoll, das Verkehr über mehrere, ganz unterschiedliche Technologien leiten kann.

Deshalb kommt auch kein TCP/IP-Kabel aus der Wand, sondern ein Ethernetkabel. Es gibt nämlich aus besagtem Grund kein TCP/IP-Kabel.


Manfred P.
6.12.2014 22:57
Kommentarlink

Nochmal zum Rententhema:

Angenommen, einer kauft ein Wohnhaus zur Altersabsicherung und vermietet die Wohnungen.

Klar, wird in seinem Fall auch klappen. Aber woher kommt die Miete, wenn er in Rente ist?

– eine Familie oder Arbeitsperson mit Arbeitseinkommen zahlt die Miete
– ein Rentner, dessen Rente aus der Umlage arbeitender Leute gezahlt wird
– ein Sozialhilfeempfänger, dessen Miete aus den Einkommen arbeitender Leute gezahlt wird
– ein Renter, der private Ersparnisse wie Bundesanleihen hat, die aus den Einkommen arbeitender Leute bedient wird

Wie man es dreht und wendet: Die arbeitende Bevölkerung versorgt die Alten und die Kinder. Aus dieser Nummer kann kein Volk der Erde herauskommen.

Inwieweit diese harte Realität mit dem Globalisierungs- und Freihandelswahnsinn zusammenpasst, ist eine andere Frage. Dafür gibt es sicher irgendwo ein passendes Excel-Spreadsheet.


Noob
6.12.2014 23:11
Kommentarlink

@ Manfred:
“Klar, wird in seinem Fall auch klappen. Aber woher kommt die Miete, wenn er in Rente ist?”
Vom Mieter?


theodor
6.12.2014 23:41
Kommentarlink

@Hadmut

Ah okay, so wird’s klarer, [ich habe da auch nicht wirklich den technischen Einblick] – Danke für die Erklärung!


Pseudonym
7.12.2014 1:25
Kommentarlink

Eigentlich sollte es uns bis auf wenige Ausnahmen(arbeitsschutz z.b.) nicht interessieren, auf welche Weise ein Unternehmen seine Leistung bereitstellt. Hauptsache das, was für den Preis beworben wurde, wird auch geliefert.

Das Problem momentan mit den Internet providern ist aber, dass die Leistung schwammig ist. Natürlich kann man überprüfen ob google grad erreichbar ist oder nicht, aber nachzuweisen, dass die mommentane übertragungsrate oder Latenz schon mit Absicht ein bischen gedrosselt wurde, ist jedenfalls für mich als durchnittlicher Benutzer nicht möglich.

Im Stromnetz gibt es einen gültigen Spannungsbereich der für einen großen prozentsatz der Jahreszeit eingehalten wird, da fühle ich nicht wie die Leistung beim wochenende so schwankt wie das bei meinem Internetanschluss der fall ist.

Um trotzdem Eingriffe in die Unternehmen zu vermeiden würde ich vorschlagen, dass Volumentarife wieder angeboten werden. Aber nicht die varianten im mobilfunk, wo man ähnlich wie bei der Flatrate in Vorkasse geht, sondern die aus Modem zeiten, sodass nur die Daten gezählt werden die auch ankommen. Dann läge es im Interesse des internet providers die daten so schnell wie möglich zuzustellen, weil so die warscheinlichkeit steigt, das der Kunde weitere daten anfordert.
Eine einstellbare Kostendeckelung könnte den Volumentarif so kostenplanungssicher wie eine Flatrate machen.


Lohengrin
7.12.2014 2:10
Kommentarlink

@theodor
Ein großes Paket hat weniger Header als viele kleine Pakete. Da die Header für ein maximal großes Ethernet-IP-TCP-Paket keine fünf Prozent des Gesamtpakets ausmachen, bringt es praktisch nichts, die Pakete größer zu machen. Für VoIP müssen die Pakete, wegen der Latenz, eh klein sein. Und für etwas, wo Latenz egal ist, bedeuten große Pakete, dass, wenn etwas verloren geht, ein großes Paket nochmal geschickt werden muss. Und ein großes Paket kann man nicht so leicht mal eben puffern.


Mme. Haram
7.12.2014 7:07
Kommentarlink

Hier was ähnliches: Aufnahmekriterien in Harvard. Asiaten sind besser als Weisse und Schwarze. Asiaten müssen als Strafe höhere Aufnahmekriterien erfüllen.
http://www.nytimes.com/2014/11/25/opinion/is-harvard-unfair-to-asian-americans.html?_r=1
Der Autor schreibt:
“As recognized by the Supreme Court, schools have an interest in recruiting a “critical mass” of minority students to obtain “the educational benefits that flow from a diverse student body.” This justifies, in my view, admissions standards that look favorably on underrepresented groups, like African-Americans and Latinos. But it can neither explain nor justify why a student of Chinese, Korean or Indian descent is so much less likely to be admitted than a white one.”

Er widerspricht sich. Entweder fair, oder nicht. You can’t have the cake and it it, too.


janndh
7.12.2014 8:01
Kommentarlink

priorisirung ist nicht per se schlecht.

Aber die muss ich als endkunde unter meiner Kontrolle haben.

wenn ich in meinem Heimrouter einstelle das soundsoviel Bandbreite für dienst dasein müssen ist das eine gute Sache. weil wenn ich Dienst x nicht brauche fällt die Priorisingung nicht ins Gewicht.
bzw kann das kurzfristig auch umstellen falls was anderes grad wichtiger ist.

Nebenbei seh ich auch Üotential zum Umgehen bzw zum Missbrauch. man bräuchte nur einen Anbieter der so tut als sei er ein Proirisierter dienst, dabei ist er nur ein VPN der getarnt als ZB VOIP Paket getarnt Daten an das echte Ziel weiterleitet.

nebenbei wenn ich garantierte Bandbreite und Geschwindigkeit für einen Dienst will. dann sollte man auch auf eine dafür dedizierte Leitung setzen.

beim Wasser kommt ja auch keiner auf die idee das die Wasserwerke Wasser für Dusche. Toilette oder Küche anders im Druck behandeln .-)


Dirk N
7.12.2014 11:56
Kommentarlink

@hadmut
Danke für den Artikel (und generell für deinen blog)
@Manfred P
genau das besagt ja das Mackenroth-Theorem (meines Wissens bisher von keinem neoliberalen Wirtschaft-“Wissenschaftler” widerlegt): Alle Sozialausgaben einer Periode müssen als Leistungen auch in dieser selben Periode erbracht werden. Und da gibt es bei entsprechenden Produktivitätsfortschritten auch keine Probleme, wenn das ganze bei gleichbleibender oder gar schrumpfender Bevölkerung abläuft. Das Problem ist immer das gleiche: Wo bleiben die Produktivitätszuwächse? Und solange die großen Unternehmen das Geld nicht investieren sondern irgendwo anlegen wollen, weil man ja in der “Finanzwirtschaft” höhere Renditen erzielt als in der Realwirtschaft, wird das nicht funktionieren. Und ein Unternehmen, dass sich nur an den stockholdern orientiert und nicht an seinen stakeholdern (also auch an seinen Beschäftigten!) wird kurzfristig vielleicht Erfolg haben, aber mittelfristig den Bach runtergehen. Und wenn es alle machen, gibt’s die volkswirtschaftliche Katastrophe. Deshalb gibt’s ja auch BWL und VWL, denn was gut für’s Unternehmen ist, ist noch lange nicht gut für die Volkswirtschaft. Aber wenn die Politik letztere nicht kennt und von der schwäbischen Hausfrau faselt, dann sag ich nur “Gute Nacht, Deutschland”.


John Doe
7.12.2014 14:08
Kommentarlink

Diese gesamte Diskussion ist müßig. Wer über die Jahre die Meldungen über den technologischen Fortschritt bei heise.de verfolgt hat, weiß, daß es sich nicht um ein technologisches Problem handelt.

Es ist ein politsches Problem! Politiker haben eine technologische Kompetenz von MIN_INT. Jeder Techniker folgert daraus, das Problem an der Wurzel zu beseitigen, um Einklang mit den technologischen Möglichkeiten herzustellen, welche _allen_ Menschen dienen würden.

Man kann politische Probleme nicht technisch lösen!


Heinz
7.12.2014 17:51
Kommentarlink

> priorisirung ist nicht per se schlecht.
Aber die muss ich als endkunde unter meiner Kontrolle haben.

Das ist QOS und das machen die meisten Router automatisch.


Michael
7.12.2014 19:09
Kommentarlink

Grundsätzlich könnte man auch beim Kunden mit 50Mbit/s (heute, 2014; in 5 Jahren müsste das schon Gigabit sein, hahahaha, guter Witz. In der Schweiz nicht.) aufschlagen und dem Kunden 30Mbit/s freies Internet anbieten sowie 20Mbit/s für die TV-Box oder eben solche Mehrwertdienste abzwacken.

So in etwa wie das fast überall auf der Welt ganz normal ist.

Aber die murrikanische Administration muss ja unbedingt ne Extrawurst erfinden und die Deutschen müssen ja unbedingt denen hinterherrennen. Und weil Deutschland in der EU das sagen hat, wissen wir, was Europa in fünf Jahren netztechnisch blüht.

Grundsätzlich ist es jedoch egal, wie die Leitung voll ist, solange Kapazitäten übrig sind, kommen alle Pakete mit derselben Latenz (nämlich fast keiner) durch. Also: Netzausbau, hopp!


Michael
7.12.2014 19:11
Kommentarlink

Noch etwas, @Dirk N.

Was meinst Du zur Vollgeldinitiative?


yasar
8.12.2014 10:24
Kommentarlink

Um die “priorisierung” für Speialdienste zu gewährleisten, kann man ja wieder ein uraltes produkt von vor 20 Jahre wieder ausgraben das VBN (vermitteltes breitband-Netz). Damals gab es ähnlich ISDN ein Glasfasernetz, wo man dedizierte 2M-Bit Verbindungen hatte, die man per Nummernwahl anwählte. Solange die Verbindug stand, hatt man 2Mbps Duplex zur verfügung. War schweinisch teuer. Wir (ein Kollege und ich, bei dem Systemhaus, bei dem ich damals war) haben Videokonferenzsysteme für die Bundesregierung im Rahmen des Umzugs von Bonn nach Berlin und für die GMD (die auch teilweise umgezogen ist) installiert. War ein geile Sache, insbesodnere, weil das nicht nur Videokonferenz, sondern auch Kollaboration-Lösungen waren (gemeinsame Arbeit an Dokumenten, gemeinsamer Desktop, Fernwartung etc.)

Das hat sich dann allerdings alles im Sand verlaufebn, weil es natürlich als Nischendienst sauteuer war und der Bandbreitenbedarf durch die Entwicklung von neuen Codecs und leistungsfähigerer Hardware sich der Bandbreitenbedarf massiv veringerte.

wenn man das also technisch lösen wollte, müsste man einfach nur bezahlbares S2N (oder besser) einführen.


Claas
8.12.2014 10:35
Kommentarlink

@Michael schrieb:

“Was meinst Du zur Vollgeldinitiative?”

Michael, ich halte mehr von der Vogelinitiative.

Also, was ich meine, ist: Könntest Du mal in kurzen Worten erklären, was das ist?


Manfred P.
8.12.2014 13:15
Kommentarlink

@Dirk N.

Sehe ich ganz ähnlich. Ich denke, dass die Shareholder-Value-Theorie des Herrn Rappaport ziemlicher Unsinn ist. Aber der Grund für die weite Verbreitung ist wohl, dass die Theorie so einfach zu verstehen ist wie Schnick-Schnack-Schnuck. Werte schafft man nur in der wirklichen Welt, nicht in Aktienkursen, die zudem noch durch die ZB-Politik künstlich aufgeblasen werden.

@Michael

Geld ist nur dann etwas wert, wenn man dafür etwas kaufen kann. Ich verstehe nicht, wie man diesen einfachen Zusammenhang nicht begreifen kann. Im Ostblock hatten die damals auch Geld. Und was konnte man dafür kriegen? Nicht mal ‘nen Trabbi, und selbst auf den musste man 15 Jahre warten.

Wenn also die Wirtschaft viel Leistung erbringt, dann ist das Geld auch etwas wert, um es mal platt auszudrücken.

Augenblicklich sind die Leistungsanreize so, dass man mit Finanzspielereien viel mehr Geld verdienen kann als mit produktiven Leistungen. Das ist deswegen (noch) eine gute Sache, weil es einige Volkswirtschaften gibt, die immer noch ziemlich stark und leistungsfähig sind.

Aber langfristig ist das ein Problem. Es zieht sehr kluge Leute in die Finanzwirtschaft, die vielleicht im produktiven Bereich wirklich Großes leisten könnten. Und es zerstört Leistungsanreize.

Daher wäre eine rigorose Erbschaftssteuer ein Mittel, um von Generation zu Generation den Leistungsdruck zu erzeugen, selbst etwas aufzubauen und auf die Beine zu stellen. Sonst konzentriert sich das Vermögen in den Händen einiger weniger Familien, die dann auf dem Geld sitzen und es nicht zirkulieren lassen, was zum Problem für alle wird. Denn der Rest muss dann nämlich für die Kapitalerträge dieser Familien ackern, wodurch immer mehr Massenkaufkraft abgesaugt wird, was wiederum zu zurückhaltenden Investitionen führt.

Bill Gates z.B. sieht das auch so und vermacht seinen Kindern nur einen kleinen Teil seines riesigen Vermögens.

Das ist natürlich sehr gegen die Interessen derjenigen, die die Kohle in den Händen haben. Man muss das klug ausdifferenzieren, um nicht Familienbetriebe dadurch platt zu machen. Und man muss reiche Kinder nicht arm machen.

Daher sehe ich die Lösung gar nicht so sehr im Vollgeld, sondern in der Schaffung von Leistungsanreizen, die realen Wohlstand schaffen. Wenn sich die Finanzspielereien nicht mehr lohnen, erledigt sich das von selbst.

Allerdings sehe ich für die politische Durchsetzbarkeit ziemlich schwarz. Durch die Einführung des Euro sind alle Staaten in einer Auslandswährung (dem Euro) verschuldet und von den Finanzmärkten zur Finanzierung abhängig. Und diese werden sicher nicht zulassen, dass die Kuh geschlachtet wird, die ihnen fette Milcherträge bringt.

Keynes hatte damals vorgeschlagen, eine internationale Verrechnungswährung namens “Bancor” einzuführen. Wenn ein Staat zu starke Überschüsse fährt, sollten diese Guthaben langsam per Strafzinsen verfallen, um den Welthandel im Gleichgewicht zu halten.

Deutschland oder Japan z.B. hätten dann wieder mehr importieren müssen, was wiederum anderen Ländern Einkünfte beschert hätte.

In einem solchen System wäre z.B. die Griechenland-Pleite gar nicht passiert. Bzw. es hätte die anderen Länder nicht mitgerissen.

Wie es aussieht, werden wir die gigantischen Überschüsse, die wir aufgehäuft haben, wohl abschreiben müssen. Das heißt im Klartext, das wir die ganzen BMWs, Benzens und Maschinen am Ende für Umme verschenkt haben.

Stattdessen haben die Amerikaner durchgesetzt, dass der Dollar die Weltwährung wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit der Atombombe in der Hand hatten sie auch die Macht, das durchzusetzen. Und dafür kriegen sie all die Importgüter geschenkt, denn auch die Amis werden ihre Schulden niemals begleichen können.

@Hadmut

Sorry für diese OT Diskurse.


Knut
8.12.2014 14:36
Kommentarlink

Hmm. Ich denke nicht, das man zur Priorisierung Bandbreite ungenutzt vorhalten muss. Man braucht aber viel Speicherplatz um einen Überblick über die Pakete zu haben. Desweiteren müssen die implementierten Algorithmen zwischen den verschiedenen Netzbetreibern kompatibel sein, damit nicht das, was bei einem Priorität hat, beim nächsten angestaut wird.

Priorisierung kennt man ja aus dem Taskscheduling und schon da funktionieren einige Produkte unglaublich mies, weil sie Prozessen Priorität geben, die noch gar nicht alles was sie benötigen zusammen haben. Dann wird mit höchster Priorität gewartet und das Gesamtsystem arbeitet deutlich schlechter. Wenn es schon ein Problem ist, das man nicht abschätzen kann, wie lange der Seitenwechselmechanismus auf der Platte rumschwurbelt, wie groß ist dann das Problem, wenn man wissen müsste, wie schnell die Pakete aus Rio via Kongo, Mali, Tripolis, Neapel … nach Berlin fließen.

Das Internet funktioniert auf Grund seiner einfachen Mechanismen. Alle Entscheidungen werden auf Grund der lokal verfügbaren Daten getroffen. Kopien werden nur von Daten mit geringer Änderungshäufigkeit erstellt. Verbindungsplanung mit Prioritäten ist damit meiner Meinung nach nicht kompatibel.


Dirk N
8.12.2014 21:49
Kommentarlink

@Michael
dem, was Manfred P. dir geschrieben hat, kann ich nur zustimmen. Es ist doch egal, ob viele Banken Giralgeld schaffen oder die eine Notenbank. Letztlich muss ein politischer Wille da sein, realwirtschaftlich sinnvoll zu agieren. Aber wer die Herren Finanzjongleure zu (deren) Geburtstagsparty ins Kanzleramt lädt, hat daran wohl wenig Interesse. Oder keine Ahnung, was er/sie da eigentlich anrichtet. Für letzteres spricht ja die (ich wiederhole mich) “schwäbische Hausfrau”.

@Manfred P.
volle Zustimmung

@Hadmut
auch von mir ein Sorry für das Abschweifen vom eigentlichen Thema, aber da ein politischer Wille, überhaupt irgendetwas zu wollen – vom Machterhalt mal abgesehen – bei dieser und auch den vorherigen Regierungen für mich nicht erkennbar ist, wird es wohl bei jedem Thema zu weiterführenden Diskussionen kommen 😉


Dirk S.
9.12.2014 16:38
Kommentarlink

@ EinInformatiker

> Zur Rente “meint” Merkel ja, dass die gesetzliche in Zukunft nicht ausreicht.

Im Prinzip hat sie zugegeben, dass sie und ihre Vorgänger die geleisteten Rentenbeiträge veruntreut haben. Es ist zuviel an zusätzlichen Verpflichtungen der Rentenkasse aufgebürdet worden, statt die Beiträge entsprechend als Renten wieder auszuzahlen. Zusätzlich hätte schon in den 70ern, spätestens in den 80ern der Aufbau einer zusätzlichen Kapitaldecke für die gesetzliche Rentenversicherung vorgenommen werden müssen.

Aber es war ja genug Geld da, man wollte sich (auf Kosten anderer) Stimmen bei der nächsten Wahl kaufen, eine Einheit musste (teil-)finanziert werden und überhaupt konnte sich jeder Kanzler sicher sein, dass er/sie/es beim Zusammenbruch des Rentensystems nicht mehr im Amt ist. Ebenso alle Abgeordneten, die der Veruntreuung zugestimmt haben, aus den gleichen egoistischen Motiven. Kollektive Verantwortungslosigkeit.

Mal sehen, was da kommt. Ich tippe auf eine Art “Alters-Hartz IV”, natürlich unter voller Anrechnung privater Vorsorge und vorhandener Immobilien. Der Staat wird es uns schon nehmen. Im Ernst.

Ernsthafte Grüße,

Euer Dirk


Lohengrin
9.12.2014 19:47
Kommentarlink

@.Dirk S
> Im Prinzip hat sie zugegeben, dass sie und ihre Vorgänger die
> geleisteten Rentenbeiträge veruntreut haben.
So geht das nicht. Die Rentenbeiträge von heute kann man morgen nicht verteilen. Was die Rentner von morgen haben wollen, muss morgen erzeugt werden. Sinnvoll ist es, von den heute geleisteten Rentenbeiträgen, Produktionsmittel zu erzeugen, um damit morgen das, was dann verbraucht werden soll, zu produzieren.
Alles andere ist Quatsch. Insbesondere entsteht durch das Verschleißen der heutigen Rentenbeiträge durch Werbung konkurrierenden Unternehmen, oder das Ausrüsten von Armeen, die sich dann gegenseitig zerstören, oder auch nur gegenseitig bedrohen, nichts, was morgen produziert.


Manfred P.
10.12.2014 10:07
Kommentarlink

@Lohengrin

Exakt. Das einzige volkswirtschaftliche Sparen, das möglich ist, ist der Ausbau des Kapitalstocks. Infrastruktur, Produktionsmittel, etc…

Alles andere ist tatsächlich Schmökes.

Wenn man Geld nicht als das begreift, was es ist: Nämlich papiergewordene Buchhaltung über erbrachte reale Leistungen, sondern es als “Ware wie jede andere” sieht, begeht man einen ganz folgenschweren Irrtum. (Deswegen kann das mit dem Grundeinkommen meiner Meinung nach nie hinhauen.)

Da das aber die meisten zu tun scheinen, wird deswegen eine schwachsinnige Politik forciert.

Es ist wie beim Internet: Wer die Natur der Dinge nicht versteht, labert nicht nur Scheiße, sondern baut auch nur Scheiße.


Lohengrin
10.12.2014 21:46
Kommentarlink

@.Manfred P
> Nämlich papiergewordene Buchhaltung über erbrachte reale Leistungen,
Das mit “erbrachte” ist unklar. Es geht nicht nur um die in der Vergangenheit gebrachte Leistung, sondern auch um die in Zukunft zu erbringende Leistung. Wenn man das Geld nur mit der in der Vergangenheit erbrachten Leistung bewertet, wird man eine Überraschung erleben.
Es gibt da ein schönes Beispiel, wo mit Bescheinigungen über Kinderaufpassen eine Parallelwährung erzeugt worden ist. Für eine Stunde Kinderaufpassen, sollte man mal eine Stunde Kinderaufpassen von irgenwem anfordern können. Dass man später für eine Stunde Kinderaufpassenlassen zu Weihnachten drei Stunden bezahlen musste, war nicht das Problem. Das Problem trat auf, als die Leute dieses Geld gehortet hatten, und irgendwann jeder das Recht hatte, andere hundert Stunden anfordern zu können, und trotzdem keinen fand, der es tat. Damit war die Alterssicherung kaputt.

> Deswegen kann das mit dem Grundeinkommen meiner Meinung nach nie
> hinhauen.
Es muss sehr gering sein. Geld mit einer Kaufkraft von 400 Euro, Geöd für 50 qm warme Wohnung und Krankenversorgung für jeden (heutiges Hartz4 ohne Arbeitszwang), hätte zur Folge, dass die Leiharbeiter, die für 1000 Euro pro Monat 40 Stunden Fabrikarbeit machen, die Arbeit einstellen.
Mit 500 Euro pro Nase – also eine drastische Senkung für arbeitslose Hartzies und eine noch viel drastischere für dann überflüssige Sachbearbeiter der Arge – würde es klappen. Dann würden sich nämlich ziemlich viele noch 400 Euro durch 20-Stunden-Woche mit 5 Euro pro Stunde netto dazuverdienen.
Damit es nicht zu so einer vernünftigen Diskussion kommt, gibt es immer wieder Leute, die mindestens 1000 Euro pro Nase fordern. Ist ja auch nicht schwierig, Leute, die das fordern, in den Quasselgruppen zu finden. Da sind nämlich vorwiegend Leute, die es nie nötig hatten, für das Geld, was sie verbraten, zu arbeiten.


jd.
11.12.2014 2:56
Kommentarlink

@Dirk S
> Mal sehen, was da kommt. Ich tippe auf eine Art “Alters-Hartz IV”, natürlich unter voller Anrechnung privater Vorsorge und vorhandener Immobilien. Der Staat wird es uns schon nehmen. Im Ernst.

Was gibt’s da noch zu tippen. Das nennt sich Grundsicherung im Alter und gibt’s seit 2003. Die Unterhaltspflicht der Kinder(!) ist bis jetzt noch beschränkt, aber im Ernstfall wird es auch da keinen Vermögensschutz mehr geben.