Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wegschmeißen und neu bauen

Hadmut
8.1.2013 20:23

Die ZEIT schreibt, dass es die günstigste und beste Lösung wäre, den Berliner Flughafen einfach zu vergessen und woanders mit dem Bau ganz neu zu beginnen. Und dabei könnten sie noch nicht mal die Ausstattung wiederverwenden, weil die in 10-15 Jahren völlig veraltet wäre.

Is ja toll. Wenn sich die alten Ägypter so’n Pfusch bei ihren Pyramiden erlaubt hätten. Und alles, was gefordert wird ist, dass die verantwortlichen Politiker zurücktreten und damit in den hochbezahlten Ruhestand gehen.

Wobei ich sowieso nicht verstehe, was an einem Flughafen so schwer sein soll, es gibt ja schon so viele, bei denen das geklappt hat. Amerikanische Flughäfen sind oft ganz einfach, primitiv und simpel gebaut und funktionieren trotzdem.


25 Kommentare (RSS-Feed)

Stefan H
8.1.2013 21:17
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Wir hatten mit unserem neuen Terminal (VIE Skylink – das war ja nicht mal einen ganzer Flughafen) auch so ein Problem.

Ich denke es wäre etwas ganz anderes, wenn das eine rein privat finanzierte Geschichte ist. So scheinen die zuständigen Herren offensichtlich zu glauben, sie können sämtliche Kosten auf den Steuerzahler abwälzen :/


Svenska
8.1.2013 21:18
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…die wurden in der Regel auch mit dem Ziel “funktioniert” gebaut, nicht mit “funktioniert, ersetzt drei gut funktionierende Flughäfen, muss also besser sein und mehr können, muss alle verantwortlichen Politiker profilieren, darf nichts kosten, muss mit bösartigen Anwohnern klarkommen, …”


Oppi
8.1.2013 23:07
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“Wenn sich die alten Ägypter so’n Pfusch bei ihren Pyramiden erlaubt hätten.”

Was heisst hier “hätten” ? Haben sie. 😀 http://tinyurl.com/abhjgxa


Hadmut
8.1.2013 23:10
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Wieso? Die pyramidet doch ganz brauchbar…


Herbert
9.1.2013 0:59
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naja, wenn sie den Flughafen jetzt fertigbauen würden, würde der auch gut “flughafen”, aber das macht nicht wett, dass da Mist gebaut wurde 😉


O.
9.1.2013 2:09
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So lange wie diese Pyramiden stehen moderne Gebäude nicht.

Was den komplett unabhängigen Neubau angeht:
Das ist oftmals mein Urteil, wenn ich Software sehe,
die andere Leute so verbrochen haben.

Da gibt’s öfters nur eine sinnvolle Lösung: Rewrite From Scratch!


Heinz
9.1.2013 5:35
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@Hadmut
> Wieso? Die pyramidet doch ganz brauchbar…

Naja das war schon ein Fall von Pfusch in der Planung, sie haben erst sehr spät gemerkt, dass das Fundament das Gewicht nicht trägt.
Deshalb mussten sie die Spitze flacher machen, du siehst ja auf den Fotos, dass das keine saubere Pyramide ist.


Flusskiesel
9.1.2013 7:18
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Die Knickpyramiden waren durchaus so gedacht. Ich meine mich aber auch erinnern zu können, dass es in Ägypten eine Pyramiden-Bauruine gibt. Da hatten die das mit der Aufhängung der Außenplatten noch nicht im Griff und da ist denen eine 45-Grad-Pyramide abgerauscht.
Danach kamen dann die Knickpyramiden. IIRC.


ein anderer Stefan
9.1.2013 7:28
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Bei der Knickpyramide haben die Baumeister den Mut gehabt, mitten im Bau auf einen funktionierenden Entwurf umzustellen. Der ältere, steilere Entwurf hat zu statischen Problemen geführt, die man damit in den Griff bekam. Heute hat niemand den Mut, mittendrin zu sagen, so geht es nicht. Deswegen werden die Bauprojekte auch regelmäßig zu Milliardengräbern, weil man irgendwie weiterwurschtelt. (S21, Elbphilharmonie)


yasar
9.1.2013 7:31
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Typisches beispiel dafür, daß während dem Bau einfach die Spezifikation geändert wird. Den Bauherrn sollte man eine eine Pyramide sperren.


Peter Suxdorf
9.1.2013 7:32
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Ich bin gerne dagegen, egal was, solange es nicht hinreichend begründet wird. Im Moment lese ich allüberall, daß der Flughafen Schrott ist, zu klein und nicht korrekt geplant und ausgeführt ist/wird.

Gibt es tatsächlich jemanden, der daß wirklich überblicken und bestimmen kann. Ich könnte es nicht, ich müßte mich mal wieder auf “Experten” verlassen. In meiner kleinen Welt beschäftige ich mich mit Zerspanungswerkzeugen und Maschinenbauteilen, die Zeichnungen dort sind deutlichst weniger komplex und trotzdem dauert es meist eine kleine Weile (liegt vielleicht an meinem bescheidenem Resthirn), bis ich durchblickt habe, was ein anderer nach Norm gezeichnet hat. Ich könnte mir vorstellen, daß dies bei einem Computerprogramm genauso ist, die lesenden Programmierer mögen mir da Recht geben oder auch nicht.

Wie sieht das nun bei einem Plan, einer Zeichnung, einem Planfeststellungsverfahren, einem teilfertigen Gebäude aus, kann man da wirklich davon ausgehen, daß da allesamt gepfuscht haben, daß da – die Medien sollen es mich glauben lassen – kein Stein korrekt auf dem anderen liegt. Oder ist es vielleicht nicht ganz so schlimm…

Wenn ich schon lese, daß alle Ebenen auf einer Höhe von 2,15 m bei einem Brand minutenlang rauchfrei sein müssen, ja nee, is´ klar. 2,15 m. Sehr wahrscheinlich (Achtung Verschwörungstheorie) wird es an irgendeiner Ecke laut Rechnermodell nur 1,90 m sein, liegt dann entweder am Rauch oder am Rechnermodell. Testweise mal brennen lassen geht ja auch nicht, obwohl, damit könnte man ein großes Problem beseitigen.

Unabhängig davon frage ich mich, warum Politiker im Aufsichtsrat sind anstelle von Baufachleuten, warum sie nicht geteert und gefedert werden aufgrund ihrer inkorrekten Arbeitsweise, warum sie bei vollen Bezügen und vollem Rentenanspruch in dieser Repubklik leben dürfen und vor allem, warum ich Idiot diese Scheiße schon wieder bezahlen muß.

Wir sollten uns alle fragen, warum wir u.a. die Themen, die von Hadmut aufgegriffen werden, permanent zulassen und uns nicht anständig dagegen wehren. Also nicht gegen Hadmut und seine Themen 🙂 , sondern die Auswirkungen, die Hadmut veranlassen überhaupt darüber schreiben zu müssen…


Joey
9.1.2013 7:49
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Bei den Ägyptern gabs aber auch noch nicht so strenge Brandschutzvorschriften. 😉


Knut
9.1.2013 9:06
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Bei den Ägyptern gab es Krokodile, wenn das Ergebnis nicht gepasst hat. Da wird bei so mancher Diskussion nach sinnvollen Lösungen gesucht, statt den Schwarzen Peter reium gehen zu lassen.


Puri
9.1.2013 10:14
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Das Problem sind doch einfach die öffentlichen Ausschreibungen der Aufträge. Das ist beim Bau sicherlich nicht anders als in der IT.
Wenn man als Firma einen solchen Auftrag will, dann muß man das billigste Angebot abgeben. Kein verantwortlicher Politiker wird sich der Opposition oder einem Ausschuß stellen und erklären, wieso man nicht das billigste Angebot genommen hat, sondern das fünftgünstigste – jedenfalls solange man nicht allzu regional ist und eh alles nur mit Küngelei und Amigos zu tun hat.
Jetzt gibt es also ein Bau-“Pflichtenheft” in der Ausschreibung, und obwohl sicherlich alle Bewerber die Mängel und die fehlenden Spezifikationen gleich erkannt haben, geben sie ihr Angebot ab was genau dem geforderten Leistungsumfang entspricht – verdient wird dann die richtige Kohle mit dem was “nachgebessert” werden muß.

Also müsste man die Ausschreibung so genau wie möglich machen. Aber welcher Verantworliche in Berlin/Brandenburg oder überhaupt in Deutschland hat denn schon einmal einen Flughafen geplant? Also muß man hier auch auf “Consultingleistungen” aus der freien Wirtschaft zurückgreifen. Und wie kommt man da ran? Genau, über eine öffentliche Ausschreibung. Und wird hier jetzt wohl ein internationales und erfahrenes Unternehmen engagiert, das für sein Knowhow den entsprechenden Preis verlangt, oder das Architekturbüro vor Ort ohne Erfahrung, das aber seine Leistung zum halben Preis anbietet? Genau….


Johanna
9.1.2013 10:16
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Bei den Ägyptern hätte man die Pfuscher aber auch einfach mit einmauern können. In Berlin ist niemand verantwortlich und immer jemand anderes schuld.


tuk
9.1.2013 10:35
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Kennt ihr die Reportage “Planlos in die Zukunft – Wie Verkehrspolitiker Milliarden vergraben”?

http://www.youtube.com/watch?v=4cDHJVDoSpM


HF
9.1.2013 11:13
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Mit dem jetzt versenkten Geld hätte man auch den Transrapid bauen können. Wozu braucht in einem kleinen Land jedes Dorf einen eigenen Flughafen?


Dieter Müller
9.1.2013 11:32
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Der Vergleich mit den Pyramiden passt nicht so ganz.
1. sind das Grabmonumente – ausser kultischen Handlungen von ein paar wenigen Priester waren dort keine sonderlichen Aktivitäten vorgesehen.
2. waren die Herrschaftsstrukturen deutlich unangenehmer – wer Mist baute landete mal schnell bei den Krokodilen (siehe Asterix bei den Ägyptern).
Ein Vorteil der Pyramidenbauer bestand jedoch darin, dass Pläne, wenn sie denn einmal vom Pharao abgesegnet wurden auch direkt umgesetzt werden konnten. Heutzutage wären derartige Vorhaben bereits an der Baugenehmigung gescheitert.

Nach allem, was man so aus den Medien mitbekommt, scheint es sich zumindest beim Berliner Flughafen um eine sehr außergewöhnliche Melange aus Eitelkeiten, Großmanns- bzw. Geltungssucht, Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel, Schlamperei und Klüngelei zu handeln. Vergleichbares kennt man hier in Köln von der Nord-Süd Bahn – immerhin sind in Berlin bislang noch keine Häuser eingestürzt.

Ich kenne die Details der anderen Großbaustellen (Elbphilharmonie, S21) nicht, habe aber zunehmend den Eindruck, dass seit einigen Jahren sehr unerfreuliche Strömungen zusammenkommen. Dabei treffen eitle Politiker, die sich mit Großprojekten ein Denkmal setzen wollen auf völlig hemmungslose Geschäftemacher, die den öffentlichen Auftraggeber so lange melken wollen wie es nur geht. Unterstützt werden sie dabei von externen Consulting und Planungsagenturen – denn den eigenen – dem Diensteid verpflichtet und z.T. gut bezahlten Beamten und Angestellten traut man das ja typischerweise nicht zu.


Norbert
9.1.2013 14:35
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Der grundsätzliche Fehler war wohl, dass die Auftraggeber den Bau nicht an ein Generalunternehmen mit Erfahrung im Flughafenbau übergeben haben, wie z.B: http://www.fraport.de/content/fraport/de/konzern/fraport-weltweit/Consulting.html

Die Kosten dafür wollte man sparen.Jetzt ist ihnen das ganze über den Kopf gewachsen.

War wohl nix!


ein anderer Stefan
9.1.2013 16:14
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Staatliche Bauverwaltungen könnten so ein Projekt nicht koordinieren und überwachen – dafür hat die Politik in den letzten Jahrzehnten gesorgt, weil es ja günstiger und besser ist, Projekte aller Art von Externen machen zu lassen. (Diese Verwaltungen bauen auch nicht mehr, sondern verwalten nur noch) Leider kann damit auch keiner mehr verläßlich überwachen, was die Externen so machen – dafür braucht es Sachverstand und Erfahrung, und das kostet Geld. Dann geht es natürlich schief, kostet noch viel mehr Geld und hinterher ist die unfähige Verwaltung schuld. Eine selbsterfüllende Prophezeiung unter dem Vorzeichen des Bürokratieabbaus (hah! Dank Europa ist das eh ein schlechter Witz) und der Deregulierung, mit der Gebetsmühle, dass der freie Markt alles besser kann.
Für das Flughafenprojekt hätte man wahrscheinlich ein Sonderministerium einrichten müssen oder so was auf der Ebene, und dort dann für x Jahre gestandene Fachleute einkaufen, die dem Flughafenprojekt verpflichtet sind und nicht einer Baufirma oder einer Consultingfirma. Die externen Firmen wollen zuerst Geld verdienen – ob sie dafür einen Flughafen bauen oder einen Ministerpräsidenten in einer Sänfte herumtragen, ist ja erstmal scheißegal.


Skeptiker
9.1.2013 17:14
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> Bei den Ägyptern gab es Krokodile, wenn das Ergebnis nicht gepasst hat. Da wird bei so mancher Diskussion nach sinnvollen Lösungen gesucht, statt den Schwarzen Peter reium gehen zu lassen.

@Knut nein das Gegenteil ist der Fall. Mit harschen Strafandrohungen erzeugst du nur Lug und Betrug und Arschrettungsstrategien, aber niemand wird freiwillig Verantwortung für irgendwas übernehmen. Mein Eindruck vom BER ist, dass sich da vor der Märzverschiebung letztes Jahr niemand getraut hat, rechtzeitig was zu sagen, bzw. dass “Rot”- Meldungen von ehrbar und professionell handelnden Leuten auf dem Weg nach oben über “gelb” auf “grün” geändert wurden. Wenn man sich anschaut, was da sechs Wochen vor Eröffnung alles kaputt war oder gefehlt hat! Bloß nicht der sein, dessen Ehrlichkeit so ein Ding kippen lässt.

> eine sehr außergewöhnliche Melange aus Eitelkeiten, Großmanns- bzw. Geltungssucht, Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel, Schlamperei und Klüngelei zu handeln

Eben … gab es denn unter den beteiligten Personen, Auftraggeber- wie -nehmerseite, irgendjemand, der das übergeordnete Interesse “das muss im Budget und im Plan fertigwerden und funzen” je über die eigenen Interessen gestellt hätte?

Das lässt sich m.E. übrigens auch nicht einfach mit Boni statt Strafandrohung lösen – auch das führt erstmal nur zur Bevorzugung persönlicher Interessen. Wenn Führung und Projektmanagement mal so einfach wären….


dochpalese
9.1.2013 18:22
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@Puri https://www.danisch.de/blog/2013/01/08/wegschmeisen-und-neu-bauen/comment-page-1/#comment-19247

“Und wird hier jetzt wohl ein internationales und erfahrenes Unternehmen engagiert, das für sein Knowhow den entsprechenden Preis verlangt, oder das Architekturbüro vor Ort ohne Erfahrung, das aber seine Leistung zum halben Preis anbietet?”

Mit dem Bau beauftragt wurde die vielfach ausgezeichneten Gerkan, Marg & Partner, jene hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerkan,_Marg_und_Partner

Also nicht irgendwelche Nasenbohrer 😉 Obwohl:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-87561965.html
“Architekturikone”, “weltweit tätiger Großbaumeister”, nein, da haben sich die Bauherren bestimmt nicht lumpen lassen.

Dass die Technik litt, weil der Technikleiter in die Dissertation desertierte, ist ein interessantes Detail.


node14u
9.1.2013 23:30
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die knickpyramide erscheint mir als konsequente umsetzung eines finanzierungsplanes.
geld zuende- bauschluss.

mir fallen aber bei den pyramiden auch noch andere übertragbare sitten ein zum thema pfusch und “baumeister…oder politik ein…


Norbert
13.1.2013 20:53
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http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/flughafen-berlin-brandenburg/berliner-flughafen-die-geheime-maengelliste-12023659.html

Heute in der FAS.
Jetz auch online.

Es ist nahezu unglaublich was da für ein Pfusch gemacht wurde.


Hadmut
13.1.2013 21:11
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> Es ist nahezu unglaublich was da für ein Pfusch gemacht wurde.

Die haben da Mist gebaut, den ich mir in meinen bösesten Phantasien nicht hätte ausdenken können.