Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

VAT Refund

Hadmut
1.5.2011 13:48

Und auch heute wieder eine neue, unsäglich schlechte Folge aus dem nie enden wollenden Drama: Ich und die Flughafensicherheit der Flughafenwahnsinn. Heute: Mehrwertssteuererstattungen in Südafrika und Namibia. Oder: Wieder mal der häufig zu findende Effekt, daß irgendwelche kleinen Rädchen im Getriebe, die eigentlich nichts zu melden und zu entscheiden haben, sich aufblasen und wichtig machen, indem sie sich Entscheidungsmacht anmaßen, die sie nicht haben.

Südafrika und Namibia geben sich möglichst touristenfreundlich, weil dies inzwischen zu den Haupteinnahmequellen gehört und man (zumindest in Namibia) inzwischen ziemlich auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen ist. Deshalb posaunt man überall herum, daß man sich als Tourist ab einem bestimmten Mindestbetrag am Flughafen die Mehrwertssteuer erstatten lassen kann, was in vielen Ländern möglich ist. Aber hier weisen sie mit großen Schildern am Flughafen darauf hin, verteilen Handzettel in vielen Sprachen und wollen die Touristen so eben dazu animieren, Geld im Land zu lassen. (Siehe auch Internet Südafrika und Namibia.)

Eigentlich hat mich das nicht interessiert, weil ich mir schon vor 10 Jahren strikt abgewöhnt habe, im Urlaubsland irgendwelchen Plunder zu kaufen. Schöne Mitbringsel usw. gibt es in dieser Welt praktisch nicht mehr, überalle der gleiche Mist, Kitsch und Tand, hässliche Staubfänger. Ich kaufe auf Reisen nur noch einen Hut, was ich unterwegs verbrauche oder was ich unbedingt brauche.

Manchmal kommt es aber doch anders.

Aufgrund eigener Blödheit habe ich erst ein paar Tage vor der Abreise gemerkt, daß eine Schiene, die ich als Stativzubehör habe, zu kurz und die längere Variante gerade nicht lieferbar war. In einem Internetshop in den USA habe ich genau das gefunden, was ich brauchte, auch noch preisgünstig, aber leider zu spät, um es mir noch nach Deutschland schicken zu lassen. Es war nicht sicher, daß mich das Paket noch vor der Abreise erreichen würde. Deshalb habe ich mir das direkt an das Hotel in Kapstadt schicken lassen, was auch wunderbar funktioniert hat. Beim Einchecken an der Rezeption hatten sie das Paket schon da.

Wenn man sich aus dem Ausland was nach Südafrika schicken läßt, dann passiert dort genau das gleiche, wie in Deutschland. Der Zoll erhebt darauf einen – meist vernachlässigbar geringen – Zoll und die Einfuhrumsatzsteuer nach dem Umsatz- bzw. Mehrwertssteuersatz des Landes. Das hatte das Hotel für mich ausgelegt und mir diese Rechnung vom Zoll gegeben. Die Einfuhrumsatzsteuer hat dort nicht – wie in Deutschland – einen speziellen Namen sondern heißt einfach auch VAT (Value Added Tax = Mehrwertssteuer). Außerdem hatte ich mir in einem Geschäft noch etwas Kleinkram gekauft, der aber in der Summe knapp unter der Mindestgrenze für die Erstattung lag. Zusammen war es aber drüber, und da man am Flughafen sowieso warten muß, dachte ich mir, ich könnte doch nach dem Einchecken in Kapstadt mal schnell an den Erstattungsschalter und mir diese Umsatzsteuer erstatten lassen. Knapp über umgerechnet 20 Euro, da kann man schon mal ein Formular ausfüllen oder so.

Zunächst mal mußte ich eeeewig lange warten, obwohl nur wenige Leute vor mir in der Schlange waren. Aber die Arbeitseffizienz ist in Afrika (wie ich immer wieder beobachten konnte) eine Katastrophe, weil sie alles so unglaublich umständlich und langwierig machen. Als ich dann endlich dran war, guckte der verdutzt und entschied dann, daß ich nichts bekomme. Weil die VAT-Rechnung nicht dem Schema des Kassenzettels entsprach, das man ihm eingetrichtert hat (in beiden Ländern gibt es klare Vorschriften, wie das auszusehen hat, da muß “TAX INVOICE” und sowas drauf stehen). Eine VAT-Rechnung vom Zoll hatte der noch nie gesehen. Und weil er keine Lust hatte, sich mit etwas zu befassen, was er nicht kannte, behauptete er, damit müsse ich zum Zoll, weil die Rechnung vom Zoll ausgestellt worden sei. Und weil die sonstigen Sachen den Mindestwert nicht erreichten, bekäme ich gar nichts. Meine Einwände, daß das nicht sinnvoll sei, weil ich bei einer Rechnung aus einem Laden ja auch nicht in den Laden zurückgeschickt würde, wies er ab. Zoll ist Zoll, und hier sei das Büro für Mehrwertssteuererstattung. Mit Zoll habe man nichts zu tun. Daß da trotzdem draufsteht, daß es eine Mehrwertssteuerrechnung ist, interessiere ihn nicht. Der nächste bitte.

Also bin ich zum Zoll und erklärte denen das. Der vom Zoll war ziemlich vernünftig und umgänglich, und der sah das exakt genauso wie ich. Das sei eine ganz normale Mehrwertssteuerrechnung. Der Zoll erhebt sie. Und wenn man ausreisender Ausländer ist, kann man sie sich wie bei allem anderen beim VAT Refund erstatten lassen. Da habe der vom VAT Refund was nicht verstanden. Das seien halt nur einfache Angestellte, keine ausgebildeten Leute, sagte er. Ich also wieder zurück, zum VAT Refund. Dem gesagt, daß der Zoll mir bestätigt hat, daß meine Auffassung genau richtig ist und ich mir das Geld hier erstatten lassen könnte. Worauf mir der Typ vom VAT Refund schnippisch erklärte, daß ihm das völlig egal sei, ob das richtig oder falsch wäre. Der warf mir wörtlich an den Kopf, daß das mein Problem sei und nicht seins. Ich müsse zur Leitung des Zolls, am anderen Ende des Flughafens (also eigentlich egal wohin, Hauptsache möglichst weit weg von ihm).

Weil ich ja noch durch die Sicherheitskontrolle und zum Gate laufen mußte und die Zeit langsam knapp wurde, beschloss ich, mir den Urlaub nicht mit Streiterei zu verderben und die 20 Euro einfach als Urlaubskosten abzuhaken und zu vergessen.

In Namibia wollte ich eigentlich auch nichts kaufen. Kam wieder anders, als man denkt. Ein Objektiv ist mir runtergefallen und dabei ein vergütetes Vorsatzglas zerbrochen. Mignon-Akkus habe ich gekauft. Und doch ein paar Anhänger als Mitbringsel. Alles zusammen auch wieder eine Mehrwertssteuer knapp über umgerechnet 20 Euro. Ich dachte mir, ich probier’s halt mal, schlimmstenfalls habe ich etwas für mein Blog. Nach dem Einchecken am Flughafen Windhoek gehe ich also dort wieder zum VAT Refund Büro. Nur daß dort (im Gegensatz zu Kapstadt) nicht irgendein schlecht ausgebildeter Angestellter, sondern direkt einer von der Zollbehörde saß. Der guckte sich das alles an, wollte die Quittungen und die Sachen sehen, verglich das, ließ mich ein Formular ausfüllen (wo ich auch meine Kontonummer in Deutschland eintragen mußte) und erklärte dann, daß das alles in Ordnung sei. Ich bekam auf jede meiner Mehrwertssteuerrechnungen einen schönen, großen, roten Stempel vom namibischen Finanzministerium. Ob ich das jetzt auf mein Konto überwiesen bekäme, frage ich. Nein, sagt er, dazu sei der Betrag zu gering. Drüben in der Abflughalle, hinter der Paß- und Sicherheitskontrolle, gäbe es eine amtliche Geldwechselstube, dort könnte ich mir unter Vorlage des Papierkrams das Geld in bar, auch in Euro, auszahlen lassen.

Na, das ging ja einfach, dachte ich. Man soll den Tag aber nicht vor dem Abend loben.

Ich kam also an diese Wechselstube. Da saßen zwei Weiber drin, eine dritte, anscheinend die Chefin, machte da gerade irgendwelche Hektik, eine vierte lief da auch noch aufgeregt hin und her. Ob ich da richtig wäre, fragte ich. Ja, hier wäre ich richtig. Aber sie hätten gerade eine Problem, ich müßte noch einen Moment warten. No problem, take your time. Ich stehe da also am Schalter und warte und warte. Und gucke denen zu.

Verstanden habe ich da nichts, weil der Fluglärm zu laut war, eine Scheibe dazwischen und die irgendeine afrikanische Sprache sprachen. Aber es war doch zu erkennen, daß die da gerade Schichtwechsel hatten, irgendwas mit dem Kassenbestand nicht stimmte und die sich irgendwie um einen Kassensturz stritten und mit Bargeld herumhantierten, aber das in chaotischer Weise. Irgendwann wurde denen das unangenehm, daß ich da direkt davor stand und mit stoisch-kritischem Blick alles beobachtete. Ich solle mich da drüben hinsetzen, wurde ich beschieden, es dauere. Also setzte ich mich. Und es dauerte. Und dauerte. Inzwischen hatten sich einige deutsche Touristen da versammelt, die auch alle Geld wollten, und fragten, warum es nicht voran gehe. Der Unmut wuchs, und auch die Boarding Time rückte immer näher. Irgendwann fragte ich mit linkischer Freundlichkeit, ob ich vielleicht morgen wieder kommen sollte, und die Chefin belehrte mich so in ganz herablassend belehrendemTon, daß das offensichtlich nicht möglich wäre und ich nicht verstanden hätte, daß ich gleich in ein Flugzeug zu steigen und wegzufliegen hätte, anderenfalls ich ja keine VAT Erstattung beantragen und in der Abflughalle sitzen könnte. Sie merkte erst in der Belehrung, daß sie meinem Spott auf den Leim gegangen war und wurde nur noch umwirscher. Es ginge eben nicht, ich hätte noch zu warten. Es warteten inzwischen immer mehr Leute.

10 Minuten später fragte ich die Chefin da einfach und neutral, ob ich mal mit ihrem Vorgesetzten sprechen könnte. Wozu denn das, wollte sie wissen. Nun, sagte ich, ich müßte gleich in den Flieger, und man würde mir offenbar die bereits vom Finanzministerium genehmigte Rückerstattung verwehren. Darüber würde ich mich gerne mit dem zuständigen Vorgesetzten austauschen. Äh, der sei unauffindbar, sagte sie, aber im selben Augenblick hörte eine der Schaltertussis mit der Kassenzählerei auf und bearbeitete sofort meinen Antrag. Es geht also doch, man muß sich nur beschweren. (Mein Erfahrungsschatz aus vielen Reisen: Wenn man sein Ziel erreichen will, muß man sich in Europa und Australien systematisch und begründet beschweren, in den USA mit Gezeter, Blogeinträgen und Anbieterwechsel drohnen, in Asien eher höflich und zurückhaltend nachfragen und um eine Lösung bitten, und in Afrika durchaus etwas mehr Wumms drauflegen und sich etwas zu viel aufregen.)

Während die Tussi also mein Zeug bearbeitete, bekamen das die anderen Touristen mit und bestürmten alle gleichzeitig den Schalter. Völliges Chaos. Sie mußten da jeden Antrag einzeln irgendwie scannen oder faxen oder was, und fingen deshalb an, alle Anträge durcheinander zu bearbeiten, in völligem Chaos die Quittungen mal da und mal dorthin zu legen, alle durcheinander zu werfen und jegliche Übersicht zu verlieren. Völlig inkompetent. Kein Wunder, daß da die Kasse nicht stimmt.

Eine der Quittungen schob sie mir mit der Bemerkung „No Good!” zurück. Obwohl da dick der rote Stempel vom Finanzministerium drauf war. Als ich betont ungläubig guckte, schob sie die Erklärung nach, das seien „Consumables” und nicht erstattungsfähig. Auf der Quittung standen Mignon-Akkus und eine kleine Flasche Guavensaft. Natürlich wollte ich nur den Steueranteil für die Akkus, den Saft habe ich ja getrunken. Anlaß der Abweisung war wohl, daß sie einfach gerade keine Lust hatte (oder damit überfordert war), sich ihren Taschenrechner zu nehmen und per Dreisatz auszurechnen, wieviel der Mehrwertssteuer auf die Akkus entfiel. Ich hielt aber erst mal die Klappe, um nicht noch mehr Probleme zu provozieren. Eine Gebühr verlangte sie auch noch und rundete den Betrag noch nach unten auf Vielfache von 10 Dollar ab. Statt der erhofften knapp über 20 Euro sollte ich dann 120 namibische Dollar (so ca. 11,50 Euro, eine Gebühr hatten sie auch noch abgezogen) bekommen. Und das alles dann in einem unsäglich herablassenden, geringschätzenden, belehrenden Tonfall. Die schienen da irgendwie Touristen, Deutsche oder Weiße zu verachten. Warum ich keine Euro bekäme, wie mir zugesichert wurde. (Mit namibischen Dollar kann man nämlich außerhalb von Namibia nichts anfangen und dafür extra zur Bank zu gehen lohnt sich auch nicht.) Das ginge erst morgen wieder, sagte sie. Ihr Anzeigegerät für die Wechselkurse sei ausgefallen, weshalb sie heute keine Kurse umrechnen könnten. Auf deutsch: Kein Bock. Aufstand bei den deutschen Touristen hinter mir in der Schlange.

Wo meine Quittungen wären, wollte ich wissen. Die würden einbehalten, hieß es. Geht so nicht, sage ich. Ich bräuchte ja einen proof of purchase, und müßte ja auch meinem Finanzamt gegenüber die Netto-Kosten für die Fotoausrüstung usw. belegen, außerdem gehört es zu einer ordentlichen Buchhaltung, Belege zu sammeln. Interessiert sie alles nicht, sie habe ihre Vorschriften. Welche Vorschriften das seien und wo das stünde, könnte sie aber auch nicht sagen. So, so. Nach viel Gezeter (ich wollte es dann einfach auch mal wissen und durchexerzieren, wozu sich auch andere Touristen dann entschlossen, weil die es einfach zu derb dort trieben), bekam ich immerhin Fotokopien von Quittungen. Irgendwelchen Quittungen. Denn weil sie alle durcheinanderwarfen wußten sie nicht mehr so genau, welche meine waren.

Und weil ich in ihren Augen der Auslöser dafür war, daß jetzt immer mehr Deutsche da standen und das alles von vorne bis hinten durchprügeln wollten (komisches Verhalten der Deutschen, wenn einer mit sowas anfängt, machen die anderen es gleich nach), und mehrfach in deutlichem Ton geäußert hatte, was mir nicht paßt, wurde ich von allen drei Kassenweibern auch noch lauthals beschimpft. Ich sei impolite, unhöflich, ein ungehobelter Klotz. Ich hätte gefälligst zu akzeptieren, daß es Freitag wäre, der Tag vor ihrem Wochenende, und hätte ihnen gefälligst die sanfte Vorbereitung auf das Wochenende und den kommenden Feierabend nicht zu verderben. Und überhaupt, wie ich es wagen könnte, etwas in Frage zu stellen. „I demand respect” brüllte die mich an „you have to respect me”. Und die zweite stimmte gleich mit ein, mir würde es an Respekt fehlen. Mein (typisch deutscher) Hinweis, daß man Respekt nicht verlangen kann sondern ihn sich verdienen muß, brachte die noch mehr zum Kochen, aber ich hielt mich noch einen Moment zurück, bis ich wenigstens die 120 Dollar in der Hand hatte.

Nicht, daß es mir da noch auf irgendwelches Kleingeld angekommen wäre, aber nach der Frechheit hatte ich dann einfach das innere Bedürfnis, die nochmal ganz kalt dranzukriegen. Und blieb stehen. Was denn jetzt noch wäre, fragten sie. Ja, da wäre noch eine Quittung offen, sag ich, die mit den Akkus und dem Guavensaft. Und wieder dieser arrogant herablassende Tonfall von denen. So in dem Tonfall, als ob ich zu blöd wäre. Man hätte mir doch erklärt, daß Batterien consumables seien und deshalb nicht erstattungsfähig.

Woher sie überhaupt die Entscheidungskompetenzen hätten, will ich wissen. Denn immerhin war das von einem Beamten des Finanzministeriums geprüft und bewilligt worden, und sie hier nur die Auszahlungsstelle. Sie hätten doch hier gar nichts zu melden, aber trotzdem völlig inkompetente Willkürentscheidungen treffen. Und warum sie Akkus, die 3-4 Jahre halten, mit „consumables” gleichsetzten. Oh, wurden die sauer. Ich hätte ihre Entscheidungen gefälligst zu respektieren, und da wäre gar nichts willkürlich, alles sachgerecht und sorgsam und korrekt.

So? Ich halte den Plastikbeutel mit den Sachen hoch, die ich für die Prüfung durch den Zoll zusammengesucht haben. Ob sie mir den Unterschied zwischen den weißen und den gelben Akkus erklären könnten. Denn – deshalb hatte ich die Klappe gehalten, bis ich die 120 Dollar hatte, eine andere Quittung, auf der ebenfalls Mignon-Akkus standen, hatten sie nicht beanstandet. Beide glotzten mich völlig verunsichert an. Wie ich das meine. Ja, sag ich, hier, für die weißen Akkus hätten sie mir ohne Probleme die Steuer erstattet. Für die gelben nicht. Auf welcher Rechtsgrundlage oder aus welchem guten Grund es für die Erstattung auf die Farbe der Akkus ankäme. Fassungslos. Als ob der Blitz eingeschlagen hätte. Völlig verdattert fragt sie, ob sie die Quittung nochmal sehen könnte. Ich gebe sie ihr, und plötzlich sind sie zu zweit sehr damit beschäftigt, die Quittungen nochmal durchzugehen. Manchmal kommt dann in mir ja auch mal so die gehässige Seite durch, wenn mich jemand zu sehr ärgert und zu herablassend behandelt. Ich hab dann unter dem lauten Gelächter der anderen anstehenden Deutschen stark übertrieben die herablassende Geste „No Good”, mit der sie mir die Quittung zurückgeschoben hatte, und das „I demand respect” nachgeäfft. Das hat denen so richtig weh getan.

Völlig verdattert und verunsichert kamen sie irgendwann nach langer Prüfung zu dem Ergebnis, daß es nicht ihre Schuld sei, weil es nicht darauf ankäme, was ich tatsächlich ausführe, sondern was auf der Quittung stehe. Auf der einen stünde „rechargeable batteries”, deshalb hatte man das akzeptiert. Auf der anderen stünde aber „Accu”, also nichts mit rechargeable, und normale Batterien seien nicht erstattungsfähig. Außerdem wäre ich doch so unhöflich gewesen, daß man das nicht näher habe prüfen können.

Oh, sage ich, da hätten sie aber eine schwere Bildungslücke, denn das Wort Accu bzw. Accumulator stehe nur für aufladbare Batterien, niemals für normale, das wäre doch Grundwissen. Ob sie das etwa nicht wüßten. Krise in der Wechselstube. Die guckten mich an, als ob drinnen in ihrem Kassenhäuschen ein Gewitter regnet und draußen nicht. So, sage ich, sie würden mich hier also über eine Stunde lang rumhampeln und warten lassen, mich mit allerlei Schimpfworten und Tadeln überhäufen, mich als unhöflich und respektlos beschuldigen, mir mein vom Finanzministerium bewilligtes Geld verweigern, und das alles nur, weil sie so doof wären, daß sie nicht wüßten, was ein Accu ist, und zu arrogant, einfach mal zu fragen. (Da hatten sie sich selbst reingeritten, denn eigentlich war sie ja nur zu faul gewesen, mit dem Taschenrechner den Guavensaft rauszurechnen.) Sie glotzten mich an als wäre Weltuntergang. Ich lege nach und versuche, wie Darth Vader zu klingen. Hier ging’s also gar nicht um Unhöflichkeit, sondern nur um ihre Inkompetenz. Dafür würden sie keinen Respekt verdienen.

Volltreffer, Fregatte versenkt, Kapitulation.

Sie akzeptiert die Quittung, stellt die ganze Abrechnung neu aus, faxt das alles nochmal irgendwo hin, macht einen Riesenaufwand, und kommt schließlich (auch wegen der seltsamen Rundung) zu dem Ergebnis, daß mir weitere 10 namibische Dollar zustünden. Also fast ein Euro. Wow. Und als kleine Gemeinheit gibt sie mir die nicht als Schein, sondern als Münze. Weil man Münzen auch nicht umtauschen kann. Aber immerhin eine schöne, neue, glänzende.

Derweil hätte ich fast meinen Flieger verpaßt. Am Gate hatte das Boarding begonnen und eine lange Schlage hatte sich schon gebildet und wieder abgebaut, aber am der Anzeige über dem Gate stand noch ein British Airways Flug von vor einer Stunde. Glücklicherweise hatte ich bei einem Blick aus dem Fenster aber bemerkt, daß draußen eine Maschine von South African Airways steht und nachgefragt. Das war doch mein Flug, sie haben es nur aus irgendwelchen Gründen nicht hinbekommen, auf den Monitoren über dem Gate den richtigen Flug anzuzeigen. Das hatten sie zwar per Lautsprecher durchgesagt, aber das hatte ich wegen des Disputs mit der Erstattungsstelle nicht mitbekommen.

Also konnte ich die 130 namibischen Dollar auch nicht mehr dort in den (ohnehin sehr dürftigen) Läden ausgeben. Ich hatte extra drauf geachtet, meine letzten namibischen Dollar ausgegeben zu haben und nur noch südafrikanische Rand zu haben, weil man die in vielen Ländern, auch Namibia, und auch am Umsteigeflughafen Johannesburg verwenden kann, während man mit namibischen Dollar nur in Namibia bezahlen kann.

Beim Umsteigen in Johannesburg wollte ich mir für den langen Flug Fotozeitschriften kaufen. Bei einem großen Zeitschriftenladen fragte ich, ob sie auch namibische Dollar akzeptierten, und sie sagten ja. Na prima.

Dummerweise hatten sie dann keine Fotozeitschriften. Ein Riesen-Laden, aber der hat nichts, was mich interessiert. Nur solche Käseblätter und Klatschpostillen, Sportzeitschriften, Autonarrenblätter und viele schlechte Bücher. Und vieles davon auf Afrikaans. Überhaupt nichts lesbares. Ich entscheide mich also als einzige überhaupt lesbare Variante für einen südafrikanischen Playboy und eine englische Cosmopolitan. Die lese ich in letzter Zeit öfter. Nicht für Geld, sondern weil ich ab und zu in Deutschland mit Air Berlin rumfliege und man die da kostenlos bekommt. Das heißt, früher habe ich da den Playboy kostenlos gelesen, aber irgendwann festgestellt, daß für den deutschen Playboy sogar kostenlos noch zu teuer ist. Irgendwann habe ich trotz aller inneren Widerstände mal die Cosmo genommen, weil sie an dem Tag gar nichts anderes mehr hatten, und festgestellt, daß in diesem katastrophenbunten Frauenblättchen effektiv zumindest die viel besseren Sex-Artikel als im Playboy stehen. Ich sag’s Euch, die Frauen. Nach vorne machen sie immer so auf brav und anständig und Mode, und hinter dem braven Umschlag lesen die dann … naja, findet’s selbst heraus.

Der südafrikanische Playboy ist eigentlich besser als der deutsche. Zwar sind sie überraschenderweise unglaublich prüde und zeigen eigentlich noch weniger (oder zumindest nicht mehr) als man Namibia offen in den Ortschaften rumlaufen sieht, nämlich nur maximal blanke Brüste, aber das dann ab 18 eingetütet, aber dafür auf besonders gutem und edlem Papier in hoher Druckqualität. Das Papier fühlt sich schon gut an, und sie legen mehr Wert auf fotographische Qualität. Außerdem ist er deutlich billiger als der deutsche Playboy (der meines Erachtens nicht mal das schlechtere deutsche Papier wert ist).

Macht zusammen 95 südafrikanische Rand. Ich lege den 100-Dollar-Schein hin, den ich mir am namibischen Flughafen so mühsam erkämpft habe. Das reicht nicht, sagt die Verkäuferin. Hä!? Wieso denn das? 100 ist doch mehr als 95. Nein, sagt sie, wegen des Wechselkurses. Was denn für ein Wechselkurs, frage ich. Der namibische Dollar ist per Gesetz 1:1 an den südafrikanischen Rand gebunden und gleichwertig. Nicht in diesem Zeitschriftenladen, sagt sie. Wer hier mit NamDollar bezahlen will, hat ihren persönliche Wechselkurs zu akzeptieren. Aha. Ich warte. Sie wartet. Nichts passiert. Ja, ob sie denn die Güte hätte mir mitzuteilen, wieviele Dollar sie von mir haben wolle, da ich ja kein Gedankenleser bin und deshalb nicht weiß, was denn ihr ladenspezifischer Wechselkurs sei. Widerwillig tippt sie etwas auf einem Taschenrechner herum und kommt zu dem Ergebnis, daß sie 109 komma Irgendwas Namdollar haben will. Ich lege das glänzende Dollarstück nach, aber Münzen nimmt sie nicht. Also lege ich den Zwanziger hin und bekomme noch Wechselkleingeld heraus.

Später finde ich dann noch ein anderes Zeitschriftengeschäft, das sogar wirklich gute Fotozeitschriften hatte.

Halten wir also fest:

Südafrika und Namibia werben bei Touristen dafür, daß man sich dort die Mehrwertssteuer erstatten lassen und deshalb billig kaufen kann. Um den Umsatz anzukurbeln.

Tatsächlich bleibt davon nicht viel übrig. Viel Streit, viel Ärger, viel Diskussion, Willkür, Gebühren. Kaum Geld. Im Gegenteil, wegen der fehlenden (weil eingezogenen) Quittungen und die absehbaren Probleme mit dem deutschen Finanzamt sogar möglicherweise mehr finanzielle Nachteile als die Erstattung wert ist.

Es bleiben also außer der Streiterei und dem ganzen Ärger ein Playboy, in dem es nichts zu sehen gibt, eine Cosmopolitan mit ein paar netten, aber mir nicht neuen Sex-Tipps, und eine glänzende aber wertlose namibische 10-Dollar-Münze. Na toll.

6 Kommentare (RSS-Feed)

Stefan
2.5.2011 5:32
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Aber weißt du was? Genau für so einen Blogeintrag hat sich das Gezerre wirklich gelohnt.

Und nun nehmen wir das, übertragen das auf ganz Afrika, rechnen das auf gesamtstaatliche Dimensionen hoch und stellen uns die Frage, warum Afrika einfach nicht aus der Knete kommt.


Johnny
2.5.2011 10:05
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Sehr unterhaltsam! Ein guter Start in die Woche!


Christian
3.5.2011 12:10
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Sehr unterhaltsam, danke fürs Durchleiden und Aufzeichnen. Und deine gesammelte Reiseerfahrung bzgl. Beschwerden klingt sehr hilfreich, werde ich mir zu Herzen nehmen.


Rainer
15.5.2011 13:57
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So etwas kannst du hier aber auch erleben. Da bist du scheinbar noch nicht bei den richtigen Behörden (oder Konzernen) gewesen.

Besonders in den Reklamations-/Kündigungspfad scheinen mir solche “Entschleunigungsstellen” und “Sackgassen” zum zermürben bewusst eingebaut zu sein, um die nicht ganz Hartnäckigen zu Aufgabe ihres Ansinnens zu bewegen. Nur die Ausdauernden kommen durch.


Stefan
21.5.2011 12:42
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Es ging um 130 namibische Dollar – ca. 13 Euro?

Ach nein, es ging nicht um 13 Euro, es ging um’s Prinzip …


Hadmut
21.5.2011 15:38
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Nein, weder noch. Es ging weder um 13 Euro noch ums Prinzip.

Zuerst ging es darum, in einer Stunde Wartezeit, die ich ohnehin am Flughafen verbringen mußte, nur ein freundliches Angebot des jeweiligen Staates anzunehmen, denn man wird allenthalben darauf hingewiesen, daß das so geht. Und wenn man es angeboten bekommt, kann man es auch annehmen. Ich würde ja auch 13 Euro annehmen, wenn sie mir jemand einfach so ohne Gegenleistung geben will. Oder bin zumindest nicht so reich, daß mir 13 Euro jetzt so gar nichts bedeuten.

Ab dem Punkt, an dem ich mir gedacht habe, daß es den Ärger nicht mehr lohnt, ging es darum, einen Blog-Artikel zu schreiben. Und manchmal will man es einfach wissen, wie es läuft.