Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wie Gott die Schöpfung vermurkst hat…

Hadmut
19.3.2008 1:39

Wieder mal ein kritischer Blick in die Schöpfungsgeschichte (Version der Bibel):

Die Sache ist die: Angeblich hat Gott in einer Woche Himmel und Erde geschaffen, dann mal Licht gemacht, es in Tag und Nacht getrennt, Land und Wasser, Pflanzen, Sterne am Himmel, Sonne und Mond, Getier und Vögel, Wale, Würmer und andere Viecher geschaffen. Dann gab er ihnen auf, daß sie selbst schauen sollten, wie sie sich vermehren könnten. Dann stellte er noch Mann und Frau in die Gegend, wies sie an, gleich mal mit dem Poppen anzufangen, und stellte klar, daß es nun ihr eigenes Problem sei, wo sie was zu essen herbekämen. Nicht mal Kleidung wurde mitgeliefert. Es war nicht einmal eine Woche rum, da stellte Gott schon wieder die Arbeit ein, lehnte sich zurück, legte die Füße hoch und fand das gut, was er da gemacht hatte. Geplant hatte er dabei keinen der Schritte, sondern alles ad hoc gemacht, machen wir mal dies, machen wir mal jenes. Und dann hinterher mal schauen, aha, ja, ist gut, kann man so lassen.

Mag sein, daß das gängige Arbeitsmethoden waren, als man die Bibel zusammengeschrieben hat, nach heutigen Maßstäben war das aber grober Murks. Kein Wunder, daß da nichts ordentliches bei rauskam. Von Projektmanagement keine Spur.

  • Es gibt überhaupt keinen Auftrag, keine Aufgabe, keine Zielsetzung, kein Pflichtenheft. Es ist völlig unklar, welche Aufgabe er damit lösen wollte und warum und wozu er das überhaupt getan hat.

    Seltsam auch, daß das Projekt nicht öffentlich ausgeschrieben wurde.

  • Auch die Vorgehensweise war überhaupt nicht geplant. Jeden Tag ad hoc und spontan irgendetwas getan und dann erst am nächsten Tag überlegt, wie es weitergeht.
  • Es gab keinen Zeitplan, keinen Projektplan, keine Milestones, keine Abschätzung, keine Ressourcenplanung, keine Abhängigkeiten. Er hat einfach drauflosgemacht.

    Das ist natürlich gefährlich. Wenn man die Pflanzen vor der Sonne installiert, kann das gewaltig in die Hose gehen. Da hat er aber Glück gehabt, daß die Sonne kurzfristig lieferbar war, bevor ihm die Pflanzen eingegangen sind.

  • Die Budgetierung fehlte völlig. Der hätte wohl ohne weiteres vor Einführung der Menschheit pleite gehen können. Schon bei den Walen war fraglich, ob damit nicht das Budget bereits überschritten war. Da waren die Prioriäten falsch gesetzt. Zunächst mal hätte man auf die großen und teuren Viecher verzichten und nur jeweils ein Anschauungsexemplar anschaffen können, um zuoberst die Einführung der Menschheit im Rahmen des Budgets zu gewährleisten. Wale hätte man dann später im Rahmen der Mängelbeseitigung nachliefern können.
  • Fragwürdig auch, daß er die Frage der Vermehrung und der Bevölkerung der Erde dann völlig den Projektpartnern überlassen hat.
  • Es wurden keinerlei Tests oder Laufzeitüberprüfung gefahren. Er hat nur jeweils abends eine kurze oberflächliche Sichtprüfung durchgeführt. Das ist mindestens grob fahrlässig.
  • Es gibt keine Projektabnahme und keinerlei Überprüfung, ob die Ziele erfüllt wurden. Das ist freilich schwer, wenn man kein Pflichtenheft hat und die Ziele nicht kennt.
  • Es gibt keine Betriebsüberwachung, keine Verbesserungen, keine Evaluation. Nach 6 Tagen Arbeit ist der einfach gegangen und hat die Füße hochgelegt.
  • Es gibt keine Übergabe, keine Einarbeitung, keine Schulung. Einfach hingestellt und gesagt “Schaut zu, wie Ihr damit klarkommt.”

    Gut, zugegeben, als er gemerkt hat, daß die Anwender damit nicht klarkamen und einiges schief läuft, ist er nochmal zurückgekommen und hat ein krudes Benutzerhandbuch diktiert, für das der Juniorchef später sogar noch ein Update nachgeliefert hat. Aber das Handbuch ist unübersichtlich, mißverständlich, basiert auf Interpretationen und ist hoffnungslos veraltet, außerdem voller Übersetzungsfehler. Ich würde sowas nicht abnehmen.

  • Seit 2000 Jahren hat sich keiner mehr blicken lassen, die Systemwartung wird nicht mehr durchgeführt. Das System verdreckt zunehmend, und kein Systemtechniker kommt zur Reinigung vorbei. Offenbar wurden die Wartung und der laufende Betrieb überhaupt nicht geplant und das System sich selbst überlassen. Charakteristisch für unseriöse Anbieter. Vermutlich erwartet er, daß wir eine neue Erde in Auftrag geben.
  • Die Support-Hotline ist nicht erreichbar. Zwar hat er Repräsentanzen eröffnet, aber die ziehen auch nur die üblichen Abwimmelungsmaschen durch, klopfen Sprüche und erwarten, daß man die Probleme selbst löst. Der Schwerpunkt liegt – was wohl nach diesen vielen Mängeln kaum noch verwundert – bei ihm ganz klar auf Marketing und Vertrieb. Einige von denen lassen auch nicht locker und kllingeln sogar an der Haustür, um die Firma vorzustellen. Kaltacquise ist unzulässig.
  • Da erstaunt es dann auch nicht, daß immer noch keine Abrechnung vorliegt. Bin mal gespannt, was die Buchprüfer sagen werden.

So gesehen also kein Wunder, daß das, was da rausgekommen ist, nicht richtig funktioniert und gerade an allen Ecken und Kanten kaputt geht. Wir müssen dringend reklamieren. So geht’s nicht.

(Inspiriert durch ein Gespräch beim Mittagessen mit Kollegen)


6 Kommentare (RSS-Feed)

franztoo
19.3.2008 10:33
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Links #16…

O’Reilly erklärt die Installation und die Grundlagen von Drupal 6
“Creativity is a fine combination of freedom, exploration and discipline to filter and execute the best ideas” und ein paar andere Ideen zu Kreativität
Wie negiert …


yasar
19.3.2008 16:57
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Einige Menschen sind der Ansicht, das das letzte Update des Handbuches mit dem (bisher) letzten Projektbetreuer kam, der vor ca 1300 Jahren nach dem Rechten geschaut hat. 😉


Hadmut
19.3.2008 22:36
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“Wie negiert man die Evolution?”

Ich dachte, ich hätte gerade ein Plädoyer für die Evolution gehalten…


Hadmut
19.3.2008 22:38
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Der vor 1300 Jahren? War der nicht von der Konkurrenz? Ich dachte, die werben sich gegenseitig die Kunden ab?


yasar
20.3.2008 12:39
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Die tun so, als ob sie Konkurrenz wäre, aber insgeheim arbeiten sie für dieselbe Holding.
Das ist di Holding, die mit (mindestens) drei Tochtergesellschaften arbeitet, und selbst die haben untereinander verschiedene Abteilungen, die sich (inoffiziell) nicht ausstehen können. Immer dann wenn ein Update oder eine neue Version des Handbuches fällig war, wurde eine neue Company mit gegründet und ein neuer Projektbetreuer eingesetzt. Nur kam dann meist das Problem auf, daß die Handbücher in vielen Punkten nicht gerade eindeutig sind und so sich verschiedene Abteilungen bildeten, die jeder nach ihrer jeweiligen Interpretation arbeiten, nachdem der Projektbetreuer nicht mehr greifbar war.


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