Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Sicherheitsüberwachung zum Gruseln

Und wieder neue Überwachungspraktiken:

In England sollen jetzt RFID-Chips in die Schüleruniformen eingenäht werde (SPIEGEL), damit vollautomatisch überwacht werden kann, wer wann wo ist. Lehrer haben dann Handhelds, auf denen sie jederzeit sehen können, wer gerade wo rumläuft. So wie die Maurauder’s Map bei Harry Potter. Nur andersherum, denn Potter konnte damit sehen, wo die Lehrer rumlaufen. Hier sehen die Lehrer, wo sich die Schüler rumtreiben. Und bekommen gleich noch ein Bild und den Notenstand angezeigt.

Ich könnte mir dann vorstellen, daß man bei Keilereien oder Streichen gleich automatisiert feststellt, wer dort war. Die nächste Stufe wäre dann, anhand der Bewegungsmuster Zusammenrottungen oder überhaupt ungleichmäßiges Laufen zu erkennen und sofort automatisiert zu Tadeln – per SMS an die Eltern oder so. “Ihr Kind ist in der Pause nicht gleichmäßig um das Gebäude gelaufen.” Irgendwie verschwinden da zunehmends die Unterschiede zwischen Schule und Knast. Sie werden überwacht, sie tragen Uniformen, sie bekommen eine Nummer, sie bekommen elektronische Fesseln. Gibt’s eigentlich die Prügelstrafe an den Schulen noch? Als ich meine frühen Sprachreisen nach England gemacht habe, wurde uns dort noch erzählt (und die Gastfamilien haben es bestätigt), daß da Corporal Punishment noch gang und gäbe sei. Muß ich demnächst mal fragen, ob die das noch machen.

Der Trend zur Überwachung ist ohnehin beängstigend. Immer mehr Kameras, Millionen von Kameras, wo man geht und steht wird man überwacht.

Daß Kameras und Videotechnik aber nun so billig zu haben sind, hat aber durchaus auch demokratische und bürgerfreundlichen Aspekte: Da nämlich immer mehr Leute ein Video-Handy in der Tasche haben und es Plattformen wie YouTube & Co. gibt, sind natürlich auch staatliche Übergriffe immer leichter zu dokumentieren (vgl. hier). Prügelnde Polizisten usw. landen nun ebenfalls mit gewisser Wahrscheinlichkeit vor den Augen der Öffentlichkeit.

Es ist allerdings eine Frage der Zeit, bis in totalitären oder totalitär angehauchten Staaten die Polizei Sender trägt, die im Umkreis von 300 Metern alle Kameras remote abschaltet, damit man die Polizei nicht filmen kann. In irgendeinem Land (weiß nicht mehr, in welchem das war…) ist es per Gesetz verboten, Bilder von Polizisten zu machen. Tja.


2 Kommentare (RSS-Feed)

Stefan
23.10.2007 4:07
Kommentarlink

Bei Heise klang das aber so, als seien das passive RFIDs, die nur eine sehr kurze Reichweite haben (


Stefan
23.10.2007 22:58
Kommentarlink

Hoppla – da hat wohl ein Sonderzeichen (<) die Forensoftware überfordert.

Mein Kommentar war, daß passive RFIDs nur aus kurzer Distanz ausgelesen werden können, und die Leser vielleicht im Türrahmen verbaut sind, so daß man sagen kann: Schüler ist da/ ist nicht da.

Als Schüler würde ich dann versuchen durch’s Fenster reinzukommen, oder ‘aus Versehen’ den Chip abzuschirmen.

Auf dem Chaos-Communication-Camp gab es aktive RFID-Chips die man über 50m (oder mehr?) auslesen kann, und die sich daher zum tracken eignen.

Weils gerade paßt: Die Videos der Vorträge sind jetzt großteils online:

http://www.yigg.de/campvids.php
“Inside Sputnik OpenBeacon – Smart Dust for the Masses” ist der Vortrag zum aktiven RFID.
Hier die Ankündigung des Vortrags mit weiteren Links:
https://events.ccc.de/camp/2007/Fahrplan/events/1955.en.html