Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Scheidungskrieg um die ZEIT

Hadmut
2.4.2018 17:11

Über die Erbärmlichkeit und die Schüttelkrämpfe der Presse. [Nachtrag]

Ich hatte es vor einer Woche schon erwähnt: Das Fischblatt DIE ZEIT hat ihren Kolumnisten Bundesrichter a.D. Thomas Fischer rausgeworfen, weil der die Hetze der ZEIT gegen Dieter Wedel kritisiert hatte. Und feministische Kriegführung zu kritisieren geht bei der ZEIT ja nun gar nicht, wo kämen wir schließlich hin, wenn Journalisten kritisch denken würden.

Der Rauswurf könnte sich als große Dummheit erweisen, denn Fischer ist zwar zugegebenermaßen alter, weißer (vermutlich heterosexueller) Mann, und damit nach Maßstäben moderner Presse recht- und relevanzloser Halbmensch unterster Kategorie ohne Meinungsrecht, aber immerhin war der Richter am BGH. Ich mache zwar kein Geheimnis daraus, dass ich vom BGH nicht viel halte und bei denen auch schon schwere juristische Inkompetenz bis zu so elementarer Unfähigkeit entdeckt habe, dass ihnen nicht mal mehr der sprichwörtliche rechtsfindungsermöglichende Blick in das Gesetz noch gelang, und gelegentlich heißt es, dass deren Richtersitze so erblich wären wie Gendefekte, aber im Gegensatz zu manchen Richtern muss man Fischer zugestehen, dass er seinen Standpunkt begründen kann. Und immerhin ist er Autor eines Strafrechtskommentars, an den sich Richter und Staatsanwälte halten.

Ich halte es daher für eine sehr große Dummheit, Fischers Meinung zu einem durchaus doppelt strafrechtsrelevanten Thema wie Dieter Wedel – nämlich dessen angebliche und nie so genau beschriebene, eher gerüchtete Untaten, sowie der Umgang der Presse damit – so zu übergehen, dass man ihn deshalb gleich rauswirft. Insbesondere, wenn man das aus einer intellektuell hoffnungslos unterlegenen Lage wie der der ZEIT-Redaktion heraus macht.

Ich will mal etwas die Links zum Ablauf zusammensuchen, zumindest soweit sich mir mir das jetzt erschließt.

  • Angefangen hat alles in den USA mit Harvey Weinstein und #MeToo. Das verschaffte einer darbenden Presse dort Publikum und Einfluss, wie man es schon lange nicht mehr hatte.
  • Weiter ging das alles mit der Berichterstattung Hetze der ZEIT über Dieter Wedel. Das machte schon den Eindruck, als wollte man den Fall Weinstein hier wiederholen, also ob man einen erfolgreichen amerikanischen Song mit einer deutschsprachigen Sängerin covert, und hat anscheinend nach der deutschen Übersetzung von Harvey Weinstein gesucht. Man müsste mal zusammensuchen, ich habe jetzt nicht explizit nach ZEIT-Artikel geguckt. Aber dass man da unhaltbare Hetze betreibt, und die Sache vielleicht erst mal aufklären sollte, habe ich schon geschrieben, und dass man aus dem Fall Jörg Kachelmann so gar nichts gelernt hat, auch. Im Prinzip hat man den Eindruck, dass die Jagd auf Dieter Wedel nicht wegen konkreter Vorwürfe erhoben wurde, sondern weil seine Position der von Weinstein ähnlich, aber in Deutschland gelegen war. Ein Remake der Weinstein-Affäre.

    Anzumerken wäre, dass sich hier die charakterlichen Unterschiede der „himmlischen Töchter” zeigten: Iris Berben hat mitgehetzt, Ingrid Steeger dagen hat es als Rufmord bezeichnet:

    “Er hat es nicht nötig, Frauen zu vergewaltigen, die werfen sich ihm eh alle zu Füßen.” Sie selbst habe das oft miterlebt – “die waren total offensiv, flirteten mit ihm heftig in meiner Anwesenheit und haben sich an ihn rangeschmissen”. Es gebe zig Schauspielerinnen, die sich nach oben geschlafen hätten. Die Vorwürfe in einem Bericht des “Zeit”-Magazins könnten unmöglich stimmen. “Das ist Rufmord!”

    Den Effekt, dass Frauen in die Kiste hüpfen und es sich dann hinterher anders überlegen und es als Vergewaltigung ausgeben, hatten wir ja schon oft. Mal hormonell, mal charakterlich bedingt.

  • Am 29.1. schrieb Fischer bei Meedia eine Kritik, lang, trocken, sachlich, im Duktus des Vorsitzenden einer Gerichtsverhandlung. Das ist der Sache angemessen, schließlich geht es um Straftaten, wird aber nicht jedem gefallen und in den Kram gepasst haben.

    Da war schon klar, dass DIE ZEIT und Fischer in der Causa Wedel getrennte Wege gehen.

  • Dann gab es laut Meedia nochmal etwas in der ZEIT,
  • worin es um 25 „dokumentierte” Fälle ging, ich bin mir aber nicht sicher, was das war, ob es das hier war.

  • An den Umgangsformen hatte Fischer Anstoß genommen – als Kolumnist der ZEIT war er ja mehr oder weniger auch von deren Auftreten in der Öffentlichkeit betroffen und gebrandmarkt. Nachdem die ZEIT seinen Artikel nicht drucken wollte, hat er ihn am 8.3. bei Meedia publiziert. Und trifft äußerst schmerzhaft:

    Es übersteigt die Fähigkeiten eines pensionierten Strafrichters bei weitem, 30 Jahre alte Strafrechtsfälle durch das Lesen von Presseberichten oder aufgrund nacherzählter anonymer Zeugenaussagen zu lösen. Es ist mir daher auch vollständig unverständlich, auf welche Weise die große Vielzahl von in Deutschland tätigen Journalisten diese Fähigkeit erworben hat, zumal die meisten von ihnen noch nicht einmal die Rechtsfragen verstehen, um die es in der Sache geht.

    Meine Intervention ist eine Kritik an der selbstgerechten und eifernden Attitude der Berichterstattung und an den abstoßenden Vermischungen, die – im Brustton des Gerechten und Guten – die Diskussion bestimmen.

    Das ist ein klarer Treffer mittschiffs, Fregatte versenkt.

    Unverständlich ist mir, warum die ZEIT Fischer eigentlich nicht beizeiten konsultiert hat, wenn sie doch schon einen der prominentesten, gewichtigsten, wortgewaltigsten und kritikwilligsten Strafrichter der Republik journalistisch an Bord hatten. Irgendwie wäre das in meinen Augen doch das Naheliegendste gewesen, den frühzeitig zu fragen, was er davon hält, oder ihn was dazu schreiben zu lassen. Das wäre praktisch schon selbstsichernd gewesen, denn wer würde dem strafbares Verhalten vorwerfen?

    Journalismus ist heute aber auf einem Müllniveau angekommen. Man fragt nicht mehr, welche gesicherten Erkenntnisse man hat und was daraus folgt. Es geht nur noch darum, dass das Ziel und Ergebnis des Artikels von vornherein feststeht und man sich noch ein paar Alibi-Fetzen holt, gerne auch Promigekreische wie das von Iris Berben, die meinte, sie hätte eine Einstellung beim Drehen 30mal wiederholen müssen. Wer das tut, der vergewaltigt zweifellos auch Frauen. Ist ja fast das gleiche. Aus Frauensicht.

    Es ging da nie um „Fakten”. Es ging nur darum, die Weinstein-Aktion der amerikanischen Presse hier möglichst zeitnah zu wiederholen, und dafür wurden einfach Darsteller gebraucht. Aber das Schleppnetzfischen hat nichts gebracht:

    Die bei der Berlinale eingerichteten „Anlaufstellen“ für vor Ort anwesende Opfer von Sexualstraftaten blieben leer.

    Und wenn man nichts hat, was man auf den Tisch legen kann, dann tut man eben so als ob:

    Vor etwa fünf Wochen hat die Zeit (24. Januar 2018) die zweite Folge des Wedel-Tribunals veröffentlicht: vier Fälle, davon zwei anonym und einer, der eine unverschämte Schikaniererei, aber keine Sexualstraftat beschrieb. Die erste Folge im Zeit-Magazin vom 4. Januar 2018 brachte drei Fälle von Sexualstraftaten, davon eine anonym. Der Chefredakteur der Zeit, Giovanni di Lorenzo, berichtete bei „Maybrit Illner“, man habe „bisher 18 Fälle dokumentiert“. Der Chefredakteur des Zeit Magazins, Christoph Amend, sprach in einem Interview des Medienmagazins journalist vor wenigen Tagen von „25 dokumentierten Fällen“ (siehe auch MEEDIA, 5.3.2018). Die Formulierung bewegt sich sprachlich im Graubereich zwischen Information und Desinformation, denn dokumentiert sind ja eigentlich nicht „Fälle“, sondern Behauptungen von Fällen, oder Bemühungen von Journalisten, solche Behauptungen für den Massenkonsum aufzubereiten. Dies beiseite gelassen, stellt sich dem Leser nun die Frage, ob, wann, wie und warum die noch ausstehende Sammlung von weiteren etwa 20 „Dokumentationen“ das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird.

  • Irgendwie bekomme ich den Eindruck, DIE ZEIT und Fischer haben nur auf einen Anlass gewartet, um sich gegenseitig an den Hals zu gehen. Ein genderkritischer Fischer und eine genderbekloppte ZEIT, das konnte auch nicht gut gehen.
  • Da Fischer übrigens noch auf die angeblichen Zeugen, journalistischen Quellenschutz und den Fall Carolin Würfel abhebt, an dieser Stelle noch der Hinweis auf meinen Artikel über die Reaktion der Staatsanwaltschaft Berlin auf meine diesbezügliche Strafanzeige.

  • Am 26.3. meldeten Horizont und tags drauf die TAZ
  • , dass die ZEIT sich von Fischer trenne.

  • Am 29.3. meldete der SPIEGEL angeknirscht, aber trotzig-unbeirrbar, dass eine Untersuchung der Filmfirma Bavaria ergeben habe, dass die in der Presse erhobenen Behauptungen nicht belegt werden können.

    Spätestens da hätten doch in den Redaktionen schon alle Alarmklingeln schrillen müssen, wenn man schon selbst nichts nachprüft. Hätten sie mal auf Fischer gehört.

  • Nun fängt – in wessen Auftrag auch immer – Silke Burmester an, im Deutschlandfunk auf Fischer einzuschlagen.

    Ich kenne sie nicht persönlich, aber habe sie auf den Konferenzen von Netzwerk Recherche einige Male live, lebend und in Farbe erlebt, und meine Meinung von ihr ist fürwahr schlecht. Vor allem, wenn sie mit ihrem Stahlhelm als „Kriegsreporterin” auftritt, um aus hiesiger Kultur und Politik zu berichten, ist das eigentlich eine Frechheit gegenüber echten Kriegsreportern und wirkt schon sehr nach „Military Barbie” mit Handy in Tarnfleck statt rosa. In Erinnerung habe ich nicht mehr genau, was sie gesagt hat, weil ich es damals schon nicht für erinnerungswürdig hielt, aber nach der Einstufung in meinem „Gedächtnispalast” ist sie Fischer fachlich, charakterlich, intellektuell nicht ansatzweise gewachsen.

    Und dann lesen wir da:

    “Die Zeit” hat sich von einem ihrer umstrittensten Autoren, dem ehemaligen Richter Thomas Fischer, getrennt – mit der Begründung der Illoyalität. […]

    Alle wollen strahlende Kolumnisten haben – sind sie da, muss man sich mit ihnen rumärgern. Früher oder später tritt irgendwo ein Leck auf. Was als zuverlässig galt, explodiert – und als Verantwortlicher hat man den Salat.

    Der aktuelle Gau in der Kolumnistenlandschaft: Thomas Fischer. Seit 2013 hatte der ehemalige Richter für “Die Zeit” und “Zeit Online” seine klugen, analytischen und die Perspektive erweiternden Gedanken unter dem Jubel der Chefredaktion und der Leser und Leserinnen vertrieben – jetzt wurde der Notschalter umgelegt und der Koloss stillgelegt. Thomas Fischer hatte, nicht zum ersten Mal, etwas geschrieben, das vielen Menschen nicht gefiel – und, erstaunlich für einen Mann seiner Intelligenz, in seinem Beitrag zur Debatte um die Missbrauchsvorwürfe gegen Dieter Wedel verschiedene Ebenen durcheinander gebracht. Verkürzt gesagt, er hat Journalisten die Fähigkeit zur Berichterstattung aberkannt, so sie denn nicht wie Juristen vorgingen und ein Sachverhalt nicht bereits durch ein Gericht bestätigt sei. Was das Ende der investigativen Recherche bedeuten würde. So klug Thomas Fischer ist, sein Text war ein Griff ins Klo.

    Es passt zum Gejammer bei Netzwerk Recherche über die Jobverzweiflung von Journalisten, um hier dann mit der Eifersucht gegen die, die wirklich was wissen, reinzugrätschen und festangestellte hauptberufliche Journalisten für besser zu halten.

    Und Fischer hat Journalisten die Fähigkeit nicht aberkannt, sondern er hat festgestellt, dass das hier keine Berichterstattung ist. Und wer die nicht hinkriegt, der hat sie dann vermutlich auch nicht. Denn Berichterstattung war das nicht, aber sowas würde man Leuten vom Schlage einer Silke Burmester nicht mehr verständlich machen können. Erzählt mal dem Blinden von der Farbe.

    Achtet einfach mal auf die Sprache. Welcher auch nur ansatzweise befähigte „Journalist” ist in seinem Wortschatz, in seiner Ausdrucksweise, in seinem sprachlichen Instrumentarium, in seiner geistigen Beweglichkeit, in seiner semantischen Darstellungspotenz, in seiner Metaphernwelt, in seiner gedanklichen Erfassungskraft, in seinem Niveau, in seiner gesamten Denkweise auf so eine Formulierung wie „Griff ins Klo” beschränkt?

    Welchem Viertklässler würde man so einen Ausdruck in einem Schulaufsatz durchgehen lassen?

    Wie muss man geistig drauf sein, um sich so auszudrücken? Oder sich nicht anders ausdrücken zu können?

    Sie schreibt, dass Fischer durchaus Meinungsfreiheit genieße, schränkt diese aber sofort wieder ein:

    Aber Fischer ging es nicht um eine andere Einschätzung, was für ein Debattenblatt ok wäre. Nein, er hat die journalistische Sorgfaltspflicht des Hauses infrage gestellt, und obendrein, in einer überwunden gehofften chauvinistischen Verachtung, die möglichen Opfer.

    Die möglichen Opfer? Sie wirft Fischer vor, die journalistische Sorgfalt der ZEIT (die Sorgfalt, und nicht die Sorgfaltspflicht, denn die hat er ja gerade nicht in Frage gestellt) infrage gestellt zu haben, und gleichzeitig hält sie ihm vor, dass er die möglichen Opfer „verachte”?

    Was sind denn „mögliche” Opfer? Heißt das, er war es vielleicht? Oder er hat seine Unschuld einfach noch nicht nachgewiesen?

    Und wie soll man das verstehen, dass es „chauvinistische Verachtung” sei, „möglichen” (behaupteten) Opfern nicht blind zu glauben? Ist dass die journalistische Beweistechnik, Leuten schon deshalb zu glauben, weil es sonst chauvinistisch wäre? Ist es dann nicht feministischer Chauvinismus, Wedel nicht zu glauben?

    Machen wir uns nichts vor: Selbst wenn es Verachtung wäre, sie wäre berechtigt. Ich habe im Journalismus so unglaublich viele so unglaublich dumme Leute erlebt, die aus der eigenen Dummheit, der darauf beruhenden Denkinsuffizienz und der damit einhergehenden Denkdivergenz (vulgo: Denkscheitern) den Narzissmus monopolitischer Befähigung ziehen, dass ich für diese Branche längst nur noch tiefe Verachtung aufbringe.

    …ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einen anderen Aspekt lenken, der mir Sorge bereitet: Es fällt ja auf, dass es vor allem alternde Herren sind, die im Journalismus auf einmal ausschlagen.

    Ja. Weil das in diesem Land die einzigen verbliebenen Leute sind, die noch befähigt sind und etwas gelernt haben.

    Schon mal über das Phänomen nachgedacht, dass dieselben Leute feministische Gehaltsgleichstellung in Form von „Gleichen Lohn für gleiche Arbeit” fordern, die dann schimpfen, dass es immer nur alte weiße Männer sind, die die echte Arbeit machen?

    Ist deren ständiges Geschrei über alte weiße Männer nicht die beste und stichhaltigste Erklärung für den Gender Pay Gap, nämlich das Eingeständnis, dass die die Letzten sind, die noch was hinbekommen?

    Musste Fischer etwa deshalb weg, weil es im gesamten deutschen Pressebereich keine einzige Frau gibt, die mit ihm mithalten könnte? Und weil die ganze ZEIT mit ihrer Feminismusstrategie einem einzelnen alten Mann einfach hoffnungslos unterlegen war und richtig blöd aussah?

    Die ihre liberale oder linke Haltung aufgeben, die die weibliche Emanzipationsbewegung nicht länger aushalten, schräges Zeug schreiben und destruktiv werden.

    Die weibliche Emanzipationsbewegung?

    Bisher habe ich da nur dummes Geschwätz gesehen. Seit Jahren wird gegendert, werden die Redaktionen feminisiert, und das Ergebnis: Sie werden immer dümmer und schlechter. Hat der Genderwahn auch nur eine einzige Schreibse in die Redaktionen gebracht, deren Geschreibe es wert wäre, gekauft zu werden, geschweige denn es qualitativ und inhaltlich mit Fischer aufzunehmen?

    Was sagt das überhaupt über den Stand des – weiblichen – Journalismus, wenn ein ungelernter Fachfremder wie Fischer die mal eben im Vorbeigehen alle platt und nass macht?

    Vielleicht steht dies in Relation zu abnehmender Potenz, das weiß ich nicht.

    Wer hält sowas noch für Journalismus? Unsachlich, polemisch, dumm. Argumentativ absolut hilflos. Fällt das keinem auf, dass die unter Journalisten so beliebte und gefeierte Silke Burmester hier kein einziges sachlich-argumentatives Wort zustandebringt, dass das nur Gegeifer ist? Dass wer so schreibt, zu Journalismus nicht befähigt sein kann?

    Und nebenbei: Stellt sich, wer auf Potenz abzielt, nicht gerade auf das sexistische Niveau, das man Wedel unterstellt? Brüderle hat man dafür gekreuzigt. Stellt Euch vor, was man über Wedel geschrieben hätte, wenn der eine Schauspielerin auf Hängetitten angesprochen hätte. Sollte man da nicht erst mal vor der eigenen Haustür kehren?

    Aber die Erfahrung zeigt: Rausgeworfen aus der Gemeinschaft wenden die Meinungsstarken sich einem reaktionären Spektrum zu.

    Falsch. Umgekehrt. Wir haben keine Gemeinschaft, sondern einen „Mainstream”, einen „Gender Mainstream”. Ganz offizielles Programm der Bundesregierung. Und man beschimpft jeden als reaktionär, der den Quatsch nicht mitmacht.

    Und gehen erst zur “Welt”, dann zu Roland Tichy. Am Ende sprechen sie vor der Neuen Rechten und haben Angst vor Einwanderern.

    Nun, vor den Linken zu sprechen ist ja auch nicht möglich. Die „Neuen Rechten” sind derzeit die einzigen, die Leute noch sprechen lassen und eine freie Rede ermöglichen. Die ZEIT macht das ja nicht mehr. Muss man sich klarmachen: ZEIT und Burmester werfen Fischer „Illoyalität” vor, weil er sich nicht dem Mainstream und dessen Denkverboten unterwirft, und unterstellen dann noch, dass Leute, die sich an linke Denkverbote nicht halten wollen, bei Rechten reden.

    Was hat eigentlich das Thema „Einwanderer” damit zu tun?

    Überhaupt nichts. Völlig unsachlich, rabulistisch, diffamierend.

    Aber zur Erinnerung: Momentan läuft die Einwanderung vor allem auf Gewalt gegen und Benachteiligung von Frauen hinaus, alte weiße Männer haben da am wenigsten zu befürchten. Wir werden nicht so oft vergewaltigt. Kurioserweise stellt man das dann ja auch in die rechte Ecke, wenn junge Frauen gegen Migration sind, aber das wäre ein anderes Thema.

    Konnte man vor ein paar Jahren beobachten, dass sich die Zeitung “Die Welt” zum Abklingbecken für verstrahlte Spiegel-Redakteure entwickelt hatte, muss man heute feststellen, dass die rechts-konservative Bewegung mit ihren wenigen Print- und zahlreichen Online-Medien diese Funktion übernommen hat. Hier findet eine abgehalfterte männliche Journalisten-Elite zu neuer Strahlkraft.

    Nicht Strahlkraft. Redefreiheit.

    Aber davon abgesehen: Die Presse jammert darüber, dass ihnen die Käufer und Leser davonlaufen. Wen kann das noch wundern, wenn man Aussagen wie diese liest?

    Und jemandem einen Vorwurf zu machen, dass er wenige Print- und viele Online-Medien hat, das ist irgendwie vordigital, total rückständig. Wo sich doch eigentlich schon alle darin einig sind, dass die Print-Presse praktisch tot ist, sie es nur trotz penetranten Verwesungsgeruches noch nicht wahrhaben will.

    Sagen wir’s mal so: Die „abgehalfterte männliche Journalisten-Elite” (Fischer ist Jurist, nicht Journalist) zeigt derzeit von allen Journalisten die meiste Strahlkraft. Von Frauen kommt da gerade gar nichts außer Streit und wertlosem Gegeifer. Man kann das auch so sehen, dass sich da gerade eine neue konservative Presse aus alten, schreibfähigen Männern etabliert, während die alte Presse an ihrer Feminisierung nach Leserflucht zugrundegeht, weil sie eben nichts bringen, nichts können, nicht strahlen.

    Denn eines darf man bei dieser Sorte männlicher Publizisten nicht vergessen: Denen geht es nicht ums Geld. Davon haben sie genug. Denen geht es um Bedeutung. Beziehungsweise um ihre Angst vor deren Verlust.

    Ah, wieder mal die alte feministische Rabulistik, dass die einzige Motivation für Abweichung vom Mainstream irgendeine Angst sein könnte, womit wir wieder bei der argumentativen Armut feministischer Autorinnen wären. Für die gibt es immer nur Angst und sonst nichts.

    Ansonsten aber stimmt’s. Der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Publizisten ist, dass es den Weiblichen nur um’s Geld geht. Deshalb reden sie ständig von Teilhabe und Pay Gap, aber nie von Qualität. Wenn es um Inhalte gehen soll, muss man zu männlichen Publizisten. Das hat sie erkannt, aber nicht begriffen, was sie da sagt. Fischer wäre sowas nicht passiert.

Man muss sich das nur anschauen und diese Burmester lesen, dann weiß man, was da abläuft. Warum keiner mehr was von der Presse wissen will. (Weil’s von denen nichts mehr zu wissen gibt.)

Momentan sehen wir, dass diese „Inklusion” und „Divergenz”-Strategie genau zum Gegenteil führt: Ähnlich wie bei einer immer deutlicheren Geschlechterteilung zwischen den längst von Frauen übernommenen und durchverblödeten Geistes- und Sozialwissenschaften und einer Männerflucht in die MINT-Fächer kommt es hier zu einer Verweiblichung der etablierten, linksdriftenden Medien mit einer Flucht der Männer in die konservativen, neuen, digitalen Medien, wo man noch reden und denken darf.

Das Verweiblichte, Sozialwissenschaften und linke Redaktionen, wird zum durchverblödeten Frauenghetto, stirbt geistig völlig ab, und bleibt nichts anderes als ein teures Fördergrab auf Steuerzahlerkosten, denn so wird es bei der Presse auch laufen. Daraus entstehen dann gewaltige Klapsmühlen, verstrahlt, unbetretbar, von unerträglicher Dummheit, in denen sich die Dummenghettos verballhornen und man wie beim BER mit Milliarden das Scheitern aufrechterhält, weil man sich nicht traut, den Abriss anzugehen.

Und wenn ich mir das dann bei Licht ansehe, dann lese ich daraus vor allem eines: Den tiefen Neid einer obsoleten Krawallschreiberin auf einen verhassten, alten Mann, weil der schreiben, argumentieren, begründen kann und sachlich was weiß, und weil er damit auch in den neuen Medien einen sicheren Platz findet, obwohl er ihn finanziell gar nicht braucht. Einfach, weil er was kann. Der alte weiße Mann hat alles das, was ihr fehlt. Und er kann als Fachfremder alles besser als sie. Schreibt Artikel, die halten. Deshalb braucht der auch keine Quote.

Schaut Euch die ZEIT, die Burmester an und überlegt Euch: Wer braucht sowas? Wer liest sowas? Wer kauft sowas?

Nachtrag: Ein Leser erinnert daran, dass man Gisela Friedrichsen als positive Ausnahme erwähnen muss, die von „medialer Hinrichtung” sprach. Stimmt. Da hat er recht.