Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Weniger Frauen in Informatik

Hadmut
30.11.2017 14:52

Ich hatte doch gerade was dazu geschrieben, dass Studienanfänger in Informatik um 4,1% zurückgegangen seien.

Viele Leser schrieben mir, dass das womöglich nicht stimmt, weil es doch heute jede Menge Informatik-für-Weicheier-Fächer gibt:

Medieninformatik, Bioinformatik, Medizininformatik, Wirtschaftsinformatik,… alles so Fächer, die eigentlich was anderes mit ein bisschen Programmieren machen, und sich aber gerne „…informatik” nennen. Zusammengefasst: Informatik light. Informatik für die, denen Informatik zu schwer ist. (Und damit meine ich nicht nur Studenten, sondern auch Dozenten!)

Dahin würden immer mehr abwandern, die nicht unter „Informatik” mitgezählt worden seien. Mag sein. Aber dann auch das hier:

Die hier behaupten,

Die diversen Bemühungen der letzten Jahre, mehr Frauen für den Fachbereich zu gewinnen, erlebten einen noch herberen Rückschlag. Die Zahl der neuen weiblichen Informatik-Studierenden ist sogar um 8,8 Prozent im Jahresvergleich gesunken. Nachdem der Anteil von Frauen mit vielen Mühen von 2008 an von etwa 19 auf 25 Prozent gesteigert werden konnte, ist dies nicht gerade erfreulich.

Oooooh, ach gottchen, die ganze schöne, teure, mühsame, umständliche Frauenförderung, alles für’n Arsch?

Welcher Idiot war eigentlich so dumm, dabei auf Soziologen zu hören, die erzählten, das sei alles nur sozial, wenn man die erst mal mit Gewalt reindrückt, würden die von selbst zu Informatikerinnen?

Im Ernst: Ich kenne einige Frauen, die bitter bereuen, sich von Medien, Zeitgeist und Feminismus zu einem Informatikstudium verleitet haben zu lassen, und hinterher gemerkt haben, dass sie da falsch sind, und dann für einen Neuanfang zu alt waren.

Was geben die da eigentlich als Ursachen an?

Dass die Zahlen sinken, dürfte auch auf die gesamte Entwicklung in der Technologie-Szene zurückzuführen sein. Noch vor einigen Jahren saßen viele junge Menschen an ihren Rechnern und bekamen schnell mal einen Zugang zur Programmierung. Die Nutzung hat sich inzwischen aber stark auf die relativ geschlossenen Mobile-Plattformen verlagert, zu denen es deutlich schwieriger ist, einen Zugang auf der Entwicklungsebene zu finden.

Hinzu kommt, dass die Informatik zwar durchaus spannende und vielversprechende Herausforderungen zu bieten hat, doch auch diese Gebiete zunehmend komplexer werden. Immerhin gelingt es auch Spezialisten nur noch recht bedingt, die konkreten Vorgänge in den Algorithmen der Künstlichen Intelligenz zu durchschauen. Universität, Ausbildung, Vorlesung native-energie.de

Da ist was dran. Ich habe zwar selbst noch keinen erlebt, aber aus der Szene schon öfters gehört, dass die jetzt mit Abiturienten zu tun haben, die noch nie an einem Computer gesessen haben und das auch nicht können, weil sie nur noch mit iPhone und iPad aufgewachsen sind. Da kommt was auf uns zu. Nämlich nur noch heiße Luft.

Tatsache ist aber auch, dass Informatik in vielen Bereichen heute anspruchsvoller ist.

Als ich vor 40 Jahren damit angefangen habe, gab’s ein bisschen Basic, dann Pascal, Modula, alles simpel und überschaubar, dann zum Lernen ein paar Sortieralgorithmen, bisschen Mathealgorithmen.

Was heute so unter KI oder Netzwerktechnik läuft, sind andere Brocken. Und ich merke das ja selbst, wie enorm viel Aufwand das ist, mich ständig auf dem Stand zu halten und mich an neue Techniken zu aktualisieren.

Ich denke, ich habe in meinem Leben, weiß nicht mehr genau, so um die 20 oder 30 Programmiersprachen gelernt (und wieder vergessen), auch abgefahrene Exoten wie APL oder Occam, diverse Assembler. Bei x86-Assembler hatte ich dann keine Lust mehr, weil der so komplex und unorthogonal war, dass es mir mehrfach passiert ist, dass derselbe Befehl in drei verschiedenen Assemblerhandbüchern unterschiedlich beschrieben wurde und ich mit GDB und Hex-Editor selbst ausprobieren musste, was nun eigentlich stimmt. Seit einiger Zeit kotzt mich an, dass neue Sprachen nicht mehr sauber beschrieben, sondern nur noch verbeispielt dargelegt werden, die Systematik fehlt. 2011 wollte ich mir mal Objective-C anschauen, um für iPhone Apps zu schreiben, hat mich aber schnell angekotzt, weil es zwar viel Doku gab, aber alles nur so hier ein Beispiel, da ein Beispiel, kein sauberer Sprachstandard, kein sauberes Reference-Manual. Unklarheiten bei Lebensdauern von Variablen und so. Irgendein Kollege sagte mir mal, ja, das gäb’s schon, aber nur für teuer Geld, das machen die absichtlich so. Neulich habe ich mich mal mit Rust beschäftigt, weil ich was schreiben wollte (bzw. geschrieben habe), wo ich mir dachte, das ist jetzt genau die richtige Sprache, war’s auch, schicke und gute Ideen, wo man aber auch sehr deutlich merkt, dass das alles wieder nur schwammig beschrieben und verbeispielt ist, einige Sprachelemente eben komplex, und man da eine Weile probieren muss, bis man’s verstanden hat (und dabei eine fundierte Kenntnis früherer Sprachen und Assembler sehr gut gebrauchen kann). So, wie ich das früher gemacht habe, das Buch durchgelesen und dann kann ich die Sprache, geht da nicht mehr.

Rust – nicht sehr elegant, noch nicht ausgereift, mitunter brachial und umständlich, aber mit sehr interessanten Eigenschaften, um Korrektheit und Sicherheit vor den typischsten Programmierfehlern zu bewahren. Auch wenn ich die Sprache noch nicht schön finde, halte ich diese Sicherheitsfunktionen für überaus wichtig und wertvoll. Unter den Compiler-Sprachen derzeit sogar meine präferierte (allerdings mit dem Nachteil, dass die Bibliotheken erst im Aufbau sind).

Aber: Während man bei Sprachen wie Java, Ruby, Python auch ziemlich weit kommt, wenn man nicht verstanden hat, was die Maschine da macht, bekommt man das Ding unter Rust nicht kompiliert, wann man nicht begriffen hat, was abgeht.

Heißt: Es ist keineswegs so, dass Informatik leichter wird. Auch wenn Leute wie Ranga Yogeshwar erzählen, jeder könnte programmieren. Das ist Unsinn. Ordentlich Programmieren zu lernen ist immer noch ein Stück Arbeit, und zwar eines, das zwar Schwankungen unterworfen ist, in der Tendenz aber zulegt.

Und dann zeigt sich, dass diese Art der Frauenförderung, nämlich Frauen alles leichter zu machen und sie zu bevorzugen, von allen Anforderungen zu befreien, genau der falsche Weg war.

Das Geld für die „Frauenförderung” hätte man weitaus besser anlegen können.