Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Als Claus Kleber merkte, dass ihm niemand mehr glaubt. Gar nichts.

Hadmut
2.11.2017 1:16

Und andere öffentlich-rechtliche Wirkungslosigkeiten.

(Fortsetzung von Kleber und die Tatsachen)

Das Fischblatt Die ZEIT bejammert, dass man den Medien nichts mehr glaubt, meint aber, dass daran nicht das etwa das öffentlich-rechtliche Fernsehen selbst schuld ist, sondern die rechtsradikalen Zuschauer.

Sag mir, was du von den Öffentlich-Rechtlichen hältst, und ich sage dir, wer du bist: Die Medienkritik ist zum ideologischen Grabenkampf geworden.

Es darf nicht etwa sein, dass man den Medien nicht mehr glaubt, weil sie unglaubwürdig sind. Das sind alles nur ideologische Kämpfe. Jeder edle Mensch schluckt widerstandslos, was ihm die Medien als Suppe vorsetzen. Autor dieses Krampfes ist übrigens Bernhard Pörksen, 47, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Als ob man Geisteswissenschaftlern heute noch etwas glauben könnte. Vor allem, wenn sie Vorwürfe erheben, die auf „alle rechts” hinauslaufen.

Anlass ist, dass Claus Kleber auf die Schnauze gefallen ist. Im übertragenen Sinne.

Der nämlich habe ein Experiment durchgeführt und sich in einen vollbesetzten Heidelberger Hörsaal gestellt und erzählt, dass man sich politisch mit der Regierung abspreche, was man bringen darf und muss, und was nicht. Eigentlich wollten sie damit eine Reaktion provozieren, die Leute im Stil von Versteckte Kamera reinlegen.

Nur: Es gab keine Reaktion. Die Studenten haben es einfach so geglaubt, weil sie es normal fanden.

Man kann sich jetzt überlegen, über wen das mehr sagt, über Kleber oder über Heidelberger Studenten.

Kein Protest aus dem Publikum, keine Kritik, nicht mal Rückfragen, stattdessen diffuse Zustimmung. Der eigentliche Schock, sagte Kleber, sei für ihn gewesen, dass die versammelten Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich davon ausgingen, dass Journalismus nun mal als von Politikern gelenkte Meinungsmache funktioniere. Er bezeichnet die achselzuckende Akzeptanz des Manipulationsgeredes als den bislang “schlimmsten Angriff” auf seine Journalistenehre.

Der und Journalistenehre. Deshalb zeigen die immer das Gesicht, damit man nicht sieht, wie er mit den Füßen darauf herumtrampelt.

Sagen wir es mal so: Helle waren die Studenten sicherlich nicht. Sie hatten zwar recht damit, davon auszugehen, dass das Fernsehen der Regierung gehorcht. Aber wohl eher aus Lethargie und der antrainierten Unfähigkeit, einem Dozenten noch zu misstrauen oder zu widersprechen. Die sind darauf abgerichtet, zu fressen und zu schlucken, was man ihnen hinwirft. Würde bei denen noch Licht brennen, hätten sie das Kleber zwar auch geglaubt, ihm dafür aber mal richtig die Hölle heiß gemacht und ihn zum Teufel gejagt.

Der Punkt daran ist aber: Kleber und Pörksen sagen auch hier die Unwahrheit, wenn sie so tun, als wären sie unabhängig und würden nicht der Regierung folgen.

Ich war ja dabei, ich habe das ja auf mehreren Journalistenkonferenzen und in 10 Jahre „Adele und die Fledermaus” erlebt, wie Presse unter Druck gesetzt wird, wie die gegenseitig auf sich einschlagen. Am stärksten damals bei der Feminismus-Konferenz von Netzwerk Recherche im NDR. Gut, das ist ARD und Tagesthemen, nicht Kleber und heute journal, läuft aber aufs gleiche raus. Natürlich kommen da nicht Angela Merkel oder ihr Kanzleramtsminister vorbei und dozieren, was zu schreiben ist. Aber es kommen eine Menge von Journalisten von Verlagen, die beispielsweise zur SPD gehören, und die dann dort verbal alles niederprügeln, was nicht in deren Schema passt. Ich habe damals beispielsweise eine Broschüre erhalten, in der mir gesagt wird, wie ich gefälligst über Schwule und Lesben zu schreiben hätte – nur positiv und mit vorgegebenem Vokabular.

Diese Manipulation findet statt, ich habe sie gesehen, gehört, miterlebt, nur findet sie eben indirekt über „Journalisten” statt, weshalb das vielen nicht so bewusst wird, dass sie unter Druck gesetzt werden.

Ich habe jahrelang versucht, Presse und Fernsehen dazu zu bewegen, über die Promotionssauereien in Karlsruhe zu berichten. Sofern es überhaupt zu einem Gespräch kam, bekam ich antworten wie „geht nicht, ich habe Frau und Kinder zu ernähren”.

Und derselbe Claus Kleber stellt dann Politsirenen wie Anne Wizorek ins heute journal.

Und dann kommt der und heuchelt, er sei schockiert darüber, dass man ihn für einen Polit-Propagandisten hält. Der lügt sogar auf der Meta-Ebene.

Über das Programm und die Marktmacht der Öffentlich-Rechtlichen muss debattiert und gestritten werden genauso wie über Fehler und Fehlleistungen einzelner Zeitungen oder Netzportale.

Und wie? Nachdem man alles ausgefiltert und gesperrt hat, was nicht dem politmainstream entspricht?

Aber gegenwärtig werden die Debatten über Gegenwart und Zukunft von ARD und ZDF und des Journalismus zunehmend zu ideologischen Grabenkämpfen und zum Spielfeld für populistische Forderungen; dies eben nicht, wie traditionell üblich und historisch erwartbar, am äußersten rechten oder linken Rand, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft.

Ja. Weil ein linksextremes Fernsehen inzwischen sogar auch die Mitte der Gesellschaft als Gegner auffasst und angreift.

Hier lässt sich in diesen Tagen und Wochen ein Polarisierungsschub beobachten, ein Stimmungswandel in Richtung des großen Verdachts.

Huahahahaaaa 😀

Ein Professor für Medienwissenschaft, und der merkt erst jetzt, dass es da eine ablehnende Stimmung gibt. Und sowas müssen wir aus Steuergeldern bezahlen.

Zweitens zeigt sich die veränderte Stimmungslage auch daran, in welchem Maße Journalisten der öffentlich-rechtlichen Medien unter Rechtfertigungsdruck stehen. In den letzten Monaten erklärten von Dunja Hayali (“ARD und ZDF sind weder Staatsrundfunk, noch sind meine Kolleginnen politisch ‘gesteuert'”) bis zu Georg Restle von Monitor diverse Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen, dass sich die momentane Medienkritik an falschen Vorstellungen orientiere. Und wenn man in diesen Tagen mit politischen Journalisten von ARD und ZDF spricht, hört man ganz regelhaft: Nein, man selbst sei noch nie vom Kanzleramt angerufen und auf eine Tendenz der Berichterstattung eingeschworen worden; ja, man würde derartige Interventionsversuche sofort publik machen.

Ach. Was sollten die, die Kern des Problems sein, auch anderes sagen? Erwartet man ernsthaft, dass Nervensäge Hayali zugibt, dass sie unfähig und unbegabt ist und den Job aufgibt? Natürlich wird sie sagen, dass man gar nichts anderes von ihr erwarten und verlangen möge, als was sie ständig tut. Wie doof muss man sein, um sowas zu schreiben?

Und wenn man von Journlisten von ARD und ZDF hört, sie seien noch nie auf eine Tendenz der Berichterstattung eingeschworen worden, dann ist das falsch und unwahr. Entweder lügen sie oder sie sind wirklich strohdoof und unfähig. Ich habe das mehrmals und intensiv miterlebt (und selbst jahrelang erfahren), wie Journalisten unter Druck gesetzt, eingeschworen und niedergemacht werden, wenn sie nicht parieren. Beispiel: Pro Quote. Die SPD gibt eine Frauenquote vor, und jeder bekommt Prügel, der nicht sofort folgt. Da wird gegiftet, gegeifert, geschimpft, gekündigt und intrigiert.

Und jetzt kommen dieser Professor und das Fischblatt ZEIT, und wollen so tun, als sei das alles unwahr und käme alles nur von rechts.

Schließlich und drittens ist in den vergangenen Jahren ein noch diffuseres Lügenpresse-light-Milieu entstanden, geprägt durch ein gemeinsames Unbehagen am etablierten Journalismus. Wie sehen die Denkmuster dieses Milieus aus? Man stellt sich Journalisten als übermächtige, autoritär agierende Gatekeeper vor, die kontrollieren, was gesendet und gedruckt wird, und letztlich auch bestimmen, was sagbar und politisch durchsetzbar scheint.

Unbehagen? Stinksauer bin ich. Und ich glaube, viele andere auch.

Und ich stelle mir Journalisten auch nicht (nur) so vor: Ich bin zu Journalisten hingegangen, auf ihre Konferenzen. Ich habe ihnen zugesehen, sie beobachtet. Und habe genau das gesehen, gehört, erlebt: als übermächtige, autoritär agierende Gatekeeper vor, die kontrollieren, was gesendet und gedruckt wird, und letztlich auch bestimmen, was sagbar und politisch durchsetzbar scheint. Denn genau darauf werden sie abgerichtet, und danach werden sie ausgewählt. Genau so sind die. Intellektuell meist zwischen unterdurchschnittlich und doof, bilden sich aber ein, die Erzieher und Architekten unserer Gesellschaft zu sein. Und das ist nicht überraschend, denn genau das ist Inhalt der Sozial-, Literatur-, Politik-, Medienwissenschaften. Die bilden sich allen Ernstes ein, es sei ihre Aufgabe, die Gesellschaft umzubauen. Deshalb ständig das Erziehungsfernsehen.

Es werde in der Regel nicht direkt gelogen, so heißt es, aber doch die Wahrheit systematisch gebeugt – manchmal nur durch das gezielte Verschweigen, die Auslassung oder eben durch die Dauerbeschallung mit dem Gerede derjenigen, die man “Gutmenschen” oder “Pädagogen” und “Volkserzieher” nennt.

Ich bin seit über 10 Jahren mit diesem Blog und seit fast 20 Jahren mit dieser Webseite beschäftigt, um das zu schreiben, was die Presse ausblendet. Hätte man jemals ernstlich Kritik an Feminismus, Wissenschaftsbetrug, Poststrukturalismus in den Medien gefunden?

So sprach der einstige CSU-Bundesminister Hans-Peter Friedrich von einem “Schweigekartell” und von “Nachrichtensperren”nach den Übergriffen der Kölner Silvesternacht, der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, legte nahe, Informationen würden bewusst vorenthalten. Und der Soziologe Gunnar Heinsohn ergänzte, die “öffentlichen Anstalten” hätten die Wahrheit bewusst unterschlagen und die Taten verheimlicht, solange es nur irgendwie ging. Nur mithilfe des Internets sei es letztlich gelungen, “die Konspiration zunichte” zu machen.

Und?

Die Machenschaften des BND und der Korruption rund um die Promotionsnummer und die Machenschaften der Gender Studies und der Verfassungsrichterin werden auch nicht gebracht und verheimlicht, solange es nur irgendwie geht. Das habe ich alles getan, erlebt, aktenkundig, nachweisbar, nachgewiesen. Das ist keine Verschwörungstheorie, die sind so.

Ein paar Beispiele für das im Diffusen und Nebulösen beheimatete Spiel mit dem großen Verdacht: Das Wort Lügenpresse sei zu harmlos, meint beispielsweise der Philosoph Peter Sloterdijk. Im Journalismus sei die “Verwahrlosung” und die “zügellose Parteinahme” längst offensichtlich und der “Lügenäther” insgesamt “so dicht wie seit den Tagen des Kalten Krieges nicht mehr”, sagte er dem Magazin Cicero. Ihm sekundiert der Schriftsteller Botho Strauß. Er diagnostiziert schon seit Jahrzehnten in immer neuen Anläufen eine Form des medialen, vom Bemühen um die gute Gesinnung infizierten Totalitarismus, die das Reale und Tatsächliche gar nicht mehr durchscheinen lasse.

Ich halte nichts von Sloterdijk, der folgt eigentlich immer nur der allgemeinen Entwicklung und tut dann durch Wortakrobatik so, als hätte er es erfunden. Ganz billige Nummer, typische Geisteswissenschaftler-Taktik. Trotzdem (oder deswegen) stimmen diese Zitate hier und treffen genau. Der Journalismus ist verwahrlost, und das ist noch zu harmlos, er ist verblödet und von Korruption durchsetzt. Korruption, so lautet eine allgemein akzeptierte Definition, ist der missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Vorteil. Und genau das machen die, Machtmissbrauch für ihr persönliches Ding. Und das ist nicht nur eine Einschätzung von mir, das sagen die auch noch explizit. Frauen würden auch mal an die Macht wollen, Macht ausüben, Machthebel ziehen. Niemand ist so explizit machtgeil – und schlimmer: machtmissbrauchsgeil – wie Frauen. Siehe #Aufschrei. Und der Journalismus besitzt die grenzenlose Dummheit und Korruptheit, sowas noch mit dem Grimmepreis auszuzeichnen.

Und dann wundern die sich, wenn man ihnen nicht glaubt.

So meint jeder vierte Befragte, die Medien seien nur ein “Sprachrohr der Mächtigen” und würden den Menschen vorschreiben, was sie “zu denken hätten”.

Die Folgen eines derartigen, beliebter werdenden und auch von manchen Journalisten beklatschten Pauschalismus sind für die aktuelle Debatte gleich doppelt fatal.

Muss man sich mal klarmachen. Denkt mal drüber nach, wie die Medien alle als „rechts” beschimpft haben – wie dieser Professor hier alle als rechts und ideologisch darstellt – wie man über Pegida, AfD, Trump berichtet hat. Und die beschweren sich über Pauschalismus! Das muss man sich mal klarmachen, was da abläuft.

Kurzum: Die gegenwärtig kursierenden Theorien der Entmündigung und der Manipulation, Chiffren eines antiliberalen Denkens und einer heimlichen Sehnsucht nach der Revolte, helfen niemand. Und sie ruinieren das Vertrauensklima, das guter Journalismus bräuchte, gerade jetzt und gerade heute.

Auf deutsch: „Haltet endlich das Maul, Pack!”

Hilft bloß nicht. Denn was das Vertrauensklima ruiniert sind vor allem Sendungen wie Klebers heute journal. Jeden Abend um 21.45.

Wer ist da eigentlich am Übelsten? Kleber? Der Professor? Die ZEIT?

Dass die ZEIT da gerade reinhackt (und die sind ja SPD-nah, so’n Zufall, wo doch der SPD gerade die Wähler weglaufen und die deshalb gerade wieder auf das Fernsehen als Propagandaposaune angewiesen ist), sieht man auch an diesem Artikel.

Selbst Menschen, die jeden Tag fernsehen, finden, wenn sie gefragt werden, das Programm ganz furchtbar. Alles Gute erscheint ihnen selbstverständlich und die 95 Prozent der Sendungen, die zwar ohnehin für andere gemacht sind – puh, völlig indiskutabel!

Botschaft der ZEIT: Noch nie seit Anbeginn der Menschheit hatte irgendwer, dem ARD oder ZDF nicht gefallen hätten, damit irgendwie recht. Man kann die gar nicht berechtig schlecht finden. Die sind so herzensgut und wichtig, ohne sie wäre die Welt öde. Und deshalb hat man sie gefälligst gut zu finden, darüber belehrt einen die ZEIT.

Und damit wird das einfach zum Rohrkrepierer.

Hat doch sicher jeder gemerkt, dass die ARD jetzt den großen Faktenchecker gibt. Und das ist richtig teuer. Die haben im Juni auf der Netzwerk-Recherche-Konferenz erklärt, dass sie da richtig Leute zusammen- und aus anderen Redaktionen abziehen. Wir zahlen das.

Dumm nur, dass der Europarat festgestellt hat, dass es nichts bringt:

Initiativen wie der ARD-Faktenfinder oder Facebooks Kooperation mit dem Netzwerk Correctiv, die der Verbreitung von Falschmeldungen im Internet entgegenwirken sollen, sind weitgehend wirkungslos. Dies ist der Tenor eines Berichts zur zunehmenden “Informationsunordnung”, den der Europarat am Dienstag veröffentlicht hat. Darin ist nachzulesen: “Einfach nur mehr ‘faktische Informationen’ in das Ökosystem hineinzudrücken, ist eine potenzielle Verschwendung von Zeit und Ressourcen, wenn dabei nicht die emotionalen und rituellen Kommunikationselemente ausreichend verstanden werden.”

Verschwendung – was soll’s. Ist ja das Geld der Gebührenzahler.

Die Autoren, Claire Wardle vom Journalismuszentrum First Draft am Shorenstein Center der Harvard Kennnedy School und der iranische Schriftsteller, Blogger und Forscher Hossein Derakhshan, halten es bei ihrer Einschätzung im Auftrag des Staatenbundes mit dem US-Theoretiker James Carey. Dieser sah Kommunikation weniger als Informationsaustausch zwischen zwei Personen, sondern vielmehr als Instrument, um gemeinsame Glaubensüberzeugungen herzustellen. Wichtig sei es dabei, ein gewisses Drama zu erzeugen, also die mit- und gegeneinander kämpfenden Mächte in der Welt abzubilden.

Äh … und wenn man das gar nicht will? Wenn man nur informiert werden will und eben keine Glaubensüberzeugungen bauen?

Und was soll daran überhaupt „gemeinsam” sein, wenn einer nur Sender und der andere nur Empfänger ist?

Was heißt das im Ergebnis?

Man kann und soll keinem mehr glauben. Nicht Kleber, nicht dem Fernsehen, nicht diesem Professor. Und nicht der ZEIT.