Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Margot Käßmann erklärt uns die Welt

Hadmut
28.5.2017 20:21

Warum ist das jetzt eigentlich nicht Beleidigung, Rassismus und Volksverhetzung? [Nachtrag / Update 2]

Sie hat auf dem – auch mit ziemlich viel Steuergeldern finanziertem – Kirchentag laut kircheneigener Quelle verkündet:

Berlin. Die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann hat in einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Berlin die AfD angegriffen. Die Forderung der rechtspopulistischen Partei nach einer höheren Geburtenrate der “einheimischen” Bevölkerung entspreche dem “kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten”, sagte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin am Donnerstagmorgen. “Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: ‘Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht'”, kritisierte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter tosendem Beifall.

Nochmal zum langsamen Mitdenken:

Auf eine Meinung oder ein Handeln kommt es nicht mehr an. Käßmann qualifiziert Menschen allein nach ihrer genetischen Herkunft als schlecht und minderwertig.

Wenn das nicht Rassismus ist, was dann? Und ausgerechnet die nennt andere Nazis?

Und zu sowas klatschen die Massen Beifall?

Wie ich immer so gerne sage: Wer verstehen will, wie vor 85 Jahren der Nationalsozialismus ausbrechen konnte, der muss eigentlich nur heute dem Feminismus zuschauen. Oder dem Kirchentag.

Nachtrag: Ja, ich meine das sehr, sehr ernst.

Die Deutschen waren zwischen 1929 und 1933 auch nicht alles Nazis, die meisten davon waren auch nur einfache Leute, die versucht haben, am Leben zu bleiben. Man hat ihnen vermeintlich tolle, scheinbar plausible, ihnen Wohlfühlen und Bevorteilung versprechende Reden präsentiert, und die Massen haben Beifall geklatscht. Die haben genauso arglos und naiv geklatscht wie heute die Leute auf dem Kirchentag.

Das ist der Grund, warum in den Schulen über Nationalsozialismus nur das äußere, optische Feindbild gelehrt und vermittelt wird, aber nicht die Methoden. Denn derer will man sich heute immer noch bedienen.

Würde man ernstlich versuchen, eine Wiederholung des Nationalsozialismus zu verhindern, dann würde man nicht (nur) braune Uniformen als das Böse vorführen (deren Farbe ist nämlich eigentlich völlig egal, aber man braucht halt für den Tribalismus einfache Erkennungsmerkmale wie rot, grün und eben braun – an der Überbetonung von braun als Farbe erkennt ihr die Demagogen und bei den Zuhörern die Dummen), sondern die Psycho-Methoden der Nazis darlegen und lehren, sich dagegen zu wehren.

Hätten die Leute aber gelernt, den Methoden der Nazis zu widerstehen und nicht nur auf Symbole zu reagieren wie Pawlows Hund, dann würden Auftritte wie Käßmanns nicht stattfinden – eigentlich nicht mal der Kirchentag. Denn so wirklich unterscheidet sich das auch nicht von den Jugendveranstaltungen der Nazis oder der DDR.

Und wenn man schon auf die Farbe und die Kleidung abhebt: Braunhemdige Uniformierte laufen auch auf dem Kirchentag herum. Und Kreuze und runde Zugehörigkeitssymbole auf den Ärmeln tragen die auch.

Wer ein gewisses Minimum an Sicht und Hirn erreicht, merkt schon, dass die sich nicht wesentlich von denen unterscheiden, auf die sie schimpfen. Und mit schrägen Witzen über die Abstammung und der Verbindung von Abstimmung und aufgebautem Feindbild hat das damals auch angefangen.

Wer glaubhaft gegen Nationalsozialismus sein will, der muss gegen die Wiederverwendung der Methoden eintreten.

Update:

Ah, ja. Margot Käßmann fühlt sich missverstanden.

Berlinjournal berichtet darüber:

„Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht“, sagte die ehemalige Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter dem tosenden Beifall der tausender anwesender Christen. Nun kritisiert sie, dass dies aus dem Zusammenhang gerissen worden sei.

Denn in den sozialen Medien wurden vielfach nur die beiden letzten Sätze ohne den Zusammenhang zum „kleinen Arierparagraphen der Nationalsozialisten“. Margot Käßmann versteht offenbar nicht, dass viele Bürger es satt haben, als Nazis verunglimpft zu werden, nur weil sie sich mehr deutsche Kinder wünschen.

Nun fordert die Theologin, dass ihre aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate aus den sozialen Medien gelöscht werden, etwa der Post von Erika Steinbach. Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete hatte der früheren EKD-Ratsvorsitzenden zudem „linksfaschistische Ergüsse im Namen der Kirche“ vorgeworfen.

Margot Käßmann glaubt, dass viele Bürger sie missverstanden haben. Ihrer Ansicht nach seien nicht alle Bürger mit deutschen Vorfahren zu Neonazis. „Dann gehörte ich ja selbst auch dazu“, zitiert sie die Berliner Morgenpost. Tatsächlich hat die Theologin nur die AfD als „Neonazis“ bezeichnet, weil diese deutsche Kinder stärker fördern will.

Käßmann sagte weiter, sie habe zwar schon erlebt, dass Äußerungen von ihr entstellt oder aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. Doch die Erfahrung, dass etwas bewusst falsch dargestellt wird, mache sie zum ersten Mal. Dies mache sie zornig, sie fühle sich „auch hilflos“, weil sie es nicht geraderücken könne.

Genau das war der Grund, warum ich darüber noch nicht geschrieben habe, als mir Leser Hinweise auf verschiedene Webseiten dazu schickten, sondern gewartet habe, bis ich dazu eine Seite der Kirche selbst gefunden hatte (Landeskirche Hanovers) um sie zu zitieren.

Das ist wieder mal typisch: Erst harte Sprüche raushauen und hinterher pinsen, wenn sie zitiert wird.

Ich kann mich nicht erinnern, von der Frau schon mal irgendwas gehört zu haben, was ich positiv fand. Wie kommen solche Leute in solche Positionen?

Update 2: Ah, bei der Morgenpost steht noch mehr. Sie erwägt den Rechtsweg gegen Leute, die sie zitieren.

Es gebe Inhalte, die einfach gelöscht werden sollten, sagte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin dem Evangelischen Pressedienst und berief sich auf einen kürzlich gehörten Experten. “Manche Inhalte sollte man demnach aber auch rechtlich verfolgen”, sagte sie und ergänzte: “Das überlege ich mir in diesem Fall.”

Käßmann hatte am Donnerstag in einer Bibelarbeit beim Kirchentag in Berlin die Forderung der AfD nach einer höheren Geburtenrate kritisiert. Sie sagte, diese entspreche dem “kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten”: “Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern” – und setzte mit Blick auf die AfD nach: “Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.”

Ich habe das jetzt mehrmals durchgelesen, verschiedene Quellen, mit manchen Lesern diskutiert, die mir dazu geschrieben haben.

Ich fühle mich dadurch frontal angegriffen und verunglimpft. Ich habe nunmal deutsche Eltern und Großeltern. Sie stellt das mit „braunem Wind“ gleich, und ich finde das einfach eine Frechheit.