Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Neues chinesisches Schimpfwort

Hadmut
17.5.2017 21:31

Das ist jetzt lustig.

Ich habe ja wirklich keine Ahnung von der chinesischen Sprache. Ich war mal auf einer einwöchigen Studienfahrt nach Peking, auf der uns der Reiseleiter drei Worte Chinesisch beigebracht hat („Guten Tag“, „Danke“ und „Nein, ich will das nicht kaufen“, ni hao, chie chie und bu jao), mehr bräuchte man für eine Woche Peking nicht, das würde völlig reichen. (Ich kann aber sogar 6 Worte, ich weiß nämlich, dass die Namen der beiden Städte Bei-jing und Nan-jing nördliche und südliche Hauptstadt bedeuten.)

Er hat uns dann aber doch einiges über Chinesisch erzählt. Dass sie da Probleme haben, die wir hier bei uns gar nicht kennen. Chinesisch hat nämlich zwei Eigenschaften, die sie zwar als Vorteil ansehen, die ihnen aber objektiv betrachtet das Leben schwer machen:

  • Chinesisch ist eine fast ausschließlich einsilbige Sprache, praktisch alle Wörter bestehen nur aus einer Silbe. Leider kann der menschliche Sprachapparat nicht beliebig viele Silben erzeugen. Deshalb ist ihr Wortschatz physiologisch begrenzt. Sie versuchen, das noch mit verschiedenen Tonhöhen auszudehnen.
  • Die chinesische Schrift ist keine Lautschrift, sondern eine Symbolschrift. Nur weil man ein Schriftzeichen kennt und weiß, was es bedeutet, heißt das noch lange nicht, dass man weiß, wie man es ausspricht, und die Aussprachen und Dialekte unterscheiden sich deshalb viel stärker als bei uns. Ich habe selbst gemerkt, dass schon etwas so Profanes wie „Danke“ von manchen wie chiäh chiäh, und von anderen die Tschitschi ausgesprochen wird, und meine Frage, ob es nun Peking oder Beijing heißt, wurde mit „Kommt auf den Dialekt an“ beantwortet.

Deshalb werden bei ihnen nur sehr selten und durch ein zentrales Komittee neue Worte festgelegt, sorgsam abgewogen und überlegt, und dann irgendwann verkündet. Das ist heute im Zeitalter von Fernsehen und Internet viel einfacher als früher, aber früher war das ein echtes Problem das mitzuteilen, wie man etwas ausspricht. (Sie haben auch eine Lautschrift, aber die ist wohl wenig bekannt.)

Das führt dazu, dass sie neue Begriffe in der Regel nicht mit neuen Wörtern, sondern mit neuen Kombinationen aus bekannten Wörtern bauen müssen, in der Regeln ein Adjektiv und ein Substantiv. Ich habe irgendwo mal ganz viele Beispiele gelesen, kann mich aber kaum noch erinnern. Ein hölzerner Beamter ist ein Sarg. Ein elektrisches Gehirn ist ein Computer. Das tugendhafte Land ist Deutschland (nicht weil sie uns für tugendhaft halten, sondern weil es sich irgendwie so ähnlich anhört.) Und so weiter. Es reicht nicht, chinesische Vokabeln zu pauken, man muss immer auch diese Paare lernen.

Kurioserweise haben mich Leser gerade darauf hingewiesen, dass es in China ein neues Schimpfwort gibt, und es passt genau in dieses Wortschöpfungsschema.

Bei Klonovsky mit Link auf die Originalquelle wird beschrieben, dass sich in chinesischen Online-Foren das üble Schimpfwort „weißer Linker“ (baizuo) etabliert habe. Ich zitiere aus der Originalquelle (deutsche Übersetzung bei Klonovsky):

Although the emphasis varies, baizuo is used generally to describe those who “only care about topics such as immigration, minorities, LGBT and the environment” and “have no sense of real problems in the real world”; they are hypocritical humanitarians who advocate for peace and equality only to “satisfy their own feeling of moral superiority”; they are “obsessed with political correctness” to the extent that they “tolerate backwards Islamic values for the sake of multiculturalism”; they believe in the welfare state that “benefits only the idle and the free riders”; they are the “ignorant and arrogant westerners” who “pity the rest of the world and think they are saviours”.

Merkel sei die erste westliche Politikerin, die so genannt wurde.

Die Frage wurde erörtert, wie sie überhaupt darauf kamen, weil es die Zustände, um die es geht, in China eigentlich nicht gibt. Auch das wird geklärt:

Only a fraction of the arguments can be considered interests-based, and they are made by established and newly arrived overseas Chinese in Europe and North America. Many students and job-seekers in Europe, for example, argue that it is simply unfair that they “have to work so hard to stay, whereas these refugees can simply come and claim asylum”. More or less established Chinese immigrants in the United States often make the case that affirmative action policies put Chinese-Americans in a disadvantageous position, and “Chinese should not pay the price for the wrongs white Americans have done”.

Die fühlen sich also in Europa und den USA massiv diskriminiert. Die „Gleichheitspolitik“ führt dazu, dass Asiaten verdammt hart arbeiten müssen, um bleiben zu können, während Flüchtlinge einfach so kommen und Asysl beanspruchen können. Und überall werden die dann auch noch vorgezogen. Diese „affirmative action“, von der es ja immer heißt, positive Bevorzugung können niemanden diskriminierend, wird als so diskriminierend empfunden, dass sich „weiße Linke“ als feststehendes Schimpfwort für realitätsunfähige Spinner etabliert hat.

Im englischen Originalartikel (naja, wohl Original zweiter Ordnung) wird auf einen noch originaleren chinesischen Artikel verwiesen. Weil ich jetzt aber nur 6 Worte chinesisch und schon gar nicht chinesisch lesen kann, habe ich mir das vom Google-Übersetzter mal übersetzen lassen (der direkte Übersetzungslink funktioniert aus irgendwelchen Gründen nicht), und das ist aufschlussreich (und auf englisch deutlicher erträglicher zu lesen, weil sie wohl erst chinesisch nach englisch und dann englisch nach deutsch übersetzen, sich die Übersetzungsfehler also multiplizieren):

Warum westliche Bildungselite wird ein Teil des chinesischen Volkes in den Augen der naiven „wissen links“ werden?
Menschen, die das fast universelle Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten ‚Elite‘ weiß, aber das Vertrauen in Chinas „Elite“ . Dies basiert auf der Situation in China als die Vereinigten Staaten durch ein gutes Urteilsvermögen abgeleitet? Dies liegt daran , dass die Vereinigten Staaten ein Problem der Bildung ist, führte die Vereinigten Staaten von „Elite“ in dem Bildungsprozess nicht die öffentliche Meinung richtig verstehen? Warum westliche Bildungselite wird ein Teil des chinesischen Volkes in den Augen der naiven „wissen links“ werden?

Menschen, die das fast universelle Misstrauen gegenüber den Vereinigten Staaten ‚Elite‘ weiß, aber das Vertrauen in Chinas „Elite“ . Dies basiert auf der Situation in China als die Vereinigten Staaten durch ein gutes Urteilsvermögen abgeleitet? Dies liegt daran , dass die Vereinigten Staaten ein Problem der Bildung ist, führte die Vereinigten Staaten von „Elite“ in dem Bildungsprozess nicht die öffentliche Meinung richtig verstehen?

und Antwort eines Lesers

Jetzt allmählich Generation das Recht zu sprechen, nach Westen 80 nach 90 beherrscht wird, sie am Ende des Kalten Krieges sucht, entwässert die Berlinere Mauer wuchs in ihrem Wachstumsprozess „sozialistisches Lager“ totaler Zusammenbruch, die Vereinigten Staaten und Westeuropa bis Station stabile politische, wirtschaftliche und militärische erste, zusammen mit einer großen Anzahl von ehemaligen sozialistischen Ländern die Revolution oder das kapitalistische Lager reformieren. Sie glauben, dass sie die menschlichen Leuchtturm sind, dass ihr Land der weltweit führendes ist, und akzeptieren Sie das Top-Bildung des Landes sie in führenden, die Natur ist die Elite der Elite.

Und was sie von der Idee der Bildung erhalten, ist es? Es ist „Wir sind die stärkste, der Rest der häufigen Kriege, wirtschaftliche Rückständigkeit, so haben wir den Schwachen helfen, menschliche Einheit zu verwirklichen.“ In dieser Ausbildung ist diese Eliten verantwortlich für die menschliche Gesellschaft beispiellos. Sie haben die „Depository echte denkbar Manieren“ Standard erreicht, weil sie essen Sorge, trinken, Grundbedürfnisse des Lebens, sie sind also erbärmlich zu sehen, die Hilfe brauchen, weshalb viele westliche Eliten bereit sind, wegen der Flüchtlinge zu akzeptieren.

Anderer Leser sagen recht deutlich, dass sie nicht die weiße Naivität, sondern die Heuchelei und die Arroganz stören. Sie rehen dann auch auf Foucault, Horkheimer, die Frankfurter Schule ein.

Die Texte sind lang und wegen der Übersetzung etwas mühsam zu lesen, aber gut.

Zeigt sehr gut, was von dieser „Gleichheits- und Gerechtigkeitsideologie“ zu halten ist.

Ich habe es ja schon so oft gesagt: In der Informatik lernt man (Bandbreitenmanagement), warum es so etwas wie „positive Diskriminierung“ nicht gibt. Jede Bevorzugung geht immer zu Lasten anderer.

Gerade weil Linke immer so auf den „weißen Mann“ schimpfen, sollte man sie nicht vergessen lassen, dass in China „weißer Linker“ das Schimpfwort für weltfremde, ungerechte, diskriminierende Spinner ist.