Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Body-Shaming der Globalisierungsabgehängtinnen?

Hadmut
14.5.2017 15:29

Mir kommt gerade noch ein Gedanke zu diesem Body-Shaming-Gejammer.

Ich weiß, ich bin auch keine Schönheit und bin und war auf dem Heiratsmarkt ein Ladenhüter. Aber: Es interessiert mich nicht. Ich definiere mich nicht über mein Aussehen, sondern über meinen Intellekt, meine Meinung, meine Ausdrucksweise. (Manchmal fragen Leute, warum ich kein Bild von mir auf Blog oder Twitter-Account habe. Weil ich es für irrelevant halte.) Mich interessiert mein Blick aus meinem Kopf heraus, nicht von außen auf meinen Kopf.

Nun ist das aber auch schon in diesem Genderismus aufgefallen, dass die überzogen körperzentrisch denken. Der feministische Vorwurf gegen die Wissenschaft ist ja nicht (oder nur formal), dass die da „männlich“ denken, sondern – wenn man die Schriften mal tiefer liest – dass die ihren eigenen Körper draußen vor dem Labor an den Kleiderhaken hängen und dann quasi körperlos, völlig abstrahiert vom eigenen Ich und Körper, geschlechtslos, neutral, objektiviert ins Labor gehen. Frauen könnten das nicht, deshalb wäre es diskriminieren und ausgrenzend.

Da ist vielleicht doch mehr dran, als man dem Genderismus in seiner Omniidiotie zutrauen würde, nur anders, als der das meint. Kann das sein, dass Frauen – wie auch immer, vermutlich evolutionsbiologisch – das einfach im „Programm“ drin haben, unter einem ständigen Körperoptimierungsdruck zu agieren und zu leiden?

Dass die sich deshalb kulturübergreifend schminken, bemalen, mit Schmuck behängen und all so ein Kram? Dass kleine Mädchen deshalb so begeistert davon sind, mit Schminke, Barbie-Puppen und Muttis Pumps zu spielen?

Männer haben sowas nicht. Ich käme nie auf die Idee, mir morgens Farbe ins Gesicht zu malen oder irgendwelchen Schmuck umzuhängen. (Naja, gut, Krawatte ist sowas, trage ich aber auch seit Jahren nicht mehr.) Und hat es was zu bedeuten, dass das bei Homosexuellen weit häufiger der Fall ist als bei Heterosexuellen? Dass – das Thema hatten wir ja schon öfter – bei denen epigenetisch das Verhaltensprogramm von den anderen aktiviert wurde?

Kann das sein, dass der ganze Body-Krampf nicht von außen, sondern von innen kommt?

Dann wäre das Problem nämlich ein ähnliches wie das der Zeitung.

Früher lebte man lokal, im Dorf, in der kleinen Herde. Da war man nicht nur mit dem Lesen auf das beschränkt, was es im Dorf zu kaufen gab, sondern auch beim Heiraten auf das beschränkt, was beim Mai-Fest auf dem Dorfplatz zur Auswahl stand. Und dann war’s halt die Resi oder die Zensi, egal, wie die aussah, aber sie war halt ne gute Bäuerin, gesund, kräftig und hatte Mitgift.

Dann kam die familiäre Revolution mit Küchengeräten, Waschpulver und Fertiggerichten, und das Kompetenzfeld „Frau – Küche – Familie“ ist weggefallen, leider ziemlich ersatzlos.

Damit wird das Kompetenzfeld Attraktivität ziemlich aufgeblasen.

Dazu kommt jetzt noch die Bild- und Videotechnologie.

Vor 200 Jahren gab es außer ein paar Gemälden keine Möglichkeit, Frauen aus der Entfernung nackt zu sehen.

Vor 150 Jahren ging’s dann rund, die Fotografie und die Pornografie waren erfunden und die Sammlungen strotzen heute noch vor all den sagenhaften kleinen schwarzweißen Schweinereien aus der Frühzeit der Fotografie. Plötzlich konnte man nackte Weiber massenweise gucken, vergleichen, bewerten. Seither ein Riesen-Geschäftsfeld, wenn nicht das größte.

Dann kamen Playboy und Penthouse, das Fernsehen, die sexuelle Revolution, Brüste auf den Titelseiten, und das ganze dann International. Virtualisiert. Reproduzierbar.

Man sucht die Beste und Schönste nicht mehr unter den 20 verfügbaren Dorfschönheiten, sondern weltweit aus vielleicht einer halben Milliarde Frauen im beschauoptimalen Alter.

Die körperliche Funktion und Attraktivität spielen in der Weiblichkeit die zentrale Rolle, und beide werden – wie die Presse – mit der Globalisierung nicht fertig. Und vieles, wie die Verschleierung, hat auch damit zu tun, sich Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Als es noch keine sexuelle Freizügigkeit gab, sondern die Sittenstrenge der Ehe, gab es beim ausgeglichenen Geschlechterverhältnis kaum übriggebliebene, da hat jede einen abgekriegt.

Ich will’s mal so sagen: Wenn ich mal so zurückdenke, dann waren von allen Frauen, die ich persönlich (und nicht in irgendwelchen Magazinen, obwohl ich da zum gleichen Ergebnis komme) und damit nicht gephotoshoppt gesehen habe, und denen ich auf der Skala von 1 bis 10 mindestens die 12 geben würde, 80% außereuropäisch, meist afrikanisch, arabisch, asiatisch, indisch, indianisch, aber nur wenige aus dem europäischen Raum.

Wir haben hier eine Globalisierungs-Konkurrenz.

Schaut Euch die Akt-Bilder von vor 1900 an. Die waren alle prall und rund, Schlanke sind da sehr selten.

Schaut Euch das Schönheitsideal der 20er und 30er Jahre an. Da gab’s die ersten Schlanken, aber die Frau als solche noch immer robust. Selbst die vielgeschmähten Nazis richteten ihre Schönheitsideal noch an der Vorstellung aus, dass die Frau gebärfähig ist und alles dran ist, was dazugehört, sprich gebärfreudiges Becken und funktionsstarke Brüste. Hört sich albern an, läuft aber auf das Vollweib hinaus. Das, das das Dirndl füllt.

Erst mit den 60er Jahren und Twiggy kam plötzlich so dieses spindeldürre Ideal auf – gleichzeitig mit der übergreifenden und massenvervielfältigten Aktfotografie (die Fotografien von vor 1920 waren in der Regel Unikate oder kleine Auflagen).

Und erst da kam dann auch der Wettbewerb in Gang.

Und das war lange vor Photoshop.

Und damit sind Frauen aufgrund ihres Sexualitätsmodells in vielerlei Hinsicht Globalisierungsabgehängte. Wer weltweit twittern und facebooken will, der kann auch dem weltweiten Vergleich nicht ausweichen.

Bedenke, worum Du bittest. Es könnte Dir gewährt werden.

Ich muss da immer an das Fotostudio denken, in dem ich als Student so meine ersten Aktfoto-Workshops mitgemacht habe. Damals hatte der nur deutsche Models. Ausnahme war mal eine holländische, nämlich die Erdbeere aus Tutti-Frutti. (Unter all den reichen Typen mit Sportwagen hatte sich die Erdbeere aus Tutti-Frutti damals entschieden, ausgerechnet mit mir in meiner gammeligen alten heruntergekommenen Studentenschleuder zum Mittagessen zu fahren. 🙂 ) Ich war ein paar Jahre später nochmal bei einem Workshop, fand aber seltsam, dass der nur noch Modelle aus Osteuropa hatte, niemanden mehr aus Deutschland. Er gab dafür betriebswirtschaftliche Gründe an. Sehen besser aus, sind professioneller, zuverlässiger, und dazu preisgünstiger, weniger Allüren und Ideologie. Inzwischen ist der Trend allgemein da. Auch was Schönheit oder Darstellung von Körpern angeht, herrschen Wettbewerb und Globalisierung.

Und dass sich da jetzt eine Menge Frauen als nicht schön, nicht konkurrenzfähig, abgehängt fühlen, ist schlicht eine Folge von sexueller Freizügigkeit, Lockerung der Sitten (Ehepflicht) und der direkten Konkurrenz. Das ist das gleiche, wie wenn hier ein Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz an irgendwen in Indien verliert, der für weniger Geld mehr arbeitet.

Und wie ich immer so gerne sage: Aktfotografie (ich hasse es, Photographie mit f zu schreiben. Bei Foto lasse ich mir das noch gefallen, aber grafie ist schrecklich, auch wenn beides eigentlich vom griechischen phi kommt – keine Ahnung, warum, aber das eine fühlt sich für mich akzeptabel an, das andere schrecklich) gehört nicht nur zu den schwierigsten Bereichen der Fotografie, sondern man lernt auch viel über „Schönheit“, Attraktivität, Wahrnehmung des Körpers.

Und das Problem an Dicken ist oft nicht, dass sie dick sind. Ich würde lügen wenn ich behauptete, dass Schlanke nicht schöner wären. Aber das betrifft eher die erotische Richtung der Aktfotografie. Das Problem ist, dass viele Dicke unförmig sind und sich nicht halten, bewegen, posieren können. Die haben überhaupt kein Körpergefühl, keine Darstellungsfähigkeit. Schlanke Frauen sind oft sportlich und haben daher Körpergefühl. Ich habe auch schon Dicke erlebt, die wahnsinnig was rübergebracht haben, und auch da hilft das Photoshop des 19. Jahrhunderts (Mieder, Korsett usw.) ziemlich viel. Aber ziemlich viele Dicke hängen dann auch da wie der Schokopudding von vorgestern.

Die sind zwar alle unglaublich körperfixiert, aber nicht mehr körperbefähigt. Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich Models schon erklären musste, wie man sich so hinstellt, dass es nach was aussieht. Kann die Generation Sofa kaum noch. Mehr als Lümmeln ist da nicht drin.

Deshalb sind die hochbezahlten Models übrigens auch nicht die, die per se am schönsten, jüngsten, schlanksten sind, sondern die, die posen können, und das, weil sie darin jahrelange Übung haben und nicht selten auch eine Tanz- oder Sportausbildung.

Dick und mangelnde Attraktivität sind zwar korreliert, aber wie so oft nicht unmittelbar kausal.

Und weil man so gerne auf Heidi Klum schimpft: Eine Schönheit ist die nach ihren x Kindern und mit ihren inzwischen um die 40 Jahren auch nicht mehr. Aber die beherrscht es, das, was sie hat, richtig darzustellen.

Schaue ich mir aber beispielsweise mal an, was in einer Berliner U-Bahn so rumsitzt, dann sehe ich da nur ganz wenige Frauen, die irgendwie darauf achten, wie sie wirken und sich darstellen. Die weit überwiegende Masse ist im Prinzip nichts anderes als das Gegenstück zur prolligen Fankurve irgendeines Zweit- oder Drittligisten. Wild und willenlos gepierct wie mit der Schrotflinte oder Schrapnell beschossen, Tätowiert mit Schmierereien, für die ich einen Kotflügel am Auto sofort austauschen
lassen würde, Frisuren wie der Wischmopp der Gebäudereinigerin nach drei durchgewischten Etagen, Benehmen wie ein Mülleimer, rauchen, stinken, doof wie Holz.

In München war das übrigens noch ganz anders, da herrscht nicht nur die Dirndl-Kultur als Maßstab. Ich gehe ja nicht in Nachtclubs und Discos, aber wenn man des Abends durch München geht und an den Warteschlangen vorbeikommt, dann sieht man schon noch verdammt viele, die sich rausputzen und attraktiv machen. In Berlin kaum. In Dresden wäre mir das auch nicht aufgefallen. Aber in Prag.

Und dann tun die so, als läge es am Schönheitsideal, dass sie keiner mehr will.

Nee. Es ist Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage. Wenn auch nur fiktiv und virtuell, denn an die hübsche schlanke attraktive Erdbeere aus dem Fernsehen kommt man ja auch nur in Ausnahmefällen, aber es bereinigt die Maßstäbe.

Es geht nicht um Body Shaming.

Es geht darum, dass die Frau aus unserem dekadenten Kulturkreis in einem globalisierten Markt nicht mehr konkurrenzfähig ist.