Ansichten eines Informatikers

App statt Lesen

Hadmut
24.3.2017 23:14

Ich lass mal wieder meiner Endzeit-Phantasie freien Lauf.

Sie haben ja den Mathe- und Bio-Unterricht feministisch demoliert, weil sie meinten, man bräuchte kein Wissen mehr, es würden „Kompetenzen“ reichen. Man muss es nicht mehr verstanden haben, sondern sich so irgendwie durchmogeln ohne zu denken, und man müsste auch nichts mehr lernen, wenn nicht gleich dazugesagt würde, wozu man es eigentlich brauchen kann.

Orthographie, Interpunktion, Grammatik sind ja auch aus der Mode, die Kinder sollen ja erst mal lesen und schreiben, wie es ihnen gerade so in den Kram passt, wie sie glauben, es zu hören. Rechtschreibung bräuchte man ja nicht mehr, es würde ja reichen, wenn der andere versteht, was man meint. Nicht Wissen müsste man sich noch aneignen, es würde generell reichen, wenn man sich irgendwie zu helfen wüsste.

Denkt man das zu Ende, müssten wir in 5 bis 10 Jahren gar nicht mehr lesen lernen.

Denn bis dahin sind die Handys so weit, dass sie mit der Rechenleistung und der eingebauten Kamera Texte vorlesen können. Wozu noch lesen lernen, wenn man das Ding einfach hinhalten kann und es einem dann vorliest?

Schreiben eigentlich genauso. Man diktiert dann, und das Ding macht dann mit Rechtschreib- und Grammatik-Korrektur irgendwas draus.

Gab’s da nicht neulich diese komische Mädchenpuppe, die die BNetzA wegen ihrer Überwachungsfunktion verboten hat? Da gab’s ja die Werbung, in der ein Mädchen die Puppe fragt, was das höchste Tier sei, und die Puppe mit „Giraffe“ antwortet. (Wer hat sich den Sprachmist „höchstes Tier“ eigentlich ausgedacht? Und wildgänse fliegen auch viel höher als Giraffen.) Läuft im Prinzip schon darauf hinaus, dass man nicht mehr lernt, sondern ein Handy mitschleppt, was einem alle Fragen beantwortet. Und praktischerweise gleich nach dem jeweils aktuellen Stand der political correctness.

Ein Leser schrieb mir in diesem Themenumfeld:

Als sich das Christentum im römischen Reich durchgesetzt hat, sind alle Bücher, die mit den heidnischen Bräuchen (oder “modernen Unsittlichkeiten” wie Homosexualität oder Nacktheit) zu tun hatten und auch die ganzen großen Bibliotheken (z.B. in Alexandria oder Rom), verschwunden. Viele Bücher wurden auch verbrannt, weil darin Magie vermutet wurde, ohne reinzuschauen (teilweise aus Angst vor Infektion oder weil der Inquisitor selbst nicht lesen konnte). Dazu zählten auch die griechischen wissenschaftlichen Werke (Aristoteles, …) – für Uneingeweihte erscheint Mathematik auch nur wie Magie.

Folgendes Bild zeigt, wieviele Bücher es in den großen Bibliotheken in jeder Zeit etwa gab: https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverluste_in_der_Sp%C3%A4tantike#/media/File:Bibsta4.jpg
Viele Werke sind nur erhalten geblieben, weil die Bücher nicht verbrannt, sondern mit irgendwelchem christlichem Mumpitz überschrieben wurden und die alten Zeichen im Röntgenbild wieder auftauchen.

Eine Konsequenz daraus war, dass die Alphabetisierungsrate massiv zurückging. In der Antike konnten teilweise selbst Sklaven auf dem Land lesen und schreiben, während nur wenige Jahrhunderte später nichtmal die Bücher-kopierenden Mönche dazu fähig waren (die haben die Zeichen regelrecht “abgemalt”).

Gehen wir da wieder hin? Vernichten von Wissen und Wissenschaft, mit dem Effekt, dass das Gesamtniveau absinkt und beides nicht nur weniger vorhanden, sondern in der Gesellschaft auch weniger wichtig und damit weniger angesehen wird?

Oh ja.

Wir stehen gerade vor einem extremen Verlust von Literatur und Lesefähigkeit. Peak Bildung haben wir hinter uns.

Und ein wesentlicher Bestandteil der Vernichtung von Literatur und Wissen sind Juristen, die gerade wegschießen, was elektronisch-volatil ist.

Demnach wird es voraussichtlich 400 bis 500 Jahre dauern, bis wir uns vom Genderismus wieder erholen. Falls dann noch etwas davon übrig ist. Denn die letzte Vernichtung war vor allem auf den europäisch-arabischen Raum beschränkt. Die aktuelle Vernichtung von Wissen umfasst den gesamten Ausbreitungsbereich des Wissens.

Man müsste eigentlich alles Wissen, was wir heute haben, auf Datenträger schreiben, und so in den Weltraum schießen, das es in 500 Jahren wieder auf die Erde kommt. Mit ganz leichter Anleitung.