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Rechtsruck oder Linksflucht?

Hadmut
20.3.2016 13:31

Analyse von Pressegeschwafel. [Update und Nachtrag: Amüsante statistische Analyse, Nachtrag2]

Ich lese ja viel Presse, und auch möglichst breit, um mir einen Überblick zu verschaffen, was aktuell an Regierungspropaganda läuft.

Dabei fällt mir immer wieder auf, das gerade ständig ein Begriff durch die Presse jagt, der „Rechtsruck”.

Ich könnte da jetzt zig, hunderte Quellen angeben, es wäre müßig. Googelt einfach mal den Begriff und staunt, wer den alles nachquatscht. Was ja nebenbei auch belegt, dass sie vermutlich zentral dirigiert werden, zumindest aber massiv voneinander abschreiben.

Selbst wenn der Begriff nicht benutzt wird, ist ständig die Rede von einer verrechtsradikalisierung Deutschlands. Immer das gleiche Denkschema.

Eigentlich ging doch gerade die Erkenntnis durch Politik und zumindest manche Talkshow, dass man damit aufhören müsse, jeden, der anders denkt oder anders meint als die linke Zwangsmeinung gleich in die rechte Ecke zu stellen. Doch kaum wählen Leute nicht mehr den political-correctness-Einheitsblock, nennt man sie sofort Rechtsruck. Alles, was nicht sofort und widerstandslos dem linken Einheitsschema folgt, ist rechts.

Sogar die Ultra-Linke Wagenknecht warnt inzwischen davor, Leute, die nicht mehr den rot-rot-grün-schwarz-Block wählen, in die rassistische Ecke zu stellen, aber wohl eher aus Kalkül, weil die Linke gerade so verzweifelt ist, dass sie versucht, Wähler der AfD für die Linke zu gewinnen.

Genauer gesagt: Zurückzugewinnen. Denn die LINKE hat massiv Wähler an die AfD verloren.

Das muss man sich mal klar machen: Viele derer, die in den Medien gerade als rechts beschimpft werden, sind bis gerade eben LINKE-Wähler gewesen.

Oder anders gesagt: Man kann gar nicht links genug sein, um von den Medien nicht als rechtsradikal beschimpft zu werden, sobald man nicht das wählt, was man zu wählen hat. Sogar Ultra-Linke werden als rechts eingestuft, sobald sie bei einer Wahl wählen.

Seltsam daran ist, dass dieselben Medien kritisieren, dass die AfD eigentlich kein Wahlprogramm hat.

Also eigentlich gar keinen Grund liefert, für AfD zu sein. Paradoxerweise halten dieselben Medien der AfD vor, inhaltslos zu sein, und ihren Wählern, sie wegen derer finsteren Ziele zu wählen.

Was eine zentrale Frage aufwirft: Warum ist die Wahl eigentlich so ausgefallen?

Warum verliert sogar die LINKE, deren Anhänger ja nun schon stramm ideologisch drauf sind, Wähler an eine Partei wie die AfD, wenn’s doch da kaum Substanz gibt?

Die Antwort kann eigentlich nur sein, dass die Leute die alten Parteien nicht mehr wählen wollten. Dass es selbst LINKEN-Anhängern unerträglich wurde, links zu wählen.

Heißt im Klartext: Wir haben keinen Rechtsruck. Wir haben eine Linksflucht. (Googelt auch mal den Begriff „Linksflucht” und zählt mal gegen „Rechtsruck”.)

Die Presse will das aber nicht darstellen, sondern bleibt bei ihrer „Die anderen sind an allem schuld”- und „Jeder Abtrünige ist ein Rechtsradikaler”-Rhetorik. Erinnert so ein bisschen an den Islamischen Staat oder Nordkorea. Die erschießen jeden Deserteur. Bei uns wird er zumindest rhetorisch-moralisch hingerichtet.

Fragen wir mal anders: Wenn’s einem in seinen Stamm-Restaurant, in dem er täglich isst, nicht mehr schmeckt, weil der Koch immer schlechter kocht, seine Gäste zunehmend beschimpft, sie als das Böse hinstellt, die Preise immer weiter anhebt und völlig Kritik-resistent ist, und er deshalb zu einem anderen, neu eröffneten Restaurant wechselt, das er noch gar nicht kennt, und von dem man noch nicht weiß, ob der Neue kochen kann und wie es schmeckt – ist das dann die Schuld des neuen Kochs oder die des alten?

Nun bin ich mal gespannt, wie Wagenknecht & Co erklären, warum die Wähler zu ihnen zurückkommen sollen. Beispielsweise der berühmte „böse weise heterosexuelle Mann”. Welchen Grund sollte der haben, weiter eine Partei zu wählen, für die er das Böse ist und alles bezahlen muss?

Erwartet man ernsthaft den Masochismus, sich unter die linke Doktrin zu stellen, wonach man Sündenbock und der Universaldumme für alles ist?

Im WELT-Artikel heißt es dazu auch:

Übereinstimmend erklärten SPD, Linke, CDU und Grüne am Samstag, sie müssten sich in Zukunft noch stärker inhaltlich mit den Rechtspopulisten auseinandersetzen. “Wichtig dabei ist, nicht nur zu sagen, dass die AfD-Ansätze falsch sind, sondern auch zu erklären, warum das so ist”, sagte der Grünen-Landesvorsitzende Clemens Rostock. Ähnlich äußerten sich Vertreter anderer Parteien.

Aha. Zwar sagen sie, dass die AfD ja gar keine Ansätze habe, aber der Wähler müsse lernen, dass diese falsch sind. Wieder mal die Ansicht, dass der Wähler AfD gewählt habe, weil er AfD wählen wollte.

Ich persönlich find es grundverkehrt, wenn sich SPD, Linke, CDU, Grüne mit dem Wahlprogramm der AfD befassen und erklären (wollen), warum das falsch ist. Und warum man nicht AfD wählen soll. Das ist die Logik, dass man AfD nicht wählen dürfe, und deshalb den großen Block allein schon deshalb wählen müsse, weil ja sonst nichts da ist. (Alte CDU-Merkel-Logik: Rechts von der CDU gibt es nichts wählbares, also muss man einfach CDU wählen, weil sonst nichts übrig bleibt.)

Ich würde es für wichtiger halten, dasss SPD, Linke, CDU, Grüne endlich mal ihre eigenen Wahlprogramme betrachten udn erklären, warum diese richtig sein, und warum man sie überhaupt wählen sollte. Denn das ist für mich wichtig. Der zentrale Punkt ist nämlich, SPD, Linke, CDU, Grüne nicht mehr zu wählen. Und der angebliche „Rechtsruck” ist nichts anderes als das Prinzip, auf dem sie bisher geritten sind: Es ist ja sonst nichts da. (FDP war mal da, wurde aber wegge-#aufschreit. Piraten waren mal da, wurden aber weggegendert.) Und jetzt ist das deutsche Demokratieprinzip „Außer uns gibt’s ja nichts…” nach hinten losgegangen.

Warum?

Weil die Parteien in ihrem Oligopol-Kartell komplett verlernt haben, Wettbewerb, Wahlkampf, Begründung zu treiben. Jahrzehntelang waren sie alternativlos, weil man die Alternativen umlegen konnte. Hat man die Wähler als Kunden vergrätzt, verleumdet, beschimpft, belastet. Und plötzlich war das Oligopol keines mehr.

Wir haben eine Linksflucht.

Und die Propaganda-Presse will uns einhämmern, es sei ein Rechtsruck.

Update: Ein Leser meint, man muss „Rechtsruck” und „Linksflucht” nicht googeln, dafür gibt es Googlefight, der die Häufigkeit zweier Begriffe gegenüberstellt. Linksflucht kommt einmal vor. (Nämlich bei mir.)

Nachtrag: Ein Leser macht mich dazu auf diese Untersuchung aufmerksam, wer in Freiburg wie gewählt hat.

34 Prozent der AfD-Wähler haben einen Migrationshintergrund

So haben 34 Prozent der AfD-Wähler einen Migrationshintergrund – der höchste Wert im Vergleich zu den anderen Parteien.

Oh ja, ganz eindeutig rechtsradikal und ausländerfeindlich…

Zudem wählen vor allem Männer überwiegend mittleren Alters die rechtspopulistische Partei; 63 Prozent der AfD-Wähler sind ganztags berufstätig, ebenfalls der höchste Wert – dabei spielt wohl der “Männereffekt” eine Rolle, wie Werner sagt.

Tja, denen war dann wohl die extrem männerfeindliche Politik von rot-grün-schwarz zu blöd. Keine Lust mehr, für alles den Zahl- und Sündenbock zu spielen.

Die Bildungsabschlüsse sind im Vergleich die niedrigsten. Vor allem ehemalige CDU-Anhänger (24 Prozent) sowie SPD-Anhänger (14 Prozent) wählten die AfD. Sie hat den geringsten Anteil von über 60-Jährigen.

Geringster Anteil von über 60-Jährigen?

Hieß es nicht immer Stammtisch, Altnazi, Rentner-Töbern?

Als wahlentscheidende Themen gaben die Befragten an erster Stelle “Flüchtlinge” an, “Soziale Gerechtigkeit” steht an zweiter Stelle.

Hehehe.

Tun SPD, Linke, Grüne, CDU nicht immer so, als hätten sie jeweils das Monopol auf „soziale Gerechtigkeit”? Scheint, als sähen deren Wähler das anders.

Noch ein Nachtrag: Dieser Blog-Artikel in der FAZ geht in eine ähnliche Richtung.