Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Haben BND und NSA die Kryptoforschung manipuliert? (Update!)

Hadmut
7.7.2013 13:35

Die nächste Runde ist fällig. (Nachtrag)

Journalistisch ist das schon professionell, wie sie das machen. Nicht alles auf einmal, sondern über einen langen Zeitraum alle 2-3 Tage eine neue Einzelheit. Das hält das Thema nicht nur am Kochen und im Bewusstsein der Öffentlichkeit, sondern hebt auch jede Einzelheit stärker hervor. So macht man das heute. Alles auf einen Schlag hätte viel weniger Wirkung gehabt.

Heute ist die Meldung dran, dass BND und NSA viel stärker unter einer Decke stecken, als bislang gedacht. Ausgangspunkt der Medienwelle war wohl DER SPIEGEL.

Das ist nicht wirklich überraschend, aber die Details sind doch aufschlussreich. Auf irgendeiner Webseite (die ich jetzt auf Anhieb nicht mehr gefunden habe) stand heute dazu auch, dass die Kooperation auf Verträge aus den 50er und 60er Jahren zurückgeht, und dass man da extra vorgesorgt und Verfahren eingebaut hat, damit die Regierungen kooperierender Länder im Falle der Aufdeckung so tun können, als hätten sie von nichts gewusst. Das ist wohl Absicht und geplant, dass unsere Bundesregierung gerade wie blöde dasteht. Doof stellen war schon immer eine der besseren Taktiken.

Wenn das aber tatsächlich auf so alte Verträge zurückgeht (was plausibel ist, weil es da ja um das Nachkriegsdeutschland ging, das gegen die Besatzungsmacht nicht aufmucken konnten, im Kalten Krieg und mit der Situation Berlins – man denke an die Luftbrücke und die Mauer – den Schutz der Allierten Westmächte brauchte und sich gegen DDR-Spione wehren musste, die es zahlreich gab, ich kann mich noch daran erinnern, als Kind im Radio immer die verschlüsselten Botschaften mitgehört zu haben), dann heißt das aber nunmehr nachvollziehbar und belegt, dass die deutsche Diskussion um das Kryptoverbot Ende der 90er Jahre, die offiziell vom Bundestag geführt wurde, in der aber der BND mitmischte, auf die Amerikaner zurückging, denn von dort ging sie aus und fand zeitlich etwas früher als bei uns statt. Außerdem wurde sie bei uns eher lustlos geführt, nicht wie aus eigenem Antrieb.

Was bisher schon vermutet wurde, aber von vielen als „Verschwörungstheorie” abgetan wurde, war eben, dass die NSA hier in Deutschland die Fäden zieht. Wenn das da jetzt aber zunehmend ans Licht kommt, wird das immer plastischer und plausibler. Mal sehen, was da noch alles kommt.

Bei mir verdichtet sich zunehmend der bisher schon starke Eindruck, dass Beths damaliges Verhalten als mein »Doktorvater« nicht allein auf Korruption, Geldgier und Geltungssucht zurückging. Den Kontakte in die Politik und zum BND hatte er ja, wie schon ausgeführt. Es liegt immer deutlicher auf der Hand, dass BND und NSA dabei dann auch Kryptoforschung manipuliert haben, die ihnen nicht in den Kram gepasst hat.

Bitte an die Leser: Wenn Ihr irgendwo Informationen aufschnappt, die dazu passen (oder dagegen sprechen), bitte Hinweis an mich. Danke!

Nachtrag: Ich hatte ja schon mehrfach darüber berichtet, dass Beth damals als Sachverständiger in dieser Bundestagsanhörung umgeschwenkt ist.

Beth war zwar als Sachverständiger da eingeladen, wusste aber ursprünglich selbst nicht, was er da sagen sollte, weshalb wir als Mitarbeiter (vornehmlich ich, weil ich mich damals mit dem Thema beschäftigt hatte) ihm vorher erklärten, was er zu sagen hatte, und wir ihm Inhalte für seine schriftliche Stellungnahmen lieferten. Mein Standpunkt war, dass ein Kryptoverbot schon aus kryptographischen und informationstheoretischen Gründen nicht durchsetzbar sein kann. Vereinfacht gesagt werden auf Datenleitungen nur Nullen und Einsen übertragen, aber man kann einer Null oder einer Eins nicht ansehen, ob sie eine Klartext- oder eine Chiffre-Null oder Eins ist. Kryptographie zu verbieten läuft darauf hinaus, Kommunikation ganz zu verbieten. Beth hatte das zunächst zwar nicht in jeder Hinsicht verstanden (vor allem war er nie im Digitalzeitalter angekommen, sondern hing immer noch an Analogverschlüsselungen und Sprachscramblern, weshalb ihm solche informationstheoretischen Argumente eh nie so ganz eingeleuchtet haben), aber mangels eigener Standpunkte und Ideen zunächst einfach mal so geglaubt und übernommen.

In der Bundestagsanhörung waren dann eigentlich alle Experten gegen ein Kryptoverbot, konnten es aber nicht überzeugend begründen. Die einen meinten, man könne ja immer auf Steganographie ausweichen und das in Bildchen verstecken (der Spruch war damals groß in Mode, sagte aber eigentlich gar nichts aus), die anderen lamentierten lobbymäßig, dass man die deutsche Wirtschaft nicht schwächen dürfte usw.

Und an diesem Morgen schwenkte Beth plötzlich um. Der ging morgens als Kryptoverbotsgegner rein und kam als Befürworter wieder raus. Stellte sich dort hin und behauptete, er würde das absolut sichere Key-Escrow liefern, wenn man ihm nur genug Geld böte.

Nach meiner damaligen Beobachtung und bisherigen Vermutung hatte das keine inhaltlichen Gründe, sondern er hatte einfach erkannt, dass alle anderen ein und derselben Meinung waren, und er wollte aus Prinzip und um sich hervorzutun anderer Meinung sein (das war eben typisch Beth), und sich die Forschungsgelder dort abholen, indem er als einziger potentieller „Lieferant” auftrat. Später gab es dann Krach, weil ich ihm hinterher sagte, dass ich beweisen kann, dass das nicht möglich ist, was er dort verkaufte. Daraufhin gab er die Anweisung, dass ich darüber ein Kapitel in die Diss schreiben sollte (was bei Beth auf Deutsch hieß, dass er Mitarbeiterwissen schriftlich für sich haben wollte, und was ursprünglich auch nicht geplant war), dann bekam er von mir mehrere Korrekturexemplare, dann hatte er nachweislich Kontakt zum BND, dem er auch mein Bundestagsgutachten geschickt hatte, und dann wurde ich abgesägt.

Ich war an dem Morgen der Bundestagsanhörung aber nicht ständig mit Beth zusammen. Wir sind getrennt angereist, er war schon am Vorabend dort, während ich erst am Morgen der Anhörung nach Bonn gefahren bin. Und auch dort hat sich vor der Anhörung jeder etwa einer Stunde vor Beginn der Anhörung jeder selbst mit irgendwelchen anderen Leuten über irgendwas unterhalten.

Je mehr ich über die damaligen Vorgänge nachdenke, desto naheliegneder erscheint es mir, dass Beth (doof wie er war) nicht einmal selbst auf den plötzlichen Richtungswechsel gekommen war (obwohl er ja notorisch unberechenbar war und ständig die Richtung wechselte, das passte schon zu ihm), sondern es da morgens oder am Abend vorher irgendwelche »Gespräche« gegeben hatte. Denn dem Bundestag lagen die schriftlichen Stellungnahmen ja schon vorab vor, die wussten ja, dass ihnen da nur Ablehner gegenüber stehen würden.

Hat man Beth da vorher umgenordet? Hat man ihn dazu überredet, sich für ein Kryptoverbot einzusetzen oder – was ich mir sogar vorstellen könnte – nur so zu tun als ob, damit wenigstens die politisch-diplomatische Kosmetik stimmt, und man gegenüber den Amerikanern angeben konnte, dass sich etwas in die Richtung tat?

Beth hätte da sofort mitgemacht, denn er war extrem geltungssüchtig und kroch stets irgendwelchen Celebrities in den Allerwertesten. Der hätte alles getan, um beim Geheimdienst irgendeine Bedeutung zu haben und dann damit (oder einer Geheimhaltung) andeutungsweise kokettieren zu können. Und für Geld sowieso. Und Verbindungen hatte der ja.

Es wäre sehr plausibel und würde sein bisher unverständliches Verhalten voll erklären. Beispielsweise, dass er technische Aussagen, die ich ihm für seine Ausarbeitung geliefert hatte, und die er dazu selbst von mir abgeschrieben und dem Bundestag als schriftliche Stellungnahme vorgelegt hatte, kurze Zeit später als Dissertationsprüfer als falsch ablehnte. Irgendeine Sauerei muss da ja gelaufen sein.

14 Kommentare (RSS-Feed)

Flash
7.7.2013 13:56
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Tja, das ist die Crux bei der Geschichtsschreibung ganz allgemein: es gibt zwar später eine gewisse Menge an Daten und Fakten, die zugänglich sind, aber u.U. fehlen halt genau DIE wichtigsten Punkte, die für eine Entwicklung ausschlaggebend waren.

Man kann daher niemals sinnvoll und seriös mit jahre-/jahrzehntelangem Abstand die politischen und sonstigen Entscheidungen der damals Handelnden bewerten und entschlüsseln.

Niemand wird je erfahren, ob deine Mutmaßungen hier ins Schwarze treffen oder ob es ganz andere Gründe waren, die Beth haben umschwenken lassen.

Wer in 50 Jahren meine Tagebücher analysiert, wird sich evtl. wundern, wieso meine Handschrift plötzlich krakelig und unsauber aussieht. Wissenschaftler können da 1000 Dinge hineinpsychologisieren. Den einfachen Grund, daß ich nämlich das Karpaltunnelsyndrom habe, werden sie nie mitkriegen, wenn ich es nicht dezidiert aufschreibe.

das wäre nur ein ganz simples Beispiel.

Die tiefen, wahren und ursächlichen Gründe für das Verhalten von Menschen sind für die Geschichtsschreibung nicht erreichbar, noch nicht mal für den persönlichen Bekanntenkreis dieses Menschen.


Flash
7.7.2013 13:59
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Übrigens, weil es gerade wieder um Herrn Prof. Beth geht:

Die Frage, warum wir in Deutschland bei den Entwicklungen des Internets oder bei Software so absolut blaß aussehen, hast du doch schon selbst in deinem Buch “Adele” beantwortet. da ist doch detailliert beschrieben, mit welch kleinkariert-borniertem Denken Beth und Zorn deine und die Forschungen anderer Leute verschöleudert, nicht verstanden, blockiert und flasch gesteuert haben. geschweige denn, daß sie jemals das Potential eines Forschungsergebnisses gesehen hätten.

Dazu brauchts eben einen Gates, Bezos, Brin, Page, oder einen Steve Jobs, die waren nicht zu blöd, um aus einer guten, wenn auch neuartigen Idee auch kommerziell was rauszuholen.

Stattdessen haben wir verbeamtete Profs a la Gesche Joost mit ihren Puschel-Handys. WOW.


Michael
7.7.2013 19:34
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Hadmut
7.7.2013 19:44
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Nein, aber der ist auch gut. Danke!


Ingo
7.7.2013 19:51
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Gates? Glaubst Du wirklich, der hat das alleine geschafft?

Der wurde von ebenso dubiosen Kreisen unterstützt, die ein Interesse daran hatten, daß sich Windows so schnell wie möglich durchsetzt.
Weil es sich als perfektes Überwachungstool eignet!


Andreas
7.7.2013 21:18
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Wegen dieser Verträge bzw. Sonderrechte: das erste Mal hatte ich das hier gelesen:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/geheimdienst-affaere-amerika-darf-deutsche-abhoeren-12273496.html


Pjüsel
7.7.2013 22:53
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Dann wars wohl dieser Artikel bei Telepolis:
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39408/1.html


Hadmut
7.7.2013 23:06
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Oh ja, der TP-Artikel wars. Super, Danke! 😀


Joe
8.7.2013 7:02
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Die Frage, warum wir in Deutschland bei den Entwicklungen des Internets oder bei Software so absolut blaß aussehen, hast du doch schon selbst in deinem Buch “Adele” beantwortet. da ist doch detailliert beschrieben, mit welch kleinkariert-borniertem Denken Beth und Zorn deine und die Forschungen anderer Leute verschöleudert, nicht verstanden, blockiert und flasch gesteuert haben. geschweige denn, daß sie jemals das Potential eines Forschungsergebnisses gesehen hätten.

Aber immerhin ist es doch beruhigend zu wissen, daß die nächsten Faschisten aus Zentraleuropa an völliger Unfähigkeit scheitern werden. Insofern kann der Totalverblödungsplan der Siegermächte (“nie wieder!”) als erfolgreich umgesetzt betrachtet werden. 😉


Also Lügner und Hochverräter. Wer hat das immer behauptet? Da wäre jetzt Abbitte angeraten! Nicht, daß mich das wirklich überrascht.

Carsten

“Der Prüfer wurde zum Komplizen.”
Professor Wilhelm Hankel


Jürgen
8.7.2013 19:34
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@Ingo:

Daß ein Kryptographieverbot nicht durchsetzbar ist, war schon damals bekannt. Also brauchte man Überwachung an der Quelle.

Wer noch den alten Amiga kennt, weiß, daß 256K für ein einigermaßes ordentliches Betriebsystem mit graphischer Oberfläche völlig ausreichen.
Damals wurden Betriebssysteme gleich im ROM mitgeliefert, und waren nur schwer zu manipulieren.

Mit Windows schuf man ein künstlich aufgeblähtes System, das leicht zu manipulieren und so unübersichtlich ist, daß Manipulationen kaum noch zu erkennen sind.


O.
9.7.2013 13:22
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“Später gab es dann Krach, weil ich ihm hinterher sagte, dass ich beweisen kann, dass das nicht möglich ist, was er dort verkaufte.”

Kann man Deine Argumente irgdnwo nachlesen?
Ist Deine Arbeit, auch wenn nicht angenommen, eigentlich irgendwo verfügbar? Oder hat die Uni7der Prof. sich daran die Rechte gesichert und hält es unter Verschluß?


Hadmut
9.7.2013 18:34
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@O.:

> Kann man Deine Argumente irgdnwo nachlesen?
> Ist Deine Arbeit, auch wenn nicht angenommen, eigentlich irgendwo verfügbar?

Schon seit ca. 11 Jahren auf diesen Webseiten:

http://www.danisch.de/dok/Dissertation.pdf

das letzte Kapitel darin.


O.
12.7.2013 13:44
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@Hadmut, aha, danke.
Manchmal habe ich Tomaten auf den Augen. 😉

(Vielleicht ist das ja gut für die Schönheit, als Ersatz für die Gurkenmaske ;-))