Ein Brillenfön, ein Billighammer und ein Personalmangel
Langer Tag heute.
Nachdem ich die letzte Zeit zuviel am Schreibtisch saß und heute noch ein Termin die Hausflucht gebot, war ich heute mal wieder unterwegs, von sieben Uhr morgens bis gerade eben. Das machen die alten Knochen auch nicht mehr so mit, aber dafür habe ich mir heute unter freiem Himmel und an frischer Luft unterwegs einfach ein Mittagsschläfchen gegönnt. Es schläft sich gut zwischen Bäumen.
Heute habe ich – soweit ich mich erinnern kann, von den Optikerausstattungen zum Bügelbiegen mal abgesehen – zum ersten Mal in meinem Leben einen Brillenfön gesehen und benutzt. Aus physikalischen Gründen, versteht sich.
Ortskundigen Berlinern mit Blick für Details habe ich damit mehr als genug Hinweise gegeben, wo ich heute war und was ich heute getan habe. Metergenau.
Für alle anderen möchte ich auf die Diskussion um den verbogenen Klauenhammer von neulich zurückkommen. Arge Schelte hatte ich mir anhören müssen, wie ich es nur wagen konnte, einen billigen Hammer zu kaufen, der nur 25 Jahre gehalten hat und nicht einen Profihammer, der ein Berufsleben hält und an die Kinder vererbt wird. Das sind dann die Leute, die ihren Kindern im Testament mitteilen, wo der Hammer hängt. Reumütig über mein Versagen, der Peinlichkeit gewahr, hatte mich sogleich einen Markenhammer käuflich erworben, der zwar sehr schön aussah, und auf Fotos mehr her macht, aber dessen Schlagfläche schon nach den ersten Schlägen auf die Reste meines damals dahingegangenen Sofas deutliche Gebrauchsspuren zeigte. Also, wenn der ein Profiarbeitsleben halten soll, wäre der bis dahin einmal von vorne bis hinten komplett durch und nichts mehr übrig.
Ich war heute auf der Hinfahrt bei LIDL, und ich schwöre, ohne Hintergedanken, nur um Getränke, Scheibenreiniger für das Auto und was zum Frückstücken unterwegs zu kaufen. Doch da: Klauenhammer im Sonderangebot. Ich gestehe: Obwohl ich ja nun mit einem neuen Hammer ausgestattet bin (fast hätte ich geschrieben „gut behämmert“, aber das ist dann doch was anderes), konnte ich mich nicht zusammenreißen und habe einen weiteren Klauenhammer für einen Preis erworben, der mir Verachtung und Shitstorm garantiert: 2,99 Euro. Kein ernstzunehmender Handwerker würde sich der akuten Lebensgefahr aussetzen, einen 3-Euro-Hammer von Lidl auch nur anzuschauen. Die Gefahr im Billighammer liege darin, wurde mir versichert, dass er beim Aufschlag splittern könne wie Glas und die Splitter eine arge Schrapnell-Wirkung entfalteten, der Hammer förmlich explodiert. Niemals sollte man mit einem Billighammer auf Stein hauen, kein ausgebildeter Handwerker würde dies jemals tun.
Deshalb wage ich nun die Ankündigung, dass ich in voraussichtlich 25 Jahren – falls ich es bis dahin schaffe, was ich nicht glaube, und es bis dahin noch Blogs gibt, was ich auch nicht glaube – darüber schreiben werde, welcher der beiden Hämmer sich besser gehalten hat. Falls bis dahin noch irgendwer weiß, was ein Hammer ist, was ich nicht glaube.
Es soll ja Leute geben, die ihr 1000-Euro-iPhone ruinierten, weil Witzbolde ihnen einredeten, dass man mit einem iPhone auch Nägel einschlagen kann, weil es eine Hammer-App gebe.
Ich will aber auch ein Erlebnis von der Rückfahrt hinaus.
Wie gestern abend erwähnt, hatten mir fiese Killerpfirsiche zwei Regalbretter beschädigt. Gut, beim Reinigen des Regalkörpers habe ich gemerkt, dass eines der Bretter vielleicht doch noch zu retten gewesen wäre, und das zweite hätte man auch mit Beschädigung weiterverwenden können, wenn man das alles gründlich reinigt, aber beim Eintreten dieser Erkenntnis waren sie schon im Müllcontainer, um den Stink loszuwerden, und da wollte ich sie nicht wieder rausholen. Also war ich heute abend noch bei IKEA, um einfach zwei Ersatzbretter zu kaufen (die qualitativ schlechter sind als die damals gekauften, weil die damaligen an allen 6 Quader-Seiten laminitiert waren (auch Seiten und hinten), die aktuell verkauften nur an drei Seiten (oben unten vorne).
Um 19:30 und um 19:45 kamen drängelnde Durchsagen, dass man in 30 bzw. 15 Minuten schließen werde, und der Kunde sich doch nun bitte zur Kasse begebe, damit man schließen könne (Unterton: Schaff’ Deinen Arsch zur Kasse, wir wollen Feierabend machen!)
Also zur Kasse.
Auch IKEA hat ja praktisch alle normalen Kassen abgeschafft und entfernt und das alles durch große Flächen von Selbstbedienungskassen ersetzt. Aber nur die Hälfte von denen war offen, davor zwei lange Schlangen.
Zuerst dachte ich, das könnte man doch umgehen, denn IKEA hat etwas, was eigentlich eine pfiffige Idee ist: „Shop & Go“.
Wie funktioniert das?
Man ruft im Laden auf dem Handy die IKEA-App auf und scannt mit der und der Handy-Kamera die Barcodes aller Waren, die man kaufen will. Die App hat dadurch eine Liste und lädt die an IKEA hoch, und bekommt dafür eine Nummer, die per QR auf dem Bildschirm erscheint. In einem eigenen Kassenbereich, an dem normale Selbstbedienungskassen stehen, aber nur Leute mit Shop & Go-QR-Code dürfen, hält man einfach das Handy mit dem QR-Code an die Kasse und kommt sofort zum zahlen. Es geht also in Sekunden und man muss den Wagen nicht mehr ausladen. Man kann also viel mehr Leute pro Kasse und Zeit durchschleusen, es gibt praktisch keine Wartezeiten.
Aber die Shop & Go-Kassen waren geschlossen.
Also die normale Kassenschlange.
Vor mir eine Frau mit Töchtern, die höllenstinksauer war. Sie hatte sich schon mal angestellt, die Töchter meinten dann aber, man käme doch mit Shop & Go schneller durch, weshalb sie dorthin ging, feststellte, dass geschlossen war, und dann aber ihren Platz in der Schlange verloren hatte und sich nochmal neu anstellen musste.
Als ich dann dran war, hörte ich, wie mehrere verärgerte Leute die Aufsicht – auch bei Selbstbedienungskassen muss ja immer jemand als Aufsicht dabei sein um aufzupassen, dass die Leute nicht einfach ohne zu zahlen durchgehen, oder bei Problemen zu helfen – richtig sauer löcherten, warum man denn nicht mehr Kassen aufmache. Es sei doch eine Unverschämtheit, die Leute erst per Durchsage zur Kasse zu drängen, damit man pünktlich Feierabend machen könne, und das dann selbst zu vereiteln, indem man nur die Hälfte der Selbstbedienungskassen öffnet, und insbesondere die Shop & Go-Kassen nicht, weil die ja noch einen viel höheren Durchsatz haben, pro Kasse und Zeit weit mehr Kunden durchkommen, weil die Waren nicht mehr scannen und nur noch das Handy hinhalten muss.
Antwort: Wir haben nicht genug Personal.
Sie können die Shop & Go-Kassen nicht öffnen, weil ja auch da jemand stehen und aufpassen muss.
Und für mich stellt sich die Frage: Warum haben sie nicht genug Personal?
- Spart IKEA an den Personalkosten? Fehlt es einfach am Geld, abends noch jemanden an die Shop & Go-Kasse zu stellen?
- Oder ist es der „Fachkräftemangel“? Könnten sie, weil sie ja wollen, aber sie finden niemanden, der bei IKEA arbeiten will?
Das ging mir dann auf der Heimfahrt durch den Kopf. Dieses Land hat Millionen von Arbeitslosen und Migranten, die nicht arbeiten. Die Sozialkosten erdrücken den Staat. Und trotzdem kann IKEA nicht alle Kassen öffnen, weil sie „nicht genug Personal“ haben, obwohl es schon nur noch um Selbstbedienungskassen geht, bei denen nur noch ein Mitarbeiter für – habe nicht gezählt – 10, 12 oder 14 Kassen erforderlich ist, und nicht mehr wie früher an jeder Kasse einen.
Was würden die machen, wenn es keine Selbstbedienungskassen gäbe und die wie früher an jeder Kasse jemanden sitzen haben müssten? Wären die dann dicht?
Nächstes Erlebnis. Ich gucke aufs Handy. Ich hatte was bei Amazon bestellt, Kleinteil, passt in ein Kuvert. Amazon hat es in meiner Abwesenheit in meinen Briefkasten geworfen, weil es da rein passte. Gut. Was mich daran aber frappiert: Die Mitteilung an mich, dass man die Sendung in meinen Briefkasten zugestellt hat, enthält zum „Beweis“ ein Foto meines Briefkastenschlitzes mit Namensschild. Nachdem ich schon einige Male Ware nur gegen die Preisgabe eines Codes bekommen habe, den die Boten zuerst in ihr Gerät eingeben müssen, bevor sie die Ware übergeben dürfen, damit sie sie nicht klauen und sagen können, sie hätten sie übergeben oder abgestellt.
Wird Amazon jetzt von den eigenen Fahrern so sehr bestohlen, dass sie solche Tricks anwenden müssen?