Ansichten eines Informatikers

Was stinkt da eigentlich so komisch in der Küche?

Hadmut
1.9.2026 23:27

Nachtrag zu meinen Konserven-Experimenten.

Ich hatte ja vor einiger Zeit einige Artikel darüber, dass ich Lebensmittel getestet habe, die ich damals in der Corona-Krise als Krisenvorrat gekauft, aber nie verbraucht hatte und deshalb Sachen hatte, die so ein, zwei, drei, vier Jahre über das Haltbarkeitsdatum raus waren.

Die Zusammenfassung meiner damaligen Blogartikel:

Überwiegend wirken die Sachen nicht verdorben, noch verzehrfähig (in der Not …), aber verändert. Ich hatte zum Beispiel ganz viele Dosensuppen und -eintöpfe gekauft, weil man die notfalls auch auf dem Camping-Kocher warm machen kann – und hatte ganz bewusst (Ingenieur eben) aus verschiedenen Quellen, Supermärkten, von verschiedenen Marken gekauft – was möglicherweise ein Trugschluss ist, weil mitunter dieselben Fabriken verschiedene Supermarktketten beliefern und einfach nur verschiedene Etiketten draufpappen. Eine wichtige Erkenntnis daraus war: Das Zeug hält zwar, aber es schmeckt alles gleich und nach Konservendose. Das hält man so keine drei Tage hinterheinander aus. Wer also solche Konservendosen bevorratet, um im Notfall – wie man es ja soll – mal eine, oder wie ich es damals geplant hatte, bis zu vier Wochen, davon zu leben, weil es ja damals sein konnte, dass man unter Quarantäne gestellt wird und die Wohnung nicht verlassen darf oder der Supermarkt um die Ecke dicht gemacht wird, muss man unbedingt darauf achten, dass man geschmackliche Ergänzungsmittel hat: Salz, Pfeffer, ein ordentliches Sortiment an Gewürzen aller Art. Wer Konserven hortet, braucht auch etwas, was er dann beim Aufwärmen reintun kann, damit das Zeug nach irgendwas schmeckt. Kräuter der Provence oder die ganzen Einzelkräuter. Muskat. Curry. Paprika. Sowas alles.

Saure Gurken im Glas. Geviertelte Gurkensticks im Glas. Esse ich sehr, sehr gerne. Mal so. Mal zum Grillfleisch. Aufs Wurstbrot. Ich hatte aber mehr gekauft, als ich dann gegessen habe, weil ich ja oft in der anderen Wohnung war. Ergebnis: Geschmacklich halten sie sich, sie wirken auch vier Jahre nach Ablaufdatum unverändert, aber nur, was Geruch und Geschmack angeht. Die Konsistenz zerfällt. Obwohl die immer noch genauso schmecken, bieten die weniger Widerstand beim Beißen, wirken dann irgendwie „tot“. Zur Not kann man sie noch essen (oder lutschen), aber Spaß macht das eigentlich nicht mehr.

Auch bei Spaghetti-Mischungen gibt es ein Problem: Die Nudeln halten ewig, aber das Tomatenmark, die Gewürzmischung und der Parmesankäse eben nicht.

Aber es gibt auch etwas sehr Negatives zu berichten.

Nun wechsle ich ja immer noch zwischen den Wohnungen. Das ist immer, wie aus dem Urlaub zurückzukommen, die Wohnung stand dann einige Zeit abgeschaltet und dunkel.

Neulich war mir schon aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. Als Kind hatte ich zwei, drei Mal Silberfischchen gesehen und fand die so lustig, weil die so ulkig aussehen, dann aber gelernt, dass es an sich Schädlinge sind, wenn auch im Grunde harmlos, die als Indikator dafür dienen, dass irgendwo irgendwas nicht stimmt, irgendwas feucht ist.

Obwohl ich die normalerweise überhaupt nicht habe, die auch nach den über 10 Jahren seit Bau der Wohnung hier noch nie gesehen habe, fand ich neulich etwas, was ich nicht ganz einordnen konnte: So jeden zweiten Tag seh ich so ein Vieh in der Wohnung, gleich zertreten. Aber: Sieht nur oberflächlich aus wie ein Silberfischchen. Glänzt nicht so. Wackelt nicht so. Bewegt sich anders. Gegoogelt: Ja, da gibt es auch andere Arten und Varianten, abhängig von der Ursache. Irgendwo ist was feucht und nahrhaft.

Ursache nicht gefunden. Kein räumlicher Bezug. Kommen die aus der Dusche? Nein, nichts zu finden. Alles durchsucht – nichts gefunden.

Wieder ein paar Tage weg gewesen.

Warum ist da so ein komischer Geruch in der Küche?

Ach, klar, das ist der Kühlschrank. Ich schalte ihn ja immer ab und lasse ihn offen, und Kühlschränke riechen ja abgeschaltet immer etwas unangehnem. Die Gelegenheit genutzt, den gleich mal gründlich sauber zu machen.

Ich hatte noch einen leeren Versandkarton in der Küche stehen, den ich wegwerfen wollte, anhob … vier von diesen Viechern drunter. Alle auf einmal zertreten, fast wie das tapfere Schneiderlein.

Immerhin: Hier muss etwas sein.

Ins Regal geschaut. Komisch. Da unten habe ich eigentlich nur anorganische Sachen drin: Einen Feuerlöscher. Eine Packung neue Flaschen für den Wassersprudler. Küchengeräte.

Das hätte ich doch vor ein paar Tagen erst entstaubt, sauber gewischt und frisch eingeräut. Da gibt es doch nur Karton, Stahl, Glas. Was kann da faul sein?

Ein Flasche, die ich neulich erst da rein gestellt hatte, ging nicht mehr ab.

Genauer geschaut, Ursache gefunden:

Zwei Regalbretter höher habe ich Konserven. Darunter auch noch ein paar Überbleibsel aus der Corona-Zeit.

Drei der Konservendosen – zwei mit halbierten eingelegten Pfirsichen, eine mit Mais, Halbbarkeitsdatum 2021 und 2022 – haben Überdruck entwickelt, sich der Deckel nach oben ausgebeult. Und weil die Dosen inzwischen alle Aufreißdeckel haben, waren die geborsten, aber nur an einer winzigen Stelle, so dass es gerade reichte, um den Druck abzulassen. Und da hatte sich dieser Saft aus dem Pfirsichdosen herausgedrückt und der war Tröpfchen für Tröpfchen ausgetreten, den Schrank über mehrere Regalbretter nach unten gelaufen und hatte einige Konservendosen und eine Flasche festgeklebt.

Das war eben so eine Flüssigkeit wie in der Pfirsichdose, stark zuckerhaltig, die dann durch Verdunstung erst harzig und dann steinhart.

Wasserlöslich, hat aber da das Holz angegriffen, wo es mit dem Metallboden der Konservendose reagiert hat. Zwei IKEA-Besta-Regalbretter müssen ersetzt werden (wobei leider die zwei alten, die ich jetzt rausgeworfen habe, auch an der Seite laminiert waren, wären die neuen Besta-Bretter an der Seite offenen Pressspan haben, da also Flüssigkeit sofort eindringen würde.

Ihr wollte aber nicht wissen, wie dieses Zeug riecht, wenn man es sauber macht.

Also, neue Erkenntnis zur Aufbewahrung von Lebensmitteln: Pfirsich- und Maiskonserven sind nicht übermäßig haltbar, sondern entwickeln Innendruck und bersten dann entlang der Aufreißbruchlinie.

Was aber dann auch heißen muss, dass die nicht so völlig keimfrei gewesen sein können. Es gibt zwar auch anorganische Zerfallsprozesse, aber für mich sah das eher nach organisch in Zeitlupe aus. Anscheinend gibt es irgendwelche Bakterien, die auch völlig ohne Sauerstoff jahrelang überleben können und einen extrem langsamen Metabolismus haben, der es ihnen aber erlaubt, unter den Innenbedingungen einer Konservendose doch noch was laufen zu lassen.

Und es gibt ja durchaus Warnungen, dass man Konservendosen vor dem Öffnen immer prüfen sollte, ob sich der Deckel wölbt.

Ergebnis

Ergebnis meiner vielen Tests und Beobachtungen:

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ergibt Sinn und sollte beachtet werden.

Die Sachen verderben zwar nicht sofort mit Ablauf, und sind, je nach Sache, durchaus noch ein, zwei Jahre länger haltbar. Sie werden nicht giftig oder ungenießbar, verlieren aber an Qualität oder können platzen und mehr Schaden anrichten, als sie wert sind.

Sofern man also nicht in einer Notsituation ist, und abgelaufene Lebensmittel essen muss, weil man nichts anderes hat oder beschaffen kann, sollte man das Zeug tatsächlich wegwerfen, wenn das Ablaufdatum erheblich überschritten ist, also selbst bei mehrjährig haltbaren Sachen so nach 1-2 Jahren über dem Datum.

Das Probleme ist vor allem, dass die Lebensmittel nicht mehr zuverlässig sind. Man kann das zwar aufmachen und probieren, ob das noch genießbar ist, aber gerade das kann man ja in einer Krisensituation überhaupt nicht brauchen.

Ich empfehle deshalb dringend, auf alle Vorrats-Lebensmittel einen gut lesbaren Aufkleber mit dem Ablaufjahr zu pappen, und wenn dieses Ablaufjahr erreicht oder überschritten ist, sie zu essen und durch neue zu ersetzen.

Es ist ein systematischer Fehler, Konserven mit Haltbarkeitsdatum 2022 bis 2026 aufzuheben, wie ich das mit ein paar wenigen Sachen gemacht habe, auch weil ich das dann einfach vergessen habe, weil ich ja seither zwei Wohnungen habe und vor lauter Arbeit viel weniger gekocht habe als damals geplant.

Es gibt so viele Leute, die sagen „Ach, das hält ewig, das kann man auch nach Jahren oder Jahrzehnten noch essen!“ (mein Vater, Kriegskind, war so einer). Das ist falsch. Abgelaufene Lebensmittel sind zwar vielleicht noch genießbar, erfüllen aber den Zweck einer Konserve nicht mehr.

Und man sollte auch bedenken, dass man in einer Krisensituation nicht nur einmal eine Bohnensuppe aus der Dose isst, sondern tage- und wochenlang daraus leben muss, und das nicht geht, wenn das beim ersten Essen schon nicht mehr angenehm ist. Ich habe das ja – ich glaube, es war letztes Jahr – gemacht, dass ich mal testweise diese ganzen übriggebliebenen Konserven (Suppen, Eintöpfe,…) gegessen habe, und das zehn Tage jeden Tag. Um zu sehen, ob das geht.

Nein, das geht nicht. Dieser Konservendosen(un)geschmack ist am dritten Tag nicht mehr auszuhalten. Mit Gewürzen geht’s, aber die muss man halt haben und eine Auswahl dazu. Und ich war ja nicht in einer Krisensituation, etwa in Quarantäne über Wochen in der Wohnung eingeschlossen.

Klares Ergebnis: Nein, man kann das Zeug nicht mehr aufheben, das Mindesthaltbarkeitsdatum ist richtig und wichtig.

Wenn auf der Dose steht, dass sie bis 2022 haltbar ist, dann heißt das, dass man sie spätestens 2023 auch einfach isst oder eben wegwirft und ersetzt. Es ist nicht sinnvoll, die Sachen ins Regel zu stellen und stehen zu lassen „für schlechte Zeiten“.

Erinnert mich an die Bundeswehr. Da wurde damals darauf geachtet, dass wir auf dem Schießstand und Truppenübungsplatz abgelaufene Munition verballern, damit in den Lagern immer nur frische Munition liegt. Weil man Munition nicht auf ewig lagert, sondern sie als Durchlaufposten ansieht, der zum Ende des Ablaufdatums dann eben auch verbraucht sein musste.

Ich kann mich noch an eine Übung erinnern, bei der man oben auf dem MAN-LKW den Deckel aufmachte und mit einem MG auf der Lafette auf verschiedene Ziele (Pappscheiben mit aufgedruckten Flugzeugen, LKW usw.) schießen sollte. Das habe wir auch abends und nachts gemacht und dabei in den MG-Gurten jeden dritten oder fünften Schuss mit Leuchtspurmunition bestückt, weil man dann genau sehen kann, wohin man eigentlich schießt. Sieht in der Dämmerung oder Dunkelheit affengeil aus, wenn man die Munition tatsächlich leuchten und flitzen sieht und wo sie einschlägt.

Leuchtspurmunition hat, im Unterschied zur normalen Munition, im Projektil hinten eine kleine Bohrung, die mit einem brennbaren Stoff gefüllt ist, der leuchtend abbrennt wie bei Signalpistolen, und der beim Abschießen durch den Treibsatz entzündet wird. Man sieht das dann leuchten, wenn die Munition fliegt (physikalisch fliegt sie nicht, sondern bewegt sich ballistisch).

Mussten wir notfallmäßig abbrechen, weil wir den Wald in Brand geschossen haben. Das ist auf einem Truppenübungsplatz ein ernstes Problem, weil die Feuerwehr löschen muss, man aber vorher sicherstellen muss, dass jeder weiß, dass er das Schießen sofort einstellen muss, um die Feuerwehr nicht zu erschießen. Die Frage kam auf, wie das passieren konnte, weil wir uns doch exakt an die Standortvorschriften gehalten hatten und das da seit Jahren immer gleich geübt wird.

Lösung und Ursache: Leuchtspurmunition wird selten eingesetzt, weil dadurch natürlich der Feind sieht, von wo man schießt, auch wenn man die eigentlich nur von hinten sehen sollte. Und die Munition, die wir eingesetzt hatten, war schon einiges über dem Haltbarkeitsdatum. Die hat zwar immer noch funktioniert, und genauso hart geschossen. Aber wenn die zu alt sind, brennt der Leuchtstoff langsamer ab. Er leuchtet nicht mehr so hell, dafür länger, und brennt deshalb, im Gegensatz zu frischer Munition, beim Einschlag noch, und führt eben zum Waldbrand.

Das ist mir so stark in Erinnerung gelieben zum Thema Haltbarkeitsdatum. Und genau dasselbe gilt eigentlich auch für Lebensmittelkonserven.

Es heißt immer so gerne, man könne das Haltbarkeitsdatum einfach ignorieren, das würden die nur draufschreiben, weil sie es müssen.

Das ist aber Unfug. Auch wenn das im Einzelfall noch genießbar ist oder zumindest nicht krank macht, erfüllt sie die Funktion nicht mehr zuverlässig. Wenn also Leute sagen, dass man Konserven auch nach dem Haltbarkeitsdatum noch aufheben kann, dann machen sie etwas systematisch falsch.

Man sollte Konserven einfach so lagern und einsetzen, dass sie spätestens bald nach dem Haltbarkeitsdatum auch verbraucht und ersetzt sind. Wer sagt, dass die ewig haltbar seien, hat das Problem und die Aufgabe nicht verstanden.

Abgelaufene Konserven müssen verzehrt und neugekauft werden, und nicht weiter gelagert.

Hört bitte auf, diesen Unsinn zu verbreiten, dass es auf das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum nicht ankäme. Das Ablaufdatum heißt nicht „wegwerfen“. Es heißt „spätestens jetzt verzehren oder wegwerfen“.