Ansichten eines Informatikers

Konservativ und konservativ ist nicht dasselbe

Hadmut
29.8.2026 11:34

Über einen Begriff und das Verhältnis von Muslimen zur AfD.

Ein Leser wies mich auf diesen Artikel in der Berliner Zeitung hin: „Muslime sind die Zukunft dieses Landes“: Berliner Imam über die Berlin-Wahl

Muslimische Wähler gelten als unterschätzte Größe. Imam Scharjil Khalid erklärt, was sie bewegt und warum sogar die AfD für manche attraktiv ist.

Ende August lädt die Moschee zu einem Pressefrühstück ein, um über muslimische Wähler in Berlin zu sprechen. Wie viele von den fast 400.000 Muslimen tatsächlich wahlberechtigt sind, lässt sich nicht genau bestimmen. Dass bei der Berlin-Wahl bereits ab 16 Jahren gewählt werden darf, freut den Imam. Denn Muslime in Berlin seien eine vergleichsweise junge Bevölkerungsgruppe. „Wenn wir uns die demografische Entwicklung anschauen, dann muss man ganz klar feststellen, dass Muslime die Zukunft dieses Landes darstellen“, sagt er.

Nein.

Es steht außer Zweifel, dass Muslime die Mehrheit und die Gewalt übernehmen werden und deshalb die Zukunft sind. Aber dann ist es eben nicht mehr dieses Land, sondern irgendwas zwischen Neu-Bagdad und Neu-Syrien. Dieses Land wird enden. Muslime werden niemals die Zukunft dieses Landes sein, sondern sie werden das sein, was nach diesem Land kommt. Der geographische Ort wird derselbe sein, aber es wird nicht dieses Land sein.

Und eigentlich ist es schon falsch, von im Futur zu sprechen. Eigentlich ist dieses Land schon tot, gibt es „dieses“ Land schon nicht mehr.

Aber ich will auf etwas anderes hinaus.

Nämlich darauf, dass das auch nicht allem Muslimen zu gefallen scheint. Nämlich denen, die extra nach Deutschland gekommen waren, weil es „dieses“ Land war, und sich jetzt in Neu-Aleppo wiederfinden.

Dass die AfD unter Muslimen teilweise beliebt zu sein scheint, überrascht Khalid nicht. „Inzwischen kennt jeder Muslim irgendeinen anderen Muslim, der zumindest mit dem Gedanken spielt, die AfD zu wählen“, sagt er.

Khalid ist für den Austausch seiner Gemeinde mit politischen Mandatsträgern zuständig und berichtet von Gesprächen mit AfD-Politikern. Dabei habe er eine andere Ansprache erlebt als in der öffentlichen Kommunikation der Partei. „Ihr seid doch konservativ. Wir sind konservativ“, habe ihm ein AfD-Politiker gesagt. In anderen Gesprächen seien unter anderem LGBTQ-Themen und Migration angesprochen worden.

Nach Khalids Beobachtung versucht die AfD zudem, länger in Deutschland lebende Migranten gegen neu Zugewanderte anzusprechen. Die Botschaft sei, dass Neuankömmlinge ein „schlechtes Licht“ auf bereits länger hier lebende Muslime werfen könnten. Bei einigen verfange das.

Gleichzeitig kritisiert Khalid die islam- und migrationspolitischen Positionen der AfD. Besonders scharf sei das Programm der Partei in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September ein neuer Landtag gewählt wird. Dort heißt es unter der Überschrift „Nein zu Muezzin und Minarett!“, der Islam gehöre weder zu Deutschland noch zu Sachsen-Anhalt. Die Partei kündigt zudem an, dessen Einfluss „beschränken“ zu wollen, soweit dies rechtlich zulässig sei. Khalid kritisiert außerdem das von der AfD bemühte Bild eines „christlich-jüdischen Abendlandes“. Umso auffälliger sei für ihn, dass die Partei zugleich gezielt um muslimische Wähler werbe.

Das ist durchaus interessant.

Aber mir fällt dabei eben auf, dass „konservativ“ und „konservativ“ nicht dasselbe ist.

Konservativ heißt zunächst mal nur, an alten Zuständen festzuhalten. Nur dass das eben nicht dieselben sind. Zwei Konservative können durchaus auch gegeneinander arbeiten, wenn sie unvereinbare Zustände bewahren wollen.