Ansichten eines Informatikers

Der Plagiats-Zusammenhang

Hadmut
19.8.2026 23:06

Die nächste ist wegen Plagiatsverdachts dran.

Die Berliner Zeitung: Plagiatsverdacht: Berlins Justizsenatorin Badenberg soll bei Doktorarbeit abgeschrieben haben

Zahlreiche Politiker haben in ihren Doktorarbeiten unsauber gearbeitet. Nun treffen Plagiatsvorwürfe auch Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU). Der bekannte österreichische „Plagiatsjäger“ Stefan Weber hat die Dissertation der Politikerin auf fehlerhafte Zitate untersucht. In seinem Gutachten, das der Berliner Zeitung vorliegt, dokumentiert er „83 schwerwiegende Plagiatsfragmente“.

Felor Badenberg hatte ihre Dissertation im Jahr 2005 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln publiziert. Stefan Weber kommt in seiner Untersuchung zu dem Schluss: „Die Dissertation enthält eine Vielzahl von schwerwiegenden Plagiatsfragmenten, die eine weitere Detailprüfung der Arbeit als sinnvoll erscheinen lassen.“ Anschließend dokumentiert er verschiedene Textplagiate.

Angeblich hat sie sogar die Danksagung an ihre Eltern abgeschrieben.

Weber spricht vom „schwersten mir bekannten Plagiatsfall in der bundesdeutschen Rechtswissenschaft seit Karl-Theodor zu Guttenberg“. Badenberg behauptete noch im Jahr 2023 gegenüber dem Tagesspiegel, ihre Dissertation würde den Grundsätzen der guten wissenschaftlichen Praxis entsprechen. Anlass für die Nachfrage waren seinerzeit die Fälle Franziska Giffey (SPD) und Manja Schreiner (CDU).

Mir geht da immer eine Frage durch den Kopf: Wie kann man denn so blöd sein, ganze Textpassagen nahezu wörtlich oder sogar wortwörtlich abzuschreiben?

Vor allem finde ich das dann immer dann frappierend, wenn das noch nicht einmal geniale Ideen, Geistesblitze, Einsichten sind, sondern banaler Text, der eigentlich gar nichts bringt, außer die Seiten zu füllen. Dass man nicht auf inhaltliche Ideen kommt, kann ich mir ja noch vorstellen, aber dass man nicht einmal selbst faseln kann, nicht einmal das Füll-Blabla selbst hinbekommt, finde ich schon sehr erstaunlich.

Mir fällt vor allem daran auf, dass es keine Einzelfallphänomene sind, sondern das flächendeckend ist, und so blöd, dass es irgendwann auffallen musste.

Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das lauter Einzelfälle sind. Da muss es einen Zusammenhang geben.

  • Haben die Professoren/Gutachter selbst dazu angeleitet? Besonders bei Politikern?

    Waren das vielleicht gekaufte oder per Parteikorruption besorgte Promotionen? Wenn Du unsere Politikerin promovierst, bekommst Du an anderer Stelle Forschungsaufträge oder kommst ins Fernsehen? Also sagt der Prof: Mach mal irgendwas im Umfang von 150 Seiten, das kannst Du ein ein, zwei Wochen in der Bibliothek zusammenpappen?

  • Oder wissen die „Doktoren“ von den Plagiaten gar nichts, weil sie ihre Dissertation gar nicht selbst geschrieben haben? Stammen die alle von Ghostwritern? Und von denen sind halt einige Betrüger, die zusammenkleistern?

    Oder ist es vielleicht so, dass die Ghostwriter gar nicht plagiieren, sondern das Ur-Material auch schon als Ghostwriter geschrieben haben? Ist es überhaupt ein Plagiat im engeren Sinne, wenn ein Ghostwriter bei sich selbst abschreibt?

    Es gibt ja enorm viele Ghostwriter, viele machen daraus einen Beruf oder gleich eine ganze Firma. Irgendwer muss die ja beauftragen. Sind also die meisten dieser Dissertationen einfach vom Ghostwriter gekauft?

    Und werden die Plagiatsverdächtigen jetzt kalt davon erwischt, weil sie gar nicht wissen, woher die Texte stammen?

Mir geht noch ein anderer Gedanke durch den Kopf: Warum so viele Politiker?

Weil man die bevorzugt prüft? Weil es da ein Interesse (und Geld) gibt, die zu prüfen?

Oder ist es vielleicht so, dass man überhaupt nur Leute mit einer Leiche im Keller in die Politik lässt, die man bei Bedarf erpressen kann? Wird die Politik systematisch mit Schwindlern besetzt?

Ich sitze ja immer da und wundere mich. Ich habe mir ja immer so große Mühe in meinem Beruf gegeben, und bin nie nach oben gekommen. Und dann sehe ich reihenweise Leute, die eigentlich nichts können, die auch noch mit Schwindeldissertationen auffliegen, und die scheinbar mühelos in die höchsten Posten kommen. Ich frage mich da immer: Wie machen die das? Wie schaffen es Leute, die schon an einfachen Aufgaben scheitern, nach oben zu kommen?

Weil sie genau solche Leute suchen und brauchen?

Ich hatte an der Uni einen Kollegen, der war der Inbegriff der Unfähigkeit. Der konnte wirklich gar nichts. Der konnte nicht einmal seinen PC bedienen, und hat – wo wir uns an den Kopf gegriffen haben – sogar gegenüber seiner Frau damit kokettiert, dass er eigentlich gar nichts kann. Der war zu nichts nutze. Der sollte eine Vorlesung begleiten und hat die Folien nicht hinbekommen. Und so weiter und so fort. Der wurde ganz schnell und mühelos promoviert, Schema: Bloß weg mit dem Kerl, Hauptsache, er geht endlich. Während man bei denen, die ihre Sache gut machten, die Promotionen systematisch ausgebremst hat, damit sie länger bleiben. Kann das sein, dass die Unfähigen und Unnützen die größten Karrieren machen, weil man sie ständig weglobt?

Die Erkenntnis gibt es ja auch in der Industrie: Wehe dem, der seinen Job beherrscht. Er wird auf alle Zeit auf diesem Job sitzen bleiben, weil man auf ihn nicht verzichten kann und will. Wer nichts kann, wird nach oben weggelobt.

Da bin ich mal sehr gespannt, wie das weiter geht.

Die Berliner Justizsenatorin.

In der Pfalz sagt man: Wie der Herr, so’s Gescherr.