Vom subtilen Unterschied zwischen einer freiwilligen Feuerwehr und einer Berufsfeuerwehr
Warum es eine ganz dumme Idee ist, Freiwillige zu sanktionieren.
Ich hatte am Rande mitbekommen, dass es da irgendwo Feuerwehrzoff gibt. Leserpost:
Und wieder mal Zeit @hadmut zu zitieren:
"Es sind nicht die Maßstäbe, die mich so besonders ankotzen. Es sind die doppelten." https://t.co/N0I8ta5Px3
— OldWhiteBoomer 🦈 (@OldWhiteBoomer) August 15, 2026
Guter Punkt:
Gute Fotos, schlechte Fotos. pic.twitter.com/tAXrkF9cSZ
— Monique (@babymohouseman) August 15, 2026
Herrliches Beispiel für doppelte Maßstäbe. Das wird aber besser:
Sie erinnern sich an die Feuerwehrleute, die von ihrem Bürgermeister öffentlich angezählt wurden, weil sie ein Foto mit AfD-Mann Ulrich Siegmund gemacht haben?
Die kommunale Staatsmacht dreht dort jetzt völlig ab. pic.twitter.com/JfgHHC6cst
— Key Pousttchi 🇪🇺 (@keypousttchi) August 15, 2026
Es geht um diesen Artikel der BILD: Jetzt sprechen die Feuerwehrleute vom AfD-Foto, und darin heißt es:
Genau eine Woche nach dem Termin ist der Marktplatz von Egeln an diesem Freitagnachmittag wie leergefegt. Als der BILD-Reporter sich beim örtlichen Bäcker nach dem Weg zur Freiwilligen Feuerwehr erkundigt, kommt Anita Nitzschke dazu, stellt sich vor und erklärt: „Ich bin Sachgebietsleiterin für Öffentliche Ordnung und Sicherheit. Ich möchte Sie nur darauf hinweisen, dass sie nicht mit den Mitgliedern unserer Ortsfeuerwehr sprechen dürfen.“
Bei einer Berufsfeuerwehr könnte ich mir das noch ungefähr vorstellen, denn Berufsfeuerwehrleute sind normalerweise Beamte. Da gibt es Beamtenpflichten, Pressesprecher, Zuständigkeiten.
Aber auf welcher Rechtsgrundlage will man denn der Presse verbieten, mit einer freiwilligen Feuerwehr zu sprechen?
Das Redeverbot aus dem Rathaus passt den Betroffenen nicht. Zwei der Kameraden, die mit Siegmund auf dem Marktplatz waren, zeigen dem BILD-Reporter ihre eigenen Selfies. Die Aufregung um den kurzen Fototermin verstehen sie nicht: „Wir werden jetzt an den Pranger gestellt. Wofür? Der Einsatz war beendet und wir hatten keine komplette Uniform an, wie es plötzlich heißt. Die meisten trugen bei der Hitze bloß ’ne Einsatzhose und schmutzige Shirts.“
Und weiter: „Warum sollen wir nicht ein Erinnerungsfoto mit dem Spitzenkandidaten machen? Das hat doch nichts mit unserer Einsatzbereitschaft für die Feuerwehr zu tun. Wir leisten seit vielen Jahren einen guten Dienst, ohne jemals auf die Uhrzeit zu schauen.“ Wegen der angedrohten Sanktionen wollen die beiden ihre Namen nicht nennen.
Womit will man denn freiwillige Feuerwehrleute sanktionieren?
War das nicht immer so, dass man händeringend freiwillige Feuerwehrleute sucht? Manche Gemeinden über Zwangsverpflichtungen nachdenken müssen?
Zu meiner Zeit gab es die Möglichkeit der Sanktionen noch, weil man sich damals als Alternative zur Wehrpflicht bei der freiwilligen Feuerwehr verpflichten konnte. Wenn man da rausflog, musste man dann doch zum Wehrdienst. Aber das gibt es ja nicht mehr.
Wie dämlich ist das, in Zeiten knapper freiwilliger Feuerwehrleute so mit denen umzugehen?
Und warum sagen die Feuerwehrleute nicht einfach „Dann macht Euren Scheiß eben alleine“ (MESA = Macht Euren Scheiß alleine!) und schmeißen hin? Und schauen, wie der Bürgermeister den Wählern verkauft, dass er keine Feuerwehr mehr hat.
Es gibt allerdings Andeutungen, dass die auch im Hauptberuf im öffentlichen Dienst sind. Allerdings kann man ihnen da nichts machen, weil das Verhalten bei der Feuerwehr mit der Tätigkeit ja nichts zu tun hat.
Auch ein Prachtbeispiel für den Streisand-Effekt: Hätte die nähmlich einfach gar nichts gemacht und die Klappe gehalten, hätte sich keine Sau je für das Foto interessiert. Eins der Millionen belangloser Selfie-Fotos und fertig. Man war aber dumm genug, ein Politikum daraus zu machen. Und das zahlt im Ergebnis bei der AfD ein. Deshalb muss die AfD selbst gar nichts machen, um immer mehr Stimmen zu bekommen.
Entsprechend harte Kritik – und viel davon – bekommt der Bürgermeister zu seinem streitauslösenden Facebook-Post.
Interessant übrigens der Einwand eines Kommentators dort: Wenn ein Halt der Feuerwehr am Infostand der AfD gegen das Gebot politischer Neutralität verstoße, hätte man dann nicht vorher prüfen müssen, ob die Feuerwehr nicht auch an den Infoständen der anderen Parteien gehalten hat und es deshalb aufgrund des Neutralitätsgebots geradezu erforderlich war, auch bei der AfD zu halten, weil es ja sonst eben nicht neutral wäre?
Könnte mir vorstellen, dass es diesen Bürgermeister dort nicht mehr lange gibt.