Der praktische Taschenhammer
Apropos Klauenhammer: Was ich sehr empfehlen kann, ist ein Taschenhammer. Klein, kompakt, tragbar.
Normalerweise denkt man ja, dass ein Hammer einen Stiel braucht, damit er hämmert. Weil Hämmern ja mit Physik zu tun hat, man beim Hämmern ausnutzt, dass man über die Hebelwirkung Faustbreite:Stiellänge, wie auch bei der Axt, einen großen Beschleunigungsweg hat und das Ding auf eine hohe Geschwindigkeit kommt, viel Bewegungsenergie aufnimmt. Und dann bei Aufschlag, wenn das Material hoffentlich möglichst wenig elastisch ist, sich Bewegungsenergie per Kraftstoß = Kraft mal Weg und kurzem Anhalteweg zu enormer Kraft entwickelt, wenn auch nur für sehr kurze Zeit und auf kurzem Weg.
Das ist das Prinzip des Hämmerns. Über den Stiel wird die Bewegung der Hand oder des Arms, die letztlich eine Winkelgeschwindigkeit ist, in eine hohe Bewegungsgeschwindigkeit umgesetzt, weil der Stiel nicht nur den Arm zu einem längeren Radius und damit einer längeren Kreisbahn verlängert, und damit schneller wird, als die Hand es könnte, sondern auch beim Aufschlag das aufnimmt, was in der Hand weh tun würde.
So hämmt’s dann eben. Man denkt immer an den Hammerkopf und den Griff, dabei ist der Stiel ein wesentlicher Teil.
Vor einiger Zeit habe ich in einem Supermarkt auf Zypern, die auch eine Haushaltsabteilung mit Küchengeräten, Verlängerungskabeln, Glühbirnen, Fahrradzubehör und etwas einfachem Haushaltswerkzeug haben, etwas gesehen, wo ich erst einmal lachen musste, weil ich es für einen Scherzartikel oder einen Geschenkulk gehalten habe: Ein Taschenhammer, ein Hammer ohne Stiel:
Sieht aus wie ein Klauenhammer, bei dem der Hammerkopf direkt auf dem Griff sitzt. Nimmt man das Ding in die Faust, hat man den Hammerkopf direkt auf der Hand. 4,50 Euro.
Boah, dachte ich, ein Hammer, der nicht hämmert. Das ist so dämlich, das muss ich kaufen, das glaubt mir sonst kein Mensch. Außerdem sah er lustig aus.
Also hatte ich den eine Weile unbeachtet herumliegen, als ich dann irgendwann noch IKEA-Schränke aufbaute und plötzlich einen Hammer brauchte, um eine Rückwand zu richten, die etwas zu fest saß, um sie mit der Hand noch durch die Rillen zu schieben, und ein paar Nägelchen zu setzen. An einer Stelle, an der ich nicht viel Platz zum Ausholen hatte. Und fand zuerst den albernen Taschenhammer.
Ausprobiert.
*Staun*
Der funktioniert ganz wunderbar für so kleine Aufgaben, bei denen man nicht zuviel Kraft braucht, nämlich dem Zusammenbau von Möbeln, bei denen man sowieso nicht hart zuschlägt. So Kleinkram wie Holzdübel in Löcher zu klopfen, oder festsitzende Rückwände millimeterweise in die richtige Richtung zu klopfen, dafür sind diese Minihämmer prima. Hätte ich vorher nicht gedacht, dass die zu etwas nutze sind.
Mitnehmen konnte ich die nicht, weil ich immer nur Bordgepäck habe und man einen Hammer nicht mit ins Flugzeug nehmen darf. (Ist auch besser so.)
Ich habe inzwischen aber gesehen, dass es die bei Amazon und im Baumarkt auch in Deutschland im Angebot gibt, die heißen dann „Mini Hammer“ oder „Tragbarer Hammer“ oder so etwas.
Wenn man ab und zu Möbel wie von IKEA zusammenbaut, und dabei so etwas Standardwerkzeug wie Schraubenzieher, Messer, Inbus, Akkuschrauber bereit hält, dann kann ich den Minihammer ohne Stiel nur sehr empfehlen.
Wie gesagt: Der taugt nicht dazu, große Nägel einzuschlagen oder sonst richtig zu hämmern, aber vor allem beim Zusammenbau braucht man das oft auch gar nicht, sondern nur etwas, um ein bisschen zu klopfen, irgendetwas zu richten, oder Holzdübel einzusetzen, und dafür sind die prima.
Gerade bei Holzdübeln sollte man aufpassen und nicht zu fest hämmern.
Das war ein Kardinalfehler, den ich bei einer meiner ersten IKEA-Montagen als Jugendlicher gemacht habe, an den ich seither immer denke: Eine typische Art und Weise, zwei Bretter T-förmig miteinander zu verbinden, bei denen also ein Brett mit dem Ende rechtwinklig auf die Fläche eines anderen Brettes stößt, ist doch, dass auf der einen Seite mit der Fläche Schraubenbolzen mit einem Flachkopf eingeschraubt werden, und auf der anderen Seite in eine Bohrung gesteckt werden, die in einer runden Ausfräsung enden, in die man einen runden Drehriegel aus Plastik oder Metall einsetzt, den man dreht und das damit verriegelt. Ich kenne die Fachbegriffe nicht, aber wer einmal einen IKEA-Schrank zusammengebaut hat, weiß, wovon ich rede. Und oft wird das ja noch durch Holzdübel ergänzt, weil die Metallschrauben nur auf Zug stabil sind, während die Dübel dazu noch die Querbelastungsstabilität liefern.
Also hatte ich die Dübel eingesetzt und, weil in der Anleitung ein Hammer gezeigt war, eingehämmert, aber dabei einen Fehler gemacht: Ich habe sie nämlich nicht in das Holzbrett gesteckt, das mit seiner Kopfseite auf das andere Stößt (also wie der unter Teil des T), sondern in die Fläche des anderen Teils (wie der obere Querbalken beim T), und wenn man da den Dübel reinhämmert, kommt der bei dem weichen billigen Pressspanzeugs sofort auf der anderen Seite wieder raus, nimmt noch Holz aus der Umgebung mit und man hat auf der schönen beschichteten Außenseite des Schrankens einen riesigen Krater. Das habe ich mir gemerkt. Seitdem stecke ich die Dübel nur noch mit der Hand rein, oder klopfe ganz vorsichtig, und immer in den Teil, in dem sie längs und nicht quer sitzen. Und dafür sind diese Mini-Hämmer ideal.
Ich kann den Taschenhammer nur empfehlen. Ideal, wenn man nur klein leichthämmern will. Kein Ersatz für einen richtigen Hammer, aber ein gänzlich neues Hammergefühl.