Ansichten eines Informatikers

Luxus frisst Griechenland

Hadmut
11.8.2026 19:01

Ich bin wohl nicht der Einzige, der das so sieht.

Ich war doch neulich auf Mykonos. Überhaupt nicht vorbereitet, nur mal im Web kurz die Sehenswürdigkeiten gegoogelt. Eigentlich hatte ich auch nur geschaut, wo man von Paphos aus mit Ryanair möglichst billig hinkommt. Ich war ja noch nie in Griechenland.

Und war dann schnell ernüchtert. Nicht von Griechenland, aber von Mykonos. Das ist zwar eigentlich eine wunderschöne, herrliche Insel, aber man hat aus ihr so eine Mischung aus Luxusresort, Griechenkitsch-Disneyland und Abzocke gemacht, wo man täglich drei bis fünf Kreuzfahrtdampfer ankern lässt und die Leute an Land karrt und durch die Altstadt treibt, wo das Zeug zu Mondpreisen verkauft wird. Eine Ortsansässige sagte mir, dass die Einwohner schon gar nicht mehr in diese Altstadt gehen. Und als ich fragte, wo die denn noch etwas einkaufen, weil ich nirgends einen Laden gefunden habe, auf dem man noch normal Socken oder Unterhosen kaufen könnte, sagte sie mir, dass die Einheimischen nur noch zwei Einkaufsquellen haben: Sie bestellen online oder fahren zum Einkaufen nach Athen (wobei ich vergessen habe zu fragen, ob sie damit Fliegen oder die Fähre meint). In der Altstadt hatte ich ein weißes, bunt bedrucktes Hemd gesehen. Nichts besonders, aber halt nett, wenn man abends noch an den Strand oder in ein Restaurant will. 350 Euro wollten sie dafür. 35 wäre mir dafür schon zuviel gewesen. Auf Zypern bekomme ich so etwas günstiger. Aber die Stadt voll von Leuten, die massenhaft das dicke Geld rauswerfen und teuerste Klamotten spazieren tragen. Im Hafen die Milliardärsjachten.

So schön Mykonos eigentlich ist, so gruselig ist das, was man daraus gemacht hat. Man sagte mir auch, dass kein Grieche dort zum Urlaub hinginge.

Wobei ich zugeben muss, dass ich es, hätte ich dort einen Laden, wohl nicht anders machen würde. Warum soll ich ein Hemd für 20 verkaufen, wenn genug Leute vorbeikommen, die mir 350 dafür geben?

Transition-News: Luxustourismus frisst Griechenland auf: Wenn das Paradies nur noch Millionären gehört

Während viele Griechen mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen und selbst Ferien auf den eigenen Inseln kaum noch bezahlen können, boomt ein anderer Markt ungebremst: der Luxustourismus (hier und hier). Exklusive Villen mit Privatstrand, Butler, Helikopterlandeplatz und Infinity-Pool werden für Beträge vermietet, die das Jahreseinkommen vieler Familien übersteigen.

Ob Chios, Milos, Syros, Sifnos, Antiparos oder die privaten Petalioi-Inseln – immer mehr Regionen werden als exklusive Rückzugsorte für internationale Millionäre vermarktet. Wochenpreise von mehreren zehntausend Euro sind längst keine Ausnahme mehr. Für besonders exklusive Anlagen werden laut den im Ausgangstext aufgeführten Angeboten sogar knapp 70.000 Euro pro Woche verlangt.

Der Trend wirft grundsätzliche Fragen auf. Was bleibt von der griechischen Gastfreundschaft, wenn ganze Küstenabschnitte und Traumlagen zunehmend einem kleinen Kreis wohlhabender Gäste vorbehalten sind? Immer mehr Orte drohen ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren und werden zu Luxuskulissen für eine internationale Elite.

Auf den beiden verlinkten Seiten kann man es sehen. Dort wird ein „Chateau“ (Begriff von der automatischen Übersetzung gewählt, nicht original) auf Mykonos für den Urlaub angeboten. 60.000 € pro Woche.

Mykonos: Fest zuerst

In dieser “Börse” fährt Mykonos weiter mit Hunderten von Optionen für Villen aller Größen, in allen Hotspots der Insel.
Unter den Vorschlägen von Sotheby’s International Realty zeichnet sich die Villa Nereus in Kalo Livadi aus. Es befindet sich auf einem 4 Hektar großen Anwesen und hat eine Fläche von 1.200 qm und bietet Platz für viele Menschen, da es 18 Schlafzimmer und eine gleiche Anzahl von Badezimmern sowie einen Infinity-Pool von etwa 100 qm hat.

Es ist auf dem Meer in einer Nähe von 1-3 Minuten von einem kleinen, abgelegenen Strand gebaut. Es wird als Traumunterkunft beschrieben, die von lokalen Steinmützen, Holz- und Marmorböden dominiert wird, natürlich kombiniert mit dem atemberaubenden Blick auf die Ägäis. Der Preis für 7 Nächte bis Ende August beträgt 80.500 Euro.

Gut, bei 18 Schlafzimmern relativiert sich das auch wieder. Wenn in jedem Schlafzimmer zwei schlafen, ist das knapp über 2.000 pro Woche und Person. Da kann man mal eine Sause oder einen Betriebsausflug machen. Oder mit dem Swingerclub hin.

Was mich aber grämt, ist, dass auch Kreta auf der Liste steht. Denn Kreta hätte mich schon auch interessiert. Ich hatte vor 20 Jahren mal versucht, nach Kreta zu kommen und mich bei der ENISA beworben, bin aber abgeblitzt. Auf den Rest auf dieser Liste hätte ich leicht verzichten können, nachdem mir ohnehin Leute von Santorini abgeraten hatten, dass sei – je nachdem, wen man fragt – genauso schlimm oder noch viel schlimmer als Mykonos.

Aber Kreta wollte ich mir schon noch anschauen.

Ryanair fliegt von Paphos nach Kreta.