Ansichten eines Informatikers

Der Mann, der der deutsche Elon Musk sein wollte – oder Steve Jobs

Hadmut
9.8.2026 17:55

Vom Schwindel in der deutschen Informatik.

Langjährige Leser des Blogs – wenn sie sehr lange lesen, das ist schon sehr lange her – werden sich vielleicht erinnern, dass ich einige Artikel über Michael Backes geschrieben hatte.

Er war damals einer der Scheinbewerber in Karlsruhe um die Nachfolgeprofessur meines „Doktorvaters“ Beth, mit denen die Uni Karlsruhe das Wissenschaftsministerium getäuscht hatte. In Karlsruhe wollte man die Nachfolge Beths mit einer – verbotenen – Hausberufung eines zudem unqualifizierten Bewerbers besetzen, was selbst im endkorrupten Stuttgart nicht ganz so leicht durchzubringen ist. Weil man einen Dreier-Vorschlag einreichen muss und alle anderen Bewerber dabei einfach unter den Tisch fallen lassen kann, gab man den gewünschten Hausbewerber und zwei andere Bewerber an, die ihrerseits aber schon anderweitig Professuren bekommen hatten, also für die Stelle nicht mehr zur Verfügung standen. Das führt dazu, dass das Ministerium nicht mehr die ca. 20 Bewerber sieht, die sich beworben hatten, sondern nur noch drei, von denen – leider, leider – zwei nicht mehr zur Verfügung stehen, womit das Ministerium also den Wunschkandidaten – und wenn ungeeignet und verboten – berufen muss.

Ich kann es nicht nachprüfen und auch nicht belegen, aber ich hatte aufgrund der Akten damals den Eindruck, das Gefühl, dass das eine Korruptionsmasche zwischen Universitäten auf Absprache ist, wenn sie vergabewidrig Wunschkandidaten auf Professuren setzen wollen:

Man macht drei Ausschreibungen auf Professuren ungefähr gleichzeitig und sorgt dafür, dass sich jeder Wunschkandidat auch bei den beiden anderen bewirbt, Blindbewerbungen einreicht. Dann stellt jede Fakultät einen Dreiervorschlag aus dem eigenen Wunschkandidaten und den beiden Blindbewerbungen zusammen und empfiehlt den eigenen. Dann schickt man die an das Ministerium und sagt dann ein paar Tage später „Sorry, die beiden anderen haben abgesagt, die haben schon Professuren“.

Und *schwups* hat man nicht nur die Professur mit dem Wunschkandidaten besetzt und das gesamte Bewerberfeld völlig ungeprüft kaltgestellt und entsorgt, sondern hat den eigenen Kandidaten auch gleich aufgewertet, weil er bei gleich drei Universitäten in die Endauswahl kam und vorschlagen wurde (auch wenn er die letzte Pfeife ist). So macht man in Deutschland Professoren.

Und so ist mir damals dieser Michael Backes aufgefallen, und dann noch durch seine Schnapsidee X-pire!, die systematisch nicht funktionieren konnte und der man anmerkte, dass er da wesentliche Aspekte von Internet und Sicherheit nicht verstanden hatte. So ist es in der IT-Sicherheit generell nicht üblich, dass der Angreifer kooperiert und sich brav an Regeln und Anweisungen hält. Denn täte er das, wäre es ja kein Angriff.

X-Pire! roch schon so auffällig nach Windbeutel, Hochstapler und Gernegroß. Jemand, der eine Erfindung präsentieren und der Politik etwas abliefern wollte, aber bei dem es nicht zu Halbwissen reicht. In Deutschland können solche Leute ohne weiteres Professor werden. Die Informatik ist voll von solchen Leuten.

Und der wurde sogar Gründungsdirektor des CISPA, jener mit irre viel Geld vollgepumpten Helmholtz-Einrichtung zur IT-Sicherheit, von der ich seit ihrer Gründung kaum noch etwas gehört habe. Ich glaube, die haben bisher so etwas um die 50 Millionen Euro pro Jahr bekomme und wollen das demnächst auf 100 aufstocken.

Schon bei der Gründung war der Laden dubios, denn welcher auch nur halbwegs fähige Kryptologe würden denn ins Saarland ziehen wollen? Das ganze Ding roch von Anfang an nach Geldwaschmaschine, um das Saarland zu subventionieren und aufzuwerten.

Neulich habe ich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder etwas von den Laden gehört. Backes wurde als Direktor freigestellt, weil es da irgendeine Geschichte mit Chinesen gab, bei denen der Verdacht aufkam, dass die nicht nur spionieren, sondern, wie es irgendwo in den Social Media hieß, wir – woke – die auch noch selbst dafür bezahlen. Anderenorts hieß es, China zahle die selbst, und zwar überangenmessen viel. Komische Sache, noch sehr undurchsichtig.

Im Zuge der Chinesennummer kamen weitere Dinge ans Licht, wie etwa dass Backes da ein Jahresgehalt von über 500.000 Euro bekäme (unklar, ob das schon der Gesamtbetrag sein soll oder da vielleicht noch eine Professur oben drauf kommt).

Zuerst berichtete die Saarbrücker Zeitung, aber hinter Paywall: Cispa-Chef wollte sein Image mit viel Steuergeld aufpolieren

Etwas später aber auch andere Medien.

Tagesschau: Cispa-Chef Backes wollte halbe Million Euro für Imagekampagne ausgeben

Saarländischer Rundfunk: Cispa-Chef Backes wollte halbe Million Euro für Imagekampagne ausgeben

Der Cispa-Gründungsdirektor Michael Backes wollte fast eine halbe Million Euro ausgeben, um sich als Marke aufzubauen. Nach SR-Informationen wurde die bereits ausgeschriebene Marketingkampagne 2022 jedoch aus dem Umfeld des Aufsichtsrats gestoppt. In der Ausschreibung wurde Backes als „wissenschaftlichere Version eines Elon Musk“ bezeichnet.

Eine Marketingkampagne für Cispa-Gründungsdirektor Michael Backes in eigener Sache – für bis zu 480.000 Euro. So steht es in der 60-seitigen Ausschreibung aus dem Juni 2022, die dem SR vorliegt. Titel: „Marketing-Kampagne Personal-Branding Gründungsdirektor“.

Daraus geht hervor, dass die Verdienste des Leiters des Cispa-Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit in Saarbrücken noch bekannter gemacht werden sollten. Die Kampagne wurde jedoch nach SR-Informationen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats gestoppt. Zuerst hatte die Saarbrücker Zeitung berichtet.

Derzeit ist Gründungsdirektor Backes freigestellt. Weil es den Verdacht gibt, dass sensibles Forschungswissen vom Cispa nach China abgeflossen sein könnte, läuft derzeit eine extern Sonderprüfung.

Erfolge „jedem bewusst machen“

Das Ziel der Kampagne für Backes, der über die Jahre bereits viel Renommee als Wissenschaftler erworben hatte, war damals laut Ausschreibung: „Nun soll Prof. Backes als Person systematisch aufgebaut werden, um seine Vision, seine Erfolge und seinen Einsatz für das Saarland und Deutschland jedem bewusst zu machen.“

Im Rahmen der Marketing-Kampagne sollte auch gezeigt werden, wie sich „sein persönliches Engagement direkt auf die Region, den Strukturwandel und den Wissenschaftsstandort Deutschland auswirkt, wie all die gefeierten Erfolge letztlich auf sein Wirken und seine harte Arbeit zurückzuführen sind.“

Vergleich mit Steve Jobs und Elon Musk

Bemerkenswert erscheint in der Ausschreibung auch eine Passage, in der Backes als Visionär und Macher beschrieben wird, bekannt für „herausragende, begeisternde Vorträge“. Dort heißt es wörtlich, Backes werde „oftmals als die wissenschaftlichere Version eines Elon Musk oder Steve Jobs verortet“.

Es gibt auch einen Videobeitrag des SR dazu.

Schaut man auf social.saarland, kommen Leute dort heute zu ähnlichen Einschätzungen von Backes wie ich vor 15 Jahren: Idiotische Kryptographie, Made in Germany

Könnte es also sein, dass Deutschland eine halbe bis eine Milliarde Euro aus Steuergeldern ( so ca. 10 bis 15 Jahre zu 50 Millionen pro Jahr allein von Helmholtz, womöglich noch mehr aus anderen Quellen) in einen Windbeutel und Hochstapler versenkt hat?

Mal ganz anders gefragt

Stellen wir die Frage mal ganz anders.

Wie ich über die Jahre recherchiert und beschrieben habe, komme ich seit einiger Zeit, lange nach Beths Tod, zu dem zwingenden Schluss, dass Beth inoffizieller BND-Mitarbeiter und Otto Leiberich sein Führungsoffizier gewesen sein muss.

Das Gespann ist aber geplatzt, denn Leiberich war damals schon Rentner, Beth hat sich als unfähig blamiert und ist 2005 auch verstorben. Vor allem hatte Beth sich auch verraten, weil er das Promotionsgutachten damals für geheim erklären (was es rechtlich nicht gibt und auch noch nie jemand versucht hatte) und verhindern wollte, dass das Gericht oder ich es überhaupt sehen könnten, und darin schrieb, als würde er an Leiberich berichten und den auch darin namentlich erwähnte. Dazu kam, dass die Operation Rubikon bekannt geworden war und Beth in das Abhören mit geschwächten analogen Funkgeräten verwickelt war, also „verbrannt“, und es ihm schlicht und einfach an der Sachkunde für digitale Kryptographie fehlte. Der versuchte damals, einen auf Quantenkryptographie zu machen, um das Thema Computer zu umgehen, weil er schon mit E-Mail überfordert war und sich Webseiten von der Sekretärin ausdrucken ließ, und Fax für das einzig taugliche und würdige Kommunikationsmittel hielt – mit der Begründung, dass es an jeder Hotelrezeption ein Faxgerät gäbe.

Beth war also nicht haltbar und schon lange vor seinem Tod ein offen sichtbares körperliches Wrack. Der brauchte jeden Tag Dutzende Tassen konzentrierten Kaffees und hatte eine Art Tremor in den Händen, konnte die Hände nicht mehr ruhig halten.

Mir geht die Frage durch den Kopf, wie der BND wohl darauf reagiert hat, dass Beth sich als Agent praktisch selbst enttarnt hatte und dann noch erst gesundheitlich und dann durch Tod ausgefallen ist.

Wurde Backes als Beths Nachfolger installiert?

Hat man da zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen? Das Saarland subventioniert und diese offenkundige Subventionsspritze noch gleich als Tarnung verwendet, um dann so ganz abseits einen BND-Standort zu eröffnen? Schön, groß, repräsentativ, und trotzdem unauffällig? Weil im Saarland gar nichts auffallen kann?

Und da kann man sich jetzt schön überlegen, wie Chinesen und der BND zusammenpassen – und wer da wen ausspioniert.