Grrr!
Über den Verfall von Software.
Ich habe so etwas schon oft beschrieben, aber ich kann mich gerade nicht zurückhalten, es wieder zu tun:
Grrrrrr!
Ich bin seit einigen Tagen damit beschäftigt, Cloud-Server-Strukturen mit Terraform und Ansible definiert und reproduzierbar aufzubauen. Das sollte eigentlich nicht schwer sein, weil die beiden Tools ja genau dafür gemacht und gedacht sind.
Ich habe aber gerade mit Ansible enorm viel Zeit verbraten, weil es miserabel dokumentiert ist.
Oh, ja, ich weiß, wenn ich so etwas schreibe, bekomme ich wieder tausend Zuschriften „Warum guckst Du nicht …“ oder „Weißt Du denn nicht …“ oder „Warum hast Du nicht einfach …“. Oder „Du willst Informatiker sein und bist zu doof …“
Das Heer der Schlaumeier und Besserwisser, die von sich überzeugt sind, die Lösung schon zu wissen ohne das Problem zu kennen (oder derber noch, selbst wenn sie es kennen, nicht verstanden zu haben), ist unendlich groß. Die Lebenserfahrung zeigt, dass die Schlaumeier und Besserwisser meist selbst nur Laien sind oder an der Oberfläche kratzen und dann meinen, dass sie sich auskennen, weil ihr Wissen für ihre Hobby-Zwecke reicht. Manchmal komme ich mir vor wie ein Tiefseetaucher, dem vom Schnorchler vorgeworfen wird, warum er denn mit Lampe und Neopren tauchen gehe, das Wasser sei doch klar, hell und warm. Mir gehen solche Leute enorm auf die Nerven, und ich habe schon überlegt, ob „Mansplaining“, das die Feministinnen so beklagen, einfach nur eine Kombination aus dem Auftreten solcher Leute mit Auftreffen auf die Opferpsychose der Feministinnen ist, die dann meinen, das sei so, weil sie Frauen sind. Mir gehen diese Leute aber auch auf die Nerven.
Trotzdem schreibe ich das, wohl wissend, dass ich damit wieder die Besserwisser und Oberflächenschnorchler aus ihren Löchern klopfe.
Es ist ja nicht so, dass es zu Ansible, Jinja usw. keine Dokumentation gäbe. Im Gegenteil. Es gibt enorm viel. Aber sie ist schlecht.
Erstens ist sie miserabel strukturiert und unlogisch, nicht stringent, ein typischer Brei, der von vielen Köchen verdorben wurde.
Zweitens merkt man ihr deutlich an, dass man unbedingt zu allem was schreiben wollte, aber nie darüber nachgedacht hat, was da stehen müsste.
Drittens ist es die Krankheit unserer Zeit, fehlende Struktur und Systematik durch Suchfunktionen zu ersetzen: Gibt halt in der Suche was ein, da wrist Du schon was finden – im ersten Schritt mit der Suchfunktion auf unserer Webseite, und wenn das nicht hilft, mit Google – es gibt unendlich viele Webseiten, auf denen Probleme anderer schon diskutiert wurden, und da wirst Du schon was finden.
Und ganz, ganz, ganz, ganz schlimm: Diese Beispieleritis.
Irgendeine Funktion. Beschreibung: Oh, die Funktion ist so großartig und mächtig, die kann Dir soviel helfen, Du wirst sie lieben. Hier ein paar großartige Beispiele, was Du damit machen kannst: […]
Aber einfach mal grundsätzlich – wie es früher üblich war – Syntax und Semantik, was macht diese Funktion überhaupt, auf welchen Datentypen funktioniert sie, auf welche Weise kann man welche Parameter angeben usw., und warum werden drei gleiche und nicht drei unterschiedliche Beispiele angegeben, das geht nicht mehr.
Man merkt, dass da gerade ein katastrophal schlechter Programmierstil um sich greift, der stark von Laien, Autodidakten, Oberflächenschnorchlern und anspruchslosen Besserwissern geprägt ist. Man versteht die Sache nicht mehr logisch und systematisch, sondern baut nur noch einen Assoziativspeicher von Tricks, Kniffen und Beispielen, die man dann per Google usw. findet.
Und genau deshalb glaubt man dann auch, dass man Programmierer durch KI ersetzen kann, weil die KI ja nicht versteht, was sie macht, aber sehr gut darin ist, solche Muster zu erlernen und zu kombinieren, anzuwenden.
Zweifellos eine Folge der „Inklusion“ und des „Code of Conducts“, der vielen „Quereinsteiger“. Ganz viele Leute wurschteln sich da durch, indem sie sich einfach von Codezeile zu Codezeile weitergoogeln.
Und deshalb gibt es zu ganz vielen Funktionen, Operatoren und so weiter irgendeine Webseite, auf der irgendwas steht, damit man mit Google irgendwas findet, und auch ein paar Beispiele, von denen man abschreiben kann – aber es wird nicht mehr systematisch beschrieben, was das ist, wie man es benutzt, um auch in anderen als den Beispielfällen damit arbeiten zu können.
Und die Leute merken es nicht, weil sie meinen, dass man ja alles „verstehen“ kann, weil man dann auf Reddit, Stackexchange und wie sie alle heißen, irgendwas dazu findet, irgendwer das Problem schon mal gehabt, beschrieben und vielleicht sogar gelöst hat, und die Suchmaschine oder die KI das dann auch findet.
Letztlich eine Form des funktionalen Analphabetismus, die in der IT um sich greift.
Und der Brüller ist dann, dass man „Fachkräfte“ sucht, Leute hoch dafür bezahlt, dass sie sich mit irgendwas auskennen, wofür man keine Experten bräuchte, wenn es ordentlich dokumentiert wäre, weil man es dann viel einfacher nachlesen könnte, statt sich ewig lange durch Diskussionen und Beispiele zu graben.