Ansichten eines Informatikers

Der Islam und die Bäume

Hadmut
11.8.2020 16:47

Zwei Lserzuschriften.

Eine Leserin schreibt, die Inder (anscheinend zieht das Video doch weitere Kreise), genauer gesagt India Today, hätten sich um einen Faktencheck bemüht und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass das Video echt, aber der Bezug zum Islam falsch sei. (Wobei ich jetzt nun wieder anmerken möchte, dass es bei Leuten, die bei wirklich jeder Gelegenheit „Allahu Akbar” brüllen, und alles dem Islam unterordnen, nicht ganz einfach zu erkennen ist, wann mal etwas keinen Bezug zum Islam haben könnte, was zudem die Frage aufwirft, ob das in deren Weltbild überhaupt möglich ist.)

Auslöser des Streites war wohl, dass die Regierung Bäume auf einem Grundstück gepflanzt hatte, dessen Besitzverhältnisse ziemlich streitig waren oder das angeblich in Privatbesitz ist, und die Leute sich provoziert fühlten:

Pakistan Prime Minister Imran Khan on August 9 launched the country’s largest tree plantation campaign, that saw a record 3.5 million saplings being planted in a single day. A video from Pakistan showing a large group of people including children uprooting the newly planted trees is viral on social media with a claim that “planting trees is against Islam”.

The caption to one such video uploaded by a verified user on Twitter reads, “Imran Khan copied PM Shri Modi’s ‘Tree Plantation Drive’ in Pakistan but his followers uprooted all trees because they feel “Planting trees is against Islam”.

India Today Anti Fake News War Room (AFWA) has found the claim is misleading. The locals in the video are uprooting the trees because the administration had planted them on a disputed private land without their permission.

According to “The News International”, an English news daily in Pakistan, the incident happened at Pakistan’s Khyber’s Mandi Kass district. As per the report, the crowd was protesting against the government’s move to plant trees on a disputed land without their permission.

Allzuweit her ist es mit dem Faktencheck aber dann doch nicht, weil sie eben auch nur aus der Pakistanischen The News International abschreiben, die schreibt:

The newly-planted trees of a Khyber Pakhtunkhwa lawmaker’s plantation campaign were uprooted Sunday by locals of the Mandi Kas area in Khyber Agency over what they said was “forceful plantation on private land”.

Chaos ensued immediately after PTI lawmaker Iqbal Afridi’s campaign — part of the 10 Billion Tree Tsunami initiative being commemorated on Tiger Force Day — concluded and residents of the area arrived at the site to remove the newly-planted trees.

One of the men who uprooted dozens of plants said the tree plantation drive had been “forcefully” carried out “on private land” of citizens.

Ob das jetzt wahrer ist, weil es sich angenehmer anhört, mag dahingestellt bleiben. Die Logik, dass eine Behauptung schon deshalb falsch ist, weil ein anderer was anderes behauptet, und einem die zweite besser gefällt, entspricht jetzt auch nicht meiner Denkweise. Anscheinend ging es da um stammesinterne Streitigkeiten, weil ein Teil zugestimmt hatte und der andere nicht, und der Staat nun verkündet habe, dass die dafür Ärger kriegen.

Was aber faktisch auch heißt, dass die neue Story die alte gar nicht wiederlegt. Denn sie sagt nur, zu welchem Anlass das passiert ist, aber sie sagt nicht so genau, warum die da was gegen Bäume hatten. Es ist also nur ein Scheinwiderspruch, weil die ganze Story zwar stimmen mag, aber überhaupt nicht widerlegt, dass der Grund des Herausreißens islamischer Natur war. Es überdeckt die Sache einfach nur mit einer anderen Story, die sich plausibel anhört, damit das Hirn seine Ruhe hat. Aber sie erklärt nicht, warum die beiden Stammesteile da so unterschiedlicher Meinung waren.

Also sollte man auch mal mit diesen „Faktenchecks” sehr vorsichtig sein und sich immer überlegen, ob die etwas überhaupt widerlegen, oder nur durch Nebenkriegsschauplätze davon ablenken.

Ein islamkundiger Leser allerdings schreibt mir:

Hallo Hadmut,

da kann etwas nicht stimmen, denn eigentlich ist es im Islam eher ein Gebot Bäume zu pflanzen. Dem Propheten schreibt man die Aussagen zu

“Wenn einer ein Bäumchen pflanzt, schreibt ihm Allah soviel Lohn zu wie die Anzahl der Früchte des Bäumchens.”

und

“Pflanze einen Baum, selbst wenn es Deine letzte Handlung vor dem Tod ist”

Von daher muß das “Ausrupfen” einen ganz anderen Hintergrund haben als ein Verbot des Islam.

Andererseits nehmen manche alle Ausagen einem Imam für bare Münze, auch wenn der nur aus eigenen Interessen handelt, so wie hierzulande manche Priester vieles erzählt haben, was angeblich Christengebot wäre, was eher auf persönlichen Interessen beruhte.

Das erscheint mir am plausibelsten.

Denn die zentrale Methode, Leute dort zu einer gemeinsamen Handlung zu motivieren, ist nun mal der Islam in Form von Imamen, die den Leuten sagen, was sie tun sollen.

Und die nächste Frage wäre dann, welchen Wert Bäume im Islam haben, die keine (essbaren) Früchte tragen.