Ansichten eines Informatikers

Vom verrotteten Wissenschaftszirkus

Hadmut
15.4.2020 13:24

Saftladen Forschung.

Vorbemerkung: Ich halte Wissenschaft für etwas ganz Tolles, Edles, Wertvolles.

Von Wissenschaftlern halte ich nichts, und zwar besonders, wenn sie an Universitäten sind. Die Qualität stürzt da so mit 1/Abstand2 ab, weil die Universitäten eigentlich nur noch Korruptionslöcher sind.

Ein Leser wies mich auf einen Kommentar zu einem Artikel auf Telepolis hin: Das wissenschaftliche Publikations- und Reputationssystem ist gehackt, eignetlich das, was ich immer schreibe: Es geht nicht mehr um Wissenschaft an sich, es geht nur noch um dieses Publikationstheater.

Ein zentrales Problem ist dabei die Einführung von Publikationsmetriken. Man hatte vorher das Problem, dass viele Professoren einfach gar nichts mehr machen, weil viele davon ja auf die eine oder andere Weise unkündbar sind. Dann hat man das eingeführt, dass die Gelder in Abhängigkeit von einer messbaren (aber eben schwindel- und korruptionsanfälligen) Größe verteilt werden, und spätestens da war es dann eigentlich nur noch eine Betrugsolympiade.

Eigentlich banale Spieltheorie. Verhalte dich so, dass Du mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Ertrag erzielst. Erinnert mich an eine Story, die mir mal jemand aus der DDR erzählte. Als die Planwirtschaft der Schraubenfabrik vorgab, wieviele Schrauben sie zu produzieren hatte, und zwar in Gewicht, machten die nur ganz große Schrauben. Sonst nichts. Also änderte man den Plan in Stückzahlen. Und dann machten sie nur ganz kleine Schrauben. Sonst nichts.

Exzessiv ist das dann in den Geisteswissenschaften und kulminierte in den Gender Studies, bei denen es überhaupt keinen wissenschaftlichen Inhalt mehr gibt, sondern nur noch korrupte Zirkel, die sich gegenseitig Pseudopublikationen zuschustern und ihre Publikationsliste hochschaukeln, ohne jemals irgendwas wissenschaftliches geleistet zu haben.

Leonid Schneider: Eine Papiermühle ist ein Service Provider, so wie Essay-Mühlen, die Studenten gefakte Aufsätze und ganze Dissertationen verkaufen. Die Kunden der Papiermühlen sind aber Akademiker und Ärzte. Sie bestellen dort als Kunde ein wissenschaftliches Paper, das zu einem Thema ihrer Forschungsrichtung passt. Das Paper wird von Ghostwriters verfasst, mit komplett erfundenen wissenschaftlichen Ergebnissen und komplett erfundenen gefälschten Daten.

So wie es aussieht bieten Papiermühlen einen vollen Service an: Das Paper wird nicht nur geschrieben, sondern sogar beim Journal eingereicht, man macht auch das Peer Review mit, gegebenenfalls liefert man noch mehr erfundene Daten nach. Ob korrupte Journal-Editoren auf der Gehaltsliste der Papiermühle stehen, ist unklar, aber ziemlich wahrscheinlich, denn manche Journals sind ja ganz besonders auffällig betroffen.

Die Mühle nimmt dabei die Identität des gelisteten Autors, also des Kunden, inklusive Geist-Emailadressen, an. Der Kunde muss nichts tun, außer zu zahlen, und bekommt am Ende eine publizierte wissenschaftliche Studie in einem internationalen Journal, ohne irgendwelche Forschung dafür getan zu haben.

Immerhin werden sie nun dafür bezahlt. Zu meiner Zeit damals hat man die Doktoranden erpresst, als Ghostwriter zu arbeiten.

In welchen Journalen werden denn besonders häufig Produkte aus Paper Mills als Artikel publiziert?

Leonid Schneider: Meine Kollegen haben als besonders problematisch folgende Journals überführt: Journal of Cellular Biochemistry (Wiley) mit 52 Papers, Biomedicine & Pharmacotherapy (Elsevier) mit 46 Papers und Artificial Cells Nanomedicine and Biotechnology (Taylor & Francis) mit 76 Papers. Viele andere sind auch betroffen, interessant ist auch der Fall des Italienischen European Review for Medical and Pharmacological Sciences (Verduci Editore). Die haben massenweise Papers von Papiermühlen angenommen. Es ist ziemlich klar, dass die Mühlenbetreiber und die Editoren bei solchen Journals unter einer Decke stecken müssen. Eine Liste findet sich online und kann eingesehen werden.

Allgemein sind es eher unauffällige Journals mit einem nicht zu hohen Impact Factor, der aber hoch genug ist, um den Kunden die Beförderung oder einen Gehaltsbonus zu sichern.

Habe ich damals gemerkt: Sobald man das irgendwie antastet, beleuchtet, aufdeckt, hat man sofort alle gegen sich.

“Unser wissenschaftliches System und das Verlagswesen sind korrupt und verrottet”

Sind die Ursachen für die Anspruchnahme der Paper Mills auch im Gratifikationssystem der Wissenschaft zu suchen?

Leonid Schneider: Klar. Unser wissenschaftliches System und das Verlagswesen sind so korrupt und verrottet, dass die Chinesen es einfach gehackt haben. Geschieht uns recht. Niemand liest doch die Papers, schon gar nicht kritisch. Datenfälschung ist oft Normalzustand, solange man das Ziel erreicht und das Paper in ein hochgeranktes Journal einschmuggelt. Wissenschaftler verschenken Zitationen und gar Autorenschaften an wichtige Kollegen, um sich einzuschleimen oder weil diese Kollegen sie dazu zwingen. Und dann gratuliert man sich zur Anzahl der Papers, zum Zitationsindex und zum Impact Factor. Schauen Sie sich doch die Wikipedia-Profile unserer Akademiker an. Woher wissen wir, dass deutsche und US-Ärzte sich keine Papiermühlen-Produkte kaufen?

Meines Erachtens ist dieser Betrug zwar flächendeckend verbreitet, aber die Gender Studies sind das erste Fach, das von vornherein dazu erfunden und einzig und allein darauf ausgelegt wurde, diesen Betrug zu betreiben und sonst gar keinen Inhalt zu haben.

Der Kommentar

auf den mich der Leser dazu hinwies: Die guten Leute haben bei uns entweder aufgegeben oder wurden zuletzt promoviert von einem gewissen „fiesimatente”. Der Leser warnt, dass sowas bei Heise schnell gelöscht werde, deshalb zitiere ich vorsorglich mal ganz:

Wenn ich mir so die Alumni-Listen der Lehrstühle (Natur- und Ingenieurwissenschaften) anschaue, an denen meine Kommilitonen damals gelandet sind, dann ergibt sich ein bedenkliches Bild.

Diejenigen, die sich wirklich für ihr Fach begeisterten, ein Talent dafür hatten und beachtliches leisteten… gaben nach ein paar Jahren entnervt auf oder wurden (nach langer, hochproduktiver Knechtschaft) als letzte promoviert.

Deutlich schneller ging es bei:

  • Je nach Chef bei attraktiven Frauen (ja, auch in MINT)
  • Faulen und Nichtskönnern (da ist für den Prof. an Arbeitsleistung nichts zu holen)
  • Datenfälschern (die sparen sich eben enorm Zeit für tatsächliche Messungen)
  • Leuten die wissentlich oder unwissentlich halbgares, fehlerhaftes Zeug publizierten (hat fast nie jemand gemerkt, weder der Chef noch die Peers)
  • Unangenehmen Persönlichkeiten: Opportunisten, Dampfplauderer, Narzissten, Selbstdarsteller, Intriganten und Saboteure (die haben dabei noch ein paar gute Leute vergrault)
  • Kollegen mit Connections, sei es politisch oder wirtschaftlich (Drittmittel über Papa)

Es gab Leute, die hatten gerade so den Bachelor geschafft und hätten im weiteren Studium eigentlich nichts zu suchen gehabt. Die hatten ein glückliches Händchen bei der Auswahl ihres Doktorvaters und waren am Ende Co-Autoren bei 30 Papers, von denen sie zu 28 nichts beigetragen und 20 weder gelesen noch im Ansatz verstanden hatten.

Andererseits gab es Leute, die schrieben für die Lieblinge des Chefs die Papers (und so manche halbe Dissertation), wurden aber aus “strategischen Gründen” meistens nicht einmal als Co-Autor genannt.

Ja, da läuft so einiges falsch.

Ist das nicht exakt das, was ich hier immer beschreibe?

Mir würde zu jedem dieser Punkte sofort mindestens ein Name von Leuten einfallen, die ich hier im Blog schon genau so beschrieben habe.