Ansichten eines Informatikers

E-Book-Reader schon wieder tot?

Hadmut
5.12.2009 21:42

Naja…

Ich habe ja seit ein paar Tagen eines. Trotz aller Einschränkungen bin ich damit eigentlich nicht so unzufrieden. Bei mancher Gelegenheit hat sich das Lesen des E-Books als leichter als das Lesen eines normalen Buchs herausgestellt (z. B. wenn man auf dem Rücken liegt, im Flugzeug, wenn man nicht viel Gepäck mitnehmen kann), und daß man das Ding unterwegs quasi als Ersatz für Drucker und Papier nutzen kann, ist auch nicht so schlecht.

Allerdings sind die Bildschirme schon etwas mickrig. Ich habe gerade ca. 100 Seiten eines Computerfachbuches (PDF) gelesen, und da muß man schon das Ding quer halten, pro Seite dreimal scrollen und (in meinem Alter inzwischen) die Lesebrille aufhaben, um die dann ziemlich kleine Schrift lesen zu können. Richtig toll wären die Dinger, wenn sie in der Größe zwischen A5 und A4 wären, und wenn sie vielleicht obendrauf noch etwas Farbe hätten.

In der Süddeutschen wird nun schon wieder das Ableben der E-Book-Reader eingeläutet. Tablet Computer seien die Zukunft. Recht haben sie – und auch wieder nicht.

Die Argumente, daß die Bildschirme zu klein, zu monochrom sind, ist klar. Sie müssen größer werden. Obwohl ich mit der monochromen Darstellung klarkäme, die meisten meiner Bücher sind auch nur schwarz-weiß bedruckt. Insofern hat die SZ denn Sinn nicht verstanden. Und das E-Book ist nicht deshalb tot, weil die nächste Generation größer ist und dann anders, nämlich Tablet-PC heißt. Auch nur ein flacher Computer mit Bildschirm. Und Tablet-PCs waren schon ein paar Mal tot, sowas von tot.

Richtig ist aber, daß da gerade mehrere Geräte zusammenwachsen. Das, was da ehemals ein Handy war und heute ein Minicomputer ist, der irgendwo unter den hundert Applikationen noch ein oder zwei zum Telefonieren hat, wird diese Funktion mit übernehmen.

Insofern ist E-Book kein Gerät, sondern eine Anwendung, und die ist nicht tot, sondern kommt erst richtig in Schwung.

Es wird aber so sein (und Apple entwickelt das ja angeblich schon), daß man nahezu gleichartige Geräte in verschiedenen Größen hat, also etwa das iPhone-Prinzip (aka iPod Touch) oder Android als kleines Gerät für unterwegs (was früher das Handy war) und dann für zuhause oder für die Arbeit ein Gerät mit gleichem Innenleben und Betriebssystem, aber eben mit Bildschirm bis A4 haben wird.

Und spätestens dann wir das E-Book-Prinzip voll durchschlagen. (Jedenfalls wenn der Bildschirm taugt und der Akku hält.)

Heute haben sie im Radio erzählt, daß es für das iPhone ein App gibt, auf dem man Weihnachts- oder Geburtstagskerzen anzeigen und virtuell ausblasen kann. Es gibt auch schon ein virtuelles Glas Bier für das iPhone. Erst zeigt es ein volles Glas Bier an. Dann muß man sich das iPhone an den Kopf halten und so in einer Bewegung kippen, als würde man ein Glas austrinken. Und schon ist das Bierglas leer. Den Feuerzeugemulator gibt’s ja auch schon. Und dafür zahlen die Leute 79 Cent. Das wird der Massenmarkt. Ohne Zweifel. Da kann man dann auch ein Buch anzeigen und so tun, als würde man es lesen.

2 Kommentare (RSS-Feed)

ein Hinweis
6.12.2009 11:54
Kommentarlink

Hallo Hadmut,

hier ist sie schon, die nächste Generation:
http://www.netbooknews.de/11438/hands-on-mit-dem-entourage-edge-e-booknetbook-zwitter/#more-11438

Grüße


pepe
7.12.2009 11:57
Kommentarlink

Ueber ein Jahr warte ich jetzt auf diese Displays und nun kommen sie doch noch zu spaet fuers Weihnachtsgeschaeft: http://www.pixelqi.com/blog1/

Mit meinem OLPC lese ich gerade die Perry Rhodan Reihe (bin bei Band 26). Leider sieht der aus wie ein Kinderspielzeug und die Software ist unter aller Sau. Auch fuer A4-Seiten ist das kleine Display nicht geeignet. Aber ein “netvertible” mit Display von PixelQi koennte alle Traeume wahr machen…