Strasbourg, Wissembourg, …
Leserzuschriften zum Marx-Artikel.
Ich hatte im Artikel über den Marxisten-Blödsinn angesprochen, dass der von dem missbrauchte Begriff der „Bourgeoisie“ vom „Bourg“ kommt, wozu einem die KI sagt
Bedeutung und Herkunft
Ursprung: Das Wort kommt aus dem Französischen von „bourg“ (befestigte Stadt oder Burg). Im Mittelalter waren das die Bürger in den Städten, die Handel und Handwerk betrieben.
Wohlstand: Im Gegensatz zum Adel oder zu armen Bauern verdienten sie ihr Geld durch Arbeit, Handel, Banken und Industrie.
und auf Strasbourg und Wissembourg verwiesen. Dazu schrieben mir Leser
> Daraus wurde französisch bourg für Stadt oder Markt (vgl. Strasbourg, Wissembourg usw.).
Sicher?
Gerade im Elsass bin ich bislang davon ausgegangen, dass das einfach nur eine frankophone Wiedergabe des (alemannischen) Siedlungsnamens war.
Somit wurde Straßburg zu Strasbourg, Weißenburg / Wiisseburg zu Wissembourg, Hagenau zu Haguenau, Schlettstadt zu Selestat oder Neu-Breisach zu Neuf-Brisach.
Wobei Bri(i)sach die lokale alemannische Aussprache von Breisach ist, egal ob rechts- oder linkshreinisch, d.h. da ergäbe sich aus lokaler Sicht nicht mal ein Unterschied. (Höchstens in der Betonung, wobei alemannisch bedingt man im Elsass ja durchaus gerne die “deutsche” Betonung, d.h. auf die erste Silbe, verwendet. Auf deutscher Seite hat das zu Zeiten noch stärkerer Dialektfärbung gerüchteweise schon mehr als einen Französischlehrer in den Wahnsinn getrieben.)
So wie für den Einheimischen zwischen Friiburg und Fribourg bestenfalls in der Silbenbetonung einen Unterschied besteht, egal ob nun die Schwarzwaldmetropole oder die Stadt in der französischen Schweiz gemeint ist.
und
Bourg
Sehr geehrter Herr Danisch,
mit Straßburg und Weißenburg für die Erklärung von “Bourgeoisie” wird das nichts.
Diese elsässischen(!) Städte bekamen seinerzeit Namen auf -burg.
Nachhilfe in Geschichte gefällig?:
Ludwig XIV besetzte das Elsaß 1683, als das Reich mit der Türkenbelagerung von Wien belastet war, während Frankreich gleichzeitig mit dem Osmanischen Reich verbandelt war! (Und, nebenbei bemerkt, den Habsburgern ihre Hausmacht und deren Erweiterung nach Osten wichtiger als das Reich war.)
und
Strasbourg ist lediglich die frankophone Form von Straßburg.
— moench (@da_deifi) August 30, 2026
Eigentlich wollte ich darauf zuerste ein böse Antwort schreiben, der Art
- Ja, und? Das deutsche oder alemannische „Burg“ bedeutet doch dasselbe und kommt ebenso vom lateinischen burgus. Das ist doch dasselbe Wort. Was ändert das an meiner Aussage? Burgen gab es in Frankreich und Deutschland. Was soll das für einen Unterschied ausmachen, ob die Städte nun nach dem französischen Wort bourg oder dem gleichbedeutenden und gleich klingenden deutschen Burg benannt sind?
- Straßburg war ursprünglich eine befestigte Garnisonsstadt und hat heute noch die Befestigungsanlagen.
- Es ist doch völlig egal, woher der Begriff kommt – im Deutschen hat er den Begriff des Bürgers und im Französischen der Bourgeoisie gemacht.
Die KI sagt mir dazu als Herkunft
Bourgeoisie ist ein ganz normales, altes Wort der französischen Sprache und keine Erfindung von Karl Marx. etymonline.com
Es kommt von bourgeois („Bürger“, ursprünglich „Stadtbewohner“ im Gegensatz zum Bauern oder Adeligen). Das Wort geht auf altfranzösisch burgeis/borjois (12. Jahrhundert) und weiter auf bourg („befestigte Siedlung/Marktort“) zurück. Belege für bourgeoisie bzw. ältere Formen wie bourgesie gibt es bereits im Mittelalter (13. Jahrhundert bzw. sogar früher). dictionnaire-academie.fr
Im Französischen bezeichnete es lange die städtische Bürgerschaft bzw. das nichtadelige, wohlhabende Bürgertum. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war der Begriff bereits geläufig, bevor Marx ihn aufgriff. Marx und Engels haben das Wort nicht erfunden, sondern es aus dem Französischen übernommen und in ihrer Theorie zum zentralen Begriff für die kapitalistische Klasse gemacht (im Gegensatz zum Proletariat). Diese spezifisch marxistische Bedeutung setzte sich vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts durch; Vorläufer gab es schon bei den Saint-Simonisten. dwds.de
Kurz: Das Wort ist französisch und mittelalterlich; die berühmte marxistische Zuspitzung stammt von Marx.
Es gab also schon im Mittelalter diese Dreiteilung aus Bauer, Bürger und Adel, aus der Marx und Engels dann Proletariat, Bougeoisie und Kapitalisten gebastelt haben.
Was spielt es da für eine Rolle, ob das nun -burg oder -bourg hieß, das Prinzip und die Zusammenhänge sind doch dieselben?
- Was spielt es außerdem für eine Rolle, wer 1683 das Elsaß besetzt hatte?
Marx hat seinen Mist um 1850 geschrieben und sich an der damals bestehenden Begrifflichkeit bedient und abgekupfert. Ob der Begriff nun direkt aus dem französisch-lateinischen oder über den Umweg durch das Deutsche oder Alemannische kommt, ist doch schnurz. Es geht doch darum, was daraus wurde.
- Es ist auch nicht sinnvoll, 1683 eine Grenze zwischen deutscher und französischer Sprache zu ziehen. Damals war das noch ein Gestrüpp aus Regionalsprachen.
- Selbst wenn Strasbourg und Wissembourg Übernahmen aus dem Alemannischen waren, so erfolgt sie sicherlich wegen des gleichlautenden und gleichbedeutenden -bourg.
Überraschenderweise aber liefert mir die Suche nach der Etymologie etwas anderes als das, was ich dachte. Ich hatte nämlich für sicher gehalten, dass auch das deutsche Burg vom lateinischen burgus komme.
Darüber streiten sich aber die Geister, selbst die künstlichen:
Das Wort Burg stammt vom urgermanischen *burg- („Fluchtburg, befestigter Ort“) ab.
Herkunft und Entwicklung
- Ursprung: Das Wort geht auf die indogermanische Wurzel *bhergh- („hoch“) zurück. Es ist verwandt mit dem Wort Berg. Die ursprüngliche Bedeutung war eine „befestigte Höhe“ oder ein „Schutzwall auf einem Hügel“.
- Germanisch & Althochdeutsch: Im Althochdeutschen (ab dem 8. Jahrhundert) hieß es burg und bedeutete sowohl „Burg“ als auch „Stadt“.
- Verwandte Sprachen: Das althochdeutsche Wort entspricht dem altenglisch burh (englisch borough oder bury), dem altnordischen borg („Hügel, Wall, Burg“) und dem gotischen baúrgs („Stadt“).
- Lateinischer Einfluss: Umstritten ist das Verhältnis zum spätlateinischen Wort burgus („Festungs- oder Wachtturm“). Wahrscheinlich haben sich die germanische und die lateinische Form früh gegenseitig beeinflusst. DWDS
Es ist also nicht so hundertprozentig sicher, dass das deutsche Burg und das französische Bourg denselben etymlogoischen Herkunftspfad haben.
Es ist aber egal, weil sie spätestens seit dem Mittelalter dieselbe Bedeutung haben und in Deutschland und Frankreich auch gleich verwendet wurden, und hier den Begriff des Bürgers und dort den der Bourgeoisie hervorbrachten.
Und davon haben Marx und Engels abgekupfert. Von der Dreiteilung Bauer – Bürger – Adel. Bürger im Sinne von Städter. Deshalb ist es völlig egal, ob Strasbourg von Straßburg kommt, weil es an der Bedeutung nichts ändert.
Es zeigt aber auf, dass Marx und Engels Unfug redeten: Denn weil sie mit Proletariat, Bourgeoisie und Kapitalisten diese alte Dreiteilung plagiieren, zeigt sich, dass das so nicht stimmt, denn die gab es ja lange vor der Industrialisierung und den „Produktionsmitteln“.
Freilich könnte man die Parallele im Besitz von Grund und Boden durch Adlige ziehen, die ihn als Lehen an ihre Lehnsleute vergeben haben. Woraus ja dann auch die französische Revolution enstanden ist.
Aber Grund und Boden und eine Dampfmaschine sind eben doch nicht deckungsgleich. Dampfmaschinen kann man einfach viele bauen.