„HERRJE!“
Leser fragen – Danisch weiß es auch nicht.
Ein Leser fragt an:
HERRJE!
Haben die Leser wirklich nichts Wichtigeres am Hütchen, als sich um die Herkunft und Verwendung von “Bourg” zu kümmern? Da stehen u.a. ab kommenden Sonntag die Reste der Demokratie in D auf dem Spiel und die raufen sich über sowas die Haare. Das System “Brot und Spiele” hat ‘mal wieder ganze Arbeit geleistet.
Mann, Mann, Mann…
Weiß ich nicht, was die sonst am Hut haben.
Aber die deutsche Seele hat halt klare Prioritäten. Kehrwoche. Oder, wie man so schön sagt, „In Deutschland wird es keine Revolution geben, weil man dazu den Rasen betreten müsste“.
In der IT nennt man das Micro-Management, wenn man sich in den Details verliert und das Ganze, Große nicht mehr sieht – oder um das Ganze, Große nicht mehr sehen zu müssen.
Das hat auch was damit zu tun, das Böse nicht zu sehen: Wenn ich Dich nicht sehe, siehst Du mich auch nicht.
Im Prinzip das qualitative Analogon zur zeitlichen Komponente der Prokrastination. Statt uns damit zu beschäftigen, dass wir gerade als Volk abgemurkst und ausgeplündert werden, beschäftigen wir uns mit Kommaregeln, Etymologie, der Herkunft französischer Städtenamen.
Und deshalb ist es auch wichtiger, ob Strasbourg seinen Namen vom französischen bourg oder doch vom deutschen Burg hat, als dass in Frankreich jede Menge Kirchen und bald ganze Städte brennen.
Schema: Ich habe nie verstanden, was eine Million Euro ist, aber den Wert von 50 Cent, den kenne ich ganz genau!
Aber von den Prioritäten mal ganz abgesehen:
Das ist so eine typisch deutsche Sitte, nicht den Sinn eines Textes zu erfassen, sondern sich mit Details zu befassen. Das ist die deutsche Beamtenseele. Das geht mir seit Anbeginn des Blogs so, dass Leute Details korrigieren, aber den Sinn des Textes nicht verstanden haben. So, wie man mal längere Diskussionen mit mir führte, ob da jetzt „mehrfach“ stehen darf, oder „mehrmals“ stehen muss, aber der Sinn des Textes nicht erfasst wurde, als würde ein Lehrer einen Aufsatz korrigieren.
Und deshalb gehen wir unter.
Weil wir die Prioritäten nicht ordnen können und uns mit den Details statt mit dem Ganzen befassen.
Oh, versteht mich nicht falsch. Details können auch sehr wichtig sein (siehe Buch Kuckucksei). Trotzdem sind die großen Brocken in der Regel wichtiger als die Details.