Schäuble und die DDR
Mir fällt gerade etwas auf. Ein seltsamer Zusammenhang.
Was hatte Wolfgang Schäuble mit der Stasi zu tun?
Ich muss zunächst etwas ausholen. Langjährige Leser werden sich vielleicht erinnern, dass ich schon einige Artikel über Wolfgang Schäuble, Otto Leiberich (den ehemaligen BND-Direktor und BSI-Gründungspräsident) und die DDR geschrieben hatte.
Otto Leiberich war der BND-Direktor und Freund meines „Doktorvaters“ Thomas Beth (ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, sein Führungsoffizier, weil Beth inoffizieller Mitarbeiter des BND gewesen sein muss), der mich damals abgesägt hat.
Wir kannten Leiberich, weil der gelegentlich am Institut vorbeikam und auch mit uns sprach. Der hielt auch mal einen ganz hervorragenden und unheimlich spannenden Vortrag darüber, wie sie damals den Kanzler-Spion Günter Guillaume geschnappt haben – durch Brechen der DDR-Chiffren (ob das stimmt, oder das nur die Legende war, um vielleicht Gegenspione usw. zu schützen – wer weiß das schon). Leiberich und Schäuble waren ein enges Gespann, weil Wolfgang Schäuble ursprünglich eigentlich der große Spionage- und Abwehrchef BRD gegen DDR war. Gleich nach dem Zusammenklappen der DDR hatte sich Leiberich sehr schnell die DDR-Kryptologen eingesammelt und denen ein schönes Zuhause bei Rohde & Schwarz besorgt, damit die nicht abgeworben werden, das waren nämlich die, die den Westen abhören konnten.
Hier nochmal die Kurzversion: BND/CIA/Leiberich hatten mit der Operation Rubikon über die Schweiz und weitere Unternehmen den europäischen Nachbarländern faule „abhörsichere“ Telefone und Funkgeräte angedreht, die keineswegs abhörsicher waren. Die waren analog verschlüsselt („Scrambler“), und die CIA wusste, wie man die knackt. Dick mittendrin: Mein „Doktorvater“ Beth, der uns selbst sagte, dass er zuvor in London bei der Konstruktion abhörsicherer Funkgeräte beteiligt war. Nach seinem Tod habe ich dann herausgefunden, dass diese Geräte alle faul waren und analoge Hintertüren hatten – was genau dazu passt, dass Beths Steckenpferd die Fouriertransformation war, also etwas, was man beim Scramblen verwendet.
Warum hatte er uns das gesagt? 1994 hatte ich ein abhörsicheres digital verschlüsseltes Telefon gebaut. Wir hatten damals am EISS ein Verschlüsselunsgverfahren entwickelt und dazu Bibliotheken geschrieben, sogar Chipkarten und Chipkartenleser entwickelt und hatten damit einen richtig guten Krypto-Unterbau (vgl. RFC 1824) und sammelten nun Anwendungen, wie ein verschlüsseltes Telnet (wurden dann vom Konkurrenzprodukt ssh überholt). Und so als Fingerübung und um mit dem LPC (Linear Predictive Coder) herumzuspielen und die PCMCIA-Mobilfunkdatenkarte für ein Nokia 2110 (ich hatte damals als Mitarbeiter das erste Handy an der Uni Karlsruhe, was man mir sehr übel nahm, denn wie kann das sein, dass ein kleiner Mitarbeiter eines vor dem Rektor hat?) auszuprobieren. Also: Mikrofon – Sprachkompression – Verschlüsselung – Modem – Entschlüsselung – Lautsprecher. Eigentlich nicht schwer, halt viel Gefummels und Gebastel, bis das sauber läuft. Wir hatten das dann sogar in Teilen als Übungsaufgabe in den Übungen unserer Informatikvorlesung verwendet und die Studies ein paar Teile davon nachprogrammieren lassen. War cool: Im Vordiplom lernen, wie man digital verschlüsselte Telefone baut.
Beth ist damals ausgerastet, als er das mitbekommen hat. Der wurde richtig wild und höllenstinksauer. Wie ich dazu käme, so etwas ohne Erlaubnis zu bauen. (Hä? Seit wann brauchen wir eine Erlaubnis, um etwas zu entwickeln? Beth gab die dringende und sofort umzusetzende Dienstanweisung, dass ich das sofort zerstören müsse. Wir dürften Telefonverschlüsselung ausschließlich analog betreiben, scrambeln, und ich sollte stattdessen einen Aufsatz entwickeln, den man auf das normale Telefon pappt, der als Sprachzerhacker arbeitet.
Wir verstanden damals überhaupt nicht, was das sollte.
Ein Kollege und ich redeten auf Beth ein. Das ist nicht sicher. Das geht überhaupt nicht, weil D-Netz-Telefone eben keine analogen sondern digitale Telefone sind, und man Sprachscrambling nicht durch die Sprachkompression bekommt, denn die ist für den menschlichen Stimmapparat optimiert und nicht für irgendwelche beliebigen Geräusche (ich hatte mich ja gerade durch LPC gearbeitet und verstanden, wie der funktioniert, der ist direkt am Kehlkopf entlangprogrammiert) – nutzte alles nichts. Beth bestand darauf, dass wir Telefonate ausschließlich analog verschlüsseln dürfen. Und wofür haben wir dann jahrelang unsere tolle Bibliothek zur digitalen Verschlüsselung entwickelt, wenn wir sie jetzt nicht benutzen, sondern stattdessen umständlich, unsicher und funktionsunfähig analog verschlüsseln sollen, um ein digitales D-Netz-Telefon zu verwenden? Was soll das?
Beth hatte keine Begründung, sondern erklärte uns dazu, dass er eben Institutschef sei und er in London an der Entwicklung verschlüsselnder Funkgeräte für die Londoner Polizei beteiligt war. Und wenn er das damals so gemacht hat, dann machen das auch alle Mitarbeiter des Instituts für alle Ewigkeit so. Basta.
Wir haben damals nicht verstanden, was dieser Quatsch soll.
Damals hat mich das unfassbar geärgert, aber Jahre später lieferte mir das den Schlüssel zum Verständnis, was (mir) da damals an der Universität passiert ist. Denn erst Jahre später habe ich herausgefunden, dass diese britischen Funkgeräte zu den Geräten gehörten, mit denen BND/CIA/Leiberich halb Europa abgehört haben, beispielsweise die Behörden der Niederlande.
Beth hat es letztlich direkt und wörtlich zugegeben, aber ich habe es erst verstanden, als er schon tot war. Und er hätte es nicht gesagt, wenn wir nicht in Streit über mein verschlüsseltes Telefon geraten wären. Manchmal sind es so die Kleinigkeiten, die jemand im Streit und in Erregung unüberlegt ausplaudert. Beth war kein Kryptologe. Er war ein Saboteur.
Das Dumme daran war, dass die Kryptologen der DDR das herausgefunden hatten und wussten, wie sie das auch abhören können. Das heißt, dass weil BND/CIA/Leiberich/Beth Europa faule Funkgeräte und Telefone untergejubelt hat, damit BND/CIA mithören können, auch die DDR mithören konnte. Es gab in der Bundesrepublik meines Wissens nur ein einziges Telefon, das so verschlüsselt war, dass die DDR das nicht abhören konnte: Nämlich das amerikanische digital verschlüsselte Telefon Helmut Kohls für Telefonate mit dem US-Präsidenten – der Rechner dazu in der Größe eines Kühlschranks. Weil die Amerikaner nur dafür stark verschlüsselte Telefonie erlaubten, denn – Kunststück – wenn sie selbst am anderen Ende sitzen und Gesprächsteilnehmer sind, müssen sie es ja nicht abhören können.
Das muss Beth also gewusst und mir deshalb das digital verschlüsselnde Telefon verboten und stattdessen ein analoges, unsicheres Verfahren vorgeschrieben haben – weil CIA und BND das offenbar so verlangten, und deshalb auch die abgesägte Promotion. Es ging um Verschlüsselung.
Kurioserweise hat sich damit auch die NATO damals ins Knie geschossen. Denn die Türkei wurde NATO-Mitglied, musste also an der NATO-Kommunikation beteiligt werden. Sie durfte aber keine starken Verschlüsselungsgeräte bekommen, weil die Amerikaner das nicht zuließen und die Türkei abhören wollten. Deshalb lief die ansonsten stark verschlüsselte NATO-Kommunikation doppelt, nämlich nochmal schwach verschlüsselt für die Türkei, wo es der Warschauer Pakt alles mitlesen konnte. Geniale Dummheit oder Legende, um dem Ostblock Falschnachrichten unterzujubeln? Wer weiß das schon.
Deshalb hatten es Leiberich und Schäuble damals ganz eilig, nach dem Zerfall der DDR deren Kryptologen einzusammeln. Wovon ich erst später erfahren habe. Das erklärte nämlich etwas, was uns damals aufgefallen war, und was ich auch erst Jahre später verstand:
Immer, wenn Leiberich uns am Institut besuchte, redete er auch uns kleine Mitarbeiter immer mit „Herr Kollege“ an. Da fühlten wir uns damals total geschmeichelt und gebauchpinselt. Das geht runter wie Öl, wenn man von einem so hohen Tier mit „Kollege“ angesprochen wird. Erst Jahre später habe ich dann gelesen, warum er das getan hat. Leiberich soll nämlich überaus positiv überrascht und davon angetan gewesen sein, dass ihn die DDR-Kryptologen auf ihn überhaupt nicht feindlich oder abweisend reagiert hatten, wie er das erwartet hatte, sondern ihn sehr freundlich und kollegial behandelt und als „Genosse“ angesprochen hatten. Das habe ihm äußerst imponiert, weshalb er dann offenbar etwas später uns als „Kollege“ angesprochen hat.
Und Schäuble und Leiberich waren da immer ein Gespann. Schäuble muss sehr viel mehr mit der Spionage der DDR und der Abwehr von deren Spionage und Sabotage befasst gewesen sein, als das öffentlich bekannt war. Offizielle Formulierungen lauten etwa so (Google-KI):
Kanzleramtsminister (1984–1989): Bereits vor der Wende war Schäuble als Chef des Bundeskanzleramtes unter Helmut Kohl für die Beziehungen zur DDR zuständig und bereitete unter anderem den Besuch von Erich Honecker in Bonn vor.
So nannte man das damals: „Für die Beziehungen zur DDR zuständig.“ Faktisch aber der Geheimdienstchef als Kanzleramtsminister. Es gab ja auch mal einen DDR-RAF-Bombenanschlag auf einen hohen Mitarbeiter Schäubles, der sehr präzise tödlich für den Passagier gewesen wäre und den Chauffeur geschont hätte – wenn der Chauffeur nicht an dem Tag krank gewesen wäre und der Behördenmitarbeiter ausnahmsweise selbst das Auto gefahren hätte und deshalb überlebte. So etwas macht man nicht, wenn Schäuble nur für Beziehungen und schöne Besuche zuständig gewesen wäre. Schäuble muss der westdeutsche Spionagechef gewesen sein – und Leiberich sein Topspion und Topantispion. Günter Guillaume wurde 1974 festgenommen.
So weit eine Kurzzusammenfassung dessen, was ich schon in vielen Blogartikeln beschrieben habe.
Warum erwähne ich das jetzt?
Weil mir eben etwas aufgefallen ist. Die letzten zwei, drei Tage ging es doch vor allem bei und durch Apollo News hoch her, weil ein gewisser Sven Hüber, Funktionär bei der Gewerkschaft der Polizei und ehemaliger Politoffizier der DDR-Grenztruppen, irgendwie mit Apollo aneinandergeraten ist und die dann einen gefunden haben, der aussagte, dass Hüber als DDR-Grenzer ganz schlimme Dinge getan habe, auch im Zusammenhang damit, auf Flüchtlinge zu schießen. Das ist wohl jetzt hochgepoppt, weil der sich irgendwie gegen die AfD geäußert hatte und sehr unterlassungsklagefreudig ist.
Dazu wies mich ein Leser auf ein Detail in einem Artikel der Süddeutschen über die Sache hin: Vom DDR-Politoffizier zum Bundespolizisten – Eine deutsche Karriere und ein Justiz-Albtraum von 2010! (bitte Datum beachten, weil Schäuble ja tot ist, darin aber noch im Präsens benannt wird).
Was natürlich die Frage aufwirft, wie ein fieser DDR-Grenzer so eine Karriere machen könne.
Und darin finde sich eine brisante Textpassage:
Hüber prozessiert ungeniert weiter gegen Siedler/Grafe, bis zum Bundesgerichtshof. Durch die “rufmörderische Berichterstattung” sorgt er sich, beim “beruflichen Fortkommen beeinträchtigt zu werden”, denn “übel beleumundete Beschäftigte machen in der Regel keine berufliche Karriere mehr”. Bislang hat Bundesinnenminister Schäuble, der sich regelmäßig mit Sven Hüber trifft, Kritiker zurückweisen lassen mit der Begründung, Hüber sei vor der Einstellung überprüft worden, und in seine “privaten Rechtsstreitigkeiten” sei das Ministerium nicht verwickelt.
Dass Schäuble und Leiberich die DDR-Kryptologen eingesammelt haben, kann ich ja gut nachvollziehen, dafür gab es ja triftige und nachvollziehbare Gründe.
Warum aber war Schäuble offenbar so lieb zu DDR-Grenzern? Warum traf der sich noch 2010 mit diesem DDR-Grenzer?
Und wen haben die noch eingesammelt?
Mir sagte vor ein paar Jahren jemand, dass die ehemalige Stasi nicht nur weiter existiere, sondern die im Wesentlichen alle noch in ihren Wohnungen wohnten, weil man die damals alle in der Nähe der Stasi-Zentrale ansässig gemacht hat. Das sei noch immer ein Stasi-Wohnviertel.
Könnte es also sein, dass das damals ein Deal mit der DDR war, dass man Stasi usw. weiterbeschäftigt hat und die „BRD“ eigentlich eine ganz gute Verwendung für die Stasi hatte?
Könnte es also sein, dass die heutigen NGOs das Ergebnis dessen sind, wenn man die DDR-Stasi einkassiert und dann nach BRD-Manier und BRD-Recht tarnt, nämlich im Privatrecht vergräbt?
Hat Schäuble nicht nur die Kryptologen und die Grenzer, sondern auch die Stasi eingesammelt und weiter verwendet?
Anders gefragt: Sind die NGOs nicht nur zufällig aus Stasi-Trümmern gebaut, sondern steckt Schäuble dahinter?
Und wenn Schäuble dahinter steckt, aus den Trümmern der Stasi eine als NGOs getarnte Neo-Stasi zu bauen – hängt dann nicht konsequenterweise auch die Kanzlerin Merkel mit drin?
Hat man also die Stasi einfach weiter als Machtsicherungsapparat, als eine Art SA eingesetzt, und sie in NGOs versteckt? So ähnlich, wie man die DDR-Kryptologen nicht verbeamtet, sondern in der Privatwirtschaft eingepflanzt hat?
Ist das ganze NGO-Ding ein Konstrukt von Merkel und Schäuble?
Merkel und Schäuble auf den Spuren von Honecker und Mielke?
Denn soviel ist sicher: Sowohl Merkel als Ossi, als auch Schäuble als Geheimdienst-Wessi müssen sehr genau gewusst haben, wie die Stasi funktioniert und wirkt. Hat man die also einfach übernommen?
Fragen wir anders:
Die Google-KI sagt mir
Angela Merkel löste im Dezember 1999 mit einem FAZ-Gastbeitrag den Sturz ihres politischen Zievaters Helmut Kohl aus.
Ich habe zwar jede Menge Artikel über diesen Artikel gefunden, aber zumindest nicht auf Anhieb den Artikel selbst.
Kann es sein, dass Kohl abgesägt wurde, weil der beim Recycling der DDR-Organe nicht mitgespielt hat?
Welcher Zusammenhang besteht zur Abwahl Kohls 1998?