Neues von der WISE-Bank
Die Mühlen des Datenschutzes mahlen laaaaaangsam.
Langjährige Leser wissen, dass mir damals nicht nur das Spendenkonto bei der Deutschen Bank gekündigt wurde, sondern kurz darauf noch ein zweites. Nach dem Ärger mit der Deutschen Bank hatten mir Leser empfohlen, ein Konto bei der WISE-Bank aufzumachen, weil die außerhalb Deutschlands sitzen und man da außerdem ein Konto in Minuten eröffnen könnte.
Das hatte ich probiert, und tatsächlich an einem Sonntag innerhalb von Minuten online mit Personalausweis-in-die-Kamera-Halten ein Konto eröffnet. Leser hatten mir auch gleich Spenden geschickt.
Am nächsten Morgen, um 06:00:04, bekam ich eine gestelzte Mail, dass das Konto wieder gekündigt wurde. Nach nicht einmal 24 Stunden, vollautomatisiert. Eine Erklärung gab es nicht, und auch keine inhaltliche Antwort auf mein Datenschutzauskunftsersuchen.
Deshalb habe ich Datenschutzbeschwerde erhoben, weil
- die Datenschutzauskunft verweigert wurde,
- solche vollautomatischen Kündigungen verboten sind (Art. 22 DSGVO)
- sich aufdrängt, dass da Daten falsch verarbeitet wurden und man das irrtümlich für kriminell hielt (Geldwäsche, Drogen, Kinderpornos…)
Das Problem daran ist, dass die WISE-Bank in England sitzt und deshalb seit dem Brexit selbst nicht mehr EU-Recht unterliegt. Allerdings dürfte sie dann auch keine Bank-Dienste mehr in der EU anbieten, weshalb sie seither eine Briefkastenadresse in Brüssel betreibt und pro Forma eine Banklizenz von Belgien erhalten hat. Stinkt nach Korruption, denn auf meine Nachfrage, wieso eine Bank eine Banklizenz erhält, deren Tätigkeit offensichtlich nach Art. 22 DSGVO verboten ist, weil WISE praktisch kein Personal hat und vollautomatisch als Cloud-Service läuft, bekam ich keine Antwort. Es erinnert mich stark an Wirecard und weckt den Gedanken, dass diese Bank nur Tarnung ist und in Wirklichkeit Geheimdiensten dient.
Also habe ich Datenschutzbeschwerde erhoben. Wie das EU-Recht das vorsieht, bei der für mich örtlich zuständigen Berliner Datenschutzbeauftragten, die das dann an die belgischen Behörden weitergeleitet haben.
Die belgische Datenschutzbehörde stellt sich seit Jahren tot. Keine Antwort, keine Reaktion auf Anfragen. Weder mir gegenüber, noch gegenüber der Berliner Datenschutzbehörde. Was nicht so wirklich überrascht, denn ich beobachte seit Jahren, dass der Datenschutz in der EU faktisch gar nicht existiert, das alles nur vorgetäuschtes Theater ist, um dann, wenn man es braucht, Unternehmen zu piesacken und strafen, und als Handelshemmnis gegenüber den USA.
Gestern nun bekam ich überraschend und ohne erkennbaren Anlass zwei inhaltlich gleichlautende, identische Mails, die aber keine Doppelsendung waren, weil die Zweite als reply auf die erste ankam:
Ana from Wise (Wise)
18. Aug. 2026, 13:34 UTC
Dear Hadmut,
Following a recent internal review, Wise identified that your follow-up inquiry of September 11, 2023, regarding your account deactivation and Data Subject Access Request was left unanswered. We are providing this supplemental response to address your communication.
Wise continuously monitors transaction activity across all accounts on its platform. Our operational frameworks evaluate transaction velocity, transfer patterns, and account metrics to detect activity that does not align with our Terms and Conditions or Acceptable Use Policy.
On July 10, 2023, your personal account triggered a risk detection rule integrated into our transaction monitoring infrastructure. Personal accounts on Wise are intended exclusively for personal payment use. The patterns detected on your account resulted in it falling outside Wise’s risk appetite for personal profiles under Clause 1.2 of our Acceptable Use Policy (AUP) applicable at the time of deactivation, justifying the restriction applied to your account.
We hope this explanation completes our previous response.
Yours sincerely,
Wise Privacy Team
Ach, gar. Nach drei Jahren habe ihre interne Qualitätskontrolle festgestellt, dass noch eine Datenschutzauskunft an mich fehlt. Anscheinend ist die belgische Datenschutzbehörde doch noch tätig geworden. Nach fast drei Jahren.
Dabei fällt mir auf:
- Das ganze wirkt gestelzt formuliert und automatisiert, auch weil die zweite Mail als Reply auf die erste auftaucht. Das könnte entweder eine Massenmail an viele Empfänger oder von einer KI erstellt worden sein. Interessanter Punkt: Eine KI als „Datenschutzbeauftragter“. Würde zu WISE passen, denn die haben ja fast kein Personal, sondern machen alles automatisiert und in der Cloud.
- Der Verweis auf Clause 1.2 of our Acceptable Use Policy (AUP) ist nicht nachvollziehbar, weil die 2023 gültige Version nicht mehr zu finden ist und die auch ständig geändert wird. In der Aktuellen Version unter https://wise.com/gb/legal/acceptable-use-policy finde ich nichts, was diese Kündigung stützen würde.
- Die Auskunft ist auch sachlich falsch, denn es wurde ja keine „restriction applied to your account“, sondern das Konto sofort komplett gekündigt.
- Das, was sie da schreiben, ist auf jeden Fall eine Verletzung von Art. 22 DSGVO, weil Artikel 22 solche vollautomatischen Aktionen verbietet.
Ein bisschen Bewegung ist da also schon noch drin.
Es zeigt aber auch, dass der Datenschutz auf EU-Ebene nichts taugt. Ein Riesenapparat von Vorschriften und Datenschutzbeauftragten, aber es kommt dabei nichts heraus, m an wird als Bürger nur auf dem Papier, aber nicht faktisch geschützt.