Ansichten eines Informatikers

When I had a hammer …

Hadmut
12.8.2026 15:36

Die letzte Rache des Sofas vor seinem Tod.

So. Nun ist auch der Hauptteil des Sofas zerkloppt und überwiegend den Weg alles Entsorgbaren gegangen. Der Hauptteil war zwar noch nicht so kaputt wie die chaise longue und auch nicht durchgesessen, aber an einer Ecke zeigte sich auch hier schon der Zerfall des Kunstleders, vermutlich Hydrolyse, und die Erfahrung sagt, dass wenn das mal angefangen hat, der Rest auch nicht mehr lange hält. Man will ja auch nicht Gästen einen Sitzplatz anbieten und dann riskieren, dass beim Aufstehen das Kunstleder wie Kaugummi in deren Kleidung klebt, wie mir das mit Schuhsohlen und Kameraobjektiven schon passiert ist. Also weg damit. Zerkloppen und per Hausmüll entsorgen, denn ins Auto passt es nicht, um die Sperrmüllabholung der BSR dauert mir zu lange und ist zu teuer.

An dieser Stelle muss ich IKEA mal einigen Respekt aussprechen.

Dieses Sofa sah beim Zerlegen zwar aus, als sei es aus Holzabfällen gefertigt, ganz billiges, rauhes, ungehobeltes Holz, alt hätte man alte Obstkisten wiederverwertet, einfachster Pressspan, also wirklich das billigste Zeug, was man finden kann – aber trotzdem beeindruckend stabil. Man sieht ja normalerweise nicht, wie es „untendrunter“ aussieht, weil das Sofa rundherum mit Kunstleder verkleidet und auf der Unterseite mit schwarzen Stoff (nee, nicht einmal das, so eine stoffähnliche Papierfaser) zugetackert ist.

Das Sofa war aber so mit Holzleisten an den richtigen Stellen verklebt und reichlich genagelt, dass das ganze Ding verblüffend steif und stabil war. Ich dachte erst, das wäre sehr leicht, den Rahmen zu zerbrechen, indem ich ihn hochkant stelle und dann einfach seitlich drücke, die Scherkräfte dann zum Zerbrechen führen, aber so billig das Ding gemacht war, so erstaunlich stark hat es sich dagegen gestemmt, bis ich mit dem Gummihammer ein paar der Leisten und Ecken rausgekloppt hatte.

So betrachtet ist das eine beachtliche Ingenieurleistung, als etwas billigstem Holz per Konstruktion eine so stabile Sache zu bauen. Offenbar wissen die sehr gut, wo Leisten hin müssen, damit etwas stabil, belastbar und verwindungsfest wird, selbst wenn das Grundmaterial nicht viel hält.

Und das bekam ich auch zu spüren.

Ich habe einen Klauenhammer. Ein treues Werkzeug, seit etwa 30 Jahren, hat mich schon bei fünf Umzügen begleitet. Und den wollte ich nun verwenden, um nicht nur Nägel zu ziehen (die meist nicht einfach zu greifen sind, weil sie elektrisch genagelt wurden und deshalb tiefer als die Holzüberfläche sitzen), sondern Leisten, die ich mit dem Gummihammer gelockert hatte, abzuhebeln.

Kennt Ihr dieses Gefühl, wenn Metall bei Belastung plötzlich weich wird und nachgibt?

Man spürt und fühlt das sofort, auch wenn man nicht hinschaut, dass das kein Nagel ist, der sich löst, und auch kein Holz, das splittert. Die fühlen sich alle irgendwie ruckartig, sägezahnartig an.

Wenn aber Metall der Belastung nicht standhält und nachgibt, hat das eine ganz eigentümliche Kraftkurve, weil der Widerstand plötzlich wegsackt und sich das dann so ganz eigentümlich „smooth“, weich, butterartig anfühlt, so dass man ohne hinzusehen sofort fühlt „Verdammt, das war nicht das Sofa, das war Metall, das war der Hammer, der nachgegeben hat.“ Wenn man spürt, dass nicht rohe Gewalt zum Erfolg geführt hat, sondern da irgendetwas auf der eigenen Seite kapituliert und man sich selbst überschätzt hat, und man die Trümmer des Sofas schadensfroh lachen hört. Als hätte man den Mund zu voll genommen und feststellen müssen, dass man das, was man angekündigt hat, nicht halten kann.

Erinnert mich übrigens daran, was ich über Brände gelesen habe. Aus brennenden Holzhäusern käme man immer noch heraus, weil die vorher krachen und knacken, und dann Stück für Stück einstürzten. Stahlbauten dagegen würden ab einer bestimmten Temperatur einfach weich, geben dann nach, dann verändert sich die ganze Statik und Belastung der eigentlich noch stabilen Teile, die dann auch überlastet werden, weshalb der ganze Mist plötzlich und ohne Vorwarnung einfach zusammensackt. Siehe auch 9/11.

Ergebnis:

Das ist mir auch noch nicht passiert.

Jetzt brauche ich einen neuen Hammer. Nächstes Mal bei der Abwägung, ob ich einfach die Sperrmüllabholung kommen lasse, preislich mit einkalkulieren.