Ansichten eines Informatikers

Warum der ganz linke „Republikanische Anwälteverein“ trotzdem „republikanisch“ heißt

Hadmut
5.8.2026 12:38

Viele wunderten sich, wenige wissen es.

Viele Leser haben sich, ebenso wie ich, darüber gewundert, warum sich ein RAF-naher linker Anwaltsverein „republikanisch“ nennt, wo das doch irgendwie nach Nazi klingt und in den USA die Rechten „Republikaner“ heißen. Es gab auch in Deutschland mal eine rechte Partei „Die Republikaner“. Wie also kommt ein Haufen linker, RAF-naher Juristen zu diesem Namen?

Ein Leser schreibt mir dazu:

„Republikanische Vereine“: linksextreme Keimzellen Berlin 1967

Hallo Herr Danisch,

in der Tat etwas widersprüchlich, aber der „RAV“ leitet sich von den „republikanischen Vereinen“ ab, die zuerst 1967 in Berlin im Zuge der „APO“-Bewegung, später dann auch in anderen Städten gegründet wurden, um linke Protestbewegungen zu bündeln.

„Republikanisch“ bezieht sich dabei keinesfalls auf die Bundesrepublik, sondern steht in der Tradition fürstenfeindlicher Bürgerclubs aus dem Vorfrühling der Revolutionen von 1789 und 1848, soll also an deren „revolutionäres“ Erbe anknüpfen.

Mancherorts hießen diese Vereine auch „Club Voltaire“, was in diesem Kontext eindeutiger klingt.

Ah, ja, das erklärt es. Republik war damals ein Kampfbegriff um die Feudalherrschaft und Aristokratie loszuwerden. Stichwort Karlsbader Beschlüsse, Denkerclub. Das war die Zeit, als zwei konkurrierende Lager darum stritten, wer Nachfolge des Adels werden solle. Auf der einen Seite die Linken, die eine – im Prinzip vorsozialistische – Republik als Gegenentwurf vorsahen und letztlich feudal bleiben wollten, aber den Adel durch sozialistische Parteien ersetzen wollten, und auf der anderen Seite die „Rechten“, die Individualisten waren und die Grundrechte erfanden, siehe Paulskirchenverfassung, aus der unser Grundgesetz wurde.

Aus genau diesem Richtungsstreit und den zwei entgegengesetzten Linien, die in Konkurrenz um die Nachfolge des Adels standen, stammen nicht nur die Begriffe „Rechte“ und „Linke“, sondern ist auch der kommunistische Schmonzes von Karl Marx entstanden, der ja an der Berliner Humboldt-Universität studiert und dort den Blödsinn eingetrichtert bekommen hatte wie eine Mastgans.

Auch die DDR nannte sich ja „Republik“.

Irgendwie ist dieser Begriff der Republik dann von links nach rechts gewandert.

Republik kommt von lateinisch res publica = öffentliche Sache, öffentliche Angelegenheit. Deshalb heißt auch diese erzlinke Propagandaveranstaltung „re:publica“. Die Leute bringen es fertig, sich selbst re:publica zu nennen und andere des „Populismus“ zu beschimpfen, dabei gehören die Begriffe eng zusammen.

Cicero schrieb in De re publica: res publica res populi. „Der Staat ist Sache des Volkes“

Und genau das wollen Linke nicht. Sie wollen, dass der Staat Sache der (einzigen) Partei ist und das Volk zu gehorchen hat. Deshalb beschimpfen die gerne alles als populistisch.

Der Begriff der Republik war also mal ein linker Kampfbegriff, als es noch gegen die Aristokratie und den Adel ging. Und nachdem der Adel weg war, wurde der Begriff rechts, als es um die Frage ging, wer das Sagen hat, die Partei oder das Volk.