Ansichten eines Informatikers

Aktennotiz

Hadmut
12.12.2024 21:04

Zu Belgiern nicht „Pommes“ sagen.

Pommes oder Nichtpommes

Hallo Hadmut,

Der Text über die Heißluftfritteusen kam mir gerade recht, ich überlege seit geraumer Zeit, ob ich mir so ein Teil zulegen soll, und deine Argumente sind recht nachvollziehbar. Ich denke, bald habe ich auch eine. Weniger für Fritten, aber man kann diese Geräte (angeblich) auch zum Backen verwenden. Und auch sonstwie.

ABER: “Pommes” in Belgien geht gar nicht. “Pommes” sind Äpfel, und niemand hier (ich schreibe als Belgier aus Belgien) würde zu in Stäbchenform geschnittenen, frittierten Kartoffelstücken “Pommes” sagen, auch wenn Kartoffeln auf französisch “Pommes de terre” heißen. Es heißt trotzdem stets “Frites”. Ich gebe zu, dass ich ab und zu in meiner Dorffriterie das Wort “Pommes” höre, das sind dann aber deutsche oder niederländische Touristen. Da wir Belgier weltoffen und tolerant sind, halten manche Frittenbudenbesitzer für diese Kunden immer ein paar Grannie Smith oder Cox Orange parat…

PS Die besten, also höchst authentischen frites werden in Belgien übrigens mit Rinderfett (noch besser: Nierenfett) gebrutzelt. Das würde bei der Zubereitung in einer Heimfriteuse wegfallen, kommt also nicht in Frage, wenn man wie ich eine echte belgische Friterie gleich in der Straße hat.

Herzlich

Naja, die Sache ist ja auch die: Wenn Deutsche von „Pommes“ reden mit deutlich ausgesprochenem „..es“, dann meinen sie ja nicht (mehr) das französische „Pommes“, was zweifellos auch in Belgien vorherrscht, und auch zur Zeit meiner Jugend noch in Deutschland in Gebrauch war. Als ich Kind war, hießen die Dinger noch „Pommes Frites“, ausgesprochen „Pomm Fritt“.

Meiner Erinnerung nach hat sich dann das rheinische Proletensprech ausgedehnt, das sich eher vom der Schriftdarstellung als der Aussprache ableitet: „Hannes, eine Pommes rot-weiß!“

Das ist so ähnlich wie Mallorca, bei dem sich die Manta-Friseusen auch solche Mühe geben, dass „L“ richtig zu lallen, obwohl in der Aussprache gar kein L vorkommt, sondern das „Majorka“ gesprochen wird. Daraus ist dann „Malle“ geworden. Proletensprech.

Der Deutsche an und für sich tut sich sehr schwer mit der Aussprache anderer Sprachen.

(Wer sich noch an „Sketchup“ erinnern kann: Er steht am Kochtopf und kocht irgendwas, schmeckt ab und meint „Da fehlt noch was. Schatz, wie heißt das französische Zeug, nach dem Du so verrückt bist?“ Sie, total glücklicher Gesichtsausdruck: „Alleng Dellong!“)

Ich möchte aber betonen, dass ich es für generell falsch halte, besonders weil ich noch nie in Belgien war (was auch nicht ganz stimmt, weil ich als Kind auf der Reise nach England mit Zug und Fähre durch Belgien nach Ostende und wieder zurück gefahren bin, das Atomium aus dem Zugfenster gesehen) und auch kein Französisch kann, mir anzumaßen, den Belgiern Sprachvorschriften zu machen oder sie zu belehren.

Dennoch erscheint es mir zweifelhaft, Kartoffeln als „Frites“ zu bezeichnen, die (noch) nicht das Schicksal ereilt hat, frittiert worden zu sein.

Und so, wie ich als Kind schon lernte, dass Kartoffeln im Französischen „Pommes de terre“ heißen und in Süddeutschland sogar „Erdäpfel“, bisweilen auch „Krumbeere“ (Pfalz, Krum = Ackerfurche, also eine Ackerfrucht oder Ackerbirne), während ein jus de pomme keineswegs Kartoffelsaft, sondern Apfelsaft ist (war das nicht Otto mit „Pommes de Bordelle = Kartoffelpuffer“?), mag zwar die belgische Ablehnung, Kartoffeln mit der Bezeichnung des Apfels zu versehen, verständlich sein. Sie mit dem Endzustand „Frites“ zu bezeichnen erscheint mir aber noch abwegiger, zumindest aus deutscher Sicht, weil es in Deutschland eine üppige Vielzahl an Kartoffelgerichten und Zubereitungsmethoden gibt. Es kann natürlich sein, dass die in Belgien nicht so bekannt sind, und deren Frites, die immerhin Weltruf haben und denen man nachsagt, die Erfinder zu sein, sprachlich zu dominant sind.

Und die Moral von der Geschicht: Ich muss mal nach Brüssel.

  1. Pommes … pardon … Frites essen.
  2. Das Atomium nach fast 50 Jahren der Sicht aus der Ferne auch mal aus der Nähe besichtigen.
  3. Mir den EU-Krampf mal anschauen.