Ansichten eines Informatikers

Mode als Methode

Hadmut
11.6.2024 19:19

Ergänzungen zu einer wesentlichen These von mir.

Ich hatte schon oft geschrieben, dass ich die Nazis keineswegs für das singuläre Ereignis halte, als das sie von den Medien und den Holocaustausstellungen hingestellt werden, sondern dass ich sie für einen zusammengecasteten Haufen halte, an dem gar nichts echt und eigen war, sondern an denen einfach alles, ausnahmslos alles, aus der Weltgeschichte und anderen Ländern und Ideologien zusammenplagiiert war. Man tut gerne so, als wären die Nazis etwas in der Weltgeschichte Einzigartiges gewesen, das so viele Eigenschaften hatte, die das Böse eindeutig identifizieren, aber es ist Unfug. An denen war gar nichts original, alles war zusammengeklaut. Vor einigen Jahren gab es eine Ausstellung im alten Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen über die Architektur Stalins, und in einer Vitrine wurde durch Fotos gezeigt, wie die Nazis den kommunistischen Stalinkram nachahmten oder gleich ganz plagiierten.

Ich bin noch immer der Meinung, dass die Nazis eine Art konstruierte Boy-Band waren, denen man auf die Schnelle ein Gehabe und Erkennungsmerkmale, eine Ideologie zusammengestoppelt hatte, und dabei alles verwurstete, was man in der Welt finden konnte und was irgendwo schon mal irgendwie Erfolg hatte. Ich hatte das ja schon beschrieben, dass Hitler eigentlich nicht tageslichttauglich war, und dann von einer reichen Industriellengattin eingekleidet und ausgestopft wurde, und dass der von Schauspielern Sprechunterricht nahm. Dazu die damals modernen Verkehrsmittel und neuen Medien wie Flugzeug, Rundfunk, Fernsehen, was so vorher keiner kannte. Zum Vergleich: In England brauchte König Georg VI. Hilfe, weil er übel stotterte, urplötzlich aber Radioansprachen halten sollte, dafür aber nicht ausgebildet worden war und kaum ein Wort heraus brachte (Film The King’s Speech). In Japan war die Ansprache des Kaisers zur Kapitulation vom 15. August 1945 das erste Mal, dass die Bürger Japans überhaupt die Stimme ihres Kaisers hörten.

Das wird kaum beachtet, wie stark der Einfluss des Medienauftritts der Nazis auf die Öffentlichkeit war. Das gab es vorher nicht. Es gehört zur Medienkompetenz, das zu wissen.

Ein Leser weist mich nun auf dieses Video hin: Why Were The Nazis So Stylish? // Secret History Revealed (Englisch, aber auch mit deutschem Untertitel), in dem betrachtet wird, welche Wirkung die Nazis durch Uniformen und Mode hatten. Dass die – für damaliges Empfinden – chic und schneidig auftraten, und damit ihre Anhänger fanden oder die Leute auch nur beeinflussten. Darin heißt es ab 7:30:

“Now, as good as these Nazi designers possibly were what made them really smart is that they stole timeless designs. These guys didn’t reinvent the wheel, they didn’t start from scratch. They actually reached into history and pulled out symbols and colors that had worked.”

Oder aus dem deutschen (wohl automatisch übersetzten) Untertitel:

Obwohl er zurückkam und sich wieder der SS anschloss und seine einzigartigen Fähigkeiten beim Entwerfen von Uniformen mit einem anderen Gentleman namens Walter Heck einsetzte, waren diese Nazi-Designer, so gut diese Nazi-Designer auch waren, wirklich schlau, weil sie zeitlose Designs stahlen, die diese Jungs nicht neu erfunden hatten. Sie fingen nicht bei Null an, sondern griffen tatsächlich in die Geschichte ein und holten Symbole und Farben heraus, die jetzt funktioniert hatten. Warum wurde die Farbe Schwarz gewählt? Es gibt ein paar Theorien, manche sagen, Geheimgesellschaften und nur die Farbe Schwarz hätten dieses Geheimnis gehabt. Schauen Sie, sie haben nach anderen Leuten gesucht, die sagen, dass sie von den Jesuiten inspiriert wurden. Wenn Sie etwas über diese katholische Organisation wissen, wissen Sie, je höher gebildet, desto höher die Klasse.

Wieder etwas auf der Liste der Plagiate.

Es zeigt mir wieder, dass die Nazis nicht organisch gewachsen sind, sondern dass irgendwer die aus dem Boden gestampft hat und deren gesamtes Auftreten auf die Schnelle zusammengeklaut und zusammengepappt wurde.

Heute, im Zeit des Internet, würde so etwas nicht mehr funktionieren, weil sofort irgendwelche Leute oder sogar die automatische Bildsuche oder die KI erkennen würde, wo etwas geklaut ist, zumal heute die Bevölkerung mit Bildern aus anderen Ländern überversorgt ist. Damals war das aber nicht so. Damals gab es höchstens ein paar Bilder im Lexikon oder in der Bibliothek. Damals konnte man plagiieren ohne befürchten zu müssen, dabei sofort ertappt zu werden.