Ansichten eines Informatikers

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Hadmut
7.6.2024 12:04

Ein Leser rügt,

dass ich die beiden – zusammen mit Leuten wie Honecker und Mielke – als kommunistische Agitatoren und Terroristen für den Untergang der Weimarer Republik verantwortlich machte, obwohl beide die Weimarer Republik nie erlebt hätten – wurden ja beide 1919 umgebracht.

Ja, das ist bekannt, hatte ich ja auch schon im Blog.

Aber: Die wurden am 15. Januar 1919 umgebracht. Die Weimarer Republik ging mit der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 los. Und da man so eine Wahl ja lange vorbereiten muss, haben die nicht nur durchaus die Anfänge der Weimarer Republik noch mitbekommen, und da besteht ein direkter Zusammenhang. Wie früher schon angesprochen, ging es um die Konkurrenz zwischen zwei Lagern darum, wer die Nachfolge der Monarchie antritt – Kommunismus oder freiheitliche Demokratie. Und das war ja genau die Zeit, in der die russischen Kommunisten mit Druck und Gewalt versuchten, Deutschland dem russischen Kommunismus einzuverleiben. Die wollten ja mit allen Mitteln die Demokratie verhindern.

Aus Wikipedia: (Ja, ich weiß, die ist schwer nach links gebügelt und nicht vertrauens- und glaubwürdig, aber ich habe gerade keine bessere verlinkbare Quelle, und das ist schon die linksgeschönte Version.)

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie war die politische Zukunft in Deutschland zunächst unklar. Der Rat der Volksbeauftragten unter Friedrich Ebert wollte die Entscheidung über die zukünftige Verfassung und Staatsform einer verfassunggebenden Nationalversammlung überlassen. Dies entsprach auch dem Wunsch der MSPD, weiter Teile der USPD und der bürgerlichen Parteien. Ablehnend reagierten der linke Flügel der USPD und der Spartakusbund. Letztere verlangten nach russischem Vorbild eine Räteherrschaft. Umstritten war bei den Befürwortern einer Nationalversammlung der Zeitpunkt. Die MSPD plädierte für einen möglichst frühen Zeitpunkt, unter anderem um die Regierung demokratisch zu legitimieren. Die USPD dagegen verlangte einen deutlich späteren Wahltermin. Sie sah die Chance, bis dahin zahlreiche grundlegende Entscheidungen zu treffen. Dies betraf etwa die Sozialisierung der Wirtschaft oder die Demokratisierung der Beamtenschaft.

Auf dem ersten Reichsrätekongress, der am 16. bis 18. Dezember 1918 stattfand, war das Thema der Nationalversammlung ein wichtiger Beratungspunkt. Die Mehrheit der 490 stimmberechtigten Teilnehmer stand der MSPD nahe. Eine reine Räteherrschaft lehnte der Kongress ab. Mit großer Mehrheit einigte sich die Versammlung mit dem 19. Januar 1919 auf einen sehr frühen Termin für die Wahl zur Nationalversammlung. Der Rat der Volksbeauftragten hatte den 16. Februar vorgeschlagen.[2] Durch die Selbstentmachtung der Räte war damit bereits eine Vorentscheidung für die parlamentarische Demokratie gefallen.[3]

In der Folge führte die Niederschlagung der Weihnachtsunruhen in Berlin zum Austritt der USPD aus dem Rat der Volksbeauftragten. Am 31. Dezember 1918 gründete sich die KPD. Am 5. Januar begann der sogenannte Spartakusaufstand, der von Regierungstruppen seit dem 11. Januar mit Gewalt niedergeschlagen wurde. Von Freikorpsoffizieren wurden die führenden Köpfe der KPD Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet. In Bremen kam es zur Bildung einer Räteregierung, die von Regierungstruppen zerschlagen wurde. Im Ruhrgebiet forderte die Sozialisierungsbewegung grundlegende Veränderungen der Wirtschaftsstruktur.[4]

Wahlkampf und Wahl fanden also vor dem Hintergrund großer politischer Erregung statt.

Stichwort Spartakusaufstand. Schießereien in Berlin. Nochmal Wikipedia:

Die führenden Leute der Obleute, der USPD und der KPD kamen am Abend des 5. Januars zu einer Sitzung zusammen, um das weitere Vorgehen zu bestimmen. Die meisten der Anwesenden unterstützten die Besetzung des Berliner Zeitungsviertels und waren dafür, jetzt den Kampf gegen die sozialdemokratische Regierung aufzunehmen. Karl Liebknecht war durch die Großdemonstration und die Falschmeldung, alle Regimenter in und um Berlin stünden auf ihrer Seite, „in einen Zustand der revolutionären Euphorie versetzt“ worden.[6] Nur zwei Sprecher der Obleute, Richard Müller und Ernst Däumig, sprachen sich gegen diese Vorgehensweise aus. Beide befürworteten eine zweite Revolution gegen den Rat der Volksbeauftragten zwar grundsätzlich, hielten aber den Zeitpunkt für verfrüht und taktisch unklug; sie stimmten lediglich für einen Generalstreik. Gegen sechs Stimmen aus den Reihen der Obleute wurde von ca. 70 Anwesenden ein provisorischer Revolutionsausschuss zum Sturz der Regierung und für die Übernahme der Macht beschlossen und aus 53 Personen gebildet. Georg Ledebour, Liebknecht und Paul Scholze waren die drei gleichberechtigten Vorsitzenden.[7]

Der Revolutionsausschuss rief die Berliner Arbeiterschaft am Folgetag zu einem Generalstreik für den 7. Januar und zum Sturz der Restregierung Eberts auf. Dem Aufruf folgten etwa 500.000 Menschen, die in die Innenstadt strömten. Eine große Menschenmenge sammelte sich auf den Straßen und Berliner Plätzen. Sie nahm in den Folgetagen weder an Kämpfen teil, noch wurde sie von den Streikführern beteiligt, obwohl sie wie schon am 9. November 1918 zum Entwaffnen der Soldaten bereit war. Auf ihren Plakaten und Spruchbändern standen zum Teil dieselben Parolen wie zu Beginn der Novemberrevolution: „Frieden und Einigkeit“.[3]

In den folgenden zwei Tagen konnte sich der Ausschuss nicht auf das weitere Vorgehen einigen. Einige Vertreter forderten den bewaffneten Aufstand, andere plädierten für Verhandlungen mit Ebert. Insbesondere war der Ausschuss nicht in der Lage, den Hunderttausenden in den Straßen und Plätzen auf Anweisungen wartenden Demonstranten zu signalisieren, was zu tun sei. Diese gingen daher sowohl am 6. als auch am 7. Januar abends wieder nach Hause. An diesen beiden Tagen hätten sie nach Einschätzung des Publizisten Sebastian Haffner die Chance gehabt, durch Übernahme der Reichskanzlei die Regierung der Volksbeauftragten zu stürzen.[8]

Der KPD-Führer Karl Liebknecht befürwortete, anfänglich noch gegen den Rat von Rosa Luxemburg, das Vorhaben, einen Bürgerkrieg zu entfesseln: Der Rat der Volksbeauftragten sollte mit Waffengewalt gestürzt und damit die für den 19. Januar angesetzten ersten freien Wahlen zur Nationalversammlung verhindert werden.[9] Liebknecht fürchtete, die KPD könnte sich andernfalls zu sehr von den Arbeitern isolieren, die den Sturz der Regierung anstrebten. Zugleich versuchten die KPD-Vertreter, einige der in Berlin stationierten Regimenter, vor allem die Volksmarinedivision, auf ihre Seite zu ziehen. Dies gelang jedoch nicht, weil die meisten der Soldaten bereits zu Hause waren, weil sie sich entweder als neutral erklärten oder weil ihre Loyalität dem bisherigen Rat der Volksbeauftragten galt. Auf der anderen Seite stellte sich ein Teil der Berliner Bevölkerung, insbesondere des Bürgertums, hinter die Regierung Ebert, folgte einem Streikaufruf und sicherte Regierungsgebäude seit dem 6. Januar als lebende Schutzschilde.[10]

[…]

Die Masse der Arbeiterschaft folgte wohl dem Aufruf zum Generalstreik zur Verhinderung der Gegenrevolution; sie wollte aber von militärischen Kämpfen nichts wissen. Sie verlangte im Gegenteil nach wie vor die Einheit der sozialistischen Kräfte und forderte am 9. Januar bei einer Großversammlung im Humboldthain den Rücktritt aller für den „Brudermord“ verantwortlichen Führer. Als Verantwortliche für die Situation wurden sowohl die Regierung Ebert, als auch Ledebour und Liebknecht angesehen. Zahlreiche in den Betrieben entstandene Resolutionen forderten das Ende der Straßenkämpfe und die Schaffung einer Regierung, in der alle sozialistischen Parteien vertreten sein sollten.[3]

[…]

Seit Anfang Dezember 1918 hatte die Antibolschewistische Liga Plakate und Aufrufe an die Berliner Bevölkerung drucken lassen, die dazu aufforderten, die „Rädelsführer“ ausfindig zu machen und den Militärs zu übergeben. Dafür hatte sie eine hohe Belohnung ausgesetzt. Ein in hoher Auflage verbreitetes Flugblatt forderte:[18]

„Das Vaterland ist dem Untergang nahe. Rettet es! Es wird nicht von außen bedroht, sondern von innen: Von der Spartakusgruppe. Schlagt ihre Führer tot! Tötet Liebknecht! Dann werdet ihr Frieden, Arbeit und Brot haben. Die Frontsoldaten.“

Nach dem Niederschlagen des Aufstands mussten die Führer der Spartakisten um ihr Leben fürchten und untertauchen. Nun suchte auch die reguläre Regierung sie als vermeintliche Putschisten, um sie wegen des Umsturzversuchs kurz vor den freien Wahlen zu belangen.

[…]

Am 15. Januar abends wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in der Wohnung eines Freundes, Dr. Markussohn, in Berlin-Wilmersdorf von der Wilmersdorfer Bürgerwehr entdeckt, verhaftet und in das Eden-Hotel gebracht. Ihr Aufenthaltsort war wahrscheinlich durch die von Noske befohlene Telefonüberwachung bekannt geworden.[20] Waldemar Pabst ließ die Gefangenen stundenlang verhören und misshandeln. Der beim Besuch in der Wohnung am gleichen Abend ebenfalls verhaftete KPD-Führer Wilhelm Pieck wurde Zeuge dieser Misshandlungen sowie von Telefonaten; eines davon führte Pabst wahrscheinlich mit der Reichskanzlei.

Der Mord sollte wie ein Attentat aussehen. Der Soldat Otto Runge (1875–1945) versetzte aus der Menge heraus Rosa Luxemburg beim Abtransport vom Hotel einen schweren Kolbenschlag. Bereits bewusstlos, wurde sie dann unterwegs im Wagen von Leutnant zur See Hermann Souchon mit einem aufgesetzten Schläfenschuss erschossen. Die Tote wurde in den Berliner Landwehrkanal geworfen, wo man die Leiche erst am 31. Mai 1919 fand. Liebknecht wurde kurz nach Rosa Luxemburg ebenfalls vom Hotel abtransportiert und fast bewusstlos geschlagen; er musste unterwegs aussteigen und wurde dann als „Flüchtender“ von hinten erschossen. Der Tote wurde einer Berliner Polizeistation als „unbekannte Leiche“ übergeben. Pieck erreichte, dass er in ein Gefängnis verlegt werden sollte; auf dem Weg dorthin gelang ihm die Flucht.[21]

Es ist deutlich zu einfach, wenn man es bei der linkslastigen Aussage belässt, dass Liebknecht und Luxemburg „ermordet“ worden seien. Denn es gab ja tatsächlich gewalttätige Versuche, Deutschland für den Kommunismus zu vereinnahmen und viele Tote. Auch wenn Liebknecht und Luxemburg nicht als Urheber der Aufstände gelten. Da ging es um gewalttätige Angriffe auf die Demokratie.

Wie schon einige Male erwähnt, hatte ich mal ein Gespräch mit meiner Großmutter, weil ich gefragt hatte, wie es damals zum Dritten Reich kam. Ich habe nie gefragt, was meine Großeltern gewählt haben, aber aus Tonfall und gesichert habe ich geschlossen, dass mein Großvater gegen und meine Großmutter für Hitler gestimmt hatte, und mein Großvater es als Soldat im Krieg ausbaden musste. Die Männer der Sippe wurden fast alle im Weltkrieg getötet, mein Großvater schwer verwundet, den Frauen ist nichts passiert. Sie hatte mir die Situation aber so beschrieben, dass es damals enorm viel Durcheinander, Gewalt, marodierende Banden, Kommunisten gab, Versorgungsprobleme, man konnte kaum raus, und man wollte einfach wieder Ruhe und Frieden haben, normal aus dem Haus gehen und normal Lebensmittel einkaufen können. Und Hitler sei – zunächst – sehr gut angekommen, plötzlich habe Ordnung, Frieden geherrscht, man konnte sich wieder ganz normal draußen bewegen und wieder alles einkaufen. Arbeitsplätze, Autobahn und so weiter. Das sei anfangs als sehr angenehm und große Verbesserung aufgefasst worden. Erst später – ungefähr 1942 – habe man in aller Breite erfahren und gewusst, was läuft, da sei es zu spät gewesen.

Die Weimarer Republik war ein erster Versuch, noch wackelig, aber meines Erachtens hätte sie gehalten und iterativ verbessert, wenn es die Kommunisten nicht gegeben hätte. Hätte man 1919 bis 1933 einfach Ruhe und Frieden gehabt und normal leben können, dann hätten die Leute auch nicht Hitler gewählt – und den hätte es auch gar nicht erst gegeben. Der ist ja ohne Kommunismus gar nicht denkbar, der wäre ja nie entstanden.

Und zu dieser Angst gehört elementar der Spartakusaufstand. Und damit auch Liebknecht und Luxemburg, obwohl es heißt, dass die nicht dessen Urheber gewesen seien.

Auch wenn mausetot – die waren kausal für das Ende der Weimarer Republik.

Deshalb fehlt mir jegliches Verständnis dafür, dass man Liebknecht und Luxemburg feiert, als Opfer darstellt, Straßen und Plätze nach ihnen benennt. Ich halte sie für Verbrecher, und ich sehe durchaus einen Notwehraspekt darin, sie umzulegen.

Ich bin aber, wie schon oft geschrieben, überzeugt, dass man die Lage 1919 bis 1933 gerade mit 100 Jahren Abstand, neu nachspielt und mit hohem Druck so verändert, dass dieses Mal die Kommunisten gewinnen. Ich glaube nicht, dass der „Kampf gegen Rechts“ spezifisch gegen Nazis geht, das ist eher der rhetorische Haken. Es geht eher gegen die „Wilmersdorfer Bürgerwehr“ – einschließlich der Nazis. Das Ziel ist, dass wir 2033 eine kommunistische Gesellschaft sind, und deshalb kämpfen die so verbissen „gegen rechts“.