Ansichten eines Informatikers

Tatüü Tataaa!

Hadmut
21.5.2024 20:02

Vom Autofahren und dem Nichtkönnen desselben.

Ich hatte vorhin über das Linksabbiegen berichtet.

Eigentlich hatte ich, als ich heute noch im Auto saß, darüber nachgedacht, dass ich eigentlich noch zwei andere Vorgänge beschreiben müsste, habe es dann aber doch bleiben lassen:

  1. An einer Straßenbahnhaltestelle in der Mitte einer stark (und schnell) befahrenen Hauptstraße habe ich zwei Männer beobachtet, die anscheinend stark unter Drogen standen. Der eine ist sehr ungelenkt und unkontrolliert über die Abgrenzung gestiegen, obwohl es drei Meter weiter einen Fußgängerübergang gab, und konnte sich nicht aufrecht halten, sondern ging so seltsam in der Hüfte um 90° nach vorne gebeugt, wobei man ja eigentlich umfallen würde, was er wohl auch wäre, wenn der andere sich nicht – ebenfalls zu koordinierter Handlung unfähig – bemüht hätte, ihn davon ab und aufrecht zu halten. Der torkelte da unkontrolliert in der Gegend rum. Ich hätte eigentlich erwartet, dass der gleich überfahren wird, so wie der da mitten durch den Verkehr über die Fahrspuren torkelt, aber die Autofahrer haben aufgepasst. Ein Wunder, dass da nichts passiert ist.
  2. Das übliche: Die Straßen voll, an der roten Ampel dreispurig auf jeder Spur so ungefähr fünf, sechs, sieben Autos.

    Von hinten kommt ein Rettungswagen mit Blaulicht und Horn, will durch.

    Geht natürlich nicht, weil die Leute nicht in der Lage sind, Platz zu machen. Wieder der schon so oft beobachtete und beschriebene Effekt: Kaum macht’s Tatüü-Tataa, verlieren viele Leute spontan die Kontrolle über ihr Fahrzeug und verkeilen sich eher quer als Platz zu machen. Alle fahren sie so betont andeutungsweise-alibimäßig so ein kleines bisschen nach rechts, damit es pro forma so aussieht, als hätten sie Platz gemacht, aber im Ergebnis haben sie nicht nur keinen, wirklich gar keinen Platz gemacht, sondern durch das Rautenmuster, was dann entsteht, eher noch mehr blockiert.

    Das Problem ist eben, dass ein Auto, was man in der Grundfläche ungefähr als Rechteck betrachten kann, in der Breite mehr Platz blockiert, wenn man es gegenüber der Fahrtrichtung etwas dreht. Die Leute stellen sich eher ein bisschen quer, als Platz zu machen, haben aber ihre Bürgerpflicht erfüllt und fühlen sich richtig, weil sie ja irgendetwas gemacht haben, und auch so da stehen, dass man sieht, dass sie ja nicht untätig sind, sondern ein bisschen so getan haben als ob.

    Das ist nicht Platz machen, das ist mehr so eine Bekenntniserklärung, so ein Andeutungshüpfen.

Ich fand es dann aber doch zu belanglos, um darüber zu schreiben, zumal ich über die Unfähigkeit der Leute, ihr Auto bei Blaulicht aus dem Weg zu schaffen, schon oft berichtet hatte.

Nun schreibt mir aber einer, ohne davon zu wissen:

Hallo Danisch,

Das Verhalten der Frau überrascht mich nicht. Bei einem Erste-Hilfe-Kurs sagte uns der Trainer, dass sie inzwischen lieber möchten, dass die Autofahrer einfach gar nichts tun, wenn sie mit Blaulicht ankommen. Die sollen am Besten gar nicht mehr reagieren. Sagen dürfen sie das aber nicht.

Viele wüssten gar nicht mehr, was eine Rettungsgasse wäre oder wie man eine bildet. Die wären so damit überfordert, wenn da plötzlich einer mit Martinshorn und Blaulicht herankäme, dass sie völlig chaotisch reagieren.

Nur etwa jeder dritte Autofahrer weiß laut einer Forsa-Umfrage vom März 2016, wie eine Rettungsgasse funktioniert.

Das ist genau das, was ich immer beobachte.

Ich habe aber noch nicht verstanden, warum das so ist. Anscheinend sind die Leute inzwischen so emotionalisiert und entrationalisiert, und so in ihrem safe-space-Modus, dass der Umstand, dass ein Auto herankommt, das nun ein paar blinkende Lampen obendrauf und eine eingeschaltete Hupe hat, sie so aus ihrem Normalzustand reißt und unter Stress setzt, dass sie die Kontrollfähigkeit verlieren.

Ich weiß nicht mehr, wo und wann genau. Aber irgendwo habe ich neulich gelesen, dass sich jemand sehr über die lächerliche deutsche Spießigkeit aufregte, weil irgendwer hinten auf dem Auto einen Aufkleber hatte, auf dem stand, dass man bei Stau eine Rettungsgasse bilden solle, mit Symbolbild. So als Belehrungs- und Besserwisserdeutsche, wie weiße Socken in der Sandale. Was natürlich besonders schräg erscheint, wenn man bedenkt, wieviele Migranten am Führerschein scheitern.