Ansichten eines Informatikers

Eine völlig verkorkste Verkehrsführung

Hadmut
14.5.2024 8:44

Ist mir mal so aufgefallen.

Normalerweise fahre ich in Berlin kaum noch mit dem Auto. Wenn, dann stadtauswärts, in die äußeren Bezirke oder aus Berlin raus.

Im Stadtkern von Berlin macht Autofahren keinen Spaß mehr, auch wenn man gegenhalten muss, dass es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch keinen Spaß mehr macht. Als ich das letzte Mal nach Deutschland kam, dachte ich noch, man merkt sehr deutlich, wieder in Berlin zu sein – vom BER mit Regional- und S-Bahn zur Wohnung gefahren, und auf diesem Weg mindestens fünf verschiedene Aromanoten Pisse wahrgenommen. Die öffentlichen Verkehrsmittel von Berlin sind der stärkste Grund, noch mit dem Auto zu fahren.

Heute morgen musste ich mal mit dem Auto in die Innenstadt, so den Kern von Berlin. Um halb sechs, also für meine Schlafgewohnheiten kurz vor Mitternacht. Hatte aber den Vorteil, dass zu der Zeit noch wenig Verkehr ist und man gut durchkommt.

Ich war an Stellen in Berlin, an denen ich teils noch nie mit dem eigenen Auto war, teils schon einige Male, aber vor mindestens 10 Jahren.

Was mir dabei immer wieder aufgefallen ist: Die völlig verkorkste und vermurkste Verkehrsführung.

Teilsweise sind die Vermurksungen nur temporär, weil gerade irgendwo Baustellen sind, und man dann mit gelben Klebeband einfach völlig willkürlich irgendwas auf den Boden malt/pappt.

Meistens aber aus schlichter Unfähigkeit, den Verkehr zu leiten. An vielen Stellen gibt es jetzt Busspuren, Radwege, sonstige Schikanen. Aber anscheinend hat man niemals darüber nachgedacht, wie da der Verkehr noch fließen soll. Manchmal weiß man nicht, ob man dann, wenn man an der nächsten Kreuzung rechts abbiegen will, ganz nach rechts auf die Busspur soll, die früher mal der Rechtsabbiegerstreifen war, oder auf der mittleren Spur und dann über die Busspur hinweg abbiegen und so weiter.

Das führt dazu, dass man auch oft Abbiegespuren hat, die nicht mehr intuitiv oder anhand der Straßenführung oder Ampeln erkennbar sind, sondern bei denen man nur noch dann weiß, auf welche Spur man muss, wenn man die aufgemalten Pfeile auf dem Boden sieht. Das Problem daran: Man sieht sie eben nicht, weil sie nur dicht vorne an der Kreuzung aufgemalt sind, und dort dann Autos drauf stehen. Was dann zu Spurwechseln im Ampelgedränge führt, was den Verkehrsfluss hemmt und die Unfallgefahr erhöht.

Man merkt Berlin sehr deutlich an, dass die Verkehrsplanung zunehmend von Leuten gemacht wird, die selbst nicht Autofahren können, oder es nur sehr selten tun, die überhaupt keine Vorstellung vom Verkehrsfluss und den Entscheidungsvorgängen beim Fahren wie dem Spurwechsel und der Wahl der Spur haben. Was vielleicht auch wieder mit dem schon beschriebenen Phänomen der Unfähigkeit zur Bewegungsextrapolation zu tun hat. Da werden Verkehrsführungen entworfen als würde man das Spielbrett für irgendein Gesellschaftsspiel entwerfen.

Mir ist das auch am Kreisverkehr mit der Siegessäule (Großer Stern) aufgefallen. Gerade weil es auf Zypern wegen deren britischer Natur so viele Kreisverkehre gibt. Dort stehen vor jedem mehrspurigen Kreisverkehr Verkehrsschilder, die die Verkehrsführung zeigen, und meist auch Symbole auf dem Boden, die einem anzeigen, auf welche Spur man soll, um welche Ausfahrt zu nehmen. Die äußerste Spur für die nächste Ausfahrt, die innere für die übernächste und die überübernächste Ausfahrt. Da jedoch weiß man vorher nicht, wie der Kreisverkehr funktioniert, muss erst im Kreisverkehr auf die Pfeile auf dem Boden achten, und dazu kommen die missverständlichen Markierungen, bei denen man schon sehr aufpassen muss, um überhaupt im Kreisverkehr zu bleiben und nicht wider Willen auf eine Ausbieger-Spur zu geraten, wo man noch gar nicht raus will. Als ob man eher eine runde Kreuzung als einen Kreisverkehr gebaut hätte.

Man merkt, dass Berlin zunehmend von Leuten regiert wird, die selbst nicht Auto fahren und es auch nicht können.

Aber die Digitalisierung wird in Deutschland ja auch von Leuten gemacht, die vom Computer keine Ahnung haben.