Ansichten eines Informatikers

Was ist Faschismus?

Hadmut
31.1.2024 14:54

Von der hirnlosen Leere des zeitgeistigen Geschwätzes.

(Anschluss an meinen Artikel Die sieben Faschismen unserer Zeit von 2019)

Es gibt einen Effekt, den ich immer wieder beobachtet habe: Die Leute – besonders Journalisten, Geisteswissenschaftler, Gutmenschen – stürzen sich mit Vehemenz auf Begriffe, ob nun positiv oder negativ besetzt, und schwafeln mit unendlicher Inbrunst darüber, verteidigen sie, greifen sie an, drehen sich intensiv darum – ohne zu wissen, was der Begriff bedeutet.

Schlimmer noch: Vielen ist sogar bewusst, dass sie den Begriff nicht definieren können, aber das stört sie nicht nur nicht, sondern sie wollen das sogar, weil sie sich – wie bei „Gleichberechtigung“, die später durch das Gegenteil „Gleichstellung“ ersetzt wurde – nicht festlegen, sondern die Möglichkeit offen halten wollen, ihr Geschwätz per Diskursänderung ständig beliebig neu auszurichten.

Begriffe wie „Demokratie“, „Wissenschaft“, „Geschlecht“ haben überhaupt keine Bedeutung, keine Substanz, keine Semantik mehr, sondern sind nur noch Spielbälle in der Willkürlichkeit des linken Tagesgeschwätzes. „Meinung“ und „Hass“: Ich hatte es von der Konferenz im NDR berichtet, keiner weiß, was das ist, aber man ist sich sicher, dass Hass keine Meinung sei, deshalb der Meinungsfreiheit nicht unterliege, aber was das dann konkret sein solle, das lege der jeweils tagesaktuelle Diskurs fest. Es ist morgen etwas anderes als heute, und heute anders als gestern.

So auch bei „Faschismus“.

Ein Leser fragt an:

Moin Hadmut,

Die Ergüsse der Dame Guérot zu den Anti-Rechts-Demonstrationen lassen mich ratlos zurück. Ulrike Guérot – Politologin – , eigentlich ein schreckliches Weib, dem man keine 10 Sekunden zuhören wollte, wenn man dieser Geschwätzigkeit ausgesetzt wird. Das ist die, die sich Scheidenherpes bei Lanz einfing, als sie zwischen Strack-Zimmermann und Namiri saß. Bei mir wäre der Herpes ja eher an Augen und Ohren ausgebrochen, hätte ich neben diesen Giganten gesessen.

Ulrike Guérots erklärt den Zusammenhang zwischen Massendemonstration und Faschismus, siehe:

https://twitter.com/Don_Virus_1/status/1751387883036877053

Ich halte ja nicht viel oder besser gar nichts von Soziologen, Sozialpädagogen oder Politologen. Abgesehen vom Physiologen sind alle , die in der Berufsbezeichnung mit “-logen”enden, meistens mehr als kritisch zu sehen. Aber diese Tante hier schafft es irgendwie bei mir, über eine Definition Plausibilität in die derzeitigen Verhältnisse bezüglich der Massendemonstrationen gegen Rechts zu bringen. Bin mir noch nicht sicher, ob dem tatsächlich so ist. Es passt halt so gut. Immerhin ein Ansatz……..Oder doch nicht?

Ist Guérots schlichte Herleitung, das lateinisch “fascis”übersetzt “Bündel” bedeutet und die Masse der Demonstranten eben dieses Bündel darstellen und somit faschistisch einzuordnen seien, nicht einfach nur eine weitere Nebelkerze?

Also, AFD wählen, darf ich nicht, weil rechts, gegen Rechts darf ich nicht demonstrieren, weil faschistisch. Andere Parteien unwählbar, weil verblockt, vergrünt, haben Deutschland tief in die Scheiße geritten, Sozialsimus wohin man schaut. Jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Alternativ Maaßen oder Wagenknecht nachlaufen?

Doch Popcorn kaufen und nur zugucken?

Hadmut hilf, ich weiß nicht mehr weiter!

Ja, Ulrike Guérot ist die, die meinte, dass sie von der Teilnahme an der Talkshow bei Lanz und vom Umgang mit ihr Scheidenherpes bekommen habe. Das erscheint mir plausibel, denn bei Lanz holen sich normale Leute leicht einen Dachschaden. Wenn man aber nicht im Nord-, sondern im Südpol denkt, läuft das analog auf undichtes Fundament und damit Kellerschimmel oder Scheidenherpes hinaus.

Die – Professorin der Politikwissenschaft – scheitert daran zu erklären, was „Faschismus“ ist:

Das ist falsch, und es wäre auch erstaunlich gewesen, wenn ein Politologe gewusst hätte, wovon er redet. Bei dem Gerede tritt jeder Lippenherpes die Flucht nach unten an.

Denn, wie man schon in der allwissenden Müllhalde Wikipedia hätte nachlesen können:

Der Begriff Faschismus ist von italienisch fascio abgeleitet, was „Bund“ bedeutet. Der Historiker Fritz Schotthöfer beschrieb ihn 1924 als „gewissermaßen inhaltsleer“, da er „so gut wie nichts über das Wesen dessen aus[sagt], was faschistisch ist oder sein soll“. Darin unterscheide sich dieser -ismus entscheidend von anderen Ismen, wie Konservatismus, Liberalismus oder Sozialismus. „Ein fascio ist ein Verein, ein Bund“, daher wären Faschisten wörtlich übersetzt „Bündler“ und „Faschismus“ wäre Bündlertum.[2]

Die Etymologie des Wortes fascio wird meist abgeleitet vom lateinischen fasces. Diese Rutenbündel waren Machtsymbole zu Zeiten des Römischen Reiches, die die Liktoren vor den höchsten römischen Beamten, den Konsuln, Prätoren und Diktatoren, hertrugen.[3]

Im 19. Jahrhundert bezeichnete das Wort fascio das Selbstverständnis der italienischen National- und Arbeiterbewegung als revolutionäre Kraft. So symbolisierte das Rutenbündel in der nationalen Bewegung im 19. Jahrhundert die Einheit der Nation, und fascio bezog sich im seit 1870 geeinten Italien auf sozialistische Arbeiterorganisationen wie beispielsweise die Fasci siciliani in Sizilien.[4]

Der Begriff Fascismo, der um 1900 zum Banner der revolutionären Arbeiterbewegung avanciert war,[5] wurde ab 1919 mit den „Fasci di combattimento“ identifiziert: jene „Kampfbünde“, die Mussolini im März 1919 gründete.

Es hat sowohl mit dem Rutenbündel als Machtsymbol aus dem Römischen Reich zu tun. Dann mit den sozialistischen Arbeiterorganisationen, Faschisten sind also Sozialisten. Und dann mit den marodierenden Kampfgruppen, die sich aus Veteranen des ersten Weltkrieges gebildet hatten, die nach dessen Ende nichts Reguläres zu tun hatten, und in Form kleiner, autonomer, außergesetzlicher Kampfgruppen Italien aufmischten, um ihre eigene Auffassung gewaltsam durchzusetzen. Die hatten den militärischen Begriff der „Fasci di combattimento“, der Kampfeinheiten mit Guerilla- oder Partisanen-Technik, beibehalten.

Und die haben sich als national-erhaltende Sozialisten/Kommunisten, hervorgegangen aus den sozialistischen Arbeiterorganisationen, mit den russisch-leninistischen Kommunisten gefetzt, die die Nationalgrenzen auflösen und alles in eine riesige Räteunion, eine Sowjetunion, verwandeln wollten. Das hatte ursprünglich gar nichts mit „rechts“ zu tun, sondern war ein Krieg zwischen den Antinationen- und den National-Sozialisten, die ihr Italien erhalten wollten. Erst das hat sich dann über Mussolini, der ja selbst Sozialist war, in „rechtes“ Gehabe verfestigt.

Der Begriff des Faschismus sagt überhaupt nichts darüber, welche politische Ausrichtung, welche Ziele jemand hat, ob der links oder rechts ist, sondern es ist eine Aussage über die Methodik, mit der die politische Meinung durchgesetzt wird.

Die deutlichsten Faschisten, die wir derzeit haben, sind deshalb die Antifa, die Antifaschisten. Denn sie agieren genau nach diesem Muster kleiner, „autonomer“, gewalttätiger Gruppen, die sich nicht an das Recht halten, sondern ihre persönliche Auffassung und Moral als Rechtfertigung ansehen, sich für über andere stehend betrachten und das gewaltsam, und vor allem in Gewalt gegen Einzelne und zur Unterdrückung gegnerischer Meinungen, durchsetzen.

Alles das, was die „Antifa“ betreibt, ob nun Reifen plattmachen, Autos anzünden oder Demonstrationen sabotieren, Wände beschmieren, ist methodisch Faschismus. Die RAF und all die linken autonomen Terrorgruppen sind Musterbeispiele für Faschismus par excellence.

Faschismus ist systematisch links, sozilistisch, kommunistisch. Er enstammt dem Streit aus den nationalen und den nationalfeindlichen Kommunisten, und da ist er immer noch, aber das darf man heute nicht mehr sagen, weil das den Kampfbegriff dekonstruieren könnte.

Im Prinzip sind auch die Klimaaktivisten und die Letzte Generation systematisch faschistisch, weil sie als kleine autonome Verbände agieren, die ihre persönliche Überzeugung und Moral über geltendes Recht stellen und eigenmächtig und gewaltsam durchsetzen. In ihrem Vorgehen sind diese Klimakleber „Fasci di combattimento“.

Die englische Wikipedia übersetzt das etwas verständlicher:

The Fasci Italiani di Combattimento (English: “Italian Fasces of Combat”, also translatable as “Italian Fighting Bands” or “Italian Fighting Leagues”[19]) was an Italian fascist organisation created by Benito Mussolini in 1919.[20] It was the successor of the Fasci d’Azione Rivoluzionaria, being notably further right than its predecessor. The Fasci Italiani di Combattimento was reorganised into the National Fascist Party in 1921.

The Fasci Italiani di Combattimento was founded by Mussolini and his supporters in the aftermath of World War I, at a meeting held in Milan in March 1919.[21] It was an ultranationalist organisation that intended to appeal to war veterans from across the political spectrum, at first without a clear political orientation.[22] It was closely associated with Mussolini’s newspaper, Il Popolo d’Italia, and Mussolini served as the leader (Duce) of the movement throughout its existence.

After a very poor result in the Italian election of 1919, in which no members of the Fasci were elected to any office, the organisation moved further to the right and developed a reputation for using paramilitary violence against its political opponents, especially members of the Italian Socialist Party.[23] Through the support of its blackshirts militia and a political alliance with the government of Giovanni Giolitti and the Italian Nationalist Association, the Fasci was able to enter the Italian Parliament for the first time after the election of 1921.[24][25] In November of that year, the Fasci Italiani di Combattimento renamed and restructured itself as the National Fascist Party.

und zu Fasci d’Azione Rivoluzionaria

Not to be confused with Fasci di Azione Rivoluzionaria, a neo-fascist organization founded in 1946.

The Fasci d’Azione Rivoluzionaria (English: “Fasces of Revolutionary Action”; fig.: ‘Leagues of Revolutionary Action’) was an Italian political movement founded in 1914 by Benito Mussolini, and active mainly in 1915.[8] Sponsored by Alceste De Ambris, Mussolini, and Angelo Oliviero Olivetti, it was a pro-war movement aiming to promote Italian entry into World War I. It was connected to the world of revolutionary interventionists and inspired by the programmatic manifesto of the Fascio Rivoluzionario d’Azione Internazionalista, dated 5 October 1914.

The movement achieved its primary goal when Italy declared war on Austria-Hungary in May 1915, and most of the movement’s members joined the army. After the war, almost all of them met in 1919 in Piazza San Sepolcro for the foundation of the Fasci Italiani di Combattimento, which preceded the National Fascist Party founded in 1921.

In this context, the Fasci d’Azione Rivoluzionaria was created as an umbrella organization for pro-war activists led by Benito Mussolini, who were called interventionists because they wished for Italy to intervene in the war.[6]: 41 

At the meeting in January 1915, a motion was passed which stated that national problems – including the issue of national borders – needed to be resolved in Italy and elsewhere “for the ideals of justice and liberty for which oppressed peoples must acquire the right to belong to those national communities from which they descended”.[6]: 41  Mussolini asserted on this occasion that Italy should join the war “for the liberation of the unredeemed peoples of Trentino and Istria”, which implied territorial claims over regions inhabited by ethnic Italians.[6]: 43  The Fasci d’Azione Rivoluzionaria committed itself to Italian irredentism – the desire to expand the borders of Italy to encompass all ethnic Italians – while also wishing to annex some strategically important territories without an Italian majority, such as South Tyrol.

Da wird besser erklärt als im Deutschen, das Faschisten eigentlich „Kampfbanden“ sind, die ursprünglich gar keine politische Richtung hatten, außer eben am Nationalstaat und der Nation festhalten zu wollen, und sich deshalb den Sozialisten, die die Nationalstaaten abschaffen wollen (die heute Robert Habeck) in den Weg stellten.

Daher kommt dieser Hass der auf Abschaffung der Staaten ausgerichteten Linken auf die „Faschisten“, weil man das als eine wesentliche Ursache ansieht, warum sich der Kommunismus ab der Oktoberrevolution nicht über ganz Europa ausbreiten konnte, sondern eben zuerst Mussolini und dann Hitler entgegenstanden. Deshalb bezeichen Linke auch heute noch alle als „Faschisten“, die keinen grenzenlosen, homogenen, kommunistischen Riesenstaat in Form einer Sowjetunion haben wollen.

Ich habe übrigens 2019 schon einen großen Artikel darüber geschrieben: Die sieben Faschismen unserer Zeit und darin gezeigt, dass „Faschismus“ ein politisch inhaltloser Kampfbegriff ist, der keine greifbare Definition hat, aber dazu dient, die linke Deppenschar zu steuern.

Ich hatte auch schon beschrieben, dass linke Strategen den Begriff, der ursprünglich Mussolini meinte, nach dem Krieg einfach umdefiniert haben, um jetzt Kapitalisten zu meinen, weil ja Mussolini auch tot und Italien kommunistisch war (vgl. Don Camillo und Peppone, die in den Romanen einen gemeinsame Vergangenheit als Partisanen im Widerstand gegen die Faschisten hatten), man also nun gegen die Kapitalisten kämpfte, der durchschnittliche Linke, vor allem die gewaltbereiten, schlicht zu doof ist, ein neues Feindbild zu lernen. „Faschist“ ist also nur noch der – täglich durch „Diskurs“ austauschbare, wie beim „Hass“ im NDR – Feind, ohne jede Definition und Eingrenzung, und wer das dann konkret sein soll, wird tagesaktuell geändert und mitgeteilt.

Mit diesem Hilfsmittel können sich „Antifa“ über Jahre hinweg für „Antifa“ halten und immer an Hitler denken, obwohl sie im Prinzip jeden Tag einen anderen Feindauftrag bekommen können, das aber nicht merken sollen.

„Faschisten“ ist also inzwischen ein völlig inhaltsentleerter Kampfbegriff zur Steuerung der Dümmsten.

Sich als „Antifaschist“ zu bezeichnen ist inhaltlich nur noch ein Dummenausweis und das Bekenntnis dazu, Leute anzugreifen und nicht zu wissen, warum eigentlich. Linke funktionieren so. Alerta, alerta, antifascista! Mehr braucht’s nicht, und die gewaltsüchtigen Deppen ziehen los, weil man ihnen irgendwen, ganz gleich wen, als den gerechten Gegner vorgegeben hat.

Beim Rumlesen auf Twitter, weil es da einige Diskussionen um den Begriff „Faschismus“ gab, war ich über diesen Tweet gekommen:

mit bestechender Logik und Erklärklarheit:

eigentlich eher aus Interesse, weil jemand darauf antwortete

und ich die Tage ja schon zur Umfragemanipulation zu „Bündnis Sahra Wagenknecht“ geschrieben hatte. Und da las ich in deren Profil:

Hier bloggen Kerstin Köditz (MdL @LINKE_LTSachsen) und ihr Team. Sprecherin für #antifa|schistische Politik, #NSU|UA @sax_lt

Oh, dachte ich, schick. Wenn die Sprecherin für antifaschistische Politik ist, besteht vielleicht eine winzige Chance, dass sie weiß und sagen kann, was sie eigentlich unter Faschismus verstehen. Das wollte ich schon immer mal wissen.

Und darin natürlich besonders

Die Nachfolgeorganisation der SED, die verpflichtend Marxismus-Leninismus lehren ließ, meint, dass sie als „demokratische Partei“ keine Vorgaben machen, welche Definition eines „wissenschaftlichen Begriffs“ anzulegen sei.

Klar, die Antifa ist ja auch eine Horde von Wissenschaftlern in weißen Laborkitteln, die wissenschaftlich argumentieren.

Heißt im Klartext: Die Linke hat gar keine Definition von „Faschismus“, und es ist ihr auch völlig egal. Jeder kann sich selbst aussuchen, wen er verprügelt und warum, solange er nur irgendwen verprügelt.

Aha.

Warum Zeev Sternhell das jetzt besser wüsste als andere, sagt sie nicht.

Und warum Sternhell es für eine Ideologie hält, obwohl die allermeisten Leute sagen, dass „Faschismus“ überhaupt keinen Zusammenhang mit einem Inhalt, einer politischen Auffassung habe, sondern sich rein auf die Methodik, das Vorgehen beziehe, sagt sie auch nicht.

Heißt im Klartext: Jeder kann sich selbst aussuchen, was er für Faschismus hält. (So wie sich in der Soziologie ja auch jeder, der eine Korrelation findet, eine Kausalität frei aussuchen darf.) Hauptsache, er schlägt auf irgendwas ein.

Jetzt muss ich das Buch mal lesen.

Ich wollte es mir gerade auf Amazon für Kindle bestellen, da meckert Amazon an

Du hast diesen Artikel zuletzt am 16. Oktober 2019 gekauft

Liegt in Berlin irgendwo in den Tiefen des Bücherstapels. Bin gerade auf Zypern, dann gebe ich jetzt aber nicht nochmal 10 Euro aus, um es auch noch elektronisch zu haben.

Steht aber in der Amazon-Kurzbeschreibung:

„Es gibt in unserem politischen Vokabular nur wenige Begriffe, die sich einer solch umfassenden Beliebtheit wie das Wort Faschismus erfreuen, ebenso aber gibt es nicht viele Konzepte im politischen Vokabular der Gegenwart, die gleichzeitig derart verschwommen und unpräzise umrissen sind.“ Mit diesem Satz leitete der bedeutende israelische Historiker Zeev Sternhell 1976 seinen Aufsatz „Faschistische Ideologie“ ein. Dieser Satz gilt bis heute – insbesondere für Deutschland. Daher nimmt Sternhell in dieser Einführung (nun in einer Neuausgabe vorliegt) eine genaue Bestimmung des Begriffes Faschismus aus seiner historischen und ideologischen Entwicklung heraus vor.

Aha. Der war also auch der Meinung, dass der Begriff Faschismus sehr beliebt ist, aber keiner so genau sagen kann, was es sein soll. Deshalb hat er 1976 einfach mal was definiert, was aber wohl auch kaum jemand gelesen hat, und das soll es jetzt sein.

Ich weiß jetzt nicht, ob es dasselbe Buch auf englisch oder nur ein thematisch verwandtes Buch von ihm ist, aber zum englischen The Birth of Fascist Ideology heißt es beim amerikanischen Amazon von der Buchrückseite:

When The Birth of Fascist Ideology was first published in 1989 in France and at the beginning of 1993 in Italy, it aroused a storm of response, positive and negative, to Zeev Sternhell’s controversial interpretations. In Sternhell’s view, fascism was much more than an episode in the history of Italy. He argues here that it possessed a coherent ideology with deep roots in European civilization. Long before fascism became a political force, he maintains, it was a major cultural phenomenon. This important book further asserts that although fascist ideology was grounded in a revolt against the Enlightenment, it was not a reactionary movement. It represented, instead, an ideological alternative to Marxism and liberalism and competed effectively with them by positing a revolt against modernity. Sternhell argues that the conceptual framework of fascism played an important role in its development. Building on radical nationalism and an “antimaterialist” revision of Marxism, fascism sought to destroy the existing political order and to uproot its theoretical and moral foundations. At the same time, its proponents wished to preserve all the achievements of modern technology and the advantages of the market economy. Nevertheless, fascism opposed every “bourgeois” value: universalism, humanism, progress, natural rights, and equality. Thus, as Sternhell shows, the fascists adopted the economic aspect of liberalism but completely denied its philosophical principles and the intellectual and moral heritage of modernity.

Er meint demnach, Faschismus hätte zwar alte Wurzeln in der europäischen Kultur, sei aber erst als Alternative zu Marxismus und Liberalismus aufgekommen, damit ein Produkt des Marxismus.

Was wiederum dazu passen würde, dass ich das Aufkommen der Nazis und des Dritten Reiches nur für eine Gegenreaktion auf den Kommunismus halte.

The „moral heritage of modernity“. Das muss ja ein Brüller sein.

Wenn Ihr also wieder irgendwo den Schwarzen Block seht, der Leute verprügelt, Autos anzündet, Polizisten mit Pflastersteinen bewirft, dann sprecht sie mal auf die Werke von Zeev Sternhell an und diskutiert mit ihnen über das konzeptuelle Framework hinter dem Faschismus als Produkt europischer Kultur, und fragt sie, welche Definition von Faschismus sie anlegen.