Ansichten eines Informatikers

SEO-Fremdartikelflut

Hadmut
6.5.2023 20:34

Es ist fast schlimmer als Spam.

Manchmal staune ich, wieviele Mails ich bekomme, in denen irgendwelche SEO (Search Engine Optimization)-Agents und -Firmen bei mir anfragen, was es denn bei mir kosten würde, einen Gastartikel bei mir einzustellen. Bis zu drei, Spitzenwert sogar bis zu fünf Anfragen am Tag. Massenmailings, immer solche Anreden wie „Sehr geehrte Redaktion“.

Ich weiß gar nicht, wie die alle darauf kommen, dass ich das machen würde, aber ganze Horden von SEO-Agents halten es für geradezu selbstverständlich, dass jeder nach Belieben bei mir jeder irgendwelche Blogartikel einwerfen kann, solange er nur etwas Geld mitwirft. Vielen fragen nicht einmal, sondern kommen direkt damit an, dass sie mein Blog für geeignet erachten, dass sie bei mir Artikel einstellen wollen, ich solle mich noch über den Preis mit ihnen einigen.

Anscheinend verkloppt da irgendwer eine Liste, auf der ich drauf stehe. Normalerweise antworte ich da auch gar nicht, sondern schmeiße das gleich in den Spam-Ordner, aber die haken dann ständig nach.

Ich käme nicht auf die Idee, irgendwelche Fremdartikel einzustellen, in denen man die Links auf die Seiten ihrer SEO-Kunden untergebracht hat, selbst wenn sie noch so sehr versichern, dass sie den Stil meinem Blog angleichen würden, dass man das gar nicht merke. Glaube ich sowieso nicht, denn dazu müssten sie mein Blog ja kennen und gelesen haben. Hätten sie das aber getan, wüssten sie, dass es das bei mir nicht gibt.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das eine hervorragende Methode wäre, Leser auf Nimmerwiedersehen in die Flucht zu schlagen und sich den Ruf zu ruinieren, und der Schaden weit größer wäre, als die mir zahlen würden. Zumal ich nicht einmal eine Vorstellung habe, wieviel die dafür zahlen würden, das sagen die nämlich nicht. Die fragen immer nur, wieviel ich dafür haben will. Ich habe keine Ahnung, was die Preise wären und wie mein Marktpreis da so läge. Aber der Image- und Langzeitschaden wäre mit Sicherheit höher.

Zumal die Sache sowieso illegal wäre, denn zumindest manche schreiben auch gleich rein, dass der Artikel keinesfalls als sponsored oder Werbung gekennzeichnet werden dürfte (vermutlich, weil Google und andere Suchmaschinen die dann gleich ausfiltern). Damit würde man sich in Deutschland aber einigen Ärger einhandeln.

Ich könnte mich auch nicht erinnern, jemals bewusst den Eindruck erweckt zu haben, dass ich das machen würde. Allerdings waren in den letzten Jahren viele Leute fest überzeugt, dass es mich gar nicht gibt, und ich nur eine Kunstfigur bin, hinter der eine Redaktion steht. Mich rief mal eine Frau nachts um kurz vor vier an. Im Schlaf geweckt. Wusste aber nicht, was sie eigentlich von mir wollte, weil sie der Überzeugung war, dass ich gar nicht existiere. Sie wollte sich dessen nur gerade versichern, indem sie anruft und nachts keiner abnimmt, weil die Redaktion nur tagsüber da sei. Daran, dass sie mich weckt, habe sie gar nicht gedacht, weil sie sich ja sicher war, dass ich nicht existiere. Ich hatte gefragt, was gewesen wäre, wenn ich nicht zuhause gewesen oder vom Klingeln nicht aufgewacht wäre. Dann hätte sie sich bestätigt gefühlt, dass ich nicht existiere. Ja, dann war es ja gut, dass ich da war und aufgewacht bin. Vermutlich hat mich jemand in dieser Überzeugung auf irgendeine Liste geschrieben.

Mich irritiert daran aber etwas: Denn mal völlig abgesehen davon, dass sie bei mir fragen, müssen die das ja im großen Stil machen und ganze Massenmails verschicken. Und das ist nur dann sinnvoll und profitabel, wenn es tatsächlich viele Webseiten und Blogs gibt, die das machen und die ohne Kennzeichnung Artikel einstellen, die in Wirklichkeit von SEO-Agenten stammen. Da muss es eine regelrechte Flut geben, sonst würden die ja nicht in Massen anfragen.